Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

Nr. 4 
57. Jahrgang 
26. Januar *92^ 
Inhalt: Grüß Gott — Kernwort — Gedicht — Land und Jugend, 
hewegung — Erziehung zu künstlerischem Empfinden — Line Winter. 
Wanderung — Ls klaope,t die Mühle — Aütagsarbeit — Zur gefl. Beachtung. 
— Amtliches: Die Zulassung hochbegabter zum w-ioersitätsstudium. — Aus 
Unserem verein: „Ins Leben hinaus." Vereinsbeitrag. Haftpflichtversicherung 
§oz. Sonntagstag. Koblenz. Niederschlesien. — Bezirks, und Zwelgvereine 
Lin herzliches Grütz Gott 
allen lieben Leserinnen zum neuen Jahr! „Die Junge Lehrerin- freut sich, 
-ah sie wieder mit dabei sein kann. in Bund und verein sr-sches Leben zu 
wecken und zu pflegen. Darf sie auch einstweilen nicht „viel Worte machen", 
so möchte sie doch „im kleinsten Kreise die größte Kraft" entfallen und vor 
allem auch viele Kräfte in unserer Lundesjugend aufrufen za froher Mit. 
arbeit. Möchten recht viele berichten aus ihrer Tätigkeit, ihren Erfahrungen 
Und Schwierigd-iten, von ihren Plänen und Hoffnungen, wenn in unserer 
Jugend reges Leben steckt, so muß di« Schriftte»tung er merken in zahl- 
reichen Zuschritten. Auch olle veremrschwestern, die noch im herzen Jung. 
lehrerinnen find. mög<n mithelfen, daß „Die Junge Lehrerin" auch tm 
Inhalte „unser Blatt" bleiben kann. 
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L Alles Lehren ist mehr Wärmen als Säen. Jean Paul. 
wie eine Mutter . . . 
wie eine Mutier möcht' ich dich umhegen, 
Wie eine Mutter milde dich betreun, 
viel liebe Blumen in dein Leben streun 
Und'alles Zarte, Schwache sorgsam pflegen. 
Möcht' deine Seele vor Enttäuschung hüten 
Und deine Augen vor dem dunklen Leid, 
Lin Lichtlein sein in deiner Lin amkeit, 
So freudenhell wie weiße Frühlingsblüten. 
Maria Schmitz. Röttgen. 
Bund und Jugendbewegung. 
In den trüben wintertagen des sterbenden Jahres bin ich recht verzagt 
gewesen um unseren Bund, was war aus ihm geworden? Die Stürme 
der Zeit hatten ihn durchschüttelt, die Rot haue die Lundesmitglieder aus- 
«inandergerisjen, da» Gespenst der Stellenlosigkeit grinste aus Beamten- und 
perjonalabbauverordnungen uns an, und die Stimme unjerer Gemeinschaft 
— „Oie Junge Lehrerin« - war verstummt. 
Oa zog die Frohboischaft des werhnachtsfestes durchs Land. Der 
v. Kd. L. lud den Vorstand zur Tagung ern und nach eingehender Prüfung 
der finanziellen Tragfähigkeit wurde vom Arbeitsausschuß einstimmig be 
schlossen: „Die Junge Lehrerin" soll erhalten bleiben, wenn auch vorläufig 
au» technischen und wirtschaftlichen Gründen dies nur als Teil der Wochen, 
schrift möglich ist. Der Bund muß seine Zeitschrift haben. Und dann kam 
von Bundesschwestern aus Nord und Süd manch lieber Gruß und manch 
festes, frohes lvoit. 
Nun weiß ich es wieder: unser Bund lebt. Zwar ist die Schar der 
Getreuen klein, auch ist unsere Gemeinschaft nach außen bin nicht schaif 
umrissen und festgefügt, in überall gleicher Form, nem. jede arbeitende Gruppe 
in Stadt und Land ist ein lebendiger (Organismus, ausgestaltet und belebt 
von der Eigenart und den Kräften der führenden Junglehrerinnen, v elfack 
ganz ohne bestimmte äußere Bindung, einzig zusammengehalten von der 
Schicksalsverbundenheit gleicher Not und gleicher Sehnsucht. 
GleicheNot! h .ngerndeKinder, verwahrloste Jugend, zerrissene Familien, 
und dar vaterlanb blutend aus tausend Wunden - haß und ha rer, Neiö 
und Habsucht beherrschen Wirtschaft und Politik unü lähmen kostbarste 
Kräfte, herzlose Gewalt auf der einen, offener und geheimer widerstand 
«uf der anderen Seite, barmqerzige Ltebe aber verhüllt weinend ihr Haupt. 
G'eiche Sehnsucht! wie ein Frühlingsahnen, wie ein Friedenshauch 
zieht es durch unsere Seele. Deutschlands Jugend steht auf, hebt den Blick 
aus dem Chaos zu den ewigen Sternen, will ihr Leben gestalten nach ben 
Gesetzen der Wahrheit, Kernheit und Schönheit, will trinken aus den 
lauleren Freudenquellen in Natur und Kunst und Volkstum, will heben 
verborgene Eüehchätzs von altem deutschen Gut, sucht lebendige Gemein« 
schast und möchte zum Nächsten wieder Bruder und Schwester sagen. 
Jugendbewegung nennen wir diese „herrliche woge jungen Leben», 
die aus lang verschütteten Tiefen bricht" sGuardini), und unser Lund ist 
ein Teil davon, ist in feinen lebendigsten Gliedern durchglüht von dem 
heiligen pfingstfeuer, das die deutsche Jugend durchbraust. 
Junglehrerinnen, ich sehe eure Mission! Euer weg soll leuchtend« 
Spuren ziehen, die zur höhe weisen! Studium. Beruf und Lebenserfahrung 
haben euch innerlich reger und reicher gemacht, als der vurchfchmtt der 
Jugend es ist. Reichtum jeder Art verpflichtet. Stellt eure Talente in de« 
Dienst der großen Aufgabe. Var Schicksal hat euch in die verschiedenste« 
Berufe und Lebenskreise gestellt, geht denn „hinaus in alle Welt", wie 
Christus seine Apostel gesandt hat. so ergeht jetzt die Sendung an euch. 
Faßt die deutsche Jugend mütterlich bei den Händen, leitet sie mit dem 
starken Bewußt ein der eigenen Verantwortung gegenüber den Jungen und 
Schwachen. Jugend braucht Führer, die das verkörpern, was sie werde« 
will. Aus euren Reihen, ihr deutschen Junglehrermnen, sollten sie erstehen. 
Vas lebendige Beispiel eurer Persönlichkeit sollte aller Wett beweisen, daß 
oie Jugendbewegung nicht weltfremder, verstiegener Idealismus »st, sonder« 
organisches Leben, Gemeinschaft, Liebe, verstehe»», versöhnen, Aufbauen und 
Gestalten. 
Erklärt mit der Jugend aller Lüge, Hohlheit und Menschenfurcht de« 
Krieg, aber bewahrt sie vor liebloser Kritik, vor Eigendünkel und Selbst 
gefälligkeit; lehrt durch euer Beispiel bescheidene Beurteilung eigenen wissen» 
und Könnens und rechte Selbsteinfchäyung. 
Brecht auch ihr entschieden mir den Torheiten der Mode, mit dem un« 
natürlichen Zwang der Etikette und dem überflüssigen Kleinkram der 
Zivilisation: doch bringt der Jugend zum Bewußtsein: Unsere Einfachheit 
darf nicht die Rücksicht auf den Nächsten vergessen, sonst wird sie geistlose 
Unkultur, wenn wir wandern, soll alles seine Freude haben an unserer 
Sauberkeit uns schlichten Schönheit. Zeigt euren Schwestern, wie sie dar 
einfache und zweckmäßige, dabei doch kleidsame E'genkleid herstellen, wie 
sie das heim schmücken und die Familienfeste verschönern. 
wandert mit der Jugend und öffnet ihre Augen für die schlichten Reize 
der Heimat und für bodenständige Kunst und Kultur. Loht sie in Ehrfurcht 
erschauern vor der großen deutschen Kunst der Vergangenheit; baut aber 
auch Brücken zur ernsten zeitgenöisijchen Kunst; denn auch in ihr klingt 
die deutsche Seele. 
pflegt mit den jungen Brüdern und Schwestern einfache, edle Umgangs« 
formen, fingt unü spielt mil ihnen und tanzt die alten, schönen Neigen auf 
grünem Anger, doch hob, acht. daß alles gehalten und getragen sei von 
den feinen Rhythmen schöner Harmonie. 
Laßt die jungen Schwestern empfinden, wie im Verkehr mit den Buben 
fal'che Kameradschaft unü Angleichung an den männlichen Lebensstil weib» 
liche Eigcnkultur vernichtet und die feinen Grenzen oerwifcht, welche di« 
Naiur zwischen den beiden Geschlechtern aufgerichtet. Leht sie durch euer 
Beispiel echtes Frauentum, das im Jungen den Ritter weckt. 
warme Mütterlichkeit sollen sie von euch lernen, die Heimschöpferin 
ist, nichts kann der zerrissenen deuischen Famil e steifen in ihrer tiefen Not 
als Frauen, die nach dem Grundsatz unseres heiligen Glaubens: „Altes, 
was ihr dem gerinosten meiner Brüder lut. das habt ihr nnr getan", sich 
'eidst vergessen im Dienste des Nächsten. Nur solche Frauen, auf die dar 
Vichterworl wieder paßt: „Schließe mir die Augen beide mit den lieben 
Händen zu, geht doch alles, was ich leide, unter deiner Hand zur Ruh" — 
unü das andere: „So komme, was da kommen mag, solang du lebest, ist 
es Tag, und geht er in die Welt hinaus, wo du mir bist. bin ich zu Haus" — 
werden alles, was abgehetzt und friedlos wurde im harten Lebenskampf, 
wieder um das heilige herdfeuer sammeln, mit Ruhe erquicken und mit 
neuer Zuversicht und Kr ft e»füllen können. Nicht nur die Familie, die 
«ranze Volksgemeinschaft könnten sie erlöien, allen Berufen und Lebens« 
kreisen müßten sie zur Segensquell« werden.
	        
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