Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

295 
Dichterin hier erzählt. Sechs Jahre ernster Forschung lagen hinter 
ihr, als sie dieses Lebensbild schrieb. Künstlerisch gewertet, ist es 
freilich mehr Lebensbeschreibung als dichterische Verklärung, wie 
wie man sie von der Krane erhoffen könnte, die die Gestalt des 
Iselin im „Schweigen Christi" schuf- aber trotzdem liest man das 
Buch mit reger Teilnahme, und manches bleibt einem unvergeßlich. 
Starke Eigenart spricht aus den Romanen von I u l i a n a 
von Stockhausen: „Das große Leuchten", „Brennendes 
Land", „Die Lichterstadt", „Die Soldaten der Kaiserin". 
von Mütterlichkeit im schönsten und tiefsten Sinne als Abbild 
der Eottermutterfchaft jubelt Maria Meyer in ihrem lieblichen 
und innigen Büchlein: „Das Fest der Mütter". 
Leim Gang durch den Garten der katholischen Literatur der 
Gegenwart müßten wir noch oft innehalten; Richard von Kralik, 
Karl Linzen, Richard von Schaukal, Hermann Bahr, 
Friedrich Lastelle, Paul Keller, Dramatiker wieDietzen- 
schmidt und Franz Johannes weinrich können nicht 
übersehen und überhört werden. Der blühende Garten der katho 
lischen Literatur hat noch ein ganz heimliches Plätzchen, wo der 
Duft der Blüten wie Weihrauch zum Himmel steigt, wo die Rosen 
sich winden zur Hecke, die das innerste Heiligtum behütet: die 
zarte, fromme, starke, innige katholische Lyrik unserer Tage, hier 
hält Ernst Thrasolt die Zwiegespräche seiner ringenden Seele mit 
Gott; hier singen Franz Sichert, Heinrich Lersch, Jakob 
Kneip, Christoph Flaskamp, Konrad weiß, Ilse Franke, 
Martha Grosse, Maria weinand, Margarete windthorst, 
Peter Bauer, Josef Feiten, Josef Gberkofler ihre weisen. 
Jedes einzelnen Harfe hat ihre eigenen Töne; dem einen blühen 
seine Lieder aus Stunden des Glücks und des Friedens, der andere 
gibt ihnen das Herzblut schwerer Kämpfe mit; der eine ist schlicht, 
der andere ringt noch um die Meisterschaft des Wortes — aber eines 
haben sie gemeinsam, diese Männer und Frauen, sie sind echt. Ihre 
Werke liebend überschauend, kommt mir das Wort Eichendorffs in 
den Sinn: „Droben an dem Himmelstor wird's ein wunderbarer 
Chor." (Schluß folgt.) 
praktische winke zur Sammlung der schulentlassene» 
weiblichen Jugend. 
von Hildegard Teuber, Dottesberg in Schlesien. 
Es ist wohl selten so viel um die Jugend geworben worden wie 
in der heutigen Zeit, vieles liegt zerbrochen und zertrümmert am 
Boden, aber unter den Trümmern bereitet sich ein neues wachsen 
und werden, und das ist heute wohl der tiefste Grund des starken 
werbens um die werdenden Menschen. Den Geist, in dem sich unsere 
heutige Jugend bildet, den wird auch das neue Zeitalter wider 
strahlen. Gerade nach Beendigung der Schulzeit, wo die jungen 
Menschenkinder das erstemal am Scheidewege stehen, und wo gute 
und schlechte Wegweiser die Arme nach ihnen strecken, tut eine ver 
ständige und liebevolle Führung so not. 
Das Sammeln der Jugend scheint an und für sich nicht gar so 
schwer, wenn man die Mädchen im letzten Schuljahr aufmerksam 
macht auf die verschiedenen Jugendvereinigungen, denen sie sich 
anschließen können, so gehen sie gewöhnlich auch einmal hin, wenn 
auch oft nur aus Neugierde. Sie kommen schließlich noch ein zweites 
Mal, aber dann fängt es an, langsam wieder abzubröckeln. Ent 
täuscht stehen wir vor den gelichteten Reihen und sehen immer nur 
die alten treuen Gesichter; die, welche wir so gerne darunter sehen 
möchten, kommen nicht mehr. Man sucht nach neuen Mitteln und 
wegen, um sie zu halten. Man veranstaltet nette Ausflüge, Jugend 
abende, man richtet die verschiedensten Kurse ein; man versucht es 
vielleicht gar mit einem Tanzabend. Alles umsonst! wenn etwas 
los ist, finden sich einige ein, dann bleiben sie wieder aus. All 
diese Veranstaltungen sind sehr schön, zweckmäßig und gut, aber nur 
dann, wenn man eine geeignete Persönlichkeit als Jugendführer oder 
Jugendführerin hat. Eine starke Persönlichkeit, die mit der Jugend 
für die Jugend zu leben versteht, wird immer ein zugkräftiger 
Magnet sein. Diese Persönlichkeiten müffen nicht unbedingt Lehrerinnen 
sein; doch sind wir wohl die Berufensten zur Führung der weiblichen 
Jugend. Die Arbeit an der Jugend bildet ja unseren Lebensinhalt, 
und das Interesse einer getreuen Arbeiterin wird gewiß auch über 
die Schulzeit der Mädchen hinausgehen, wir haben durch unsere 
psychologischen Studien versucht, das Seelenleben des Kindes kennen 
zu lernen, aber haben wir uns auch immer einzustellen gewußt auf 
die Seele unserer heutigen Jugend? Sie ist gewiß nicht schlechter 
als die Jugend von früher (wenn auch Ministerialerlaffe bereits 
auf die Verwahrlosung der Jugend hinweisen); denn sie trägt keine 
Schuld an dem furchtbaren sittlichen Niedergänge. Schuld sind die- 
jenigen, welche alle sittlichen Begriffe umkehren und unsere arme 
Jugend immer wieder vor neue Gefahren und Probleme stellen, 
aus denen sie eben einfach nicht mehr heraus kann. Als Jugend- 
führerin müffen wir lebendige Fühlung haben mit dem Leben unserer 
heutigen Jugend; wir müssen uns in die Gefahren hineinversetzen 
können, wir dürfen auch vor dem Schmutz nicht zurückschrecken. Das 
ist gewiß nicht leicht. Es ist viel angenehmer, am Schreibtisch zu 
sitzen und sich vom Gedankenfchwunge anderer über die Tiefen des 
Lebens erheben zu laffen oder an einem netten vortrage mit allerlei 
guten Ratschlägen für die nächste Vereinssitzung zu arbeiten. Die 
Berührung mit dem wirklichen Leben scheut man. Und dann kommt 
es, daß die Jugend gelangweilt und verständnislos vor unserer Wohl 
erzogenheit sitzt und kein vertrauen aufbringen kann, weil sie sich 
von uns nicht verstanden fühlt, wollen wir die Jugend sammeln, 
so brauchen wir das vertrauen der Jugend, und das wird sie 
uns entgegenbringen, wenn wir sie verstehen lernen, so wie sie 
heute ist. Diese lebendige Fühlungnahme fehlt besonders uns Alteren 
recht oft. Unser jüngerer Nachwuchs gehört vielfach selbst noch zu 
den Ringenden. Auch dar müssen wir verstehen. Es wird uns oft 
recht schwer, uns innerlich mit der verworrenen Zeit auseinander 
zusetzen, um wieviel mehr erst unserer Jugend! 
Dar rechte Verständnis für unsere weibliche Jugend vom 14. - 21. 
Jahre werden wir nur dann haben, wenn wir auch das Wesen der 
Frau verstehen. In dem jungen Mädchen schlummern all die Eigen 
schaften einer echten Frauenpersonlichkeit, ihre Naturgebundenheit, 
ihre Zurückhaltung und Eingabe, die stolze Selbstbewahrung ihrer 
Seele. Dieses erwachende Frauenbewußtsein stellt das junge Menschen- 
Kind vor so viele Fragen und Probleme, die es von einer mit 
fühlenden und verstehenden Frauen-Perfönlichkeit gelöst wissen möchte. 
Es müßte für eine Jugendführerin leicht fein, die Jugend in diesem 
Alter an sich zu feffeln, wenn sie mit feinem Takt und Verständnis 
die Fähigkeit der Einfühlung besäße, wenn das junge Mädchen das 
Mitschwingen der fremden Seele mit der eignen fühlte, wenn es vor 
allem fühlte, daß man all dem Werdenden und Unausgeglichenen in 
seinem Wesen auch mit innerer Achtung begegnet. Die scharfen 
Gegensätze in dem seelischen Leben des Jungmädchens treten oft in 
etwas unangenehmer weise zutage. Und gerade für diese un 
angenehme Art des Sichäußerns muß unser Taktgefühl die rechte 
Stellungnahme herausfinden. Ein oft übersteigertes Selbstbewußtsein 
und SelbständigKeitsgefühl gehörte schon zu den Kennzeichen der 
werdenden Menschen. Und wenn dieses Gefühl sich unter dem wehen 
des alles durchtränkenden Zeitgeistes noch etwas gesteigert hat, so 
ist das zum mindesten nicht verwunderlich. Man sieht heute die 
Erwachsenen oft in Heller Verzweiflung über die Anmaßung und 
Frechheit der Jugend. Es ist gewiß nicht alles Frechheit, was man 
so zu nennen pfiegt. Ich möchte dem so unangenehm vorlauteni 
Wesen der Jugend nicht das Wort reden; ich verurteile es vielmehr 
scharf. Aber so lange man merkt, daß innerlich die rechte Stellung 
zur Autorität der Führerin vorhanden ist, braucht man ein freies, 
offenes Wort nicht als eine Verletzung seiner würde zu betrachten. 
Wahrhaftigkeit ist in jedem Falle eine Tugend. In einer Zeit der 
Lüge und Unredlichkeit ist sie ein seltenes Blümlein geworden. Man 
sollte sie pflegen, wo immer man sie findet, wenn sie auch einmal 
in etwas urwüchsiger weise zutage tritt. Autorität muß sein, wir 
dürfen aber die Mauer um uns nicht unübersteigbar machen. Das 
junge Menschenkind muß auch ein gewisses Maß von Freundschaft 
und Kameradschaft in seiner Führerin finden. - Bemerken möchte 
ich noch, daß ich denen das Prädikat als Jugendführerkn abspreche, 
die bei allen möglichen Sport- und Jugendfesten oft in den undenk 
barsten Aufzügen (Anzug kann man es manchmal nicht mehr nennen), 
mit der Jugend herumtollen und, wie es in vielen Vereinigungen 
Sitte ist, durch das schwesterliche „Du" den natürlichen Abstand zwischen 
sich und der Jugend verwischen, und das nicht zum Segen der 
Jugend. Man kann sehr wohl mit der Jugend jung sein und dabck 
tan sittlichen Ernst einer gereiften Persönlichkeit verraten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.