Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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münfdicn nachgegeben, wenn dadurch die Schülerzahl auf mehr als 45 erhöht 
worden wäre. Bei Grundschulklassen seien noch kleinere «lassen zu erstreben. 
Maßgebende Bestimmungen darüber seien wünschenswert. 
Oie Möglichkeit der Anwendung der p. fl. v. bestehe nur im unbesetzten 
Gebiete. In Barmen seien auf den Wunsch der Stadtverwaltung Bei h md- 
lunaen eingeleitet worden, die wahrscheinlich einen Kbbau von 60-70 
älellen zur Folge haben würden. Oie Verhandlungen seien aber noch im 
Gange, stüe übrigen Anträge aus den unbesetzten Teilen des Regierungs 
bezirkes seien abgelehnt worden bis auf zwei Stellen in (Vbrighoven. 
-inzwischen sei aber die Gemeindeleistung für eine Stelleneinheit von 185 M 
auf 320 A monatlich erhöht worden, was wahrscheinlich zu einer bedauer 
lichen Steigerung der Abbaubestrebungen sowohl in den besetzten, wie in 
den unbesetzten Gebieten beitragen werde. Oie Städte seien früher auf ihr 
hochentwickeltes Volksschulwesen stolz gewesen unb suchten sich jetzt im 
Abbau und in der Einschränkung zu überbieten. Auf Len Einwand, daß 
bei einem Satz von 320 M der Linheitsbeitrag der Gemeinden die durch 
schnittliche Besoldung des Stelleninhabers übersteige, kann der Regierung;- 
verireter mangels Vorlage der Bestimmungen keine Auskunft geben. Altere 
Lehrer und Lehrerinnen würden auf ihren Antrag auch ohne ärztliches 
Attest in den Ruhestand versetzt, wenn der Rreisschulrat die Erklärung 
abgebe, daß er den Antrag für berechtigt halte. Technische Lehrerinnen 
würden in der Regel nicht abgebaut, da die Regierung der Ansicht sei, daß 
sie im allgemeinen durch die wissenschaftlichen Lehrerinnen nicht ersetzt werden 
können. Zum Landaufenthalt entsandte Rinder müßten in der Heimat- 
gemeinde dem Rlassendurchschnitt hinzugezählt werden. Bei der Anstellung 
sei jetzt auf katholischer Seite der Jahrgang 18-19, auf evangelischer Seite 
19-20 an der Reihe. Bei den Lehrerinnen liege die Lache aber weit 
ungünstiger. 
Macke, Duisburg, beantragt, daß denjenigen Gemeinden, die bei der 
Besoldung der Gemeindebeamten die Bestimmungen des Besoldungsfperr- 
aesetzes nicht beachtet haben, die Genehmigung zum Schulabbau grundsätzlich 
versagt werden müsse, wenn auch der Antrag zunächst angenommen wurde, 
so wurde der Beschluß doch, da sich eine größere Anzahl Rammermitglieder 
wegen der nicht zu übersehenden Auswirkung der Abstimmung enthielt, auf 
Antrag Macke und Pfalz, Rheydt, wieder aufgehoben und der Antrag ein. 
stimmig dem Verfassungsausschuß überwiesen zur Nachprüfung und erneuten 
Vorlage. 
Ein Antrag: „Bei Stellenbesetzung ist grundsätzlich nach der vienst- 
altersreihenfolge zu verfahren. Bei Stellenauslaufch möge die Regierung 
sich lediglich von sozialen Rücksichten leiten lassen" wird angenommen. 
Zwei Anträge: „Freiwillig aus dem Amte scheidenden Lehrpersonen ist 
eine entsprechende Abfindung zu gewähren" und: „Allen Abgebauten, auch 
den verheirateten Lehrerinnen, ist das gesetzliche Ruhegehalt zu gewähren" 
werden dem versassungsausschutz zur demnächstigen Vorlage überwiesen, 
ein Antrag, kriegsgefangen gewesene Lehrer bei der Pensionierung den 
übrigen Rriegsteilnehmern gleichzustellen, dem Wirtschaftsausschuß. 
3. Rollegiale Schulleitung: Oer Vorsitzende berichtet über die in 
Ausführung des entsprechenden Beschlusses der vorigen Rammersitzung mit 
der Regierung in Düsseldorf gepflogenen Verhandlungen. Die von den 
Stadtschulräten in Düsseldorf am 2. 1. 24.. erlassene Anordnung sei durch 
Verfügung der Regierung, veröffentlicht im Kmtl. Schulblatt, aufgehoben. 
In der Besprechung (Pfalz, Macke, Schulze-Eversum) wird darauf 
hingewiesen, daß die Verfügung der Regierung die Andeutung enthalte, 
daß sie selbst zu gegebener Zeit u. U. ähnliche Anordnungen «tlassen werde. 
Die Lehrerschaft sei darauf hinzuweisen, daß sie durch verständige Auf 
fassung und sorgfältige Erfüllung ihrer Berufsaufgaben jeden äußeren 
Anlaß aus dem Wege räumen könne, dieser zu erwartenden Verfügung eine 
für die Lehrerschaft drückende Gestalt zu geben. Der Rammervorstand möge 
darüber wachen, daß seine Mitarbeit nicht ausgeschaltet werde. Die gegen 
seitigen Massenbesuche innerhalb der Rollegien müßten mit Verständnis 
durchgeführt, ihre Rachweisbarkeil auf irgendeine weise gesichert werden. 
Oer Vorschlag, die Besuche durch eine Notiz im Lehrbericht der besuchten 
«lasse festzulegen, fand viel Anklang, trotzdem darauf hingewiesen wurde, 
daß die Lehrerschaft eines «reifes diesen Vorschlag durch Beschluß ab 
gelehnt habe. 
4. §§ 43. 44 des v. D. G. Rach einem Bericht des (vbmanns des 
Wirtschaftsausschusses, wiesen, M.-Dladbach, hat die Rommission die An 
gelegenheit gründlich durchgearbeitet und ist zu der Ansicht gekommen, daß 
eine wesentliche Mehrbelastung der Schulgemeinden durch die Aushebung 
dieser §§ nicht erfolgt sei. Die Ansicht wurde an Tatsachenbeispielen be 
gründet. Durch die uns soeben von Regierungsseite mitgeteilte Erhöhung 
des Stellencinheitssatzes aber sei die Sachlage wesentlich verschoben, namentlich 
wenn eine Erhöhung des Beschulungsgeldes nicht erfolgte, worüber z. 3t. 
noch nichts bekannt sei. Badenberg und Röttger bitten, die Angelegenheit 
dem Ausschuß zur weiteren Bearbeitung zu überlassen. Es müsse festgestellt 
werden, wodurch diese Maßnahme veranlaßt sei, und wie die Erträge ver 
wandt würden/ Oie Vermutung liegt nahe, daß kapitalistische Rräste durch 
finanziellen Druck die Gemeinden zum Abbau antreiben möchten. Dem 
Antrag wird zugestimmt. 
5. Bestrafung unentschuldigter Schulversäumnisse: Der vor- 
sitzende berichtet, daß in dieser Frage inzwischen ein Gesetz verabschiedet 
worden sei, so daß der Vorstand sich besonderer Einwirkung enthalten konnte. 
Aell. Düsseldorf, zeig*, wie durch die praxi« der winkelschulen das Grund- 
schulgesetz untergraben werde, hoffmann, Vberhaufen, beantragt, die Rr. 
u.. R. anzuregen, daß sie bei den Amtsgerichten durch Anträge darauf ein 
wirken, daß bei richterticher Entscheidung über Schulstrafen ein Lehrer oder 
Lehrerm als Schöffe oder als Gutachter bestellt werde. Lrömmel, Essen, 
beantragt, in der gleichen weise daraus hinzuwirken, daß die verhängten 
Lchulstrasen den Schulen bald mitgeteilt würden. Leide Anträge werden 
angenommen und den Rreislehrerrä cn zur Beachtung empfohlen. 
6. Satzung und Geschäftsordnung: Da Berichterstatterin fehlt 
werden die Entwürfe zur nochmaligen Vorlage an den verfaffungsausfckuß 
zurückverwiesen. Abänderungsvorschläge mögen von den Rammermitgliedcrn 
an Zrl. heydkamp, Barmen, eingereicht werden. 
7. Besprechung mit Herrn Minist er voelitz inRöln: Oer vor- 
sitzende berichtet über die weiteren Gegenstände (vgl. Punkt 2), die in «öln 
zur Besprechung gekommen sind, und verweist wieder auf den Pressebericht. 
Zur Lehrerbildung hebt er noch besonders hervor, daß der Herr 
Minister hierzu die Erklärung persönlich abgegeben und nachdrücklich aus 
geführt habe, daß durch die Auflösung der Seminare die Rückkehr zu den 
alten wegen der Lehrerbildung technisch unmöglich geworden sei. Es gebe 
heute keinen anderen weg mehr als durch höhere Schule und Hochschule. 
An der Besprechung beteiligen sich wiesen, hoffmann, Macke,'Topp, 
Schlipkölrr. Es wird der Wunsch ausgesprochen, der Vorstand möge 
feststellen, ob der Minister ausdrücklich das Malurium fordere. Die Fest-' 
stellung wird versprochen. Ein Antrag Macke-Schlipköter. der ausdrückliche 
Maturium und viersemestriges Universitätsstudiunr als Mindestforderung 1 
verlangt, dem aber taktische Bedenken entgegengestellt werden, kommt' 
nicht zur Abstimmung. 
Zur Reuwahs der Schuldeputation erklärt ein Ministerialver-- 
tteter, daß iie Neuwahl der Lehrervertreter in den Schuldeputationen nicht 
durch die Reuwahl der Stadtverordnetenversammlungen bedingt werde. Der 
Minister werde in den nächsten Tagen einen entsprechenden Erlaß ver«' 
öffentlichen, wo durch untere Instanzen inzwischen andere Entscheidungen 
getroffen seien, würden die Wahlen als ungültig erklärt werden müssen, 
sofern nicht Erweiterungen der Gemeinden vorliegen. 
hoffmann, Dberöausen, verlangt, daß die Rammer der zu umfangreichen 
Nebenarbeit einzelner Lehrer, die in Mißkredit bringe, entgegentrete. Die 
Ausübung dieser berechtigten Forderung wird Sache der Rr. L. R. sein 
müssen. 
Heckmann, Duisburg, bedauert, daß der Minister nicht auf die Erklärung 
(«lein, Röln) über Kolleg. Schulleitung eingegangen sei. 
van Eymern, Till-Moyland, macht daraus aufmerksam, daß nach dem 
Abbauerlatz des Rultusmlutfteriums über die Höchststundenzahl der Volks«' 
schullehrer die Lehrer an zweiklajsigen Schulen die einzige mehrbelastete' 
Lehrergruppe darsttllen, und erbittet bezügl. Schritte. 
Macke, Duisburg, beklagt, daß über die unzulängliche Besoldung und 
die undemokratische Scheidung der Gruppen bei der neuesten Besoldung-» 
regelung nicht gesprochen worden sei. 1 
Pfalz, Rheydt, wünscht, daß der Herr Minister öfter mit der Volks«' 
schullehrerschaft und zwar mit ihr allein, ohne die Vertreter anderer Schuld 
gattungen verhandeln möge. ' 4. 
8. Anträge: a) Junglehrerschutz: Nell, Düffeldorf, begründet, durchs 
einen Einzrlfall veranlaßt, einen Antrag, durch den die Regierung gebeten 
werden soll, erteilte Dienstausttöge (auch vertrctungsaufrrüge) nicht kurz»- 
fristiger zurückzuziehen, als das im allgemeinen Kngestelltenvsrhättnis üblich' 
ist. Der Antrag wird angenommen. 
b) Dienstgärten: Die Düffeldorfer Regierung hat verfügt, daß für 
das 6r Dienstgartenland mindestens vier G.-Mark, außerdem für jeden' 
tragenden (vbftbaum mindestens drei G.-Mark Pacht anzurechnen seien/ 
Der Rr. L. R. Grevenbroich beantragt, die Aufhebung dieser Bestimmung' 
oder eine den Ertragsmöglichkeiten und den örtlichen Verhältnissen Rechnung^ 
tragende Abänderung zu veranlassen, hüskes, Viersen, erweitert den 
Antrag, indem er darauf aufmerksam macht, daß auch die Dienstwohnungen 
überbewertet würden. Der Wirtschaftsausschuß wird beauftragt, dem vor« ' 
stände mit möglichster Beschleunigung eine begründete Eingabe vorzu« 
legen, durch welche eine gerechte Bewertung beider Belange herbeigeführt 
werden kann. 
c) Einstufung der volksschullchrer: Macke, Duisburg, begründet 
namens der Fraktion des D. L. v. einen Antrag, die Regierung möge mtt« 
teilen, wie die Lehrer auf die einzelnen Besoldungsgruppen verteilt seien, 
da er nach Feststellungen in anderen Bezirken begründeten verdacht habe; ; 
daß die Anzahl der in die Gruppen 8 und 9 eingestuften Lehrer und) 
Lehrerinnen niedriger sei, als sie gesetzlich sein dürfe oder als dem Ver 
teilungsschlüssel bei den. übrigen Beamten entspreche. Der Antrag wird 
ohne Erörterung angenommen. - 
d) Angenommen wird außerdem noch ein Antrag durch Bericht des 
Rr. L. R. eine.Zusammenstellung der abgebauten oder einge«! 
zogenen Schulstellen, sowie der verabschiedeten Lehrkräfte zu veran-^ 
stalten. Die Zusendung an den Rammervorsitzenden möge baldigt erfolgen. 
- Schluß der Sitzung 6 Uhr. Franz Topp,' Schriftführer. ? 
Anmerkungen: 1. 8u Punkt 2: Laut 6mtl. Schulblatt Rr. 14, §. 104, 
beträgt der Beitrag an die Landesschulkasse ab 1. Juni 1924 monatlich 
2 56 G.-Mark. » 
2. Zu Punkt 2: Ein Min.-Erl. vom 3. Juli 1924 sichert neuerdings, 
auch den verheirateten Lehrerinnen tes besetzten Gebietes bei ihrem Aus« 
fckeiden die Abfindungssumme zu. 
3. Zu Punkt 5: Material zum „Rampf gegen die Grundschule" ist 
baldigst an Frl. M. Edler, Essen, Raupenstr. 26, zu senden. 
(Ern Tagung der christlich-deutschen Lehrerschaft 
der Tschechoslowakei. 
In der Zeit vom 2. bis 10. Juli hielt der „willmannbund", Reichs 
verein der christlich-deutschen Lehrerschaft, in Lg er seine 2. „willmann« 
Woche" ab. Die Tagung zerfiel in einen pädagogischen Rurs und in 
Exerzitien. Beim Rurse referierte der Naturforscher Dr. Grwald Richter,' 
Professor an der Brünner Technischen Hochschule, über den Ursprung des 
Lebens und der Arten und über Gregor Mendel; außerdem führte er zwei 
Exkursionen. Br. Richters Vorträge machten auf alle den tiefsten Eindruck.-
	        
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