Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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märten und möchten euch in der Septembersonne beschatten. Sie fragen 
mich- wer wohl kommen mag?" Leider kann ich nicht antworten. Meine 
Vereinsschwestern haben sich noch nicht angemeldet. Und doch wartet ihrer 
ein schön eingerichtetes heim. va ist das Lilazimmer mit dem Rltgold. 
Vorhang und den zwei weißen Betten, das Röschenzimmer mit dem Bieder, 
meieroorhang, das Fliederzimmer, das lachsrot gestreifte Einzelzimmer. 
Und möchten du nicht zu mir kommen?" So ruft das Bauernstüdchen und 
das blaue Turmstübchen und noch andere mehr. Und auf der Terrasse, da 
ließe es sich so schön plaudern, lesen oder ausruhen. So kommt doch an 
den schönen Bodensee. Und wenn ihr nicht gar so müde und erholungs. 
bedürftig seid, dann könnt ihr wandern, wie schön ist der weg aus die 
Insel Mainau, zur Insel Reichenau, über den Lodanrück und auf den 
Schienesberg. wenn ihr nicht wandern wollt, dann könnt ihr Gondel fahren, 
gerade am Ufer vor dem Heime besteigt ihr das Boot. Ihr könnt Dampf, 
fchlff fahren nach Bregenz, nach Lindau, nach Uberlingen, sogar zum Rhein 
fall nach Schaffhaufen. Wer einen Reisepaß mitbringt, kann sich beim 
Bezirksamt in Ronstanz einen Schein für die Schweiz holen. Mit diesem 
Scheine kann man sich zwei Tage in der Schweiz aufhalten, habt ihr keine 
Lust in die RIpen zu wandern oder einen schönen Rusflug in die Schweiz 
zu machen? Rll dies könnt ihr vom Heime aus unternehmen, vielleicht 
werdet ihr nun den Geldbeutel ftagen, ob er eine Reise an den schönen 
Bodensee gestattet. Ich selbst habe mit diesem alten Brummbär nicht gerne 
etwas zu schaffen. Lr ist sehr Karg gegen mich, und dies empfinde ich jetzt 
um so mehr, als ich so viele Rechnungen zu bezahlen habe, habt ihr 
verstanden, warum ich diese Kleine Randbemerkung gemacht? Nun aber 
wieder zur Sache. klljo sagt dem alten Brummbär, daß es in der schönen 
Villa Seestraße 27 sechs Mark im Tage kostet Vieruhrkaffee, Licht und 
Bedienung sind in diesem Preise einbegriffen, wenn der Bär brummt, 
dann sagt ihm, daß die Heimmutter später einen billigeren Pensionspreis 
ansetzen kann, wenn die Schulden abgenommen haben, va wir, obwohl 
Villenbesitzer, doch arm sind, so können wir unseren Gästen noch keine 
Bettwäsche, kein Handtuch stellen. Seid so vorsorglich und bringt dies mit, 
wenn ihr Kommt, vergeßt auch nicht, ein Besteck einzupocken. Nun habe 
ich aber viel geplaudert. Lines noch möchte ich euch sagen. Ich freue 
mich auf den Tag, an dem ihr am Gartentürchen steht und euch freut über 
das Geschenk Gottes, über unser sonniges heim. 
Mit herzlichen Vereinsgruße die heimkaffenverwalterin Paula Zobel. 
Minden. 
Kursus zur Vorbereitung auf die Mtttelschulprüfung in Paderborn. 
Ls ist beabsichtigt, in Paderborn voraussichttich Rnfang Oktober einen 
dreijährigen Kursus zur Vorbereitung auf die Mittelschulprüfung für 
Lehrerinnen zu beginnen, vie Vorlesungen sind der günstigen Zugverbin. 
düngen wegen an den Mittwochnachmittagen von 3-7 Uhr geplant 
Eine vorbereitende Versammlung wird am Montag, den 15. September, in 
Paderborn, Kaffeiertorschule sein. Intereffenlinneu sind herzlichst dazu ein. 
geladen. Im Interesse unseres Standes und der eigenen Fortbildung sind 
unsere Kolleginnen des Regierungsbezirks Minden und der angrenzenden 
Kreise dringend gebeten, sich möglichst zahlreich an dem Kursus zu be. 
teiligen. Baldige Meldungen mit Rngabe der beiden Wahlfächer nehmen 
entgegen: 
Unna Wieners, Maria Kösters, 
Bad Driburg, Langestr. Paderborn, Schulstr. 18. 
Bezirks- und Zweigvereine. 
halle a/Z. Der kath. Lehrerverein ladet den Lehrerinnenverein zur 
Teilnahme an seiner Versammlung am Sonnabend, 13. 9., ein. I. Besichti 
gung des Zoologischen Gartens unter Führung der Direktors (kostenlos». 
2. Gemütliches Bpisammensein in Bad Wittekind. Treffpunkt: 3 Uhr an 
der Kasse des Zoolog. Gartens, Tiergartenftr., Straßenbahnlinie 5. 
Waldenburg. Sitzung am 17. 9., 4 Uhr, im kath. Vereinshaus. Frl. 
Kolbe spricht über neuzeitlichen Religionsunterricht. 
Merktafel. 
Staatsbürgerliche Lehrgänge in Gderschlrst-n. 
Keine Teilnehmergebühr. 
Lage der Tagungen: 
22 -24. September Oppeln; 23.-25. September Beuthen; 
24.-26. Sepiember Kattbor; 25.-27. September Neiße; 
26.-29. September Gleiwitz; 27. —30. September hindenburg. 
Vortragsordnung für alle Tagungen: 
Erster Tag: 
8-10 Uhr: Dr. Getzcnr»: Die soziologischen Voraussetzungen für die staats. 
bürgerliche Erziehung im demokratischen Staate der Gegenwart. 
10-12 Uhr: Lehrprobe und Russprache 
1-3 Uhr: Dr. Gctzeny: vie Reichsverfassung als staatspolitisches Er 
ziehungsmittel. 
Zweiter Tag: 
8-10 Uhr: Dr. Krieg: Staatsbürgerliche Erziehung in Turnen, Spiel und 
Sport. 
Uhr: Lehrprobe und Russprache. 
i o Uhr: Dr. Krieg: Staatsbürgerliche Erziehung in Jugendpflege und 
Jugendbewegung. 
Dritter Tag: 
8—10 Uhr: Dr. Franke: Vas Problem der staatsbürgerlichen Erziehung. 
10-12 Uhr: Redner örtlich verschieden: Vie Bedeutung der B-rntsdildung 
für staatsbürqerliche Erziehung. 
1—3 Uhr: wie oben: Die Methode der staatsbürgerlichen Erziehung in 
Berufs, und Fachschulen. 
Die Säle, in denen die Tagungen stattfinden, werden noch mitgeteilt. 
Regierung, Rbteilung für Kirche und Schulwesen. II. a. VI. 535 gen. 
Oppeln, den 25. Rugust 1924. 
Psychologisch-pädagogische Tagung in Bruchsal (Baden). 
Der katholische Lehrerverein Badens veranstaltet in Verbindung mft 
dem deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster i. w. in 
der Seit vom 28. September bis 2. Oktober 1924 in Bruchsal eine psyuj0- 
logisch.pädagogische Tagung mit nachstehenden Kursen: 
1. pcivatdozent Dr. Rosenmöller, Münster, dre ständig. 
a) Die Lehre von der Charakterbildung in der Rntike. 
d) vie Lehre von der Tharakrerbildung im christlichen RItertum. 
c) Die Lehre von der Tharokterbildung bei Thomas o. Rquin. 
2. Dr. Llostermann, Münster: vie Lehre von der Charakterbildung in 
der Gegenwart, dreistündig. 
a) Der Einfluß der didaktischen Formulierung auf willens- und 
Charakterbildung (Rrbeitsschule und freie geistige Schularbeit: 
Gaudig). 
d) Würdigung der Motivation in den gegenwärtigen pädagogischen 
Strömungen. 
e) vie soziologischen Bedingungen der willens, und Charakter 
bildung (Sozialpädagogik). 
3. hochschulprof. Eggersdorser, Passau: Religion und Charakterbildung, 
dreistündig. 
4. Universitärsprof. Dr. Honecker, Boppard: Neuere Willenspsychologie 
und ihre Bedeutung für die Pädagogik, dreistündig. 
5. Universitätsprof. Dr. Többen, Münster: Hemmungen der Charakter 
bildung (Psychopathen), dreistündig. 
6. Dekan weiterer, Bruchsal: 
a) über das Schulwesen im ehemaligen hochstift Speyer. 
b) Das Bruchsaler Schloß, seine Geschichte und seine Kunst. 
Nußerdem sind Führungen durch das Bruchsaler Schloß, die Kirchen, 
sowie kirchenmustkalische Darbietungen vorgesehen, vie Kurse sind öffent 
lich und auch für Nichtmitglieder zugänglich. Insbesondere laden wrr die 
Damen des Vereins kath. badischer Lehrerinnen, sowie die übrigen Katt o- 
lischen Lehrerinnenvereine Deutschlands freundlichst ein Geierhaas, vorsitzenoer. 
Nähere Auskunft, sowie das ausführliche Kursusprogramm sind erhältlich 
bei der Geschäftsstelle des kath. Lehreroereins Laden in Bruchsal, wilderichstr. 45. 
Bücherbrsprechungen. 
Pädagogik und Zchulftagen. 
Dr. Georg Grunwald: Pädagogische Psychologie. Line genetische 
Psychologie der Wissenschaft, Kunst, Sittlichkeit und Religion aus Grunü 
einer differentiellen Psychologie des Zöglings und des Erziehers. Verlag 
Vümmler, Berlin 1921. 
Genetisch, differentiell, pädagogisch: unter diesen drei Gesichtspunkten ist 
Grunwald an die Psychologie herangegangen und stellt hier die Entwicklung 
der Unterfchiede im Seelenleben dar, zunächst im allgemeinen, dann beim 
Zögling und beim Erzieher. Diese Schrift ist also »owohl eine Jugend 
psychologie, als auch eine Psychologie des Erziehers. Der zweite Teil gibt in 
der besonderen pädagogi-chen Psychologie die genetische Psychologie der 
Wissenschaft, Kunst, Sittlichkeit und Religion, wobei zunächst die Rn'änge, 
dann die Entwicklung des jeweiligen Wertgebietes in seinen verschiedenen 
Formen beim Einzelmenschen dargestellt wird unter starker Betonung des 
pfychogenetischen Grundgesetzes, viel des Interessanten und wertvollen bietet 
dieses Werk, dankenswert ist auch die reiche Literaturzusammenstellung am 
Schluffe jeden Kapitels. Schlicht sind Form und Fassung; wertvoll uno 
eigenartig ist besonders das Kapitel über die Temperamente, weniger grüno- 
lich die Beobachtung der wernypen des Erziehers, wobei zu sehr aus 
Herausarbettung der vor üze oder Mängel hmgearbeitet wird. Gänzlich 
unbefrtedigend aber ist das Kapitel vom Geschlechtsunterfchied des Erziehers, 
unterbaut durch das Kapitel vom Gefchlcchtsunterschied des Zöglings, hier 
vermissen wir schlechterdings jede Gründlichkeit und Objektivität. Der 
Hochschulprofessor Grunwald beliebt hier eine Methode, die wir sä on beim 
Pennäler und der kleinen Lyzeistin bekämpfen: oberflächliche Beobachtung 
und Generalisierung einzelner Fälle mit einer leichten Hand, die jeden ernsten 
wahrheitsjucher in Erstaunen setzen muß was er da über Mädchen und 
Frauen als Zögling und Erzieherin fabuliert, geht schon aus keine bayrpche 
Kuhkaut mehr, was findet er nicht schon bei der Mutter? Lassen wir 
ihn selbst reden: „Das Verhalten der Mutter zum Kinde in den ersten 
Jahren ist nämlich so naturhaft und t stinktmäßig, so wenig von veniunft« 
erwägungen getragen, daß sie vor allem als Ernährerin und Pflegerin, erst 
in zweiter Linie als Erzieherin gelten muß. Es scheint die eigentluy 
pädagogische Einstellung zu fehlen, das Bewußtsein pädagogischer Ziel 
setzung. Die Mutter will sich am Kinde erfreuen und ihm helfen." Grun 
wald ist deshalb auch geneigt, für diese Zeit lieber vom Ausziehen als 
vom Erziehen zu reden. Der Unterschied zwischen der Menschenmutter und 
dem Muttertier scheint Herr Grunwald wirklich wenig zu belästigen. Es 
wird Zeit, daß der Herr Psychologe in eine Kinderstube sieht. Bei Belehrung 
und Unterricht findet Grunwald, daß Frauen vor allem sich dem Kinde 
verständlich machen wollen, Männer die Sache klar zu machen suchen.
	        
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