Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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zukommen haben, kann eine jährliche Pauschalsumme gewährt werden, 
lvem Magistrat bleibt es überlassen, diesen Betrag den Teuerungs 
verhältnissen entsprechend festzusetzen. 
8 10. 
Allgemeines. 
Über alle Einnahmen und Ausgaben an Geld und Materialien 
ist ein ordnungsmäßiger Buchnachweis (mit Belegen) zu führen, so 
daß der Stand der Wirtschaft jederzeit nachgewiesen und geprüft 
werden kann. ' 
Ebenso sind die Geräte der Anstalt in einem genauen Verzeichnis 
nachzuweisen. 
Bis zum I. Mai eines jeden Kalenderjahres ist ein Bericht über 
das finanzielle Ergebnis der Anfialtswirtschaft im abgelaufenen 
! Rechnungsjahr durch den Bezirk an das Jugendamt, Abt. Urippen, 
Rindergärten und Horte einzusenden. 
Ein statistischer Fragebogen muß monatlich ausgefüllt und durch 
das Lezirksjugendamt an die Zentrale gesandt werden. 
8 n. 
Besichtigung der Heime. 
Die von der Zentrale und den Bezirkssugendämtern beauftragten 
Personen haben das Recht, jederzeit die Heime zu besuchen und sich 
von der Durchführung der Richtlinien zu überzeugen. 
Richtlinien für Rrippen. 
Siehe Rundschreiben des.Ministers des Innern vom 10. Juni 
1920 - II A 3292 - Veröffentlichung des Reichsgesundheits 
amtes 1920 Nr. 30. 
Aus der Zeit. 
Tagurrgsbertchte. 
Generalversammlung der Vereins für christliche Lrziehungrwissenschast. 
Km 12. Oktober fand in Nürnberg eine außerordentliche General 
versammlung des Vereins für christliche Erziehungswissenschaft statt. Unter 
den Erschienenen wurden besonders begrüßt die Vertreter der österreichischen 
(Gruppen, Frau Professorin Maurizio aus Innsbruck und Herr Professor 
(Rotier aus Wien. 
! Der Ta;ung vorauf ging am II. Oktober ein öffentlicher Abend, zu 
^rem auch dis Eltern Nürnbergs geladen waren. Herr Stadtschulrat Weigl 
aus Amberg sprach dabei über das Zusammenwirken von Elternhaus und 
iSchuIe bei der Gcsinnungsbildung der Jugend. Cs ist sehr zu begrüßen, 
sdaß die Erziehungsfragen immermehr in den Vordergrund gestellt werden, 
uns die Verbindung zwischen Elternhaus und Schule kann nicht fest genug 
.gefügt werden. So fanden die Ausführungen eine aufgeschloffene Hörer 
schaft, und der reiche Leifall bewies, wie Herr Stadtschulrat lvcigl es ver 
standen hatte, die Zuhörer zu packen. 
Zu Leginn der eigentltchen Tagung erklärte Herr Professor Habrich, 
daß er den Vorsitz seines hohen Alters wegen niederlege. Mit großem 
^Bedauern und Protest nahm die Versammlung davon Kenntnis, fügte sich 
dann aber, da Herr Professor Habrich seinen Entschluß als unabänderlich 
erklärte. In Anerkennung seiner Verdienste und um seine so sehr geschätzte 
Rraft dem verein zu erhalten, ernannten sie ihn zum Ehrenvorsitzenden. 
So fit Herr Professor Habrich der Nachfolger lvillmanns, und dieser Platz 
gebührt ihm vor allem wegen seiner Verdienste um die christliche Erziehungs 
wissenschaft. wir wünschen Herrn Professor Habrich noch viele Jahre in 
alter Schaffenskraft, das Fortarbeiien in seinem Geiste sei der beste Dank 
für die Arbeit seines Lebens. 
Vie Versammlung beschloß, den Vorsitz nun auf die süddeutsche Gruppe 
übergehen zu lassen, und bat deren Vorsitzenden, Herrn Universitätsprofessor 
s<böttler, ihn zu übernehmen. Herr Professor Göttler ist also nun der Vor 
sitzende des Gesamtoerbandes. 
Bevor die Punkte der Tagesordnung erledigt wurden, stimmten die 
Anwesenden dem Plane zu, in einer Eingabe an den Heiligen Vater die 
Heiligsprechung des seligen Petrus Eanisius zu erbitten, und genehmigten 
den Wortlaut. s a 
Darauf gaben die Vertreter der einzelnen Gruvpen den Jahresbericht, 
und dann wurde das Verhältnis des Vereins zum Institut für wissenschaft 
liche Pädagogik besprochen. Beide arbeiten an denselben Aufgaben, darum 
empfiehlt es sich, alle Kräfte zusammenzufassen. Ls wurden folgende 
Beschlüsse gefaßt: 
I. Ver verein für christliche Erziehungswissenschaft behält feine Selb. 
ftändigkeit. 2. Mitglieder des Vereins für christliche Erziehungswissenschaft 
erhalten die Zeitschrift des Pädagogischen Instituts zu einem ermäßigten 
preise. Z. Für die Einrichtung von Kursen soll eine planmäßige Fühlung, 
rrahme zwischen verein und Institut stattfinden. 4. Wo bis jetzt eine Zweig 
stelle des Instituts besteht, wird der verein keine Ortsgruppe gründen, 
und umgekehrt soll keine Zweigstelle des Instituts da eingerichtet werden, 
wo Ortsgruppen des Vereins vorhanden sind. vie Vertreter des päd. 
Instituts konnten keine bindenden Zusagen geben, versprachen aber, die 
Genehmigung durch den Vorstand schnellstens zu erbitten. 
Weiter wurde beschlossen, im neuen vereinsjahr wieder ein Jahrbuch 
des Vereins wie früher herauszugeben. Bekanntmachungen des Vereins 
erfolgen durch den Pharus, den die Mitglieder zu verbilligtem preise be. 
ziehen können. Der Jahresbertrag des Vereins wurde auf 4 .46 festgesetzt. 
Die Nachmittagsversammlung vereinte nochmals einen größeren Kreis 
zum vortrage des Herrn Universitätsprofeffors Göttler über unsere Stellung 
zur Pädagogik und der Ablehnung links- und rechtsextremer Forderungen. 
Ml. 
seniralbUdungraurschuß der kathol. EesamtverbärRr Deutschlands (sBA). 
K. v. 9. 10. 24. 
Am 2. Gkt. tagte im Oöerlyjeum Königin-Luise-Schule die General 
versammlung des ZBA. vie großen katholischen verbände, deren Auf 
gabe Lildungs- und Jugendpflege ist, halten ihre Vertreter entsandt, 
einleitend gedachte der Vorsitzende Religionslehrcr B. Marschall des 
soeben verstorbenen volksbildnrrs im verband der Katholischen Gescllen- 
vereine, des Prälaten Schweitzer, vie Geschäftsführer gaben einen Überblick 
über ihre Tätigkeit. Es war ein Bild der großen Kulturaufgaben, au 
denen der 3BA als die berufene Instanz der katholischen volksbildungs- 
und Jugendverbände verantwortungsbewußt und freudig mitarbeiten will. 
Ls fei hier nur hingewiesen auf die Nesorm des Kinvgesctzes, auf das 
Gesetz zur Bekämpfung von Schmutz und Schund, auf das Reichsrheater- 
gesetz und auf die Zusammenarbeit mit den anderen weltanschaulichen volkr- 
bildungsoerbänden. 
Wie auf den beiden Tagungen des verflossenen Jahres stellte die 
Geschäftsführung auch auf der Generalversammlung ein besonders aktuelles 
Thema der Bildungspflege zur Beratung, das von einem Fachmann be 
handelt wurde. Studienrat Musikdirektor E. I. Müller (Köln) sprach 
über Musik und Körpererziehung. Er wies auf die Wichtigkeit der 
Erziehung zum Ganzmenschen hin. vie Jugend will sich in ihrem Drange 
körperlich und geistig entwickeln; diesem vrange müssen die körperlichen 
Übungen Rechnung tragen und sich nicht damit begnügen, lediglich Körper 
kräfte zu entwickeln, sondern den Körper zu einem Organ der Seele zu 
machen. Daher die vielen Bestrebungen, Ausdruck-gymnastik zu pflegen, 
Turnen mit Musik zu verbinden und die Tanzkunst zu fördern; daher die 
vielen gymnastiichcn Schulen und Systeme. Für die musikalisch-körperliche 
Erziehung kommt vor allem die Methode der rhythmischen Gymnastik von 
Iaques-Valccoze in Betracht, eine Methode, die trotz der ihr noch anhaftenden 
Mängel wert ist, Gemeingut des Volkes zu werden. Ihre Einführung in 
die Schulen ist daher zu erwünschen, vorausgesetzt, daß sie in der richtigen 
weise erteilt wird. Nicht das Wesen der Methode berührend sind manche 
Übungen, Neigen und Schaustellungen, die vielfach als zur Methode gehörig 
ausgegeben werden. Es ist nötig, daß die rhythmische Gymnastik in 
ihrer Strenge und Reinheit, losgelöst von allem die Schaulust Lrrcgendkn 
und von allem Äußerlichen in den Erziehungsplan für unsere Juacnd cus- 
genommen wird. Sie ist geeignet, innige Verbindung zwischen Körper urd 
Geist herzustellen, Körper und Geist vielseitig zu schulen und die musika- 
lischen Anlagen zu entwickeln. Der Turnunterricht und auch der wissen 
schaftliche Unterricht können durch die rhythmische Gymnastik sehr bereichert 
werden. 
Der Vortrag wurde erläutert durch Vorführungen von rhythmischen 
Übungen durch Schülerinnen der Königin-Luise-Schule, an der die Methode 
eingeführt ist. Die Vorführungen gaben Gelegenheit zu näheren Erläute 
rungen der Methode und ließen die Vorzüge derselben in bezug auf die 
allgemeine Durchbildung und Beseelung des Körpers und auf die musikalische 
Ausbildung deutlich erkennen. 
An den Vortrag und die Vorführungen schloß sich eine lebhafte Aus 
sprache an, in der allgemeine Zustimmung zu den Ausführungen des 
firenten sich kund gab. P. Dr. Schröteler S. J. wies besonders auf t.e 
tieferen Probleme hin, die das Thema berühre, und auf die Notrvendigki 
daß die volksbildner und besonders die Katholiken micht nur kritisiere;..« 
und abwartend sich den modernen Zeitsragen der Körperkultur gegrui.dc._- 
verhalten, sondern mitarbeitend an der Losung derselben sich beteilig« i 
mögen. Diesem Rat wurde lebhaft zugestimmt und der Wunsch geäußer.. 
daß in einer besonderen Schrift des ZBA die Angelegenheit der köcp: - 
lichen Erziehung vom Standpunkte der katholischen Bildungspflege bcbutccu 
werden möge. 
Die Generalversammlung zeugte von dem ernsten Willen zur gemein 
schaftlichen Arbeit der großen verbände, die im letzten Jahre schon beachtliche 
Erfolge halte. Der Weg ist nach vielen vergeblichen versuchen doch ge 
funden worden. AIs neuer Mitarbeiter wurde der Wolfram-Bund, Sitz 
Dortmund, in den ZBA aufgenommen. Vie beiden Geschäftsführer, Re- 
ligionslehrer Bernhard Marschall (Köln) und Direktor Emil Ritter (Düffel» 
darf) wurden einstimmig wieder gewählt. Die Geschäftsstelle besindet sich 
in Köln, Vagobertstraße 79, Fernruf Rh. 3435. 
Bericht über den pädagogischen Lehrgang: „vie Landschule". 
(Abgehalten im Zentralinstitut in Berlin vom 29. 9.—1. 10. 1924.) 
Die „Heimat" bildete den Grundakkord zu der Symphonie der 17 
Vorträge; einige der angeschlagenen Saiten mögen hier nachklingen. In 
den Ausführungen über „Landschule und Volksbildung" hob Regierungsrat 
Hochheiser, Oppeln, das Lharakteriftische der Stadt- und Landbevölkerung, 
die Gefahren, die dem Kinde drohen, und die für die Volksbildung sich 
ergebenden äußeren und inneren Besonderheiten hervor. Im Dienste der 
Volksbildung stehen auch Fortbildungs-Volkshochschulen usw. Bildung ist 
nicht mit reichem Wissen identisch; denn Bildung hat seinen Sitz im Herzen 
und arbeitet mit Ideen, Wissen hat seinen Sitz im Kopf und arbeitet mit 
Begriffen. Das Wiffen in der Volksschule ist naives Erkennen, ohne wissen 
schaftliches Mäntelchen. Line Landschule darf nicht der Verstädterung anheim 
fallen. Sie soll zum Schauen und Sehen, zum Kennenlernen, nicht Beschreiben
	        
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