Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

Zur Lehrerbildung in vaden. 
von $. Hornung. 
ctm 30. Oktober fand im Unterrichtsministerium eine Beratung 
über die Lehreroorbildung statt. Vas gesamte Anterrichtsm n.stermm, 
Schulaufsichtsbeamte und die Vertreter der Organisationen waren 
babei unter dem Vorsitze des Unterrichtsminislers anwesend. Der 
Minister. Dr-. Hellpach. teilte zu Beginn der Verhandlungen mit, 
dag bereits Beratungen zwischen den Unterrichtsminrstern der ein 
zelnen Läutern stattgehabt hätten, und daß das preußische 5taats> 
-Ministerium eine Vortage angenommen habe, welche das Abitur an 
den Beginn der Lehrerbildung stelle, und zwar das Abitur einer 
vollwertigen höheren Lehranstalt. 
Er forderte die Anwesenden auf, vor allem Stellung zu nehmen 
zu der Frage, ob die Ausbildung auf einer Universität oder in einer 
Akademie erfolgen solle. Preußen wähle die Akademie und wolle 
außerdem die Lehrerbildung entsprechend seinen Schulen konfessionell 
gestalten. Des weiteren wurde darauf hingewiesen, sich auszusprechen, 
wieweit die wirtschaftlichen Verhältnisse, vor allem die der Prioat- 
l wirtschaft, eine solche Belastung, wie sie die der erweiterten Lehrer- 
-bildung erforderte, ertragen könnte. 
während von den übrigen Vertretern reine Hochschulbildung, ja 
von einzelnen sogar mit der Beschränkung auf die zwei Universitäten 
in Baden: Freiburg und Heidelberg verlangt wurde, vertrat unsere 
Organisation folgenden Standpunkt: 
Die Reifeprüfung einer höheren Lehranstalt soll die Grundlage 
der Lehrerbildung sein. Die Berufsbildung soll auf einer Fachschule 
erworben werden. Die berufspraktische Ausbildung ist für die volks- 
fchullehrer darum so wichtig, weil die Erziehertätigkeit und die 
^Anpassung des Stoffes an das Schülermaterial die Hauptaufgabe der 
Volksschule sind. Da Religion Grundlage jeder Erziehung ist, so 
muß Religion Pflichtfach bei der Lehrerbildung sein. 
Allgemeinbildende Lehrstoffe müssen ferner sein: Deutsch, Päd 
agogik, Psychologie und Einführung in die Philosophie. 
Eine weitere Stoffvermittlung sollte nicht stattfinden, wohl aber 
eine methodische Verarbeitung des Unterrichtsstoffes für die Volksschule. 
Konfessionsschule und konfessionelle Lehrerbildung sind auch unser 
Ideal, wir nehmen Rücksicht auf die simultanen Verhältnisse in 
Baden, wir müssen aber die Garantien des Schulgesetzes für den 
Religionsunterricht auch für die Lehrerbildung verlangen. Diese 
müßten auch in der Parität der Dezenten gewährt, und darum 
>eine Auswahl getroffen werden. 
wo sich die Möglichkeit bietet, die Fachschule mit der Hochschule 
zu verbinden, wäre das selbstverständlich. 
wir halten es für eine Pfl cht, daß eine Stande-organisation 
bei Vertretung ihrer Forderungen, diese nicht allein an ihren eigenen 
Bedürfniffen mißt, sondern sie auch den Ansprüchen des gesamten 
volksganzen einordnet; deshalb haben wir große Bedenken für die 
-Durchführung der Vorschläge für die Lehrerbildung bei der heutigen wirt 
schaftlichen Notlage. Diese gibt uns auch Besorgnis, daß der Lehrerinnen- 
nachwuchs durch das erweiterte Studium gesährdet würde, weil in 
vielen Fällen die Ausbildung der Mädchen in einer Familie doch 
hinter der der Rnaben zurückstehen müffe. Die Lehrerinnenbildung soll 
der Lehrerbildung gleichwertig sein, aber sie soll die weibliche Eigen 
art wahren, welche sich besonders in der Verschiedenheit der metho- 
dischen Verarbeitung des Stoffes zeigt. Der Ausbau der höheren 
Mädchenschule sollte einmal besonderer Gegenstand eines Punktes einer 
Beratung im Ministerium sein. 
Eine Trennung nach Geschlechtern ist darum auch für die Lehrer 
bildung zu verlangen, damit echt weibliche Lehrerinnen ausgebildet 
werden können. Das Unterrichtsministerium nahm die Anträge und 
Ausführungen aller Sprechenden entgegen, ohne grundsätzlich Stellung 
dazu zu nehmen. 
Die heutige Schulzeitung Nr. 43 nimmt zu diesen Beratungen 
Stellung. Ls heißt unter anderem da: 
„In der Versammlung wurde die Ronfessionalisierung (der Lehrer 
bildung) auch nur vom katholischen Lehrerinnenverein verlangt, sogar 
bei der Auswahl der Dozenten." Der letzte Satz beweist, daß der 
erste nicht stimmt, wenn die grundsätzliche Erklärung für die kon 
fessionelle Lehrerbildung auch auf Baden übertragen worden wäre, 
'dann wäre die weitere Forderung der Auswahl der Dozenten unnötig 
üewesen; an einer katholischen Fachschule würden wohl doch nur 
katholische Dozenten lehren, es war darum bei der Auswahl der 
Dozenten von der Wahrung der Parität die Rede, welche die Ga 
rantien des Schulgesetzes für die Besetzung von Stellen verlangen. 
wenn in derselben Nummer der Badischen Schulzeitung über 
konfessionelle Lehrerbildung folgendes zu lesen ist: 
„Der Grundsatz der Ronfessionalität entspricht nicht den Grund 
sätzen, die für die höhere Bildung allgemein gellen. Kennzeichen 
der höheren Bildung ist ihre Wissenschaftlichkeit. Rann eine kon 
fessionell gerichtete Biloung wissenschaftlich sein? Jeder Vertreter 
der Wissenschaft wird dies verneinen, wird — mit Spranger — eine 
weltanschaulich voreingenommene Wissenschaft ablehnen," so sind die 
katholischen Lehrer und leider auch Lehrerinnen, die in ihrer Fach 
zeitung sich solche Urteile aufzwingen lassen, wirklich zu bedauern. 
Bei der Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß die Ver 
treterin des Badischen allgemeinen Lehrerinmnvereins auch bei dieser 
Beratung, wie schon öfters, die Erklärung abgab, in schulpädogogffchen 
Fragen ganz auf dem Boden des badischen Lehrervereins zu flehen, 
vielleicht erklärt sich daraus auch der weitere Bericht in der heutigen 
Schulzeitung: „Dieser Verein (Katholischer Lehrerinnenverein) wünschte 
auch Trennung in der Ausbildung nach Geschlechtern, um der weib 
lichen Ligenart der Lehrerin gerecht zu werden. Erfreulicherweise erhob 
der Badische Lehrerinnenverein dagegen entschiedenen Widerspruch." 
Man kann es wohl den Lehrervertretern nicht übelnehmen, 
wenn für ihre Stellungnahme einzig und allein der Fortschritt maß. 
gebend ist. Sache der Frauenorganisationen müßte es sein, die 
Interessen der Lehrerinnen auch vom weiblichen Gesichtspunkt aus 
betrachtet zu wahren. 
Nrippen. 
wenn der Dezember kommt und doch noch so gar keine weih. 
nächtliche Stimmung einziehen will, dann muß ein Buch aus dem 
Bücherschrank helfen, sie mit herbeizuschaffen: Das Herrgottswiffen. 
(witt'g.) Da stehen zwei Artikel, in denen drängt und zieht er 
nach Weihnachten mit allen Fasern des Herzens. Nicht nur mit 
dem Herzen des verfass-rs, sondern auch mit dem des Lesenden, 
sofern er nicht mit kritikhungrigen Augen Grenzschwierigkeiten sucht. 
Tut er das nicht, dann steckt er bald mitten drin in weihnachts- 
Vorfreude und Weihnachtsheimlichkeit. Und die führt uns vor die 
Krippe, und alles Weihnachtswundern wird Schauen. 
wer in der weihnachtlichen Zeit in der Kirche vor der Krippe 
kniet und in sich, in anderen, in Kinderaugen etwas von dem findet, 
was er sucht, und was Weihnachten uns Menschen geben sollte, der 
versteht, warum die Krippe still und sicher wieder unter dem Tannen 
baume erscheint. Lange genug ist sie verbannt und verdrängt 
gewesen, viele haben sie als zum Fest gehörig garnicht mehr gekannt, 
bei manchen hat sie verstaubt und unangesehen im Bodenwinkel 
gelegen. Ganz verschwunden ist sie nie, und sie will auch jetzt wieder 
Helsen, im Zuhause und nicht nur in der Kirche das Geheimnis der 
Weihnacht zu wecken, zu gestalten und zu erhalten. 
Der strahlende Lichterbaum soll nicht abgesetzt, soll nicht als 
heidnisch abgetan werden, wir wollen ebenso groß denken wie die 
Kirche, die jedes Zeichen mit ihrem beseelenden Hauche durchweht 
und es fruchtbar macht. Die Kerzen am dunklen Tannenbaum wissen 
uns genug zu künden von dem einen wahren Licht, das in die 
winterdunklen Seelen kommen will, sie zu erhellen und zu wärmen. 
Unter den schirmenden Zweigen des deutschen Weihnachtsbaumes 
möchte die Krippe stehen, sollen Maria und Joseph sich bergen, sollen 
die Hirten und Herden den weg suchen, die heiligen drei Könige 
ernsthaft schreiten. 
Das Krippenbauen zur Weihnachtszeit ist Jahrhunderte alt. Ist 
der heilige Franziskus auch nicht der Begründer der Krippenfeier 
gewesen, so hat er sie doch durch jene wundervolle Feier im Walde 
von Grcccio volkstümlicher und lebendiger gemocht, und die Krippe 
gehört durch den heiligen Franz zum weihnachtssest. 
In hunderterlei Gestalten der Darstellung tritt die Krippe auf, 
schlicht und einfach, in naiven Bildern der Figuren, in Prunk und 
Pracht, künstlerisch hochwertig, haussieißig geschnitzelt; immer aber 
in dem einen Sinne: der Verehrung des göttlichen Kindes. — wer 
Gelegenheit hat, im Münchener Nationalmuseum die Krippenausstellung 
anzuschauen, wird überrascht und überwältigt sein von der Mannig 
faltigkeit, der Schönheit und Ideenoerschiedenheit der Krippen aus 
Italien, Tirol und Bayern.
	        
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