Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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ich noch einmal scharf betonen, daß es sich bei diesen Leitsätzen um 
einen Entwurf handelt, also nicht um eine endgültige Stellungnahme 
des Vereins, daß alle vereinsmilglieder gebeten sind, an der Besserung 
dieser Leitsätze mitzuarbeiten, sei es nun, datz sie glauben, sie mühten 
sachlich geändert werden, sei es, datz der sprachliche Ausdruck ihnen 
aus irgendeinem Grunde abänderungsbedürftig erscheint. Ich möchte 
daher auch Fräulein Zacharias recht herzlich um einen Gegenvorschlag 
bitten, wenn Fräulein Zacharias scharf zwischen Verein und Schule 
unterscheioet und glaubt, datz die Krasseren Auswüchse heute beim 
Verein-turnen vorkommen, so wird ihr jeder Kenner der Verhältnisse 
zustimmen. Aber sie irrt doch, wenn sie glaubt, datz nicht auch in 
Schulen manches vorkommt, das auch sie schwer beanstanden würde. 
Auch darin irrt sie, wenn sie glaubt, der Turnunterricht würde in 
allen Schulen Preußens an Mädchen heute von Frauen erteilt. Ts 
ist eben ein Unterschied zwischen dem, was in den Bestimmungen 
steht, und dem, was mancherorts Tatsache wird. Überhaupt macht 
die ganze Einsendung den Eindruck, als ob Fräulein Zacharias die 
Richtlinien als gegen den Turnunterricht oder die Turnlehrerin 
gerichtet ansähe. Buch diese Auffassung ist durchaus irrig. Die 
Leitsätze sind gemeinsam von wissenschaftlichen und Turnlehrerinnen 
aufgestellt worden. Schon deswegen können sie nicht gegen die 
Turnlehrerinnen und den Turnunterricht als solchen gerichtet sein. 
Unsere veinsmitglieder, ob Iunglehrerin oder nicht, sind sich alle 
einig darin, datz wir Schaden für Leib und Seele der Jugend bei 
jedem Unterricht, auch beim Turnunterricht vermeiden wollen. 
Meinungsverschiedenheiten kann in unseren Reihen nur darüber 
bestehen, wo im Einzelfall eine Gefahr besteht oder nicht. Darüber 
zu einer gewissen Klarheit zu kommen, darüber Unsichten aus 
zutauschen und diese dann in einer richtunggebenden Form etwa 
unsicheren Vereinsmitgliedern an die chand zu geben, sowie auch 
nach außen hin zu zeigen, was die katholischen Lehrerinnen ein 
schließlich der Turnlehrerinnen und gerade diese zum Turnunterricht 
von heute denken, wo sie die Unterstützung der Eltern erbitten, das 
soll der Zweck dieser aufgestellten Richtlinien sein. Ich bitte dringend 
alle vere-nsmitglieder, namentlich die Turnlehrerinnen, die Leirsätze 
in diesem Sinne ernst zu prüfen und zu helfen, datz in ihrer Fassung 
alles Mißverständliche vermieden werde und daß sie uns ein Mittel 
werden, Turnen und Sport in Lahnen zu lenken, die sie zu einem 
edlen Erziehungsmittel für unsere weibliche Jugend machen. 
Maria Schmitz. 
Aus der Zeit. 
Aus dem Heid}. 
3ur Besoldung. 
3um I. Dezember erfolgt eine Erhöhung der Grundgehälter um 10%. 
Oie alten Grundgehälter sind ersichtlich in der Tabelle d.r Wochenschrift 
Nr. 22 S. 182. Nähere Angaben in der nächsten Nummer. 
Ausschuß sür dar Untcrrichtswesen. 
8 1. 5um 3weck der Verständigung des Neichsministeriums des Innern 
und oer Unterrichtsverwaltung der Länder über diejenigen Maßnahmen 
auf dem Gebiete des Schulwesens, in denen eine Einheiftrchireit notwendig 
oder erwünscht ist, treten die Unterrichtsminister der Länder umer dem 
Vorsitz des Reichsministers des Innern nach Bedarf zur Besprechung zu 
sammen. Als ständiges Organ hierfür wird ein „Ausschuß für das Unter 
richtswesen" gebildet, in dem neben dem Reichsministerium des Innern 
vertreten find: 
die Untecrichtsoerwaltungen von Preußen, Bayern und Sachsen durch 
je einen Vertreter; 
die übrigen Unterrichtsoerwaliungen in folgender Form: 
Württemberg Baden, Hessen mit einem Vertreter, 
Thüringen, Anhalt, Braunschweig mit einem Vertreter, 
Mecklenburg-Schwerin, Mccklenburg-Strelrtz, Oldenburg, Lippe-Oetmold, 
Schaumburg Lippe mit einem Vertreter. 
Hamburg, Bremen, Lübeck mit einem Vertreter. 
8 2. 3u den Aufgaben des Ausschusses gehört insbesondere 
a) die Vorbereitung von Vereinbarungen über grundsätzliche Fragen 
des Schulwesens, in denen eine einheitliche Regelung erforderlich 
oder erwünscht erscheint, sowie die Beratung von Fragen, die 
sich aus der Anwendung und Auslegung getroffener Verein 
barungen ergeben! 
b) die Prüfung der Frag^. inwieweit sich aus Maßnahmen eines 
Landes auf dem Geb-ete des Schulwesens eine Rückwirkung 
für die anderen Länder ergibt, sowie die Unterbreilung von 
Ausgteichsvorschlägen; 
c) die Beratung des Reichrministeriums des Innern, insbesondere 
die Vorberatung solcher Angelegenheiten, die im Wege der 
Grundsatzgesetzgebung des Reiches zu regeln sind. 
8 3. Sitzungen des Ausschusses finden nach Bedarf statt. Die <Eht#4 
berusung erfolgt in der Regel vier Wochen vorher durch das Reichsministerium ^ 
des Innern. Tagesordnung und Vorlage sind rechtzeitig zu übersenden. ) 
Oer Ausschuß muß einberufen werden, wenn ein Mitglied den Antrag stellft 
Vorsitz und Geschäftsführung liegen bei dem Reichsministerium des Innern,) 
Oer Tagungsort wild je noch dem vorhandenen Bedürfnis festgesetzt. Im 
übrigen reaelt der Ausschuß sein Verfahren durch eine Geschäftsordnung.\ 
§> Vas Ergebnis der Beratungen wird den Unterrichtsverwaltungen 
der Länder durch das Reichsminiiterium des Innern mitgeteilt. Soweit' 
dieses Ergebnis Maßnahmen der Länder erforderlich macht, teilen die Länder! 
dem Reichsministerium des Innern ihre Entschließung mit. Oer Ausj-stutz 
kann die Antworten der Länder befristen. Im Falle der 3ustimmung aller ‘ 
Länder erlangen die. Beschlüsse des Ausschusses verbindliche Kraft. Kommt! 
diese Einstimmigkeit nicht zustande, so wird die Ange egenheit dem Ausschuß, 
alsaaid zu erneuter Beschlußfassung vorgelegt. Kommt auch nach erneuter' 
Stellungnahme des Ausschusses ein« bindende Vereinbarung nicht zustande,! 
so bleibt dem Ausschuß in geeigneten Fällen die Prüfung der Frage vor-» } 
behalten, ob eine Vereinbarung derjenigen Länder herbeizuführen ist. die 
zugestimmt haben, oder ob in geeigneten Fällen eine Regelung auf dem 
Wege der Grundsatzgesetzgebung des Reiches notwendig erscheint. 
§5. Hin dem Ausschuß die unter 2 genannten Aufgaben zu ermöglichen, 
sind die Länder gehalten, ein chneidende Maßnahmen grundsätzlicher Art,, 
durch die das Schulwesen anderer Länder wejent.ich mftberühit wird, den 
Ausschuß zur Prüfung dieser Rückwirkungen vor ihrem Inkrafttreten z» 
unterbreiten. 
Zchulausschuh des Reichsoerdandes für die katholischen Ausländsdeutschen. 
Infolge der ungünstigen 3eitoerhältnisse und besonders der Geldent- , 
Wertung des Jahres 1923 statten der Schulausschutz und die mit ihm ver- 
knüpfte Sammlung „Für Glaube und Volkstum" ihre Tätigkeit bedeuten«» 
einschränken müssen. Auf Einladung des Vorsitzenden dieses Ausschusses, 
Herrn Reichskanzlers Ma x, fand Anfang November im Landtage eine 
Besprechung der beteiligten Personen sta t. um die Tätigkeit im vollen 
Umfange wieder aufzunehmen. Lehrer Meier berichtete, was in den htzt«n 
Jahren für die katholische deutsche Auslandsschule geleistet worden durch; 
aufklärende vortrage in verschiedenen Landesreilen durch Beschaffung von 
Unterstützungen für die Grenz- und Auslandsschulen. 
Pater Srnnigen, der Geschäftsführer des „ksichsverbandes für die 
katholischen Ausländsdeutschen", gab eine Übersicht über die harrptsächlichsten 
Aufgaben der dem „Reichsverbande" cmg-ftchlossenen Vereins, über die Enr« 
stsllung des Schulausschusses und der Sammlung „Für Glaube und Volks 
tum", sowie über das Zusammenarbeiten mit den anderen gleichgerichteten 
nicht katholischen verbänden. 
Lehcer Kellermann zeichnete den Plan, noch dem in 3ukunft die Arbeit 
zweckmäßig einzurichten sei. Abgeordneter Rek or Lottwald, 2. Vorsitzender, 
faßte dann da-, Ergebnis der lebhaften u^d eingehenden Be prechung, zn> 
der der Herr Reichskanzler aus feiner großen Erfahrung einen gu>cn Teiti 
beitrug, kurz dahin zusammen, daß der Schulausschuß sich w«iter dam? 
einsetzen werde, ernmat statistisch und archioarisch das gesamte Gebiet des ! 
katholischen Grenz- und Auslandsschulwesens zu erfassen und übersichtlich 
zu ordnen und eine lebendige Verbindung mit den Ausländsdeutschen zrrs 
unterhalten, dann aufklärend in der Heimat zu wirken und das Gejühl der'. 
5nsammengehörigkeit zw.scheu Inlands- und Auslandsschulen zu wecken 
und gegenserriges Interesse zu pflegen und schließlich Mittel zur moralftcken 
und materiellen Unterstützung bedürftiger kath. Auslandsschulen zu beschaffen., 
Der voistand wurde durch einige Personen ergänzt. Reichskanzler 
Marx behielt den 1. Vorsitz, Abgeordneter Rektor Gottwald den 2 Vorsitz, 
Leh-er Meier wird Geschäftsführer, Lehrer Reim Schri trüber und Rechnungs 
führer. 3u Besitzern werden gewählt Lehrer KsllermaiiN, Vr. Koch, Frl. Dder- 
lehrerin Schmitz. Pater Sinnigen, Direktor Wienken. 
Nach Bedarf soll der Vorstand durch Ausnahme anderer Persönlichkeiten 
noch erweitert werden. 
Hilfe sür stellungslose Junglehrer und Junglehrennnen. 
Auf Bitten der Berliner Lehrerkammer hat eine Reihe von Schulen» 
namentlich aus den Bezirken 1 — 6 sich bemüht, stellungslosen Junglehrern und 
Junglehrerinnen privatstunden nachzuweisen. Orr Lehrerkammer sind 110 
Schüler und Schülerinnen genannt. 27 Junglehrer und Jungiehrerim.en 
konnten so Privatunterricht erteilen. Oer durchschnitiliche Monatsverdie-nst 
derselben beträgt 55 Ji. Aber auch feste Stellungen konnten seit dem 
15. Oktober 15 Junglehrern und 3 Junglehrcrtnnen nachgewiesen werden, 
iöiervon sind 7 Junglehrer als Vertreter (Reisender), 4 im Büro, 2 als 
Erzieher und Pauslehrer, 1 als Wahlhelfer und 1 im Schuldienst zur Ver 
tretung eines Kollegen beschäftigt. Tine Junglehrerin ist auf 2 Monate als 
Erzieherin in einem Sammelhort, 1 im Büro und 1 als Hauslehrerin tätcg. 
Noch über 200 Junglehrer und Janglehrerinnen sind stellenlos. Die 
Lehrerkammer bittet die einzelnen Kollegien, nicht tnü''e zu werden, sondern 
jede Beschäftigungsmöglichkeit der Lehrerkammer. 6. 2, Stadthaus, 3immer ' 
131 (Fernruf: Mag. 610) zu melden. Industrie, Banken und kaufmännische 
Betriebe stellen roch ke ne Hilfskräfte ein. da müssen wir besonders für 
unsere Junglehrer und Junglehrerinnen eintreten. 
Oie Stellenvermittlung des Vereins kath. d. Lehrerinnen 
hat im Monat September 11 stellenlosen Lehrerinnen Stellen vermittelt und 
zwar 2 an Schulen <1 technische, 1 Sprachlehrerm), 7 in Familien, 1 Halb« 
tagsstelle, 1 Bürostelle; im Monat Oktober 13 Stellen, davon 5 an Schulen , 
(2 technische, 3 Akademikerinnen), 6 in Familien, 2 Halbtagsstellen. Alle^ 
Kolleginnen werden im Interesse der stellenlosen katholischen Ounglehrerinnen 
herzlichst gebeten, ihnen bekannte freiwerdende Stellen umgehend an die 
Leiterin der Stellenvermittlung des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, 
Berlin-Steglitz, Breitestraße 7, mitzuteilen.
	        
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