Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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's" ' Aus Preutzen. 
Die noch nicht angestellten Lehrer und Lehrerinnen in Berlin. 
29 Lehrer und 339 Lehrerinnen in Großberlin haben nach 
fünf Amtsjahren noch nicht die Befähigung für die endgüüige Anstellung 
inachgewielen. Nach § 5 der Prüfungsordnung glaubte die Schuldeputation 
ähnen zum 31. Dezember 1924 kündigen zu müssen, stuf Vorstellung der 
Lehrerkammer ist der Termin auf den 31. März 1925 vertagt. Diese 
Kündigung wird ausgesprochen, wenn sie nicht d'.e Befähigung zur end. 
gültigen Anstellung bis zu diesem Termin nachweisen. Es werden daher 
sdie wichtigsten Bestimmungen angefügt: „Endgültige Anstellung. I. Die 
Befähigung zur endgültigen Anstellung erlangen Lehrer nur durch die 
erfolgreiche Teilnahme an den durch Ministenalerlaß vom 30. November 
2920 eingerichteten Arbeitsgemeinschaften oder durch Ablegung der zweiten 
Lehrerprüfung; das gleiche gilt für wissenschaftliche Lehrerinnen, soweit sie 
'die erste Prüfung vom Frühjahr 1920 (einschließlich) ab bestanden haben. 
Das Anstellungsfähigkeitszeugnis wird erteilt: a) wissenschaftlichen Lehre 
rinnen frühestens drei Jahre nach Bestehen der wissenschaftlichen Prüfung. 
ib) technischen Lehrerinnen frühestens drei Jahre nach Best hen der ersten 
-lechniichen Prüfung, und beiden Gruppen erst nach einer vollen Beschäftigung 
Don mindestens zwei Jahren im öffentlichen Volksschuldienst. Die Le» 
sfähigung zur endgültigen Anstellung wird von der Schulauflichtsbehörde 
rrach Anhören der nächsten Vorgesetzten auf Grund einer beanderen Re 
vision, welche die Bewährung im praktischen Unterricht feststellen soll, aus 
gesprochen und durch einen stempelpflichtigen Nacktrag auf dem Lehr- 
<befähigungszeugnis bekundet (Min.-Erl. v. 11. 1. 1911 und 24. 4 1912)." 
Hieraus ergibt sich, daß auch die Lehrerinnen sich das Anstellungsfähigke>rs- 
zeugnis erwerben müssen. Oie Lehrerkammer will für die Lehrer und Lehre 
rinnen, die »ich der Abschlußprüfung oder der zweiten Lehrerprüfung bis zum 
März nächsten Jahres unterziehen müssen, eine besondere Arbeitsgemein 
schaft einrichten. 
vezirkslehrerkammer Düffeldorf. 
Sitzungsbericht vom 14. (Oktober 1924. 
Die Sitzung wrrd vormittags 10 Uhr vom Vorsitzenden Giese mit einer 
herzlichen Begrüßung der Herren Regierungsvertreter Regierungsräie premer 
und Güdemeister, des Herrn Schulrats Vr. Lorscheid, Gberhaujen, sowie 
der Uammermitglreder eröffnet. Anwesend sind 34 Mitglieder; es fehlen 
mit Entschuldigung Badenberg, Tlemens, Josten, Pfalz und p'stor. 
Aus der Rammer sind aus Gesundheitsrücksichten ausgeschieden die 
Herren: Höckmann, Duisburg (G. d. v.), Fricke, Barmen (v L. v ) und 
Zrencking, Neviges (v. L. v.); an ihre Stelle traten auf Grund der lvahl- 
vorfchläge Fräulein Franziska Brockmann, Düsseldorf (v. v. v.) und die 
Herren Fuchs. Solingen, und Schneider. Hitdorf (O. L. v.). 
Auf Antrag Wagner wird beschloffen, daß zukünftig die Fraktionen 
den Ersatz für ausscheidende Mitglieder aus den Wahlvorschlägen selbst 
bestimmen. 3m Rammeroorstand wrrd Heckmann durch Nau, Viersen, ersetzt. 
Gegen den Bericht über die vorige Sitzung werden Einwendungen 
Dicht erhoben. 
1. Der Vorsitzende berichtet zunächst über die Arbeiten des Vorstandes 
und den Stand der noch nicht erledigten Geschäfte. 
3rt den „Westdeutschen Verwaltungsausschuß für Rinderspeisung" wurde 
vom Vorstand Fcäule n Edler, Essen, entsandt. 
2. Der Vorsitzende berichtet über den Stand des Abbaus in Hamborn, 
Gberhaujen, SterKrade, Steele, Elberfeld und Rreis Rees und weist an 
schließen» auf die neuesten Ministerialerlasse in dieser Angelegenheit hin. 
a) Min.-Trl. vom 24. Juni 1924, wonach die Regierungen, wenn die 
Gememden des unbesetzten Gebietes den Abbau aus sich nicht betreiben, 
rml einer Anordnung auf Grund des § 68 der Pr. A. v. einzugreifen 
haben, da „die Verringerung der Zahl der Schulflellen nicht durchweg in 
dem Maße durchgeführt worden ist, wie es die flnanzielle Notlage von 
Staats- und Schuloerbänden erfordert". 
b) Min.-Erl. vom I. Juli 1924, wonach „im Laufe des Rechnungs 
jahres freiwerdende Schulstellen, wenn dies nach der vorhandenen Zahl an 
Stellen und Schulkindern auch für die nächste Zukunft (Rinderzahl) bedenklich 
ist, unter den für das besetzte Gebiet bestehenden Verhältnissen aufzuheben 
statt unbesetzt zu lassen sino". 
e) Runderlaß des Fmanzministers vom 25. September 1924: „Es wird 
darauf hingewiesn, daß nach einem Beschluß des Staatsminifteriums der 
Abbau eines Beamten auf Grund der Pr. 6. v. nur in den Fällen erfolgen 
darf, in denen gleichzeitig eine durch den Abbau mindestens mittelbar frei- 
werdende Stelle eingespart wird". 
Rach einer sehr ausgiebigen Besprechung, an der sich außer den 
Rammermitgliedern Wagner, hoffmann, Steinkühler, Topp, harlos, hepd- 
Kamp, Nell, Edler, Macke. Wielen und Nötiger auch die Herren Reaierungs- 
vertreter und Herr Schulrat Dr. Lorscheid beteiligen, wird beschlossen, eine 
Abordnung, bestehend aus Giess, Wagner, Edler und Wielen, der sich wenn 
möglich Topp anschließt, nach Berlin zu entsenden, um folgende Fragen zu 
klären zu versuchen 
a) Abbau im besetzien Gebiet ohne Geltung der Pr. A. v. 
ck) Behandlung der besetzt gewesenen Gebiete. 
c) Aufheben oder Ruhenlassen der Stellen. 
d) Verhinderung des Abbaus durch Übernahme der Mehrkosten durch 
bildungsfreundliche Gemeinden. 
e) Aufhebung der Anftellungs- und Beförderungsfperre. 
Zu dem Min.-Erl. vom I. Juli (siehe oben unter bf wird empfohlen, 
Die Gemeinden zu bewegen zu suchen, den Landesschulkossenbeitrag lür 
unbesetzte Stellen für das laufende Jahr weiter zu entrichten, was nötig 
ist, wenn die Stellen ruhen sollen. Auf jeden Fall ist zu Anfang des neuen 
Schuljahres auf Ruhenlassen der Stellen in den Gemeinden hinzuarbeiten, 
da dann keinerlei finanzielle Schwierigkeiten bestehen. 
Die Regierung wurde auch noch gebeten, nicht jedem Nachlassen der 
Schülerzahl durch Stellenabbau nachzukommen; es müsse auf Beruhigung 
der Schularbeit hingewirkt werden. 
Der Wirtschaftsausschuß wird einen Fragebogen zusammenstellen über 
das Maß des Abbaus in den einzelnen Schulgemeinden, sowie über die 
Zahl der in den einzelnen Besoldungsgruppen eingestuften Lehrel(mncn), 
da die von den Rreislehrerräten eingeforderten Berichte nicht erstattet 
worden find. 
3. Der Vorsitzende berichtet über die ungünstige Wirkung des Min.-Erl. 
vom 3. Juli betr. „Zuwendung in höhe der Abfindungssumme 
auf Grund der Pr. 6. v. für freiwillig ausscheidende verhei 
ratete Lehrerinnen des besetzten Gebietes", indem entweder der 
ausscheidenden Lehrerin oder den stellenlosen Lehrerinnen oder Junglehrern 
nicht geholfen wir». 
Die in der Abbausache gewählte Abordnung soll beim Minister auch 
diese Frag« zu klären suchen, wie auch, ob die Zuwendung auch an solche 
verheiratete Lehrerinnen gezahlt werden kann, die mit einem Vorbehalt 
auf dieselbe schon aus dem Amte geschieden sind. 
Oie vom Wirtschaftsausschuß vorbereitete Eingabe wird angenomnren. 
4. Der Antrag Macke betr. Besoldungssperre und Gemeinde 
beamten wird nach Beratungen im Verfassungsausschuß zurückgezogen. 
5. von einer Eingabe betr. Wiederinkraftsetzung der §§ 43 und 44 
des v. D. G. wird auf Vorschlag des Wirtschaftsausschusses Abstand genommen. 
6. 3n der Sache der Dienstgärtenpacht berichtet der Vorsitzende, 
daß ein grundsätzliches Vorgehen gegen die Miete an sich aussichtsios sei, 
nachdem sich schon der D. L. v. und der R. L.. v. um Aushebung der betr. 
Bestimmungen beim Minister erfolglos bemüht hätten. Doch feien auf 
Antrag der Rammer hin von der Regierung Heruntersetzungen der Miete 
erfolgt, „wenn also noch Lehrer sich wegen ihrer hausgärten usw. über 
vorteilt fühlen sollten, steht es ihnen frei, ebenfalls hiergegen Einspruch zu 
erheben". Doch empfiehlt die Regierung, von dem Berufsrecht beim Rreis-, 
nötigenfalls beim Bezirksausschuß Gebrauch zu machen. Die Rammer 
wünscht die Durchführung wenigstens eines Falles durch diese 3n stanzen 
und stellt die Übernahme der Rosten in Aussicht. Der Wirtschaftsausschuß 
(Rektor Wiesen, M.-Gladbach, Luisenstr. 123) steht 3nteressenten mit Rat 
und Auskunft zur Verfügung. 
7. Der Antrag Xanten betr.Regelung der Pflichtstundenzahl der 
Rektoren löst abermals eine große veöaite aus, an der sich die Regierungs- 
Vertreter, Schulrat Vr. Lorscheid und die Rammermitglieder hoffmann, Nell, 
harlos, Macke, Steinmann, Wagner, Edler, Giefe und Topp beteiligen. 
Die Regierung erklärt, daß zur Zeit noch die Verfügung vom 9. 3. 1922 
gelte, und daß bei einer Neuordnung die Mitwirkung der B. L. R. nicht 
vorgeschrieben sei. Ein Antrag Nell: „Nach eingehender Aussprache stellt 
sich die v. L. R. nach wie vor hinter die Regierungsoerfügung vom 
9. 3. 1922 betr. die Pflichtstundenzahl der Schulleiter und bittet dringend 
um deren Beibehaltung," wird mit dem Zusatz Wagner: „Für den Fall 
aber, daß die Regierung eine Änderung beabsichtigt, wolle sich die Regierung 
vor der endgültigen Entscheidung noch einmal mit der B. L. R. in Ver 
bindung fetzen" gegen eine Stimme bei mehreren Stimmenthaltungen an- 
genommen. Der Antrag soll vom verfassungsausschuß mit einer Begründung 
versehen werden. 
8. Lin Antrag Xanten betr. Anstellung der Schulamtsbewerber 
nach dem Alter stützt sich auf einen Einzelsall, der der Regierung un 
bekannt ist. Oie Regierung erklärt, daß im allgemeinen nach der Alters- 
liste verfahren werde. Antragsteller ermöglicht der Regierung die Nach 
prüfung des Falles durch Nennung der betr. Namen. 
9. Auf den Antrag Viersen, „daß die Fibelfrage innerhalb der Reg.-Bez. 
für die einzelnen Landschaften einheitlich geregelt wird," stellt ein Regie- 
rungsoertreter Antrag auf Genehmigung einer bestimmt benannten Fibel 
anheim. 
10. Die Anfrage Essen: „worauf stützt sich die Entscheidung der Re- 
gierung, daß die Behörde berechtigt sei, ein kreisamtliches Gutachten 
über die Erkrankung eines Lehrers zu fordern? wer zahlt die 
Rosten?" wird von der Regierung dahin beantwortet, daß das Zeugnis 
eines „beamteten" Arztes zu fordern fei. wenn auch der Lehrer ein 
3ntereffe an dem Gutachten habe, müsse der Lehrer die Rosten tragen. 3n 
den meisten Fällen trage die fordernde Behörde die Rosten. Regierung 
bittet, einen Streitfall zur grundsätzlichen Entscheidung zu bringen. 
11. Die Anfrage Essen: „Wer ist haftpflichtig bei Unfällen, die 
der Lehrer in Ausübung feines Dienstes erleidet?" beantwortet 
die Regierung dahin, daß im Schuldienst der Begriff des „vienftunfalls" 
unbekannt fei. 3rgendeine staatliche Versicherung zur Entschädigung für 
solche Unkosten bestehe nicht. Die Regierung könne aber durch Unter- 
stützungen helfen. 
12. Eine Grenzveränderung und Aufteilung des Rreislehrerrates Effen- 
Land I ist nach Einholung örtlicher Gutachten und wünsche durch Vorstands- 
beschluß erledigt und wird genehmigt. 
13. Der Rest der Tagesordnung wird bis zur nächsten Sitzung, die 
möglichst bald stattfinden soll, vertagt. 
14. Der V L. 0. erklärt, daß er für die Folge sich an den Ausschuß- 
arbeiten wieder beteiligen werde, seinen Protest gegen die ungerechte Be 
handlung bei der vorstandswahl aber aufrecht erhalte. 
Schluß der Sitzung 6 Uhr. Der Schriftführer: Franz Topp. 
Aus unserem verein. 
Die Bestellung der vereinszenschriflen für 1925 
erfolgt nach den durch die Sammlerinnen eingesandten L'sten, jedoch nur 
dann, wenn aus der Lifte ersichtlich ist, daß das betreffende Mitglied den
	        
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