Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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3ni]a.H: was erwarten wir von Boppard? S. 449. Brzesorosky, Über 
Las ^Seelenleben der Volksschülerin aus der Gberstufe (Schluß) S. 449. 
Meinungsaustausch: Mädchenturnen S. 451. preußische Statistik über 
«dar Volk-schulwesen 1921 S. 451. Kur der Seit: Bezirkslehrerkammer 
'Düsseldorf, Münster. Krankenkasse. Amtliches: Wahlrecht zu den Kreis- 
srehrerröten. Aus unserem Verein: Zeitschrift im Dezember. Bestellung 
lxür 1925. Jahresbericht. Karitaskasse. Kursus Boppard. Kursus Pyrmont. 
Bezirks- und Zweigvereine. Merktafel. Bücherbesprechungen. 
Stellenvermittlung. 
wa; erwarten wir von Boppard?' 
Ls ist ganz unverkennbar, daß unsere strbeit an der deutschen 
fugend sich in einem Stadium befindet, das ein Atemholen, ein 
stillstehen von uns fordert, um Kraft und Mut zum weiterschreiten 
!«eu zu beleben. — Die Rachkriegsjahre verlangten von uns eine 
solche Umstellung den äußeren Dingen gegenüber, daß wir - mehr 
«ls uns lieb sein Konnte - Zeit und Gedanken und Taten den 
Kragen widmen mußten, die man kurzweg „Schulpolitisches" nennt. 
Daneben stand die Auseinandersetzung mit Unterrichtsresormen, über 
«die naturgemäß noch kein abschließendes Urteil gesprochen werden kann. 
Wie weit auch die Meinungen über Fragen der Schulpolitik und 
über wert oder Unwert pädagogischer Reformen auseinandergehen 
mögen, über eines sind sich wohl alle, denen die Lehrtätigkeit ein 
„Beruf" ist, klar: daß aus der Zerrissenheit des deutschen Volkes, 
^ous der Zerfahrenheit der deutschen Jugend und aus unserer eigenen 
hast und Unruhe nur ein weg herausführt: der weg einer ziel 
sicheren, planmäßigen und vertieften Erziehungs- und Selbsterziehungs- 
arbert. 
Ein solches Ziel will der Kursus, besser gesagt, die Arbeits 
gemeinschaft, die auf Anregung der Vereinsleitung und des Aus 
schusses für Volksschulangelegenheiten in den weihnachtsferien in 
Boppard zusammenkommt, suchen und die Wege zu diesem Ziele 
andeuten; gehen mutz sie jeder selbst; denn sie werden sich je nach 
idem Ausgangspunkte sehr verschieden gestalten. Da unsere Vereins- 
rnitglieder zum größten Teil in der Mädchenerziehung arbeiten, gilt 
cs für uns, die besonderen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Mädchen 
schulen in ernster Gedankenarbeit herauszustellen. Mehr oder minder 
deutlich sehen wir alle, daß für die Lehrerin der Zeitpunkt ge 
kommen ist, sich klar darüber zu werden, warum das Mädchen zu 
seiner Führung in ganz besonderer weise der Frau bedarf. Die 
^Forderung, in der Mädchenerziehung ausschlaggebend zu sein und zu 
bleiben, dürfen und müssen wir nicht nur immer wieder stellen, wir 
srnüssen sie auch begründen können, nicht zuletzt von uns selbst. 
Darum soll in Boppard darüber nachgedacht werden, wie wir aus 
«unserem Frauenideal und aus unserer katholischen Weltanschauung 
heraus uns selbst und die Mädchen, die uns anvertraut sind, zu 
Selbständigkeit und Sicherheit, Furchtlosigkeit und moralischem Mut, 
^unbestechlichem Urteil und „zur schöpferischen Wärme der helfenden 
«Lat" erziehen; denn nur so kann das Mädchen, zur Frau heran 
gereift, im Rahmen seiner äußeren Gleichberechtigung in verant 
wortlicher Arbeit an der Kultur mitschaffen. 
wenn sich zur Jahreswende in Boppard aus den Reihen unserer 
Dereinsmitglieder Menschen zusammenfinden, die heute stärker als 
1 vgl. auch Vereinsnachrichten §. 459. 
jemals vorher die Tragik der Unzulänglichkeit spüren, die in ge 
danklicher Durchdringung der Zeit- und Erziehungsprobleme mitein 
ander arbeiten, sei es, um selbst weiter zu kommen, sei es, weil sie 
irgendwie führend im vereinsleben stehen und Anregungen zu geben 
haben, dann müffen doch solche Tage gemeinschaftlichen Denkens und 
Züchens und Findens befruchtend sein für die Arbeit der einzelnen in 
der Schule, für die Arbeit in den Bezirksvereinen und für die Tä 
tigkeit im Gesamtverein. 
Jedes Jahr bringt ja mit seinen ersten Tagen, mit seinen neuen 
Ansätzen und guten Vorsätzen „den hinreißenden Rhythmus des An- 
fangs". Boppard möge ihn dem kath. Lehrerinnen-Verein für das 
Jahr 1925 so kräftig bringen, daß seine Schwingungen weithin be 
merkbar werden. 3. ct. des Ausschusses für Volksschulangelegenheiten. 
Über das Seelenleben der volls?chÄ!erin auf der Oberstufe. 
von Klara Brzesowsky, Kandrzin, Gberschlefien. 
(Schluß) 
VI. I. Bei den bisherigen Ausführungen habe ich absichtlich 
alles, was mit dem Geschlechtsleben in Verbindung steht, unbeachtet 
gelassen — mit einigen kleinen Ausnahmen. Zum Schluffe soll es 
nun im Zusammenhange gesagt werden. Professor Ziehen sagt; 1 
„Die rein sinnliche, d. h. empsindunasmäßige vom anderen Geschlechte 
hervorgerufene sexuelle Erregbarkeit entwickelt sich in der Pubertät 
in der Regel unverhältnismäßig langsam, von dem Mädchen gilt 
dies in noch etwas höherem Maße als von dem Knaben." wir 
dürfen dem wohl im allgemeinen zustimmen, daneben müssen wir 
aber unsere eigenen Erfahrungen mitsprechen laffen. Die Kinder 
sind verschieden, je nachdem sie aus Stadt und Land, aus den ver 
schiedenen sozialen Schichten stammen, sie sind auch verschieden durch 
ihre Anlagen. 
von Natur aus schämen sich die Kinder, über sexuelle Dinge mit 
anderen, vor allem mit uns Lehrenden, zu sprechen. Daher ist 
unser wissen lückenhaft. Daß diese Scheu nicht bleibt, ist tief 
bedauerlich. Aus einem Grunde wünsche ich allerdings, daß die 
Mädchen die natürliche Scheu ablegen möchten: Um Zeugnis ab 
zulegen gegen Verbrecher, die sich an der Unschuld vergangen haben, 
damit diese Unmenscheil unschädlich gemacht werden. 3n der Kriminal 
statistik würde die Zahl der Verbrecher, die sich unschuldige Kinder 
zu-r Befriedigung ihrer bösen Lust auswählen, erschreckend in die 
höhe schnellen, wenn die Kinder und deren Eltern immer reden, 
Anzeige erstatten würden. Leider ist es so, daß die Mädchen nicht 
einmal ihrer Mutter sagen, was mit ihnen geschehen ist. Sie schämen 
sich, grübeln, geraten vielleicht in die Irre. Ich sage nicht leere 
Worte, ich könnte Tatsachen bringen, die uns tieftraurig machen 
würden. 
Da nun die Mädchen im allgemeinen im Reden über das Ge 
schlechtsleben zurückhaltend sind, bleibt uns nur unauffällige aufmerk 
same Beobachtung — besonders wenn die Bande der Disziplin etwas 
gelockert sind, z. B. bei Zchulausflügen — als Hilfsmittel, wir haben 
die Mädchen leider nur in den ersten wenigen Jahren der Ent 
wicklung, müffen darum alles daran setzen, um recht tiefen Eindruck 
unserer Erziehung zu erreichen. 
1 Ziehen, Var Seelenleben der Jugendlichen (S. 75).
	        
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