Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

1 n Mi!:, f 
Grgan Kss Dne-ns kstholrHer -ZuLsthrr Lrhronnrrsrr 
Nr. \0 
57. Jahrgang 
8. rNärz I92f 
Iahalt: L. Sloffels, Die preußische Abbauverordnung S. 45. Der. 
längecung o«r SchuizeU? S. 46 pad. Rnnojc^au: MchUinien zur stuf, 
uayme Our Lchuiern »n bie fylfsfqulc. lUeinuagtüuslaujd}: sur Ut» 
Lb!tnn««ung über den Oereinsbeürag. Zur Frage ccc Pr oal- und iUuflen* 
Ufituie. stas der Zeit: pmsaufgaben oes Deutschen Jnsiituts jür wissen. 
jchaUrchr Pädogog-K 1924. Ruch ein Wort zum flboau. Amtlicher: 
Vor läufige Au^fahlungsan Weisung zum zweiten Leit der OervrSnung zur 
DelnunSe:ung der per^onalausgaden der öffentlichen Verwaltung. Versetzung 
von Lehrnraslen. Drenftbezuge. Vergütung für nebenamtlichen Unterricht. 
Rus unserem verein: 6u alle Ulitgl cder. „3ns Sieben ^maus" Jahres 
bericht J923. Um bie Anerkennung als Sp.tzenorqanisuiion. Kursus Pprmont 
Ernutag varmsradt. Landlrhrerinr-entagung Aus Laden. Bezirks« und 
LWeigvereine. Merkt« fei. Bücherdesp rechnn gen. 
Die preußische Adbarwerordrumg. 
von Elise Stoffel» m. d. £., Neuß. 
Lange Hai es gedauert, bis der Ständige Ausschuß des preußischen 
Landtags, dem die Abbauverordnung zur Beratung vorlag, sich mit 
den Zuständigen Ministerien über den Wortlaut geeinigt halte. Line 
wesentliche Abweichung von der Avbauoerordnung der Reicher war 
durch das Sperrgesttz artsgeschioffen — und fo ist — namentlich im 
rrzten Teile, soweit das Personal der öffentlichen Verwaltung in 
Frage kommt — eine zum Teil wörtliche Lderemst'rumung vorhanden. 
Umfang und Zeit des Abbaues, die Anregungen zum freiwilligen Aus 
tritt (Pensionierung im Ait<r von 58 — 6s Jahren ohne Dienstunfähig- 
keitsnachweir, Abfindungssumme und Ruhegehalt im Falle der Vienft- 
Unfähigkeit), die zwangsweise Versetzung in den einstweiligen Ruhe« 
stand sind genau so geregelt wie im Reich. 
verschieden ist aber die Behandlung der verheirateten weib 
lichen Beamten, während dort der § 14. der die Entlassung 
«n Ende jeden Monats vorsieht, wenn die wirtschaftliche Versorgung 
gesichert ist, «inen Zusatz erhielt. Laß im Falle tes Bedürfnisses bei 
Erwelbsunfähigkeit den Ausgeschiedenen ein Ruhebalt nach der Zahl 
ihrer Vienbjahr« widerruflich gewährt werden kann, sieht die 
preuß sche Abbauverordnrmg die Versetzung in den einstweiligen Ruhe- 
stand oder auch auf Antrag in den dauernden Ruhestand vor. Der 
Anspruch auf Wartegeld und Ruhegehalt ruht aber, solange die 
Beamtin wirtschaftlich versorgt ist, er lebt auf, wenn dar nicht mehr 
der Fall sein sollte. Insofern ist diese Regelung günstiger, weil sie 
bindend ist. Leider ist er nicht gelungen, trotz der Bemühungen, 
welche sich alle weiblichen Berufsorganisationen gegeben haben, den 
verheirateten Lehrerinnen eme Abfindungssumme zu sichern. 
Der größte Unterschied besteht in dem Einspruchsrecht, dar 
Preußen deuj nigen Beamten eingeräumt hat, welche glauben, das- 
<8 21) ihre Entlastung oder Versetzung in den ernst welligen Ruhe 
stand durch ihre politische oder konfessionelle Betätigung oder durch 
die Betätigung in einem Berufsoerein oder die Zugehörigkeit oder 
Nichtzugehörigkcit zu einer politischen Partei oder zu einem politischen, 
konfessionellen oder Berufsverein bexinsiuht worden sei. Dieser Ein 
spruch muß binnen 14 Tagen schriftlich bei der Behörde erhoben 
werden, welche die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand oder 
die Entlastung verfügt hat. Er wüsten die Tatsachen angegeben 
werden, welche die Verletzung des 8 21 ergeben, und die Beweis- 
Mittel bezeichnet werden. Wenn diese Behörden dem Einspruch nach« 
geben, so gelten Entlassung und Pensionierung als nicht geschehen. 
Erkennt die Behörde die Gründe aber nicht an, so geht der Ein 
spruch an die höhere Behörde weiter. Nur dar Staats min sterium 
kann einen Einspruch abweisen, vor der Entscheidung muß ein aus 
R chtern der ordentlichen Gerichte und der Verwaltung zusammen 
gesetzter Ausschuß gehört werden. Kn das Gutachten dieses Aus 
schusses ist das Staats Ministerium gebunden, wenn nicht % des Staats- 
Ministeriums' dagegen stimmt. Außer diesen« Ausschuß setzte der 
preußische Landtag ebenso wie das Reich noch ei^en aus 11 ülit* 
gliedern bestehenden sog. parlamentarischen Qverwachungrausschutz ein, 
der den Vollzug des Abbaues in Preußen überwacht. Eine tief« 
einschneidende Maßnahme ist die EinsteUungsfperre, die besagt, 
daß kein Beamter oder Anwärter in den Staatsdienst eingestellt 
werden kann, solange nicht die personalverminderung durchgeführt 
ist. Den Zeitpunkt, wann das der Fall ist, bestimmt das Staats- 
Ministerium. Ausnahmen find nur mit Zustimmung der zuständigen 
Fach« und des Finanzministerr zulässig. Diese Bestimmung gilt auch 
für die Anwärter im Lehrberufe. Doch ist hier für Ausnahme- 
bewilligungen die Erleichterung geschaffen, daß Nachgeordneten Be 
hörden (provinzralschulkollegien, Regierungen) diese Befugnis über 
tragen werden kann. Es möge hier eingefügt fein der Hinweis auf 
den Minister ialerlaß vom 8. 12. 2 5, in dem der Minister für wisten- 
fchaft, Kunst und Volksbildung unter Berufung auf den Erlaß der 
Ztnanzministers vom 9. 11. 23 die Sperre verhängt hat für dle 
Be-etzung von Beförderungsstellen für Lehrer und Lehrerinnen» 
Rektor- und Ronrebtorstellen an Volksschulen können nur dann be 
setzt werden, wenn die Bewerber bereit; in solchen oder gleichwertige» 
Stellen (Gruppe 9) besoldet waren. Seminar- und P»äparanden» 
lehrer dieser Gruppe können also angestellt werden. Die oustrags- 
weise Beschäftigung von Bewerbern wird nicht gehindert» 
Auch wird die Verleihung der KItersaufrLckung (nach Gr. 8) durch 
die P. K. V. nicht gestört. 
Für die Schulen ist eine wesentliche Verbesserung des Entwurfs 
im Ausschuß erzielt worden. Zwar ist das Ziel, welches viele Eingaben 
aus Ellern« und Lehrerkreifen erstreben, die Schule von dem Abbau 
auszuschließen, leider nicht erreicht worden. Der stärkste Bundes- 
genoffe ist den Abbaufreunden die sinkende Kinderzahl, die auch ohne 
AbbauveiOrdnung in vielen Städten zu einer Zwammenlegung von 
Klaffen geführt haben würde. Das zeigt sich jetzt schon in solchen 
Gebieten, auf welche die Abbauverordnung an sich noch gar nicht 
übertragen ist. Aber er ist festgesetzt worden, daß die Verminde 
rung der Lehrkräfte an allen Schulen (von der Volksschule bis zur 
Universitär) nicht nach einem bestimmten Prozentsatz erfolgen, sondern 
durch organisatorische Maßnahmen herbeigeführt werden soll. Darunter 
'st verstanden eine Änderung der Lehr- und Stundenpläne, Vereini 
gung von Klaffen — nicht Erhöhung der Klaff enfrcq uenzen und der 
pflrchtstundenzahl, wenngleich diese im Gefolge einzutreffen scheinen. 
Vre übrigen Paragraphen sind mehr verwaliungstechnischer Natur; 
sie regeln, wie die einzelnen Maßnahmen vom Unterhallungsrräger 
der Schulen und den Behörden gemeinsam zu vollziehen sind. 
Von besonderer Bedeutung ist der 8 67, der festsetzt, daß auf 
die Erhaltung ausreichender Bildungsstätten für die einzelnen Landes 
teile, Bekenntnisse und Geschlechter, auf die Erhaltung des Lehrer 
nachwuchses sowie auf die Sicherung der weiblichen Einfluffer auf 
die Erziehung der Mädchen Bedacht genommen werden soll. Wi» 
» 6 van 8 Stimmen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.