Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

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H-in, yach Beöaif mehrere Konferenjen in kürzeren Zeiträumen hinter. 
Einander zu hatten, und dann wieder eine größere pause einzulegen, 
Ui der Massenbesuche gemacht werden. 
Diese wenigen Hinweise mögen genügen, die verelnsschwestern 
anzuregen, selbst weitere Vorschläge zur praktischen Durchführung 
der kollegialen Schulleitung zu machen und in dieser Zeitschrift bekannt 
zugeben. Diese Bitte ergeht nicht nur an die preußischen Mitglieder. 
Im Gegenteil: Der vergleich zwischen preußischen und nichtpreußischen 
Verhältnissen wird besonders lehrreich sein und wird allen weiter 
helfen. Buch wenn es noch nicht möglich ist, zur Lösung einer Frage 
beizutragen, so ist es doch schon wertvoll, auf sie hinzuweisen, um 
dadurch andere zu veranlcsien, ihre Erfahrungen mitzuteilen. 
pr die Jugendpflege. 
von Anna heinen, varmiN. 
2n dem Hirten schreiben vom 14 Oktober anläßlich des Jugendsonntags 
weift Kardinal schulte darauf hin, daß zur Kettung der Not un eres jungen 
Vo kes mit Klagen und Anklagen allein nichts gebessert wird. Ivic wüss-n 
vie-mehr Hand aus Werk der Jugendretiung legen; wir alle müssen Kelter 
und Hüter der Jugend werden. 
Vieser Ruf darf nicht ungehört verhallen in unseren Reihen. Mag 
auch die Saht derer groß sein, die neben der schweren Schularbeit noch 
Seit finden, über die Schule hinaus mit unserer Irgend weiterzuleben - 
der Arbeiter mt großen Jugendgarren des Herrn sind noch lange Nicht genug, 
die gute Saat, die während der Schulzeit ausgestreut wird, in den gefähr 
lichen Siürmen der Lntw cklungrjabre zur Blüte und Flucht zu dringen. 
Schwer tastet die Zeit auf uns allen; aber wir dürfen nicht untergehen 
ln den Sorgen des täglichen Lebens, nicht über dem Materialismus die 
idealen Aufgaben unseres hohen Berufes vergessen. Ver jetzige Ivinter 
wird hart werden auch für unsere heranwachsende Jugend, helfen wir ihr, 
die große will chastliche und soziale Nor im rechten Geiste zu tragen. 
Es wird fich empfehlen, in diesem Winter in der Jugendpflege möglichst 
in kleinen Gruppen zu arbeiten, um jedem Modchen etwas persönliches zu 
geben und mehr Kenntnis feiner Innenlebens zu gewinnen. Rur dann 
können wir auf seine be anderen seelischen Röte und Lebenssorgen eingehen. 
Das läßt sich wohl am besten erreichen, wenn wir wieder mehr die Arbeit 
in kleinen Zirkeln pflegen, Kurse in Handarbeit und Handfertigkeit, Lese 
und Vortragsabende, Ge ang- und Turna^teilungen einrichten. Ls kann 
auch der katholischen weiblichen Jugendpfl ge der Vorwurf nicht erjpatl 
bleiben, daß sie sich zu sehr verliert in größeren Festlichkeiten, zu sehr tas 
ft .ßerliche betaut und der Rbwechslungs- und Vergnügungssucht unserer 
ohnehin so flatterhaften Mädchen zu große Zugeständnisse macht. wie 
wollen wir in der aufregenden Rot dieser Tage unterer Jugend den inneren 
Frieden wahren, wenn wir sie nicht lehren, die kleinen Freuden des Lebens 
zu schätzen, an ernstem Gedankenaustausch ein Vergnügen zu finden, froh 
zu sein mit bescheidenen Mitteln! Lin vertiefen in das Seelenleben der 
Heranwachsenden Mädchen, ein psychologisches versteden ihres Denkens und 
Handelns ist bei einem Masjenbeiriebe unmöglich, vorzügliche Hilfskräfte 
I ür eine solche Arbeitsteilung lassen sich aus der Mitte unserer Mädchen 
elbft gewinnen, romn wir gereistere und ernste VersZnlichkeiten in besonderen 
(ursen für die M tarbeit schulen. Ls ist eine dankbare Aufgabe, mit diesen 
Mädchen Erziehungr- und Bildungsfragen zu besprechen, um wiederum 
durch sie so nta» eben wertvollen LmbUck in das Alltagsleben unserer Schütz 
linge zu gewinnen. 
Wie im Schulleben das Kollegium sich in den Konferenzen zusammen 
findet, sollten auch die Leiter und Leiterinnen der Jugendoereine einer 
Ortes, der männlichen und weiblichen, von Seit zu 3e t zusammenkommen. 
Um ihre Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Rufgaben zu besprechen 
und voneinander zu lernen. Außere und innere Hemmnisse. Verkehrs- 
sch vrerjgkeiten und Teurung erschweren die Arbeit und Fortbildung in 
großen Kuren und Tagungen, aber sie dürfen trotz allem n'cht hemmend 
Und lähmend wirken auf unsere Rrbeit an der schulentlassenen Jugend. 
Wir lassen sie nicht, denn dann ließen wir unsere schönste h ffaung! 
Ans der Seit. 
Aur Preußen, 
weibliche Schulaufsichtsbeamte. 
Der V. k. d. L. hatte in einem besonderen Falle das preußische Ministerium 
für Wissenschaft, KuMst und Volksbildung gebeten, eine Kreisschullatsstelle 
knt einer Lehrerin zu besetzen, ver Minister ließ dem Verein folgende 
kntwo't zugehen: 
„Wenn ich auch grundsätzlich bereit bin, bei der Besetzung von Stellen 
im Sckulauf ichtsdienst geeignete Lehrerinnen zu berücksichtigen, so war es 
doch im vorliegenden Falle leider nicht möglich, dem Rntrog vom 2. 7. 23 
duf Besetzung einer Kreisschulratsstelle in ... mrt einer Frau zu entsprechen. 
gez. Loelitz« 
Aus vanzig. 
vie Krel« Stadt vanzig und ihre SefMungrordnung, 
Der unglückselige Frieden von Versailles hat such eine lief einschneidende 
Wirkung auf das Schicksal der alten han.estädt Danzig gehabt; sie ist vom 
anen vaterlande getrennt worden. Immer und immer wieder baden die 
urdeutschen Bewohner prsieftoerjammtungen veranstaltet und ihr Deutschtum 
betont, st« haben aber nicht verhindern können, daß dennoch die Trennung 
ausgesprochen wurde, nur wurde Danzig nicht den Polen zugesprochen 
lonöern als „Freie Stadt- erklärt. Rber zahlrerch sind die Beschränkung, n, 
welche der Stadt auferlegt worden sind, und die Pflicht, ein wirschafrsabkommen 
mit Polen zu ich! eßen, hat auch viele Nachteile im Gefolge. Danzig hat 
sich eine besondere Verfassung geben müssen, und der volkitag mußte Ge» 
>etze geben, welche auf Sie veränderten Verhältnisse passen, das „veamtkn- 
adkommen" sichert den Beamten und Lehrern olle ihre Rech e,' die aus 
ihrer früheren Stellung sich ergaben, und bis zum I. Rpril ly25 ist der 
Rücktritt in den preußischen Staat gewährleistet, wenn ein Beamter oder 
Lehcer dies aus persönlichen Gründen wünscht. Rlle Reuerungen, die zum 
Vesten der Schuir in Deutschland eingeführt wurden, haben auch sofort in 
vanzig einen günstigen Loden gefunden. Die Vorschulen sind abgeschafft 
worden, die Lehrerinnen an privaten vorschu'en sind auf Wunsch per siomert 
worden oder ande weilig beschäftigt und die Grundschule überall eingeführt 
worden Der Konrektor hak aber in Danzig keinen Eingang gefunden. 
Vie Lehrerräte unü die Lehrerkammer haben sich mit der Frage der Cin- 
sührung beschäftigt, Umfragen sind veranstaltet worden, aber wieder und 
mmer wieder hieß es bei der Mehrheit der Lehrkräfie: „wir wünschen 
keinen Konrektor." und Gründe, die ja schon in oen Organen der Berufs- 
Vereinigungen zur Rurspiache gekommen sind, wurden als maßgebend an 
geführt. Lesonüers waren die Landlehrer g-gen das Konrektorat, welches 
ja bei drei» bis vierklassigen Schulen auf dem Lande gar nicht in Frage 
kommt. 6m 30 Juni d. I wurde die Nachprüfung des Besoldungsge'etzes 
gegen d. 23. Dezember 1921) vom volkstags verabschiedet, und diele Nach 
prüfung hat sowihl den Beamten wie auch den Lehrern erhebliche Vorteile 
gebracht. Das Besolüungsdienstalter für die Lehrpersonen, welches uns 
besonders hier interessiert, beginnt schon nach Vollendung eines fünf 
jährigen viütrriats und hat als Lingangsstufe wie auch vorher Gruppe 7. 
In dieser Gruppe bleiben sie während der ersten sechs Beioldungsdienstjahre, 
dann folgt der Übertritt in Gruppe 8. In Gruppe 8 bleibt die Lehrkraft 
so lange,-chis sie zwei Jahre das Höchstgehalt bezogen hat, das ist etwa 
noch zwölf Jahren, dann folgt übertritt nach Gruppe 9. In Gruppe 9 
erhalt man gleich das Höchstgrundgehalt. Und nun treten nach zwei, vier 
un» sechs Jahren die Rlterszulauen hinzu. Rber auch die Gruppe 10 
jteht den an Volksschulen beschäftigten Lehrkräften j tzt offen, 
ver Rufstieg kann erfolgen, wenn die Lehrkraft zwei Jahre das Höchst 
gehalt der Gruppe 9 erhallen hat und genügend Stellen in Gruppe 10 
offen sind, denn nur ein Sechstel der in Gruppe 7. 8 und 9 befindlichen Lehr- 
«raste kann nach Gruppe 10 aufrücken. Es sind zur Zeit in der „Freien Stadt 
vanztg" 1008 Stellen besetzt, danach dürfte die Gruppe 10 etwa 163 Stellrn- 
nhaber aufnehmen. Diese erhalten dann den Ttel Oberlehrer bzw. 
Dderlehrerin. Die Rektoren haben die Rufrückungsmöglichkeit nach 
Gruppe 11 erhallen. So ist ein Gesetz geschaffen worden, welches den Lcud- 
lchrern dieselben Rechte wie den Stadtlehrern verleiht, und welches nach 
>eder Richtung versucht, Härten auszugle chen. Bei Anrechnung von privat- 
»chuldienst fallt die bisher gefordene Einzahlung an die Staatskasse fort. 
Rlle Teuerungszulagen werden so wie in Deutschland n-chgezahlt, denn di- 
Ceuerung ist groß, fast scheint es. als ob Danzig in letzter Zeit die teuerste 
stadt geworden ist. Rnna Raumann. 
Amtliches. 
Kus Preußen. 
Anrechnung der Dienstzeit der ZlSchtlingstehrer aur dem Privatschuldienst, 
ü UI E 8745. 13. 7. 23. 
Die Anrechnung der Zelt nach der Flucht oder Ausweisung erfolgt nur 
dann, wenn die betreffenden Lehrpersonen zubtzt im öffentlichen Schul 
dienst standen; andernfalls kann die Zeit auch nicht durch Einzahlungen an 
die Landesschulkasfe anrechnungrfähiz werden. 
Stenographleuntrrrlcht. 
U III E 765 U ITI s. 18. Juli 23. 
Vergütung für Stenographieunterricht kann dem Lehrer nur dann 
gewählt werden, wenn die Kurse ohne formelle Verbindung mit dem Volks» 
jchuldetriebe find. 
Der Eintritt iu ein Servetbeschulseminak 
ist allen jungen Mädchen gestattet, die als vollsckulcrinnen in eine Frauen- 
schule ausgenommen werden können, fv ti IV 6546 II. 1. vom 23. 7. 23.) 
Aus unserem verein. 
Unterstützuugskvffe. 
vetr. Zahlung der Beiträge für das Jahr 1924. Da dl« un- 
klaren wirlschaf'lichen Verhältnisse noch immer andauern, konnte über die 
Art der wei.erfüh.ung der Kassr noch kein endgültiger Beschluß grsa,jl 
werden. Bis eine besondere Aufforderung ergeht, find taher. wie bereits 
rn der Oktob-rnummer (Rr. 53) mitgeteilt, leine veitragszablunger, 
zu leisten, wir bitten unsere Fräulein Drtsvertreterinnen. dre RiPglieder 
sahin zu verständigen unü zugleich auch darauf hinzuweisen, daß dre Kassc 
anderseits auch irine Aaszahlungen an Unterstützungen machen kann ^ 
Die Erwägungen darüber, wie die Kasse zum tvohle der Mugnt^li 
wieder ledensjähig gemacht werden könnte, beschäftigen uns fvrtgesetzt.■ Uv' 
günstiges Ergebnis kann -rst erwartrt werden, wenn eire wnbuche S.ab- 
lifierung der deutschen Währung stattArfunden hat. Ruf der dirrjährigei'
	        
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