Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

24. 4. 24 
Mit monatlicher öei'age „Die Junge Lehrerin". 
Nr. 57. Jahrgang Paderborn, 5. 2lx>ril \92\ 
3ntjaU: Die Urabstimmung S. 77. Breuer. Das Ziel der lNädchenvolks- 
^chule 5. 77. Die Sicherung des weibl. Einflusses ,n der Mäücheneiziehung 
S. 79. Sioffels, 3u den kommenden UeichslagsDahlen 5. 8l. Schmitz, O>e 
Stellenvermittlung des D. k. d. L. 5 82. päd. Rundschau: ttalstädt. 
Gegenwätiger Stand der Rrbeitsgemeinschaflen 5. 82. Meinungsaus 
tausch: Ltandeskaritas in der 3eit des Rdbaues. Kus der 3e>1: Beamten- 
gehälter. (besetz zur Ermächtigung des Finanzministers. Lesebuch Nieder, 
schlesien. B.-L-N. Dpveln. persönliches. Kmtliches: Schulbesuch über die 
Schulpflicht hinaus. Baden. Kus unserem Verein: Der neue vereins- 
dei rag. Gautag Frankfurt a. M. Mi'sionskurius Würzburg. Düsseldorf 
Freistaat Sachsen. Trier. Bezirks, u. 3weiyvereine. Merktafel. 
Bücher besp rech un gen. Stellenvermittlung. 
Die Urabstimmung über den vereinsbeitrag 
hat ein sehr erfreuliches Ergebnis gebracht: es hat sich eine über- 
wiegende Mehrheit für den höchsten zur Abstimmung vorgeschlagenen 
Beitrag, für 
eine Mark monatlich 
erklärt. 
Es sind im ganzen 8890 Stimmen abgegeben worden, davon 
nur 702 gegen eine Erhöhung des Beitrags. Alle anderen stimmten 
dafür, und zw^r 2235 für *0 pfg., 1587 für 7* pfg. und 
4266 für eine Mark. 
In den Nachrichten „Aus unserem Verein" ist dargelegt, welche 
Folgerungen sich im einzelnen daraus ergeben. Nur das eine sei an 
dieser Stelle hervorgehoben: Der Umfang der Wochenschrift, den wir 
in der Hoffnung auf eine Erhöhung schon seit einem Monat ver- 
doppelt haben, wird von heute an auf 12 Seiten erweitert. Außer 
dem wird der 4. Nr. des Monats die „Junge Lehrerin" beigegebcn 
und in Aussicht genommen, in dringenden Fällen Sondernummern 
erscheinen zu lassen. 
herzlichen Dank allen, die ihre Liebe zum verein durch die Tat 
bewiesen und ihm dadurch die Möglichkeit gegeben haben, für sie 
selbst und alle anderen zu arbeiten. Maria Schmitz. 
Das Ziel der Mädchenvolksschule, 
von der gegenwärtigen Lage der Frau aus gesehen, 
von Kd. Breuer, Dortmund. 
Wenn man über seine Berufsarbeit hinaus mitarbeitet an der 
Volksbildung, insbesondere an der Weiterbildung der Frauen, drängt 
sich eimm immer und immer wieder der Gedanke auf, wie wenig 
sie im allgemeinen all den Schwierigkeiten gewachsen sind, die eine 
solche Zeit der Not und Zerrüttung einem jeden Volksgenossen äuf 
seinen Weg türmt. — verständnislos den großen Zusammenhängen 
gegenüber, disziplinlos im Grganifationsleben, haltlos bei persönlichen 
Hemmungen und Widrigkeiten — so steht die große Masse der Frauen 
heute im Blickfelde deflen, der mit ihnen und sür sie arbeitet, — und 
doch soll auch ihnen ihr gerütteltes und geschütteltes Motz an der 
Erneuerungs» und Wiederaufbauarbeit in Deutschland zugeteilt werden, 
muß chnen zugeteilt werden, weil unser Vaterland keine Kraft brach, 
liegen lassen darf, weil auf ihnen, den Müttern der kommenden 
Generation, das Schicksal der Zukunft gründet. Dieder entlassen 
wir eine große Schar Mädchen und schicken sie „ins Leben hinaus". 
Können wir, aufrichtigen Herzens, wenn wir unsere Arbeit an diesen 
Kindern rückblickend noch einmal überschauen, sagen: „Ich tat 
genug?" — Ganz gewiß darf das Wort nur heißen: „Ich tat, war 
ich konnte." — vaß es nicht genug ist. wird einem eindringlich klar, 
wenn man einmal versucht, das, was man den Mädchen mitgeben 
konnte, an dem zu messen, was sich gegenwärtig als Aufgabe der 
Frau vor uns hinstellt. Selbst wenn wir unserem redlichen Bemühen 
auch das noch alles hinzufügen, was bei normalem Entwicklungsgang 
des Kindes der Einfluß einer guten vurchfchnittsfamilie, die Jugend 
pflege, die Vorbereitung zu einem Erwerbsberufe, die Berufsarbeit, 
üie Arbeits- und Lebenserfahrungen des kommenden Lebensabschnitte» 
dem jungen Menschen geben werden, ist es noch nicht „genug", 
gemessen an den Frauenaufgaben der Zeit, an dem, was Deutschland 
von der größeren Hälfte seiner Volksgenossen erwarten darf und 
erwarten muß. — 
Die Richtlinien für die Dberftufe der Volksschule sind da, sie 
sind großzügig und lassen unserer Arbeit weitesten Spieiraum. — Es 
darf uns nicht genügen, an der Ausarbeitung von Lehrplänen mit 
zuarbeiten. die auf Grund dieser Richtlinien aufgestellt werden: als 
Erzieherinnen der zukünftigen deutschen Frauen würden wir nur 
Bruchteilarbeit geleistet haben, wenn wir uns nicht darangeben, über 
oie besonderen Bildungs- und Erziehungsbedürfniffe der Mädchen 
nachzudenken und unsere Lehrplanarbeit nach den so gewonnenen 
Erkenntnissen einzustellen. Wir sind unserer verehrten 2. Vorsitzenden, 
Frl. Stoffels, herzlich dankbar, daß sie in ihrer Eigenschaft als Ab. 
geordnete bei der parlamentarischen Aussprache über die Richtlinien 
besonders betont hat, daß wir darin die Erziehungsziele ver» 
mißten. (Sie hat uns davon bei Gelegenheit einer Sitzung der 
Ausschuffes für Volksschulangelegenheiten berichtet.) Run ist es an 
uns, Erziehungsziele für die Mädchen zu finden, die sich innerhalb 
des von den Richtlinien gegebenen Spielraumes suchen und erreichen 
lassen. Ja — Erziehungsziele; — nichts tut unserem Volke, der 
deutschen Frau mehr not, als Erziehung; denn — „wollen wir 
deutsch verfahren, dann wenden wir vorerst die Kraft, die eitel nach 
außen sich verbreiten möchte, gegen uns selbst zurück", sagte in einer 
ähnlichen politischen Notzeit der große Görres. — 
Keine Jugendpflege und keine Jugendbewegung, keine Berufs« 
und Gewerbeschule kann in bleiern Sinne weiterbauen, wenn nicht 
die Volksschule den Grund zu einer solchen Erziehungsarbeit an dem 
heranreifenden jungen Menschenkind« gelegt hat. — Und diesen 
Grund legen wir. — das muß uns zunächst ganz klar werden, — 
weniger durch das was, als durch das wie unseres Unterrichtes, 
der ganz zwanglos in den Dienst der Erziehung gestellt werden kann, 
wenn die Erziehungsziele erst klar und offen vor uns liegen. 
Wie wird die Schicksalskuroe der Mädchen verlaufen, die wir 
aus der Schule und damit in vielen Fällen aus unserer Einfluß, 
sphäre entlassen? — Nach einer kurzen Zeit der Berufsvorbereitung, 
die ja kurzsichtige Eltern bei einem Mädchen leider auch oft ganz 
wegfallen lassen, geht das Mädchen m einen Erwerbs beruf über, 
aus dem die Ehe es wieder herausnimmt, — oder es steht in der 
großen Schar derer, die unverheiratet bleiben müssen, geht also auf 
den Kampfplatz der Arbeitskonkurrenz über, oder es zieht ein 
ganz besonders schweres Los, in dem es den Dualismus des Frauen« 
fchickfals ganz stark und lastend empfinden wird: es muß die Doppel, 
aufgäbe von Ehe und Erwerbsberuf auf sich nehmen, vielleicht bi»
	        
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