Full text: Wochenschrift für katholische Lehrerinnen - 37.1924 (37)

81 
becücksiqngt weroen, öte ihre stusoilouuij aus jtaarlichen volksschul 
Lehrerinnen.Seminaren erworben haben. Im Austrage gez. Klotzich. 
ü ui c Nr. 695 I Berlin W 8, den 26. Juli 1923 
Um der Frau den ihr gebührenden Einfluß auf die Mädchenerziehung 
zu Ilcpern, ist daraus Bedacht zu nehmen, daß in Mä^chenoolksschulen uno 
Mäschenmiitelschulen, loiern nicht im Linzelsall Behenden dagegen bestehen. 
Lehierinnen an der Klassensührung auch in den mittleren unk> 
pberen Klassen angemessen beteiligt werden. Wegen der Berr.ck- 
sichtigung von Lehrerinnen bei Besetzung von SchUleitermnenslellen nehme 
ich auf den Erlaß vom 22. Dezember 1922 — U Ill G 1417. 1 — Bezug 
>,ür die Mrlielickulen verweise ich auf die Bestimmungen über dre 
Neuordnung des Mltteljchulwesens vom 3 Februar 1910 unter Bll 5 u. 6. 
I. st.: gez. Kaestner. 
U III C Nr. 1444. Berlin W 8, den 6. September 1923. 
Ich erkläre mich damit einverstanden, daß der Satz I des «Erlasses vom 
26. Juli d. 3s. — U III C. t95. 1 - auf die Mädchenabteilungen solcher 
Volksschulen, in denen die beioen Geschlechter in gesonderten Massen unter 
einheitlicher Leiiung unterrichtet werden, sinngemäß ang wendet wird. 
Im stuslroge gez. Kaestner. 
Für das Verhältnis der Stellenzahlen von Lehrern und Lehre 
rinnen an der Volksschule mögen folgende Zahlen aus der allgemeinen 
Statistik von 1921 mitgeteilt werden: Zahl der Volksschulkinder in 
Preußen: 
a) Knaben 2,76 Millionen; Mädchen 2,7 Millionen. Stellen 
für Lehrer 87 454; — Lehrerinnen 30 502; Knabenklaflen 23 356; 
Müdchenklassen 23 145; gemischte Klassen 76 53 i. 
So steht es also mit der Lehrerinnenverwendung in der Volks 
schule. Sehen wir zu, w.e es in diesen Dingen in den mittleren 
und höheren Schulen steht. 
Die Abbauerlafle für mittlere und höhere Schulen bringen für 
die Sicherungen des Fraueneinflusses bei der Mädchenbildung keine 
besonderen Bestimmungen. Das bedeutet, datz die bestehenden Be 
stimmungen über das Zahlenverhältnis von Lehrern und Lehrerinnen 
an diesen Schulen nicht verändert wird. 
Für die Mittelschulen gelten also die Bestimmungen über die Neu 
ordnung des Mittelschulwesens vom 3. 2. 1910 — 8. II 5. „stn 
Mädchenmittelschulen erteilen in der Kegel vorwiegend Lehrerinnen 
bis in die obersten Klassen Unterricht, doch können auch männ 
liche Lehrkräfte an ihnen beschäftigt werden. In Klassen mit ge 
mischten Geschlechtern unterrichten besonders auf der Unter- und 
Mittelstufe ebenfalls Lehrer und Lehrerinnen nebeneinander. Auf 
der Unterstufe von Knabenmittelschulen dürfen auch Lehrerinnen 
den Unterricht geben. Die Leitung der Schulen üben an Mädchen- 
mittelschulen auch Schulvorsteherinnen aus." 
Die höheren Mädchenschulen, fußend auf den Bestimmungen von 
1894 richten sich nach den höheren weiblichen Lehranstalten. 
Die höheren Lehranstalten haben für ihren Lehrernachwuchs durch 
die soeben vorgelegte Anwärterordnung gesorgt, ’/e etwa der in 
die Liste aufzunehmenden Unwärter wird voraussichtlich werblich sein, 
d. h. die Afleflorinnen werden ihre eigene Liste erhalten mit einem 
Bruchteil der Anwärter. Diese geringere Zahl erklärt sich aus der 
kleineren Zahl öffentlicher weiblicher höherer Lehranstalten. Für 
das Zahlenverhältnis von Studienräten und Studienrätmnen bleibt 
es bei den bisherigen Bestimmungen, denen also auch der Abbau 
keine Veränderung brinqt. 
Zu deu kommenden Reichsragswahlen? 
von Elise Stoffels, m. d. pr. L. 
a) Sind Zrauenmandate notwendig? 
In den Keihen mancher Wähler und Wählerinnen wird jetzt zu 
der Zeit der Neuwahl des Keichstags diese Frage mehrfach erörtert. 
Man meint, früher habe es ohne Frauen gegangen, warum nicht jetzt? 
Darauf ist zu antworten: 
1. wir leben in einer neuen Zeit, welche dem ganzen Volk, 
insbesondere den Frauen im Volke neue Aufgaben gebracht hat. Es 
soll nur erinnert werden an die großen Gefahren, welche die neue 
3e>t der Jugenderziehung, der Volksgesundheit, der Volkssittlichkeit 
gebracht hat. Müssen da nicht alle Kräfte zur Hilfe aufgerufen 
werden? Und wenn man anerkennt, daß die Frauen in den Ge- 
meinden segensreich wirken in praktischer Arbeit auf dem Gebiete 
' stuf mehrfachen Wunsch bringen wir kleine stuslätze zur Wahl und 
empfehlen, sie unter entsprechender Veränderung in die Lokalpresse zu bringen. 
> - vie Schristleitung. 
der Jugenderziehung, der Volkswohlfahrt, weshalb soll man sie 
dann ausschließen von den gesetzgeberischen Arbeiten auf diesem 
Gebiete? wenn die Frau durch ihre Hauswirt chaft ein so wichtiger 
Gkonom in unserer Volkswirtschaft ist. daß man behauptet hat, 90% 
oes Volksvermögens gingen durch die Hand der Frau, ist es dann 
klug, die Frau auszuschließen von der Steuergesetzgebung? So 
ließen sich noch mehr Gründe aus dem wirken der Frau heraus 
anführen. 
2. Andere Gründe sind rechtlicher Art. Die Keichsverfasfung 
sagt in Artikel 109: Männer und Frauen haben grundsätzlich die 
gleichen staatsbürgerlichen Kechte und Pflichten, haben die Frauen 
das Kecht und die Pflicht, ihre Stimme für die Volksvertretung in 
die Wahlurne zu weifen, so haben sie auch das Kecht und die Pflicht, 
Frauen in die Parlamente zu entsenden, wenn sie der Überzeugung 
sind, daß die Frauen der großen Volksfamilie etwas anderes zu 
geben haben, als die Männer. Und das liegt in der Katur der 
Frau, die vom Schöpfer besondere Gaben und Kräfte erhalten hat, 
begründet. Jede Familie bietet den Beweis dafür. 
3. Millionen deutscher Frauen stehen selbständig im Erwerbs- 
leben ihres Volkes, bezahlen dem Staate ihre Steuern, genießen 
seinen Schutz, erfüllen eigene Verpflichtungen, warum sollen sie 
ausgeschaltet werden von der Gestaltung des Volks- und Wirtschafts 
lebens? haben sie doch nicht das Interefle eines Standes, sondern 
des ganzen erwerbstätigen weiblichen Geschlechtes und damit des 
Volkes zu vertreten! 
4. Und wenn christliche Wähler fragen nach der Berechtigung 
von Frauenvertrelerinnen im Keichstag, jenem Parlament, dar mit 
seinen Gesetzen alle volksintereflen ersaßt, so muß man ihnen ant 
worten: 
Seid ihr damit einverstanden, datz bei den Beratungen der Ge 
setze ungläubige, freigeistige Frauen, denen Ehe und Familie 
keine Bindungen und pflichten mehr bedeuten, die das Eigentums- 
recht verneinen usw., ihre Grundsätze verfechten und danach die Ge 
setze gestalten, ohne daß ihr ernsten, erfahrenen Frauen die Mög- 
llchkeit bietet, christliche Grundsätze für Volk und Staat zu vertreten? 
Oder wollt ihr diese Frauen Seite an Seite mit den christlichen 
Männern für unsere höchsten Güter Kämpfen lassen? 
Auch an die katholischen Lehrerinnen ergeht die Aufforderung, daß 
sie sich nicht bloß ihrer Pflicht am Wahltage bewußt werden, sondern 
auch dafür sorgen, daß in die Keihen der Kandidaten ihres Wahl 
kreises Frauennamen aufgenommen werden, die die ganze katholische 
Frauenwelt als ihre Führerinnen kennt und verehrt. Ist die Zahl 
der Frauenmandate klein, um so wertvoller muß jede einzelne Per 
sönlichkeit sein. 
b) was für Ansprüche stellen wir an unsere Reichstags- 
iandtdaleil? 
Jeder Kandidat, dem wir am Wahltage unsere Stimme geben, 
ob Mann oder Frau, muß sein 
1. eine charaktervolle Persönlichkeit, welche christliche 
Grundsätze nicht nur unterschreibt, sondern auch in ihrem persönlichen 
Leben befolgt, 
2. ein Volksvertreter, der die Nöte aller Volksschichten 
zu den seinen macht, wenn er auch einem Stande angehört und 
deflen Intereflen am besten kennt und am kräftigsten verfolgt, er 
darf das nicht tun unter Außerachtlaflung der Lebensbedingungen 
der anderen Berufsstände. Auch deren Fragen und Schwierigkeiten 
müflen Gegenstand seiner Arbeiten und Studien sein. 
3. ein rechter Staatsbürger, dem die Erhaltung der Kühe 
und Grdnunq >m Staate, die Sicherung seiner Lebensnotwendigkeiten 
das höchste Ziel ist; der auf dem Boden der Verfassung die Aufgaben 
der Gegenwart, mögen sie noch so schwierig sein, zu lösen sucht. 
4. ein Vorkämpfer für das Kecht, das Kecht der einzelnen 
Volksklassen, das Kecht auch in dem Leben der Völker. Darum 
hat der Keichstagsabgeordnete in höherem Maße als Abgeordnete 
anderer Parlamente, Geschichtskenntnis nötig, damit er die großen 
Zusammenhänge im politischen und wirtschaftlichen Leben der Völker 
sieht und versteht und danach seine Stellungnahme zu den außen- 
und innerpolitischen Fragen einrichtet. 
6. ein selbstloser Mensch, der nicht eigene Intereflen mit seinem 
Mandat verfolgt, sondern mit Hingabe seiner geistigen und körper 
lichen Kraft dem Ganzen dient.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.