Full text: Der junge Lehrer - 5.1923 (5)

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Werkblatt des katholischen Junglehrerbundes 
Erscheint alle 3 Wochen als Beilage zur pädagogischen post in Bochum. — Sondrrbezug vjerteljäyrlijch S00S Mk. — Postscheckkonto: 
Schristleitung und Geschäftsstelle in Rinkerode in Wests. 
21100 dortmuni) 
Nummer 5 
25.Kugust 1925 
5. Jahrgang 
Jnbalt: In deines Hergotts Schmiede. — Des Menschen Stunde. — Kunst und Leben: Anna von Krane. — Berufsarbeit: Fortbildung 
der Junglehrer in Bayern. — Eommeriegen. — Wirtschaftshilfe: „Schulsvarmahnabmen". Zur Nachahmung. Berlin und die 
Stellenlosen. — Aus dem Bunde: Unser Bundestag. Berichtigung 
In -eines Herrgotts Schmiede. 
Blick tief in -eines Herrgotts Schmiede/ 
Du sturmgeprüfter Wandersmann/ 
Lausch auf dem starken Hammerliede! 
Was gehen dich die Menschen an? 
Gb alle treulos dich verlassen 
Und schließen Tür und Laden zu, 
Es tont ein Treugruß durch die Gasten/ 
Der Herrgott ruft: „Grüß Gott!" hör* du! 
Tritt ein in seine Schmiedwerkstätte 
Und schmiede mit an deinem Glück, 
Schmied mit dem Herrgott um die Wette, 
Mit Gott fürwahr, da gib?s ein Stück! 
Und trittst du wieder auf die Gasten, 
Dann teil vom Werke andern aus, 
Gib nur, da bist du nie verlasten, 
Du bist willkommen jedem Haus. Eugen Mack. 
Des Menschen Stunde. 
Für fast jeden Mann gilt es eine Zeit, wo er sich mit allem 
Ernste tief drinnen im Herzen auseinander zu setzen hat mit 
Religion und religiöser Betätigung. Die eigene Natur und die 
Welt mit ihrem Geist zwingen ihn dazu. 
Wer diese Periode bereits bestand, wird sie als die aus 
schlaggebende Zeit ansehen, in der er religiös und sittlich und 
geistig das geworden, was er eigentlich wert ist; wer sie noch 
nicht erlebte, wird sie, gemahnt, leichter zu seinem Glücke aus 
nützen; wer gerade darin steckt, wird am dankbarsten darüber 
lesen, oder auch — leider kommt das vor — jedem ernsten und 
gut gemeinten Wort sein Ohr verschließen. 
Es ist eine Zeit der Gärung und Klärung, der Zweifel und 
Lösungen, der Schwierigkeiten und Siege oder Niederlagen, eine 
vielleicht nach der andern. Man sieht überall Fesseln und 
Schranken, für Verstand und Willen und Herz, für Geist und 
Fleisch und Blut, für Entfaltung und Freiheit und fragt sich: 
„Warum?* Wozu?" Man möchte neue Antworten und bessere 
Einsichten und zwingendere, klarere Beweise, mit Händen zu 
greifen; man möchte auch Zugeständnisse. die man sich selbst nickst 
ruhig zu geben wagt und anderswo an maßgebender Stelle 
nicht erhoffen kann. Zwingendere Beweise! Die man bisher 
als selbstverständlich hingenommen, scheinen jetzt nicht mehr den 
vielen gelesenen, gehörten und auch erlebten Einwänden stand 
zu halten. Aus Buch und Bild, Zeitung und Broschüre, kurz 
aus der „Welt" weht einem eine andere Luft entgegen, und im 
eigenen Gehirn und in der schwellenden Brust — da arbeiten 
Kräfte und regen sich Geister, die nicht dieselben sind wie die 
-in seligen Kindertagen, und die sich ohne weiteres nicht beschei 
den und auf ihre Wünsche verzichten wollen. 
Diese hochwichtige Zeit kommt bei dem einen früher, dem. 
andern später; beim einen spielt sie sich rasch ab, beim andern 
zieht sich der Prozeß über Jahre hin, beim eii^n verläuft er 
friedlich und sehr ruhig, wohl bei nur wenigen, bei den meisten 
setzt es harte Kämpfe ab. bei einigen heißt es Sturm und Orkan, 
der in wildem Brausen manchen Ast vom Baume reißt und 
leider selbst Stämme bricht und ganz entwurzelt. Bequem ist 
es da, sich treiben zu lasten von Wind und Wetter und, getragen 
von den Wogen, dahin zu gleiten; doch mancher stemmt sich 
gegen den Strom, arbeitet sich hinauf, und, gewöhnt an die An 
strengung, ihre Notwendigkeit immer klarer erkennend, folgt 
er immer freudiger dem Sterne, der über den Wellen leuchtet: 
dem hl. Glauben. 
Der Kampf um den Glauben und um das Leben nach dem 
Glauben, der sich in der Brust tiefinnerst abspielt, einmal gründ 
lich ausgefochten — das gänzliche, frei bewußte, vollständige 
Sich-Verschreiben an die Religion mit all ihren Konsequenzen, 
die sie an Herz und Leben stellt, ist für viele der Anfang zu hoher 
geistiger Reife und vollkommener Lebensführung. Wer in dieser 
Zeit groß dasteht vor sich selbst, treu dem, was er im innersten 
Herzen als das Edelste erkennt, wer großmütig und hochherzig 
auf die heißesten Begierden verzichtet und Partei ergreift gegen 
sich und andere für Gott allein, der hat das Zeug in sich zu 
einem Helden und Heiligen, er ist es schon, und wird es mir 
höchster Wahrscheinlichkeit bleiben bis an sein Ende. Aber da 
kommt es auf einen entschiedenen, ruhigen, heilig-ernsten Ent 
schluß an, dem sofort die Ausführung folgen muß. — Denn wer 
heute nicht die Kraft aufbringt, wird er es morgen nicht noch 
schwerer können? — Jeder sei überzeugt, daß er nichts Großes 
leisten wird und kann, es sei denn, daß er es leisten will, und 
müßte er dafür sterben. 
Wie mancher große Held und Heilige hat nie den Augen 
blick vergessen, in dem -et seine Damaskusstunde erlebte, — er 
braucht nicht gerade ein Saulus gewesen zu sein — wie manchem 
ist das Licht nie erloschen, das ihm aufging bei irgend einem 
Anlaß, irgend einer Predigt, Lesung oder in Exerzitien .. ., wie 
mancher preist selig die Stunde, in der er sich das erste Mal 
eigentlich als Geschöpf, Knecht, Sklave Gottes fühlte, aber auch 
als Freund und Kind des himmlischen Vaters, als er das Glück 
und den Segen verspürte, Christ und Katholik zu sein, aber auch 
der Verpflichtung und Verantwortung, der Kraft und der Stärk: 
sich bewußt wurde» die in diesen Wahrheiten und Wirklichkeiten 
liegt. Seit jenem Tage erst scheint ihm das Leben aufgegan^.n 
zu sein, da der Glaube in ihm vollauf lebendig wurde und ihn 
ganz beherrschte, zu Hause und draußen, in der Kirche und nicht 
weniger im Arbeitszimmer, in der Schule, in Gesellschaft bei 
andern und allein, auf Wanderungen und Reisen, kurz: im 
privaten und öffentlichen, im wirtschaftlichen und politischen 
Leben. 
Im großen Stile erlebten der hl. Paulus und Augustinus, 
der hl. Ignatius und Franz Taver diesen Umschwung in ihre ' 
Innern, der für immer ihr ganzes äußeres Leben bestimmte; im 
kleinen Maßstabe finden wir diese Konversion auch beim sel. 
Petrus Canisius und mehr oder weniger bei jedem edlen und 
wahrhaft nach Heiligkeit ringenden Manne, welchen Standes 
er auch sei. Der Tag, die Stunde, die Gnade kommt, die den 
Menschen gleichsam sich selbst überläßt und zuwartet, was er 
tut, wie weit er zugreift, wie hoch er zielt, wie entschlossen, groß 
mütig er, über alles Kleinliche hinweg schauend, sich ganz hin 
werfen wird ans Höchste, Edelste, Reinste, Schönste in seinem 
Leben und seinem Stande. 
Entsprechend seinem Hochsinn folgt dann Kraft und Freude 
aus der Höhe. Der Glaube wird sein Auge klar halten und ihn 
hinführen zu jenen Höhen, die er sich selbst gesteckt hat. als er 
gründlich in seinem innersten Herzen sich einmal auseinander« 
setzte mit Religion und religiösem Leben. 
Kunst und Leben 
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Tlnna von Krane. 
Heinrich Iünemann 
Was sagt doch die Dichterin in ihrem Buche „Flüchtige 
Schatten" (Hausen-Bücherei) über Helmut, der anfangs mit 
seinen Gefühlen spielt und endlich, durch ein großes Erlebnis 
aufgeschreckt, zum Dichter wird? 
„Bild auf Bild bestürmte seine Seele, ungeahnte Melodien 
brausten um sein Ohr, Menschen, die er nie gekannt und die doch
	        
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