216
emmuentemenetmammunn mou eum emen emm
völlig vur Städte und größere Dörfer! Begegnet' man nicht dort |
jetzt Leuten , welche über die 4 Grundrechnungsarten hinaus
find? Bor 350 Jahren konnte M. Philipp Melanc der Präceptor Germaniä, in Wittenberg es wagen, für ſeine
Studenten ein Kolleg „über die 4 Spezies“ anzufündi-
en. Wie ändern nd doh die Zeiten Wehe dem Lehrer
jet, welher im Rechnen nur bei Melan gehört hätte ! =-
Aus allen dieſen Gründen halten wir eine allgemeine
formale Bildung der Lehrer für geboten und rufen ihnen,
wie Shulze-Delitzſ< den Arbeitern, zu: „Ihr werdet
das Ziel eures Strebens nicht erreichen ohne höhere Bil-=
dung; alles Uebrige hängt von eurer Selbſthilfe ab!“
Vergleichen wir nun mit dieſer Forderung die gegen=
wärtige Bildung der Lehrer, wie ſie ihnen unſere offi-
ciellen Bildungsanſtalten in dr ei= oder gar nur zweijähri=
ger Unterrichtszeit gewähren, ſo können wir allerdings nicht
verhehlen, daß Ideal und Wirklichkeit biSweilen no< aus=
einander gehen, und wir beklagen dieß tief im Intereſſe der
Schule, welches mit dem der Menſchheit identiſch iſt! Daß
man aber die Lehrer durch Feldarbeiten, Rajolen und Graben,
oder Schnitzen von Pantoffeln, Löffeln, Butterformen, Waſch=
klammern und Korbflehten in Holzſchuppen, wie in einem
Seminare Deutſc ihren Beruf wii vorbereite , dagegen gehen uns natürlich
no< mehr Zweifel bei.-- Um Waldbäume ziehen zu laſſen,
dazu hält der Staat wiſſenſc männer für nöthig; um aber aus den Kindern des Volks
Menſc nügten manihen Staaten bloße Halbgebildete, wie falſch!
-- Der Staat beklage es dann nicht, wenn erſtatt Trauben nux
Herlinge erntet; wenn ihm ſtatt Roſen nur Dornen
ſproſſen =- er genießt ja in ſeiner Ernte nur ſeine kümmer=
lihe Saat! =-
Die Hauptſache im Lehrerberufe iſt, daß der Lehrer ſelbſt
das Ziel erreicht habe, zu dem die Menſchheit geführt werden
ſoll. Ie mehr Kultur der Lehrer ſelbſt hat, deſto mehr kann
er verbreiten. Er muß alſo ſelbſt eine tiefe Bildung beſitzen ;
die Kenntniß des Weges, auf welchem ex ſeine Bildung An=
deren vermittelt (Methodologie im weiteren Sinne), it erſt
das Zweite und ergibt ſich bei Einſicht und Fleiß bald
von ſelbſt. Leider fehren manche Seminarien die Sache um.
Wir verlangen nun:
1) Beſſere Vorbildung der Seminariſten, am beſten durch
Realgymnaſien.
2) Beſſere Aus bildung dur< das Seminar der Zukunft,
mit mindeſtens vierjähriger Unterrichtszeit.
3) Für einzelne Seminariſten Univerſitätsbildung.
B) Die tehniſc pädagogiſch-gebildete Männer betr.
ur vollendeten Volksſchule gehbren niht nur : eine
ute Oberleitung und tüchtige Ar beitskräfte, ſondern
die fordert weiter auch eine te aufſihtigung. Gerade die Lehrer wollen keineswegs auf =
ſjicht8los, ſouverain ſein, was auch. weder zwe>mäßig,
no< möglich wäre; ſie begehren nur eine fachkundige Let-
tung, nichts weiter. Was- man ſonſt no< den Lehrern für
Verlangen in Herz und Mund gelegt hat, iſt nicht Wahrheit
und Dichtung, ſondern veine Dichtung ohne Wahrheit.
Dieſer Wunſch nach techniſcher Leitung und Inſpektion
ſcheint mir aber ein ebenſo beſcheidener, als gerechter
zu ſein, welcher einfach in der Natur der Sache begründet
liegt und für den, wel organismus hat, eigentlich ganz von ſelbſt ſich verſteht.

(
(
i
4
Fordert man zum Ueberfluſßs no< Gründe, ſo dürften
folgende beredtes Zeugniß ablegen.
1) Kein menſchliches , ſelbſtthätiges Werk kann ohne teh
niſ Seele, die Erhaltung und Regierung des Ganzen iſt; folg-
lich muß auch die Volksſhule einer tehniſhen Leitung theil-
haftig werden.
ime Armee Soldaten wird ſich auflöſen, wenn nicht
Korporalſ Fachmännern beaufſichtigt und geführt werden. Eine Stern-
warte kann nicht beſtehen, wenn kein Fachmann an ihrer
Spitze ſteht. Eine Kapelle bedarf zu ihrer Exiſtenz der Lei-
tung eines Muſikus. Man wird nicht einen Maler oder
Bildhauer als Kapellmeiſter berufen , ſo verwandt au dieſe
Künſte unter einander ſind. So wird man an die Spitze
eines zoologiſMen Gartens auc< keinen Chemiker berufen,
wenn derſelbe auch Naturkundiger iſt gleich dem Zoologen,
ebenſo wenig, als man einen Juriſten über einen Kirh-
ſprengel ſet. Demnach wird man auc an die Bolksſ zu ihrer Leitung. und Beaufſichtigung nicht Männer eines
anderen Standes ſtellen können, ſo verwandt derſelbe auch
mit dem des Lehrerſtandes übrigens ſein mag.
Warum kann aber- ein anderer Stand die Lehrerwirk-
ſamkeit nicht erfolgreich leiten und beaufſichtigen ?
1) Weil: zur techniſchen Aufſi Einſicht, praktiſche Fertigkeit und Erfahrung gehören ;
2) weil der Schulaufjeher ſeine ganze Liebe und volle,
ungetheilte Mannesfkraft auf ſeine Schulthätigkeit zu len-
en hat;
3) weil die ſac gerechte Würdigung der Arbeiter=-Leiſtungen bedingt.
Dieſe drei Vorbedingungen vermag aber ein anderer
Stand nicht zu erfüllen, wenn er nicht mit ſeinem eigenen
Berufe in Widerſpruch kommen will. Niemand kann zweien
Herren dienen und beide mit demſelben Herzen lieben. Ex
wird dem einen anhangen und den andern verachten. Wer
zwei Berufen obliegt, betrachtet den einen ſtets als Haupt-,
den andern als Nebenſache. Die Schule will aber keine
Nebenſache ſein. Die Pädagogik iſt in unſeren Tagen eine
ſelbſtſtändige, weit verzweigte Wiſſenſchaft, welche den
ganzen Mann vollſtändig in Anſpruch nimmt.
Ze mehr das Prinzip der Arbeitstheilung ihre ſchnellen
Fortſchritte machr, deſto mehr naht die Zukunft, welche auch
der Bolksſhule die ſachkundige Leitung giebt; und wenn die-
ſelbe eintritt, dann wird die durch Glieder eines anderen
Standes ausgeübte Lokalinſpektion, welc De unnöthig und unmotivirt ſein dürfte, von ſelbſt weg=
allen.
Leider hat man dieſe einfache, ſelbſtverſtändliche, rein
techniſche Frage auf das religiöſe oder ſogar politiſche
Gebiet überzuſpielen geſn Bolkswohlfahrt tief zu beklagen.
- Mit der Trennung der Kirche von derScule hat näm-
lid) die ſachkundige Leitung nichts gemein. Gerade die Volks-
ſ der Kirche, wie wir dieß Alle auch ſehnlichſt wünſchen, in
eime aufrichtige, inntge Verbindung treten. Die Volks-
j Band gegenſeitiger Anerkennung, Achtung und Liebe treu
verbunden ſein.
Einfichtsvolle Geiſtlihe, ſo 3. B. Dekan Bauer in
Weinsberg, Pfarrer Schellenberg, ſehen ſchon jetzt ein,
daß dieß Band kommt, ſobald auch die Schule ihre Rechte
erhält.
So ſprach Pfarrer Schellenberg bei der allgemeinen
deutſchen Lehrerverſammlung in Mannheim:
„3d) werde den Tag mit Freuden begrüßen, an dem die

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.