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Schule ſich ſelbſt gegeben wird. Die Kir< e hat auf ihrem
Boden vollauf Arbeit ; das geiſtige Band aber, welches beide
Anſtalten verbindet, wird dadurc< nicht getrennt, wenn ſie
beide, was ihre Aufgabe iſt, für die wahre geiſtige und ſitt=
liche Bildung der Menſchheit wirken.“
So ein edler Pfarrer.
Wie Vater und Mutter in der Familienerziehung, ſo
ſollen Kirche und Schule in der Volks8erziehung die Hand zum
ewigen Segensbunde ſich reichen , weil beide, wenn auch nicht
dieſetben näheren Zwecke und auf denſelben Wegen , ſo
doh daſſelbe Endziel verfolgen. Demnach wird auch die
Bolksſ von ſich abweiſen, wenn ſie die Religion, wie wir thun
wollen, für ihren Grundpfeiler unddie Sittlichkeit
für tihr höchſtes Ziel erklärt.
Sechſter Iiundamentalſaß. (Zeußere Hilfsmittel.)
„Die Bolksſc kommneren äußeren Hilfsmitteln arbeiten.“
Zu dieſen äußeren Hilfsmitteln der Bolksſchule gehören
Schulgebäude, Lehrerwohnungen, Lehrzimmer, Lehrmittel,
auch die Dotation der Lehrerſtellen. Alle dieſe äußeren Werk=
zeuge und Mittel ſind die Diener, die Hüllen und Begleiter
des geiſtigen Schullebens; auh ſie ſollen ihrem Ideale mög=
lichſt nahe kommen, au< ihnen ſoll das Ideal den Stempel
der Bollendung auf die Stirn drücken. Dieſe Forderung iſt
ſelbſtverſtändlich und reſultirt ganz aus den vorigen Theſen ;
ih kann mich alſo hier kurz faſſen. Um die Lehrerkräfte in ent=
ſprechender Zahl und Güte zu erlangen, um das ganze
Schulweſen emporzuheben, dazu iſt vor allem nöthig, daß
Arbeit und Lohn im richtiges Verhältniß geſetzt, die Lehrer=
ſtellen alſo überall angemeſſen dotirt werden. Wenn dieß die
Schule der Gegenwart noh nicht genug erkennt, die Volks-
ſc In Betreff zwe>kmäßiger Schulgebäude und
Lehrerwohnungen verweiſe ich hier auf eine neue, vor-=
züglihe Schrift, welche alle hier einſchlagenden Verhältniſſe
auf wiſſenſchaftliche Grundſätze baſfirt und treffliche praktiſche
Vorſchläge zur Crrichtung guter Schulgebäude, Lehrſäle 2c.
an die Hand gibt, de8halb auch bereits von der hohen Regie-
rung des Königreichs Sachſen unter ven Schulbehörden ein-
geführt wurde:
„Das Schulhaus und deſſen innere Cinrich-
tung v. Geh. Iuſtizr. Zwez zu Weimar, vortr. Rathe
im Dep. d. I. uU, d. Kultus. Weimar, Böhlau. 1864.
103/; Druckbog. , mit vielen Zeichnungen u. ſtatiſtiſchen
Tabellen.“ (25 Sgr.)
Hiebenfer JTundamentalſaß. (Inneres.)
„Die Volksſ Geiſte Peſtalozz'8 organtſirte8s undauf dieGrund=
ſätze der neueren Pädagogik gebautes Inſtitut.“
(Die Zeit geſtattet mir nicht, dieſen Punkt jetzt weiter dar=
zulegen; ich muß mir alſo die desfallſigen Erörterungen für
eine ſpätere Zeit vorbehalten.)
Viele dieſer Ideen ſind weiter dargelegt und motivirt in
einer bereits erſchienenen Schrift des Referenten:
„Püdagog. Bauſteine von G. Fröhlich. Eiſenach,
Bäre>e, 1864. 121/, Sgr. 81/, Drubog. *) (Ge-=
krönte Preisſhrift.)
(S. Näheres über dieſe Schrift im Inſeratentheile dieſes
Blattes.)
Schluß. Meine Herren! -- Wenn ich hier verſu von der Schule ein Bild der Vollkommenheit zu entwerfen,
ſo bitte ih, Sie wollen im Geiſte das Fehlende ergänzen.
*) Dieſe Schrift wurde in der allgem. deutſchen Lehrerzeitung
bereits mehrmals beſproHhen und warm empfoblen. (D. Red.)


1


jup
(
Das Urbild, welches uns vorleuchtet, wird unſer Streben
ermuntern, jene hohwichtige Anſtalt zu vollenden, welche aus
einem Volk erſt eine Nation ſc Wenn in der Gegenwart für den treuen Lehrer oft kein
Blümchen ſproßt, nur getroſt, mein Freund! die Volksſchule
der Zufunft wird die Namen ihrer wackeren Meiſter und
Arbeiter an den Himmel ſchreiben; und die aus ihr hervor-
gehenden dankbaren Schüler der Zukunft werden unter den
beſten Namen auch die Namen ihrer Lehrer nennen.
Läßt dich, Mitarbeiter, die Gegenwart oft kalt, ſo trage
die Himmelstohter Phantaſie auf Adlerſ des Herz empor zum heiteren Reiche des Ideals. --
Mit Enthuſiasmus ergreife eine große Idee; Berge von
Hinderniſſen räumt jene göttliche Kraft der Begeiſterung aus
dem Wege; ſie zieht mit dir in den Kampf und verleibt dir
den Sieg. Sie verſtärkt die Leuchte deiner Vernunft durc
die Kraft des fühlenden Herzens, und dem ſc lihen Willen verleiht ſie Nahdru> und Ausdauer.
Mit W. v. Göthe ſprechen wir darum:
Die Zukunft deet
Shmerzen und Glüce
Scrittweis dem Blidez;
Do Dringen wir vorwärts! -- *)
Cs verhehlt der beſonnene Mann ſich nicht, daß er
einem Ideale nie vollkommen ſich zu nähern vermöge; daß
es unnahbar bleibe, wie jedes Götterkind. Dagegen ruft
ihm aber wieder die Stimme ſeines Herzens zu:
Wenn di< nur Liebe und Begeiſt'rung heben,
Dann fehlt dir anc< des Sehers Gabe nicht;
Wenn dich erfaßt das ideale Streben,
Dir leuchtet hell der Zukunft Morgenlicht.
Fort zieht es dich, du wirſt emporgeſchwungen.
Der Schleier fällt: --- dein Ziel haſt du errungen! **)
Die Schule der Zukunft iſt Wegzeiger zu des Volkes
Größe und Heil ; ſie lenkt das Schiff der menſchlichen Geſell=
j Abnahme der Maſſenarmuth, Schwinden der Vorurtheile,
der Verbrechen iſt die eine Frucht unſeres Ideals; Einkehr
der Ehrfur Bruderliebe, der Selbſterkenntniß, der Vernunft, das friedliche
Umfaſſen aller Religionen und Stände: -- das iſt die andere
Frucht der Zukunftsſchule, als Pflanzſtätte der Humani=
tät. Cin vollkommneres Geſchleht ſehen wir im Geiſte
dereinſt wallen aus des Sc Sanftere Jahrhunderte ziehen dann herauf, in denen die
Menſc ſein wird. Alsdann wird es nicht mehr heißen, wie ehedem
ein großer Dichter ſprach:
„Das Jahrhundert iſt meinem Ideale nod
nicht reif. I< lebe ein Bürger derer, die da
fommen werden!“ ***)
Leben wir vielmehr der Hoffnung , daß dereinſt, am Ziele
unſeres Streben8, aus Dichtermund uns dieſes Wort ſo
entgegentöne :
„Reif iſt der Bürger meinen Idealen: --
Der Schule will ih Dank dafür bezahlen.“
(Allgem. Bravo!)
Präſident: „Meine Herren! Es iſt der Vorſ macht worden , die Diskuſſion zu beſchränken auf Nr. 1, 2,
6 und 7, und wenn ſic; kein Widerſpruch in dex Verſamm=

*) W. v. Göthe im Fauſt.
**) Aus einem Gedichte v. S. Fröhlich.
+x*) Fr. v. Schiller, Don Karlos, Infant von Spanien.

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