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lung dagegen erhebt, dann würden wir das als einen Be-
ſ Dr. Schulze aus Ohrdruf: „Meine Herren! I er-
laube mir, einen Vorſchlag in Betreff der Berhandlung zu
machen, wel und weitführende ſein wird, weil der Vortrag in alle einzel=
nen Vorkommniſſe des Schulweſens eingreiſt, ſo daß wir
nicht einen Tag, nicht eine Woche, ſondern Monate lang
darüber debattiren könnten. Einzelne Punkte daraus ſind
von beſonderer Wichtigkeit, für unſere Zeit vorzüglich aber
der Punkt der Schulgejetzgebung , und ich wollte vorſchlagen,
uns auf dieſen einen Punkt zu koncentriren und zunächſt die
Theſen zu vernehmen, die unſer geehrter Herr Vorſitzender,
Theodor Hoffmann, nach dem Programm und nach der Feſt=
ſtellung der Verſammlung zunächſt zum Vortrag bringen
wird. Sollten alſo die Herren , die ſic< ſhon zum Wort ge-
meldet haben, um auf den letzten Vortrag Einiges zu er-
widern , ihre Bemerkungen darauf hin ſparen , daß erſt dieſe
Theſen mitgetheilt würden, oder, wenn ſie ſich nicht darauf
beziehen , überhaupt auf Anregung einer weithin führenden
Debatte verzichten, ſo bitte ich, daß die Berſammlung be-
ſchließe, zunächſt die Theſen über die Schulgeſebgebung von
unſerem Herrn Borſienden anzuhören.“
Rektor Schiek aus Grimma: „Ic< bin mit dem gemach=
ten Vorſchlage durchaus nicht einverſtanden, gerade eben,
weil der Bortrag ſo weitgreiſend iſt, den Der Borredner ge-
halten hat. Gerade de8Shalb meine ich, muß nan vorzüglich
die Debatte empfehlen, beſonders auc? zu vorgängiger Be-
gründung der Hofſmann'ſchen Theſen über die Weſebgebung
für die Shule. Das Geſetz bekommt erſt ſeine Grundlage,
wenn das Weſen dex Schule, wenn das Ziel der Schule er=
kannt iſt; mtr erſt dann kann man vernünfriger Weiſe über
Schulgeſelzgebung debattiren. Die Kardinalfragen ſind ganz
unbedingt erſt das Ziel der Bolksſhule, die Zeit und die
Beaufſichiigung derſelben, ſowie die dem Lehrer zu gebende
Bildung. Auf dieſe Punkte Ihre Aufmerkſamkeit zu richten,
halte ich beſonders für meinen Zweck. Alſe bitte ich, auf
den Borſchlag des Herrn Schulze m zunächſt dieſen Borſchlag ins Auge zu faſſen. Ueberdies,
was für einen Zweck ſollte es autc< haben, den Bortrag zu
halten, wenn mht über denſelben geſprochen werden ſollte ?
Dann wäre es viel beſſer, wir druckten die Vorträge und
läſen ſie ruhig zu Haus. Alſo bitte ich das geehrte Präſiz
dium, eine Anfrage darauf zu richten, ob der vorige Bortrag
zur Disfuſſion kommen ſoll oder nicht.“
Direktor Berthelt aus Dresren: „Id kann nt dem
Vorſchlage meines geehrten Vorredners, des Herrn Dr.Sculze, '
j

auch nicht einverſtanden ſein, ſchon De8halb, weil die Verſamm=
lung nicht mehr ſo zahlreich iſt, als ſie vorhin war, Da man
nicht vermuthet hat, daß der Bortrag des Herrn Vorſitzenden
Hoffmann jekt ſtattfinden werde. Cs würde mir leid ſein
unt derer willen, die den Vortrag gern hören wollen und
ihn gegenwärtig nicht erwartet haben.
uicht mehr bei 1o friſcher Kraft, um auf einen neuen Vor=
rag einzugehen. I< würde für zwe>mäßig halten, daß
wir von unſerer Disfuſſion des vorhin gehörten Bortrags
ausſcheiden, was mit dem Bortrag des Herrn Präſidenten
zuſammenfallen würde , daß wir zweitens das ausſcheiden,
worauf uns der Vortrag des Herrn Dr. Panitz führen
wird. Cs bleiben uns nun pon dem gehörten Vortrage |
einige Punkte übrig, auf welche die genannten Vorträge ſich“
nicht beziehen, und auf dieſe möge unſere Berhandlung ſich
erſtre>en. <<< meine alſo, daß wir über den gehörten Vor=
trag mit Ausnahme der Theſen, die im vem Hoffmann ſchen
Bortrage 2c. zur Beſprechung kommen, in die Verhandlung
eintreten.“ |
Pfarrer Rie>ke aus Neuffen ſchließt ſich dem Vorredner
vollkommen an und der Präſident eröffnet die Debatte
über Fröhlich's Vortrag.
(Fortſetzung folgt.)

Tagesgeſchichtliches und Feuilleton.
Dresden. Das Kindertheater als ſol Entziehung der Konceſſion ſchlafen gegangen. Statt deſſen
hat man der jetzigen Direktion die Erlaubniß zu einer Theate-
ſchule ertheilt, in welche nur Konfirmirte aufgenommen wer=
den dürfen. Damit hat auch der pädagogiſche Verein das
erreiht, was er angeſtrebt, nämlich zu verhüten, daß Sc kinder als Schauſpieler verwendet werden und daß Scul=
findern täglich Welegenheit geboten wird, ſich Dur paſſive
Theilnahme zu zerſtreuen. Wenn der Ref. der „Allg. Schul=
zeitung“ meint, eine Polemik ſei bei der verhältnißmäßig
guten Ausführung der Sache nicht ganz ſachgemäß geweſen,
theilen wir darin nicht ſeinen Standpunkt, ſondern den der
Redaktion ſeines Blattes. Aud bei der moraliſchen Unge=
fährlichfeit der Stücke bleibt immer noh die moraliſche Ge=
fahr der Sache ſelbſt. Wenn ferner jener Referent be=
hauptet, daß die Gegner des Unternehmens ſich daſſelbe nicht
angeſehen hätten, ſo wird er wohl die Borſtandsmitglieder
des pädagog. Vereins ausSnehmen müſſen, die erſt dann rvede=
ten, nachdem Einige von ihnen ex officio das Theater ge=
ſehen und darüber referirt hatten. =
Dr. Kloß, Vorſitzender im Ausſhuſſe der deutſchen Turn=
lehrerſchaft, macht befannt, daß wegen der mehrfachen für
dieſes Jahr in Norddeutſchland einfallenden größeren Ber=
ſammlungen und Feſtlichkeiten die 4. Turnlehrerverſamm=
lung die8Smal ausfallen und dafür 1866 in einer ſüddeutſchen
Stadt gehalten werden ſoll.
Leipzig. Es iſt Ausſicht vorhanden, einen nicht unbe=
irähtlichen Theil der bei der XY. allgemeinen deutſchen
PLehrerverſammlung hier ausgeſtellten Lehrmittel zu einer
„permanenten Lehrmittelausſtellung“' vereinigt
zu ſehen. Vor der Hand haben ſchon 37, zum größten Theil
bedeutende , Verlag8shandlungen ihre Zuſtimmung gegeben.
Damit wäre denn ein trefflicher Grund gelegt und ein ex=
folgreicher Schritt zur Erfüllung eines lange gehegten Wun=
ſches, dem ſich längere Zeit allerlet Hinderniſſe entgegen=
ſtellten , gethan. Dr. B.
Berlin. In dem Haushaltplan für 1865, Kap. YU.
Sculverwaltung, lieſt man unter B.: Gemeindeſchulen :
Cinnahme 37,970 Thlr., Aus8gabe 231,550 Thlr. C. Sc weſen im Allgemeinen (Turnunterricht, Hausbauten 2c.):
Cinnahme 4938 Thlr. , Ausgabe 15,992 Thlr. -- Um der
922... “ , Veberfüllung der Unterklaſſen an Gymnaſien und Real=-
Wir ſind aber aun) ſchulen vorzubeugen , hat das Provinzialſchulkollegium be=
/ ſtimmt, daß der Geſammtbeſtand einer Klaſſe die Zahl 50
; nicht überſteige.

t
'
,
Bayern. Wir haben erſt vor Kurzem darauf hinge=
wieſen , wie ſich gerade in Bayern das Intereſſe an Schule
und Lehrern ſehr oft dur mentirt. Ießbzt können wir ſ berichten : Der in Erlangen verſtorbene (oder wie e8in Bayern
heißt: -verlebte) Brauer Vierzigmann hat 5000 fl. teſtirt zur
Unterſtüßung dex Schullehrer.
Baden. Die gegen die- Schulreform eingehenden Pe-
titionen mehren ſich in bedeutender Weiſe; ihre Zahl iſt be=

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