Herausgegeben von A, Berthelt,
Unter Viſwirkung yon Ferd, Schnell.






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Sonntag, den 16. Juli.
Auffätze über zeitgemäße Themate u. Mittheilungen
über Schul- und Lehrerverhältniſſe ſind willkommen.
Schriften zur Recenjion ſind unberechnet einzuſenden
und findet eine NRüdſendung derſelben nicht ſtatt.


Die XV. allgemeine deutſche Lehrerverſammlung
den 5. bis 8. Juni 1865 in Leipzig.
Erſte Hauptverſammlung.
(Fortſetzung.)
Dir. Kaiſer aus Wien: „I< war überzeugt, man
würde in dem Fröhlich'ſ ſchule in der Zukunft ſehen, habe jedoch in dieſer fleißig ge-
arbeiteten Rede es nicht gefunden. Sein Hauptgedanke ſc ſih auf die Forderung zu koncentriren : „in Zukunft ſoll die
Volksſ - werden“; und ic< geſtatte mir nun Dagegen die Frage, ob
dieſe Forderung nicht bereits in verſchiedenen Staaten erfüllt
iſt, da wir in ſehr verſchiedenen Staaten die verſchiedenſten
Arten von Fortbildungsſhulen und zum Theil in ganz be-
deutender Ausbildung beſitzen, während ſie in anderen Staaten
mehr und mehr vervollkommnet werden. Nehmen wir indeß
an, ſie ſeien noch nicht ſo, wie es ſein muß , man habe daher
dahin zu ſtreben, die Fortbildungsſ Stufe zu bringen, ſo ſehe ich doh no keine8wegs ein, wie
das Heil und die Zukunft der Volksſchule in dem Beſtande
von Fortbildungsſ bildung der Jugend ſind mix nur zwei Wege denkbar; ent-
weder haben die Aeltern die Mittel und den Willen, ihre
Kinder [ſo weit als möglic ſie es ſhon thun und wiſſenſchaftlich gebildete Männer aus
ihnen zu machen ſuchen, und die Kultur wird dem jungen
Menſchen eingeimpft werden, wenn nur die Schule die rich-
tige Erziehung gibt; oder aber, die Aeltern ſind nicht im
Stande, ſie weit über die Volksſhule hinauszuführen, und
aus ſol Wenn nun der Vortrag nichts weiter verlangt, als allein
Fortbildungsſ holungsſ u. f. w. beſtehen, ſo wäre ja die Volksſhule der Zukunft be-
reits überall da vorhanden, wo eine geregelte Fortbildungs-
ſchule der Art bereits beſteht.
Meine Herren! Gegen eine ſolche Auffaſſung muß ich
mic< hier entſ bekommt man Individuen der heterogenſten Art, Individuen,
welche ihren erſten Unterricht in den verſchiedenſten Lehran-
ſtalten der verſchiedenſten Länder erhalten haben; wie kann
da, ſelbſt beim beſten Willen, für Alle etwas gleihmäßig

Gutes geboten werden. Ueberdieß kann eine ſol vungöſchule ihren Unterricht durchaus nicht ununterbrochen
alltäglich fortſetzen , ſie kann ihn höchſtens zwei=, dreimal
wöchentlich ertheilen und jedes Mal nur einige Stunden.
Da hat ſie denn wohl genug zu thun, um nur das früher
Verſäumte nachzuholen, von einem eigentlichen fortbildenden
Unterric Zuge einer ſfolhen Fortbildungsſ Volksſchule geſchaffen und geſichert werden ſoll, tſt mix meiner=
ſeits unerklärlich. Hierin liegt aber meines Erachtens nach
die wichtigſte Theſe des ganzen Fröhlich'ſ Allerdings halte ich Tortbildungsſ aber nimmermehr für eine Crgänzung der Volksſchulen,
wenn Kultur und Cwiliſation deren Aufgabe ſein ſoll.“
Direktor Stern aus Frankfurt am Main: „Der Gegen-
ſtand, welcher mich veranlaßt, das Wort zu ergreifen, | im
der dritten (4. ?) Thefe enthalten, nämlich die Frage über
das Recht, das faſt ausſchließliche Recht des Staats, die
Aufſicht über die Schule zu führen. Der Referent hat ent=
ſchieden dieſe Richtung der Kontrole betont und geſagt, weder
a. die Gemeinde, no< b. die Kirche könnten für ſich die Kon-=
trole ausüben , folglich müſſe es der Staat thun. Dieſe
Schlußfolgerung kann ich als richtig ni a. und b. das Recht nicht jedes für ſich, ſo können ſic es Dod
gemeinſam haben odex auc< in Verbindung mit 6. Die
Frage über das Necht der Herrſchaft, über die Pflicht der
Kontrole über die Schulen iſt nict mit einem Worte zu ent-=
ſcheiden , ſondern muß je nach Verhältniſſen und Bildungs-
uſtänden in der etnen oder andern Weiſe entſchieden werden.
Tragt es ſich aber, welches die Entſ der Zukunft iſt, ſo muß entſchieden der entgegengeſetzte Weg
gegangen werden , denn die Richtung der Gegenwart iſt nicht
die Centraliſation , ſondern die Decentraliſation ; je weiter
die Zeit fortſchreitet, um ſo mehr werden die Gemeinden
und Korporationen im Stande ſein, das Gebührende für die
Schule zu thun. -- Die Schule der Zukunft wird aber eine
ſolche ſein, welche der Abhängigkeit vom Staate nicht mehr,
ja dex Abhängigkeit überhaupt nicht mehr bedarf. Der Ge-
ſihtspunkt bei Entſcheidung ſolcher Fragen ſcheint mir ein
gerade entgegengeſeßter zu jein, als der des Herrn Fröhlich.
Der Ausgangspunkt für die Schule iſt die Familie, denn die
Erziehung iſt Sache der Familie ; die Schule beſteht aus einer
Anzahl von Individuen ; das erſte Recht hat alſo das Indi-

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