ſtand in ähnlicher Weiſe ſeine Zuſammengehörigkeit und
Selbſtſtändigkeit beweiſe und dadur< ein fröhlicheres Selbſt=
bewußtſein "+ erwirke gegenüber jener großen Maſſe, die
mit einer gewiſſen Geringſchätzung auf denſelben herabzu-
blien pflegt, da ſie gewohnt 1iſt, die Wichtigkeit und Nüßlich=
keit des Einzelnen, wie ganzer Genoſſenſchaften in der bürger=
lichen Geſellſhaft nach rein materiellem Maßſtabe zu be=
meſſen. Und darum wird jeder wahre Freund der Lehrer es
froh begrüßen, wenn dieſe im engeren und weiteren Kreiſen
zu Geſangvereinen und Geſangfeſten ſic) zuſammenthun.
Es haben jol Der meiſt ſtatutenmäßig ſc Pflege des Geſanges und des Orgelſpieles. Fürwahr ein
dankenswerther Zwe>! Was ſollte denen, die da berufen
ſind, das deutſche Lied zu einem Gemeingut der Nation zu
machen, aber auh dringlicher am Herzen liegen, als ſic) Jahr
um Jahr ſelbſt tiefer hinein zu leben im dieſen Nationalreich-
thum unſers Belkes, als Jahr um Jahr aus dieſem unver=
ſieglichen Borne die Seele mit neuer Friſche und Fröhlichkeit
zu laben! Iſt denn nicht das deutſche Lied einer der wich=
tigſten Hebel für die Erziehung und Bildung unſeres Volkes,
1a, iſt es nicht ſo oft und gerade in den epohemachenden Zeiten
unſerer vaterländiſ wacht geweſen ? --- Auch der Orgel, dieſer Königin der muſi=
kaliſ Vorzug genießt, in das Heiligthum Gottes einzutreten, will
man auf dieſen Geſangfeſten eine größere Würdigung ange=
deihen laſſen. Wenn es wahr iſt, daß gerade die Kunſt des
Orgelſpiels8 zur Zeit no< vielfach im Argen liegt, daß es
einem Theile unſerer Organiſten nicht nur an der erforder=
lichen techniſchen Ausbildung , ſondern auß an dem ſichern
und ſelbſtbewußten Verſtändniß gebreche, die Gemeinde des
Herrn in ihren Gottesdienſten würdig zu erbauen, ſo iſt dieſes
Streben ein doppelt loben8werthes und pflichtgemäßes.
Der andere Zweck der Lehrergeſangfeſte aber gipfelt in
dem geſelligen Sichzuſammenfinden ſo vieler Berufsgenoſſen.
Freunden und Bekannten, die ſich vielleicht Jahre lang nicht
wiedergeſehen hatten, iſt hier Gelegenbeit geboten, einavder
herzlich die Hände zu drücken und in fröhliher Crinnerung
an frühere , gemeinjam verlebte Zeiten ſich die angenehmſten
und gemüthlichſten Stunden zu bereiten. Und ſollte endlich
dabei nict auh ein größerer Austauſch von Ideen, Erfah-=
runiigen und Anregungen der mannigfaltigſten Art ſtattfin-
den? Gewiß ſind darum ſolche Vereiusfeſte für die Bethei-
ligten nict nur von großem materiellen Gewinne und Segen
begleitet, ſondern ſie ſind auch Tage, die die graue Atmo-
ſphäre des mühſeligen Lehrerlebens wie freundliche Sonnen-
blicke durchbrechen ; Tage, deren Eindrücke insbeſondere die
Berufsfreudigkeit aufs Neue zu heben und zu beleben im
Stande ſind. -- Aud das diesmalige Jahresfeſt des mittelz
rheiniſchen , evangeliſchen Lehrergeſangvercins, deſſen hier in
Kürze gedacht werden ſoll, dürfte nach den beregten Seiten
hin der erfolgreichſten Wirkung nicht verfehlt haben.
Dieſer Berein beſteht nun ſchon ſeit vem Jahre 1858; er
umfaßt den größten Theil der ſangluſtigen evangeliſchen Lehrer
des Mittelrheins, resp. der preußiſchen Regtierungsbeztrke
Koblenz und Trier. In den letzten Jahren iſt demſelben auch
eine bedeutende Anzahl Lehrer aus dem Fürſtenthum Birken=
feld und dem Amte Meiſenheim beigetreten. Die kricgert=
j Schleswig = Holſtein, die dur< ihre blutigen Opfer unſer
engeres Baterland Preußen in große Mitlewenſchaft zogen,
veranlaßten den Vorſtand des Vereins, das Geſangfeſt pro
1864 auszuſeßen mit der Beſtimmung, daß der erwählte
Feſtort für Das folgende Jahr beibehalten werden ſollte. Es |
darf wohl als ein glücklicher Griff bezeihnet werden , daß
Trarbach hierzu auserjehen war. Trarbach iſt dur< ſeinen

ausgedehnten Weinhandel eins der wohlhabendſten und be-
deutendſten Städt legte daſſelbe im Jahre 1857 in Schutt und Trümmer; aber
ſert dieſer Zeit iſt es wie ein Phönix neu aus der Aſche er-
ſtanden. An der Stelle der alterthümlichen Häuſer ſtehen
nunmehr ſtattliche neue Gebäude, und die alten , winkligen,
engen und lichtſc angelegten weichen müſſen. Auch ſeine Umgebung iſt eine
äußerſt anziehende. Faſt unmittelbar über Feinen innen
erheben ſich die Ruinen der Gräfinburg, die an ſeine geſ liche Vergangenheit erinnern. Die Moſel, „des deutſchen
Rheines Braut“, deren welſches Blut hier ſchon ruhiger dur
die Adern rollt, trennt es von vem gegenüber liegenden freund=
lichen Orte Traben. Die ſonnigen Abhänge rings herum
zeitigen den wohlbekannten „Sorgenbrecher“ Moſelwein,
und von den Höhen, die bis 1000 Fuß und höher über die
Thalſohle emporragen , ſtellen ſic) dem Auge die lieblichſten
Panoramas , die lohnendſten Fernſichten dar. Nur einem
drüenden Bedürfniſß iſt bis, dahin noch nicht die gebührende
Rechnung getragen worden, nämlich der Vermehrung geeig-
neter Kommunikation8mittel nach den Orten längs des Moſ el-
ſtroms. Die Moſelbahn, ſchon ſo lauge der Gegenſtand
jehnlichſten Berlangens namentlich unſerer Kaufleute und
Induſtriellen, wird noh eine geraume Zeit auf fich warten
laſſen. Darum mußten denn auch die Mitglieder des Lehrer-
geſangvereins, die ihr Jahresfeſt am 7. und 8. Juni hier in
Trarbac vereinigte, größtentheils zu der gegenwärtig faſt
aus der Mode gefommenen Sitte des Wanderns greifen.
Allem, wie mühſam auch für Viele die Hexreiſe geweſen ſein
mag, fie fanden gewiß reichliche Entſchädigung in der freund-
lichen und herzlichen Aufnahme, die ihnen am Feſtorte zu
Theil ward. Wie nämlich der Verein in allen den Orten,
in Denen er bisher ſeine Feſte feierte, die redlichſte Unter-
ſtützung fand, ſo auch in Trarbach, das dur< ein bereitwil=
(iges und gaſtliches Entgegenkommen das beſte Verſtändniſß
für die ſchöne Sache an den Tag gelegt hatte. Aus ſtädti-
Icmen Mitteln war dem Komite eine erhebliche Summe über-
wiejen worden, um die Straßen der Stadt aufs Reichſte
ausſ Outrlanden von Cichenlaub und fahnenbeflaggte Häuſer ver-
fündigten daher den Herzueilenden, daß die Einwohner der
Stadt an dem Feſte den freudigſten Antheil nahmen und ihre
GSäſte herzlich willkommen hießen. =- Die meiſten der im
voraus angemeldeten Lehrer trafen ſchon Dienſtags, den
6. Juni, ein, die übrigen erſt am nächſten Morgen, und ſo
vereinigte die am 7. Zuni beginnende Generalprobe einen
Chor von circa 80 Lehrern, der noh weſentlich verſtärkt wurde
dur< die Mitwirkung der Zöglinge des hieſigen Lehrerſemi-
naxs. Die Geſänge, die am folgenden eigentlichen Feſttage
zur Aufführung gelangen ſollten, waren zweifacher Art : geiſt-
liche Chöre, die, abwechſelnd mit Orgelvorträgen , das Feſt-
konzert Vormittags in der Kirche bildeten, und weltliche Lieder,
deren Vortrag Nachmittags im Freien geſchehcn ſollte. (Be
hufs der letzteren Feſtlichkeit war als Ort der Aufführung
die Gräff ſ Reſtauration. Sie liegt etwa 20 Minuten außerhalb der
Stadt in einem wahrhaft reizenden Seitenthale, das tief in
den Hunsrücken einſchneidet.) Dieſem verſchiedenen Charakter
der Geſänge entſpredjend, fand die Generalprobe zu den geiſt-
lichen Chören Morgens in der Kirche und die zu den welt-
lichen Liedern Nachmittags im Rathhausſaale ſtatt. Un-=
mittelbar an dieſe ſchloß ſich eine Generalverſammlung der
Bereimnsmitglieder, auf deren Verhandlung ic; am Schluſſe
zurücfommen werde.
Am Abende fand ſich die Mehrzahl der Lehrer in den
Räumen des hieſigen Kaſinos zuſammen, wo unter gegenſei-
tigen Begrüßungen, erheiternden Geſprächen, fröhlich er-

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