[Zallenden Liedern, überhaupt in bunteſter geſellſ Mannigfaltigkeit der Tag beendigt wurde.
In der Frühe des andern Morgens verkündigten Böller=
ſchüſſe den Anbruch des eigentlichen Geſttages, des 8. Juni's,
der im ſonnigem Glanze ſi< über die Gegend ausbreitete.
Gegen neun Uhr begann das Konzert in der Kir den zahlreichen Zuhörern befanden ſich der Landrath des
Kreiſes, ſowie namentlich viele Geiſtliche von nah und fern.
Bedauert wurde allgemein, daß ſowohl der Herr Geheime
Regierungs- und Provinzial = Shulrath Landfermann , als
die Herren Konſiſtorialrath Spieß von Trier und Regie-
rungsrath Bogen aus Koblenz verhindert waren, der an die-
ſelben ergangenen Einladung zum Feſte Folge zu leiſten.
is Konzert war indeſſen, wie auch ſhon die Probe erwarten
ließ, im €
anzen ein wohl gelungenes. Der Verein hat, das ;

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ſei hier rühmlichſt anerkannt, während der Zeit ſeines Be- |
ſtehens ſchöne Fortſchritte gemacht. Screiber dieſer Zeilen
hatte ſchon öfter die Gelegenheit, ven Aufführungen deſſelben
beizuwohnen; do nie ſo den Cr-
wartungen entſprochen haben, als dies Mal. Die Geſänge
wurden mit Präciſion, Friſche und Kraft vorgetragen. Freiz
lic) mag die akuſtiſche Beſchaffenheit der Kirhe auch in etwas
in Betracht kommen ; indeſſen werden Chöre wie: „Der Herr -
iſt mein Hirt“ und: „Wie lieblich ſind deine Wohnungen“
von B. Klein, „Wahrlich, all* unſere Qualen“ von A. Lotti, jü
| die Verſammlung durd) Aufſtehen von den Siken ein ehren-
' des Gedüchtniß zollte.
„Selig ſind die Todten'“ von Spohr, „Herr, unſer Gott“ von
Scnabel u. a. unter den erwähnten Bedingungen jederzeit
von erhebender Wirkung ſein. Aud die Orgelvorträge füg-
ten ſic dem Ganzen in würdiger und anſprechender Weije
ein. Der Choral: „Nun danket alle Gott“, in welchen Sänger
und Zuhörer daher in freudiger Erregung einſtimmten, |
brachte dieſen Theil der Feſtlichkeit zum paſſenden Abſchluſſe.
Dem gemeinſchaftlichen Feſteſſen im hieſigen Kaſinoſaale,
das Mittags 1 Uhr begann, hatten ſic< außer den ſämmt=
lichen Lehrern nod) eine große Anzahl anderer Gäſte ange=
ſe. Herr Landrath
Hüger eröffnete die Reihe der Toaſte mii einem Hoch- auf
Se. Majeſtät König Wilhelm I. Der Bürgermeiſter der
Stadt brachte auf die anweſenden Vereinsmitglieder einen
Trinkſpruch aus , indem er ſie im Namen der beiden Feſtorte
Trarbach und Traben herzlich willkommen hieß. Die weitern
Toaſte feierten die Gaſtfreundſchaft der Feſtorte, den Diri-
genten des Vereins, das Feſtkounte, die Ehrengäſte u. a.,
und nachdem der würzige Moſelwein die Feſtſtimmung Aller
zur Genüge unterſtüßt hatte, ordnete ſich der Feſtzug, der
gegen 3 Uhr unter dem erneuten Donner der Böller und den
Klängen der Huſarenmuſik von Trier ſich durd) die reich be-
flaggte und bekränzte Stadt nach der Gräff'ſchen Mühle in
Bewegung ſetzte. Heiß brannte die Iuniſonne zwiſchen die
hohen Berge; aber weder die drü>kende Schwüle, noh der
aufwirbelnde Staub verhinderten ein zahlreiches Publikum
an der Betheiligung. Nicht Allen gelang es, ein ruhiges
Sitzplätzchen ſi< zu erwerben. Schade nur war, daß die
Lokalität zur Aufſtellung der Sänger keinen ſonderlich geeig-
neten Platz darbot, und ſo hatten Viele troß der imponiren-
den Fülle des Chores nicht den gehofften Genuß von den
Geſängen. Wer hören wollte, mußte ſich in die Nähe drän=
gen. Die Pauſen zwiſchen den einzelnen Nummern des reich-
haltigen Programms füllten Vorträge der Huſarenmuſik, die
nit eimer andern, ebenfalls zum Zwecke des Feſtes engagirten
Kapelle wetteiferten. Erſt die hereinbrehende Nacht machte
dieſem Volksfeſte ein Ende. Nach dem Takte der voranſchrei-
tenden Muſik bewegten ſich Sänger und Zuhörer wiederum
der Stadt zu, welche die Herankommeuden no Böllerſchüſſen begrüßte. Ein Ball in den Räumen des Ka-
jinos endigte dann Das ganze Feſt, das bei allen Betheiligten
gewiß den günſtigſten Cindru> hinterließ.
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Wohl war für den folgenden Morgen no ſhaftlicher Spaziergang nach den Ruinen des Wolfer Kloſters,
einem maleriſch gelegenen Punkte, anberaumt ; allein nur
Wenige hatten ſich zur feſtgeſezten Zeit zuſammengefunden
und ſelbſt dieje wurden durc die allzugroße Gaſtfreundſchaft
des „Wolfer Kollegen“ verhindert, ihr Vorhaben vollſtändig
auszuführen. Die meiſten übrigen Sänger hatten ſchon
frühe den Heimweg angetreten mit der wiederholten Ver-=
ſicherung, daß ſdie Feſttage in Trarbach ihnen unvergeßlich
bleiben würden.
Was die Verhandlungen der oben erwähnten General=
verſanmtung betrifft, ſo hebe ih daraus Nachſtehendes her=
vor. Zum Leiter derſelben erwählte man auf Vorſchlag des
Vorſtandes den Kantor Matthiä von hier. Es wurden zu=
nächſt geſchäftliche Angelegenheiten des Bereins zum Austrag
gebracht. Sodann wurde beſchloſſen, daß das Jahresfeſt des
Bereins vorläufig immer erſt über zwei Jahre ſtattfinden ſolle.
Ueber die Feſtſtellung des nächſten Feſtortes entſpann ſich
eine längere Debatte, die damit endigte, daß man Waldbödel-
heim an der Nahe in erſter und Bacharach am Nheine in
zweiter Linie feſthielt. Zum Dirigenten des Vereins wurde
Lehrer Fel aus Dierdorf wiedererwählt. Bei dex Wahl
eines Mitdirigenten erhielt Lehrer Braß aus Neuwied die
meiſten Stimmen. Letterer tritt ſomit an die Stelle des
jüngſt verſtorbenen Lehrers Bungeroth aus Sobernheim, dem
Die letzte Verhandlung betraf die
Erneuerung des Vorſtandes. Die ſeitherigen Mitglieder
deſſelben: Lehrer Sponheimer und Lanz aus Sobernheim er=
klärten ſich auf einſtimmigen Wunſd) dex Verſammlung zur
Tortführung ihres Amtes bereit, und gab man der Anerken=
- nung ihrer umſichtigen und gewiſſenhaften Geſchäftsführung
: Ausdrud dur ein kräftiges Hod) auf dieſelben.
Schließlich füge ich vorſtehendem Berichte noch den ern=
ſten Wunſc< an, daß der mittelrheimiſche, evangeliſche Lehrer=
geſangverein von Jahr zu Jahr nicht nur an äußerer Aus=
dehnung, ſondern auch an innerer Kraft gewinnen und ſich
beſtreben möge, das ſchöne Ziel zu erreichen, das ex ſich ge=
ſtet hat. Dazu iſt aber vor allen Dingen erforderlich, daß
jedes Mitglied ſich ſeiner Vereinsobliegenheiten jederzeit be=
wußt ſei und dieſelben nah Maßgabe der ihm anvertrauten
Gaben und Kräfte zu erfüllen ſuche. Nur dann wird der
Berein au für die Zukunft eine geſicherte Exiſtenz erlangen
und zu einem wahrhaft bildenden Fuſtitute heranwachſen kön=
nen. Und dazu gebe Gott ſeinen vollen, reichen Segen!
Trarbach , den 1. Juli 1865. D.

LTagesgeſchi Die Leipziger Lehrerverſammlungin der Ver-
ſammlung des Wiener Lehrervereins. Schon in
Nr. 31 d. Bl. brachten wir ein Urtheil über die Leipz. Ver-
ſammlung, das in Wien gefällt worden wer. Wix ver-
I der Erfinder dieſes famoſen Urtheils war der Redakteur der
Oeſterr. Schulzeitung, Jak. Spitzer. In Folgendem geben
wir den Bericht, den er im Wiener Lehrerverein, den er als
Deputirter vertrat, gegeben hat. Wir enthalten uns einer
Kritik, die Worte richten ſich ſelbſt. Alſo:
„Spidter gibt ſeinen Bericht von der allgemeinen deutz
ſchen Lehrerverſammlung in Leipzig. Man habe in ihn das
Vertrauen geſeßt, den „Wiener Lehrerverein“ auf genannter
Verſammlung zu vertreten 3; deShalb wollte er ſich daſelbſt das
Wort erbitten, um die Mitglieder dieſer Verſammlung Na=
mens des Wiener Lehrervereins zu begrüßen. Ex habe ſich

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