regt und im Herzen deſſelben Reſonanz und Aufnahme findet.
Der ganze Geiſt des Kindes muß durch die Erzählung beſc<äf=
tigt und Verſtand, Gefühl und Wille zugleich jo in Bewegung
geſeßt werden , daß ſich die Urſachen, Wirkungen und Folgen
des in der Geſchichte Dargeſtellten tief in das Herz der Kleinen
eindrüden und in demſelben die Kraft zu ſittlicher Thätigkeit
ſtärken und bewegen.
Leider zeigt die Erfahrung , daß gerade hierin ſehr oft ge-
fehlt wird. Gewöhnlich wird mit Adam angefangen und mit
Chriſtus aufgehört. Die Schöpfung recht gründlich und was
der liebe Herr Gott an jedem einzelnen Tage geſchaffen haben
ſoll, re nicht ausbleiben und beſteht Jewöhnlich darin, daß den Kin-
dern gleich vom Anfang an ein recht tüchtiger Ekel vor dieſem
Untecrichte , ſowie die Kunſt, ohne Erröthen zu lügen und
Gefühle zu erheucheln , die me ihr Herz beſeelte, beigebracht
wird. Welche Geſchichten ſollen dann aber den Kindern ge=
boten werden? Solche, die ſie zu faſſen vermögen, d. h.
jolche, welche in ihrem Innern ſchon verwandte Vorſtellungen,
mit denen ſie m Verbindung treten können, vorfinden. Nun
iſt aber der Kreis der Vorſtellungen , die ſich auf das ſittliche
Leben des Menſchen beziehen, bei Kindern dieſes Alters
außerordentlih eng. Er beſchränkt ſich ausſchließlich auf
das engere und weitere Familienleben , auf das Leben mit
Vater, Mutter, Bruder und Schweſter, Verwandten und
Freunden. (Es müſſen dem zu Folge in dieſen Schuljahren
ſolhe Geſchichten dur miliengeſ zeihnen ſind. I< ſtimme daher dem Schulrath Shmidt voll-
kommen bei , wenn er die bibliſchen Geſchichten für das erſte
Schuljahr auf folgende beſchränkt wiſſen will: Abraham und
Lot. Joſeph und ſeine Brüder. Joſeph wind verkauft. Jo=
ſeph im Gefängniß. Joſephs Brüder in Aegypten. Moſes
Geburt, Iugend und Berufung. David und Goliath.
David und Jonathan. Die Geburt Jeſu und die Hirten
auf dem Felde. Die Weiſen aus dem Morgenlande und die
Flucht na<ß Aegypten. Der zwölfjährige Jeſus im Tempel.
Jeſus der Kinderfreund. Der Jüngling zu Naim und Jairus
Töchterlein. Gethſemane und die Kreuzigung. Das Grab
des Herrn und ſeine Auferſtehung. Alle dieſe Geſchioten
tragen das Gepräge des Familienlebens an ſich. ie fein
und lieblich iſt es, wenn Brüder einträchtig bei einander
wohnen, während Unordnung und eitel böſes Ding da herrſcht,
wo Zank und Neid iſt. Aber dem verkauften Joſeph dienen
alle Dinge zum Beſten, denn er liebt Gott und es geht ihm
zuletzt do ſchre>lich tritt in den Brüdern, welc Bruder ſtehen, das nimmer ruhende böſe Gewiſſen auf, der
Wurm, der nie ſtirbt, und wie ho< und hehr ſtrahlt vom
Antlitze des mißhandelten Joſeph die verzeihende Bruderliebe
und die Sehnſucht des kindlichen Herzens zum fern wohnen=
den Vater u. ſ. w. Do der weitere Kreis des Familien-
lebens iſt auc und Jonathan zeigt, daß ein treuer Freund alle Zeit liebt
und in der Noth erkannt wird. Kurz all' dieſe Erzählungen
ſind vem Kindesherzen zugänglich, alle erzählen Ereigniſſe,
die in demſelben Anklang finden oder Widerwillen gegen ähn-
liches Handeln erregen müſſen. Sie erzählen Scenen, die
ſie zu Hauſe erlebt, Tugenden, die zu üben ſie aufgefordert
und angehalten, Fehler, die zu vermeiden fie ermahnt und
vor denen ſie gewarnt worden ſind. Liebe Vater und Mutter,
Geſchwiſter und Verwandte, Freunde und Bekannte. Sei
mitleidig, brüderlich, barmherzig und freundlich. Doch das
ſchönſte und höchſte Gebot für Kinder: Sei gehorſam, gehor-
ſam gegen Vater und Mutter und gegen den lieben Gott dort
droben im Himmel, das kommt erſt in der Geſchichte vom
Jeſusknaben zu ſeiner herrlichſten Darſtellung. Hier ent-



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falten ſic; die kindlichen Tugenden im lieblihſten Glanze.
Ihn, den Wunderknaben von Nazareth, beſhüßte und be-
ſchirmte die Hand des himmliſchen Vaters von ſeiner zarteſten
Kindheit an. So ſchüt und ſchirmt Gott alle Kinder, weil
er ſie lieb hat, aber eben de8Shalb müſſen die Kinder ihn auch
lieben , gerade ſo, wie ihn der zwölfjährige Jeſus im Tempel
liebte. Dieſe zarte, innige Geſhichte aus der Kindheit des
Herrn muß für Kinder dieſes Alters den Brennpunkt bilden,
um die ſic< die übrigen Geſchichten koncentrirxen. Bei ihr
muß der Lehrer verweilen, muß zeigen, daß der gehorſame,
Gott liebende Knabe auch ein gehorſamer Sohn und Jüng-
ling war. Schade, daß das Leben des Herrn in dieſer
Periode für uns in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt iſt.
Nur ein ſ glieben und daher müſſen wir dieſen um ſo ſorgfältiger be-
wahren und müſſen den Kleinen klar machen, was es zu be-
deuten habe: Jejus nahm zu an WeiSsheit, Alter und
Gnade bei Gott und den Menſc Keine Erzählung aus dem Neuen Teſtamente iſt nach
dieſer wohl mehr dazu geeignet, das Herz des Kindes zu ge-
winnen, daß es ſich in der Nähe des hohen, heiligen Mannes
wohl und heimiſ den Kleinen ſeine Freude und ſeine Luſt hat. Hier wird die
erſte Zugendſreund| haft mit dem Herrn geſchloſſen und glü>=
lich die Kleinen, welhe einen Kinderfreund zum Lehrer haben ;
er allein verſteht dieſe liebliche Erzählung auszubeuten und
in das junge Herz den zündenden Funken zu werfen. Und
dieſer Kinderfreund gibt dann der troſtloſen Mutter den Sohn
zurü& und dem Vater die Tochter. Weinet nicht, ein ſüßer
roſt in wenig Worten, dem die hilfreiche That auf dem
Fuße folgt in anſpruchsloſer Beſcheidenheit und Demuth,
ohne ſic< zu brüſten und den hochbeglüten Aeltern durch
Blicke und Worte heiße Dankſagungen zu eritpreſſen.
Gewiß, wenn ſolhe Geſchichten im erſten Suljahre
durhgenommen werden, dann fühlt ſich das Kind au< von
Schmerz und Trauer dur auf Gethſemane betend ringt und am Kreuze endigt. No<
vermag es die tiefe Bedeutung ſeines Todes nicht zu ergrün=
den, aber das Herz erfaßt ein dunkles Ahnen , hervorgerufen
dur< den ſchreienden Widerſpruc< zwiſchen Liebe und Haß,
ein Ahnen, welches das Kind auf die richtige Fährte leitet
und einſt daſſelbe die Liebe als erlöſende Kraft im Tode des
Herrn erkennen läßt.
Ich hatte keineswegs die Abſicht, den Reichthum an ethi-
ſchen Gedanken, der ſich in dieſen Geſchichten vorfindet, all-
ſeitig anzudeuten; er 4. zu groß und mannigfa<ß. So viel
glaube im aber dargethan zu haben, daß und weshalb ſi<
dieſe Geſchichten gerade für das erſte Shuljahr eignen. Auch
der Stoff für das zweite und dritte Shuljahr muß , wie ich
bereits ſ ſein und ganz auf dieſelbe Weiſe, wenn auch dem Alter der
Kinder entſprechend, ausführlicher und eingehender dur nommen werden. Und ich ſtimme daher S bis auf wenige, gan) unbedeutende Dinge bei, wenn ex die
Erzählungen für ſieben= und achtjährige Kinder in dieſer
Rethenfolge feſtſtellt : „Abrahams Berufung. Abraham und
Lot. Abrahams Glaube. Iſaaks Heirath und der treue
Elieſer. ECſau und Jakob. Jakobs Betrug, Flucht und
Leben bei Laban. Jakob und Joſeph. Moes. Die Ge-
bote. Samuel (Hanna. Bei Eli. Berufung). Saul (ſeine
Wahl und Salbung. Sein Ungehorſam und ſeine Ver-
werfung). David (Salbung. David und Goliath. David
und Saul. David und Jonathan. David als König).
Davids Kinder (Abſalom und Salomo). Zacharias und
Johannes Geburt. Maria und Chriſti Geburt. Die an=-
betenden Hirten. Die Flucht nach Aegypten. Der EN
jährige Jeſus. Petri Fiſ

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