wo
mmm emed = eien =
Phantaſien für Wirklichkeit ausgibt. Man kämpft nur gegen '
einander , weil man mit den Worten und Sägen, um die der
Kampf ſich dreht, nicht den gleichen Sinn verbindet. Menſchen .
mit gleich organiſirtem Denkvermögen können doh nicht ver=
ſchieden denken.
Das Gebiet der Pädagogik iſt beſonders reich an ſolchen
Kämpfen. Zu einem Beiſpiele führt die Frage, was heißt
fatehiſiren ?
In den bekannten preußiſchen Regulativen heißt es:
„Sogenannte Katechifationen über einzelne Lehrpunfkte
oder Lehrſtü>e , oder über Bibelſprüche ſind von dem Unter-
richte der Elementarſchule ausgeſchloſſen.“
Nebenbei ſei bemerkt, daß bei dieſer Forderung zunächſt
die Frage entſteht, ob die „ſogenannten Ratechifationen"
überhaupt, oder nur inſoweit auszuſ auf einzelne Lehrpunkte u. ſ. w. ſich beziehen, vorausgeſeßt,
daß die Katechiſationen noh über Anderes, als hier genannt,
gehalten werden könnten.
Doch abgeſehen hiervon. Dieſe Forderung hat auf der
einen Seite einen Jubelruf, auf der andern ein „Wehgeſ vieler Lehrer'', wie der „Scleſiſ hervorgerufen.
Den denkenden Lehrer hat dieſer Satz (an ſich) weder zu
einem IJIubelrufe , noh zu einem Wehgeſchrei veranlaßt. Ex
fragt ſic< ruhig, was ſt denn unter den „ſogenannten Kate-
Dieſe Frage wirft auch der „Sc (Nr. 2 dieſes Jahrgangs S. 89). Ex fragt: „Wel thode des Religionsunterrichts wollte nun das Regulativ aus
der Volksſchule verdrängen, wenn es die ſogenannten
Katechiſationen verbietet ?''
Der „Sculbote' bemerkt dabei ſelbſt: Katechiſiren heißt
„unterweiſen.“ Ic weiß nicht, wie weit die Leſer mit dieſer
Erklärung zufriedengeſtellt ſind. Dann ſind alle Handwerker
ihren Lehrlingen gegenüber Katecheten. Das Unterweiſen
werden do Der „Sculbote' ſagt weiter: „Und die Katecheſe iſt, nach
der älteren Auffaſſung, die Thätigkeit der Kirche, durch
welche ſie die in ihr geborene und getaufte Iugend mittelſt
gemeinſamer Unterweiſung in der kirchlihen Lehre und ge=
meinſamer Erziehung für das kirchliche Leben zur Gemeinde
heranbildet.“ Hier iſt der Begriff verengert, oder, wenn
man will, au< erweitert. Äber immer erfährt man noh
nicht , was katechiſiren nah neuerer Auffaſſung bedeutet.
Folgen wir dem „Schulboten“ weiter, ſo fährt er fort:
„Die richtige, ihrem Sinne“ (weſſen Sinne ?)'' ge-=
mäße Art des Katechiſirens in den Volksſ des gemeinſchaftlihen Religionsunterrichts der Iugend ver=
wirft das Regulativ ganz und gar nicht; es weiſt nur das ſo-
genannte Katechiſiren ab.“ vim
Sind wir nun nach dieſer geiſtreichen Verſtändigung des
„Sculboten“ klüger als erſt ? Wen gäbe es unter uns
Lehrern, der nun nicht mit den Regulativen einverſtanden
ſein müßte, da ſie alſo die „richtige“ Art des Katechiſirens
nicht verwerfen? Die verwirft Stiehl nicht, der Vater der
Regulative, und ebenſowenig Dieſterweg, der Regulative
prinzipielle Gegner. Welches iſt abec die richtige Art des
Katechiſirens? Was heißt recht katehiſiren? Ja, wenn
man das wüßte! -
: Wir begleiten den „Sculboten“ auf ſeinen nächſten
Schritten. Zn der oben ſchon mit angeführten Stelle: „es
weiſt nur das ſogenannte Katechiſiren ab“, fügt er noh hinzu :
„was ſich ſchon aus der Hinweiſung darauf ergibt, daß es
zur Löſung der Hauptaufgabe des Lehrers weniger der
Kunſt des Sokrattſirens, als der des guten Erzählens , Ver-
anſchaulichens, klaren Zuſammenfaſſens der Hauptgedanken
und des Abfragens bedürfe.“






Der „Scdculbote“ iſt alſo der Meinung, es ſei unter dem
„ſogenannten“ Katechiſiren das Sokratiſſren zu verſtehen.
Iſt Katechiſiren und Sokratiſiren ein und daſſelbe? Darf
beim Katechiſiren auch fratiſiet werden? Wie weit, wie
weit ni tigung, beim Katechiſiren mit in Anwendung zu kommen ?
Gehört es nothwendig dazu ?
Ja, wer will auf dieſe Fragen antworten , ohne erſt vie
neue Frage zu thun : was iſt unter Sokratiſiren zu verſtehen ?
Noch iſt der Begriff Katechiſiren uns nicht klar gemacht, unt
ſchon tritt ein neuer Begriff hinzu , über den wir vielleicht
auch ſehr verſchiedener Anſicht ſind. Alſo, was heißt ſokra-
tijiren *
Klammern wir uns wieder an den „Sculboten“ an.
„Unter Sofkratiſiren“, ſo berichtet er, „verſteht man befannt-
lic< die dvur< Sokrates angebahnte Methode, welche dem
Schüler durch Frage und Antwort eine Lebenswahrheit zur
Erkenntniß bringen oder ihn dieſelbe finden laſſen will.“
Eine Leben swahrheit! Was iſt eine Leben 8wahrheit ?
Kann man andere Wahrheiten nicht auch auf ſokrattſche Weiſc
zur Erkenntniß bringen oder finden laſſen ? Iſt es eme
Lebenswahrheit, vaß Chriſtus für uns geſtorben iſt? Iſt
es eine Lebenswahrheit, daß das Gebet im der Stunde der
Verſuchung uns retten kann ? Kann oder darf man dieſe
Wahrheit nicht durch Frag und Antwort den Kindern „zur
Erkenntniß“, d. h. doh wohl zur Cinſicht, zum Bewußtſein,
bringen ? Hat Chriſtus ſokratiſirt, wenn ex fragt: „Iſt's
re u ziehen“, um zur Erkenntniß zu bringen, daß man den
Menſ en aue<ß am Sabbath heilen dürfe ?
Alſo die Regulative verbieten, eine Leben8wahrheit (ſind
nicht alle religiöſen Wahrheiten auch Leben8wahrheiten ?) dur<
Frag und Antwort zur Erkenntniß zu bringen, eventuell
finden zu laſſen! Sollte das nun wirklich im Sinne der Re=
gulative liegen, oder haben ſie etwas Anderes unter Sokratik
verſtanden ?
Der „Scleſiſ fährt fort: „In dieſer Art und Weiſe Religionsunterricht zw
ertheilen, verwirft das Regulativ, weil es fich bei der Unter-
weiſung der Jugend in der Religion um Aneignung und
Durchdringung eines dem Chriſten ſchon gegebenen Stoffes,
um Erwärmung des jugendlichen Herzens an einem vorhan-
denen poſitiven Material handelt.'
Mit dieſen Worten gibt der „Sdulbote“ zugleich den
Grund an, warum in dieſer Art und Weiſe der Keligions--
unterricht nicht zu ertheilen ſei. . Nun warum ? Die Leſer
haben gewiß ſchon viel in ihrem Leben begriffen, aber dieſen
Grund zu begreifen wird ihnen doh keine leichte Arbeit ſein.
Alſo warum ?
1) Weil es ſih um einen dem Chriſten ſchon gegebenen
Stoff handelt. (Soll der Ton auf Stoff, oder auf ge=-
gebenen, oder auf Chriſten gelegt werden?) |
2) Weil es ſih um Aneignungund Dur deſſelben handelt.
Nun fragt ſich aber, iſt denn dieſer Stoff bei alledem
nicht ein ſolher, der dem Kinde noh nicht gegeben iſt, ſon-=
dern gegeben, alſo angeeignet werden ſoll? Was heißt aber,
dieſen Stoff dem Kinde aneignen ? Das hetßt doch nichts
Anderes, als dieſen Stoff dem Kinde zur Erkenntniß , zur
Einſicht , zum Bewußtſein“ bringen, dem Kinde nicht blos
Worte, ſondern die Sache geben. Warum in aller Welt
darf ich das nun nicht in Frag und Antwort thun ? Warum
darf ich z. B. nicht durch einige geſchickte Fragen die Schüler
aus dem Gleichniſſe vom verlorenen Sohne die Wahrheit
finden laſſen, daß Gott den Sünder, wenn er zurückehrt,
wieder zu Gnaden annehmen will? Ja fretlich, das wäre
| ſokratiſirt und das Sokratiſiren haben die Regulative ver

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