JTagesgeſchichtlices und Teuilleton.
Die Natur und Beſtimmung des Menſchen in ihrer
Bedeutung für die Socialpolitik. Bei der Erziehung kann
es nichts Verkehrteres geben, al8 wenn man die Verſchiedenheit in
der natürlichen Beanlagung der Menſchen ignorirt und alle Indivi-
duen in gleicher Weiſe heranbildet. Eine gemeinſame Erziehung der
Jugend des Volkes, welche von den kommuniſtiſ fürwortet zu werden pflegt, würde eine Verkümmerung individueller
Kräfte und damit eine Verminderung der nationalen Leiſtungsfähig-
keit zur traurigen Folge haben. Das eine Kind hat vielleicht einen
ſcharfen Verſtand, bei dem andern wiegt das Gemüthsleben vor, das
eine iſt körperlic< beſonders geſchi>t, das andere ungeſt, das eine
wendet ſeine Aufmerkſamkeit beſonder8 gern wirthſchaftlichen Dingen
- zu, das andere beſchäftigt ſich lieber mit rein geiſtiger Arbeit. Auch
zwei Kinder, deren Gaben und Neigungen eine ähnlihe Richtung
haben, zeigen in der Stärke und in dem Erfolge, mit welchem ſie
dieſelben geltend machen, häufig eine weſentliche Differenz. Eine
gemeinſame Erziehung der Jugend außerhalb des Familienverbandes
kann höchſtens in Nothfällen gerechtfertigt werden. Zuſtände, welche
ven Aeltern die zur Erziehung ihrer Kinder erforderliche Zeit rauben
' oder welche die im erziehungsbedürftigen Alter befindlichen Kinder

für einen großen Theil des Tages dem erziehenden Einfluß 1ihrer
Aeltern reſp. ihrer Lehrer entrüden, müſſen eine verderbliche Wir-
fung auf die künftige Leiſtungsfähigkeit des heranwachſenden Ge-
ſchlehtes ausüben. Die körperliche Ernährung und Pflege, die täg-
liche Beſchäftigung, der Umgang mit Anderen, die Schulbildung und
vor Allem der Geiſt der Familie üben einen beſtimmenden Einfluß
auf die Entwickelung des Kindes aus. Au< bei urſprünglich ähn
licher Begabung wird das Kind des Fabrikarbeiters ſic ganz anders
| entwideln als das Kind des Fabrikherrn, der Sohn des ländlichen
Tagelöhners ganz anders als der des großen Gutsbeſiters.
Manche erbliden hierin eine Ungerechtigkeit, weil in Folge die-
ſes Zuſtandes ſchon durch die Geburt ein Theil der Menſchen für
| Lebenszeit zu einem verhältnißmäßig geringen Beſitz geiſtiger Kennt-
mſſe und materieller Güter verurtheilt, ein anderer Theil zu höherer
Bildung und Wohlhabenheit berufen werde. Sie glauben, man
müſſe dieſe Ungerechtigkeit dadur< beſeitigen, daß man allen Men-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.