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Jagesgeſchichtſihes und Jeuillekon.
Schlesw.-Holſt. Lehrerverſammlung. (Shluß.) Am 2. Tage, dem
2. Auguſt, wurde morgens um 8 Uhr die Hauptv ſammlung dur<
verſchiedene Geſangvorträge des Kieler St. Nicolai-Chors unter eitung
des Herrn Borchers eingeleitet. Der Vorſitzende wies in kurzer Eröffnungs-
rede auf die Geſchichte und die Aufgabe des Lehrervereins hin, worauf
die Referenten ihre Vorträge nach der Reihenfolge des am Abend vorher
feſtgeſtellten Programms hielten.
1) Lehrer Heinrich-Kiel: „Kann von Seiten der Schule zur
Hebung der Sittlichkeit des Volkes in ſeiner Jugend mehr
geſc halt ſeiner mit großem Fleiße, Umſicht und Sorgfalt ausgearbeiteten und
mit Wärme vorgetragenen Arbeit war folgender: Die Klage über die ge-
ſunkene Sittlickeit des Volkes und Verwilderung der Jugend iſt allge-
mein und begründet. Jeder iſt verpflichtet, zur Hebung der Sittlichkeit
beizutragen, ganz beſonder8 die Schule, deren höchſter Zwe> die Er-
ziehung zu Seiten der Schule alles geſchehen, was für dieſen Zwe> geſchehen ſolte,
auc< längſt gefordert iſt. -“ Was? --- 8a. Der Unterricht muß wirklic<
bildend jein. b. Die Schule muß ihre Kinder mit größter Sorgfalt an
die göttlihen Ordnungen (Gehorſam, Autorität, Zucht und Sitte) gewöh-
nen. c&c. Sie muß ach mit dem Hauſe, au< mit der Kirche und dem
Staate in weiſer Verbindung halien. d. Der Lehrer muß in ſeinem
ganzen Auftreten in und außerhalb der Schule makellos und actungs-
werth ſein. e, Er muß alle geeigneten Veranlaſſungen benuten, um den
hohen Werth der Sittlichkeit einleuchtend zu machen. f. Jn Summa:
er muß ein treuer Nachfolger Jeſu Chriſti ſein.
Die folgende, rec halte des Vortrages zu, wies noh auf die Stoffkrankheit, den Maſſen-
unterricht, die Vielklaſſigkeit u. ſ. w. als auf Umſtände hin, welche der
Scule die Löſung ihrer Aufgabe erſc nere Mithilfe des Publikums bei der Erziehung der Jugend, Errichtung
von Kinderbewahranſtalten, aalen u. ſ. w. Die Frage wurde
jhließlich auc< als ein Mahn- und Wedruf an den einzelnen Lehrer in-
betreff ſeiner Methode, ſeiner Treue 2c. hingeſtellt. --
2) Profeſſor K. Möbius: „Ueber Anſchauungs8mittel im
zoologiſchen Unterricht.“ -- Der Redner wies in klaren, feſſelnden
Werten na<, daß man die Mittel zur Veranſc äußeren, als der inneren Thierformen, der Bew*gungs- und Lebensthätig-
keit der Thiere, wie der Beziehungen der Thierwelt zur Natur und zum
Menſ Umſtände dieſe Hilfsmittel zu gewinnen und zu bereiten ſeien. Zeichnungen
und andere fünſtliche Mittel wären erſt da zuläſſig, wo das wirkliche
Thier nicht zu haben oder dosſelbe zu klein ſei, um in natürlicher Größe
den Schülern hinreichend deutlich gema die beſten Hilfsmittel gut genug. =- Darauf zeigte er, wie die direkte
Anſc ſittlich bildenden Einfluß übe und üben müſſe. = Die Verſammlung
dankte dem Redner. Eine Debatte entſtand nicht. --
3) Lehrer Bo>- Wilſter: „Ueber Schulſparkaſſen.“ -- Der
Redner, der ſic< für dieſes pro et contra in den letzten Jahren viel be-
ſprohene Inſtitut intereſſirt, auch praktiſch dasſelbe ſeit einiger Zeit an-
gegriffen und Erfahrung darin beſitt, führte die hiſtoriſche und ſtatiſtiſche
Eutwieklung der gedachten Sparkaſſen vor und wies nach, wie der Ver-
qgnügungs- und Genußſucht der neueren Zeit durch Bildung des Spar-
ſinns entgegengewirkt werden könne und, da die Volksſparkaſen ihrer zu
hohen Minimaleinlagen und ihrer ganzen geſchäftlichen Behandlung wegen
diejen Zwe> an der Jugend nicht zu erreichen im Stande, des8halb eigene
Sculſparkaſſen zu empfehlen ſeien.
Die? ſiM daran knüpfende Debatte will zunächſt von der Sc weiſen, was dem Lehen in Haus und Familie gehört; will vom Sparen
nichts wiſſen, wo das Kind noh nicht erwerben kann; will die Jugend
zum Lernen und zur friſchen Arbeit erziehen und fie nicht auf die Silfe
des todten Kapita!18 anweiſen, auh den kindlichen, idealen Sinn ungetrübt
vom nackten Reali8Smus erhalten. -- Unter Ablehnung zweier vom Red-
ner geſtellten Anträge wird der dritte in etwas veränderter Geſtalt zur
Reſolution erhoben, dahin lautend: „Die 12. Allgem. ſchlesw.-holſt. Lehrer-
verſammlung empfiehlt ihren Mitgliedern dringend, ſich eingehend mit
der Literatur der Schulſparkaſſen zu beſchäftigen, überhaupt das Juſtitut
der Schulſparkaſſen in weiteren Lehrerkreiſen einer gründlichen Prüfung
zu unterziehen, es dann getroſt dem einzelnen Lehrer überlaſſend, nach
ſeinem perſönlichen Ermeſſen Stellung zur Sache zu nehmen. --
4) Kreisſ Volksſ das jugendliche Leben in der Schule ſchon in ſich eine Poeſie berge und
wie die Arbeit an der Jugend, im rechten Sinne und Geiſte verrichtet, einen
poetiſ der reiße Schatz deutſcher Poeſie eine Fülle Verſtand und beſonders Ge-
müth bildenden Stoffes enthalte wie kein anderer Gegenſtand, und wie
die Schule durc rechte Auswahl, Behandlung und Anwendung dieſen
Scat verwerthen müſſe und könne. =- Die Verſammlung ſprach dem
Redner ungetheilten Beifall und Dank aus, und da ſich keine Debatte
entſpann, konnte der Vorfitende gegen 2 Uhr die Verſammlung mit kur»
zem Schlußwort und Dank ſchließen.
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