»
Allgemeine
Herausgegeben von A. Berthelt.
1878.
ity,
Zuglei< Organ der Allg. deutſchen Lehrerwerſammlungen und des Deutſchen Lehrer-Penſionsverbandes.


Zährlie 52 Nummern von mindeſtens 1 Bogen nebſt
ratis-Beilage: Anzeiger für pädagogiſche
Literatur (in 12 Nru.). Preis halbj Zhrlich
. 2.50 kr. Oe. W. Anzeigen für. die Teiſpalti e
etitzeile oder deren Raum 18 kr. Literariſche
eilagen fl. 6--10, mit Poſtvertrieb fl. 4 mehr.
mmm emen emen emememmmmemmantememememtemnemmgetemewamemmmpanmemetnggmueeenemmmeenemmennen



Zur Methodik des Unter den Naturwiſſenſchaften iſt die Chemie bisher unſern Sc len ein ziemlich fremder Gegenſtand geweſen. Vor mir liegt der
JahreSbericht eines Gymnaſiums für das S auf dem Lektionsplane ſucht man die Chemie vergebens. Woher
kommt da8? und warum hat die Schule ſich nicht früher dieſes Unter-
richt8zweiges angenommen? Schafft die Chemie unſern Schülern
keinen Nuten? ES ſpringt doch ſofort in die Augen, daß ſie auf
dem Gebiete des täglichen Lebens die größte Bedeutung hat und daß
dem Schüler Gelegenheit gegeben iſt, die erworbenen Kenntniſſe ſpäter-
hin vielſeitig zu verwerthen. Aber wie ſteht e8 mit der Bedeutung
unſerer Wiſſenſchaft für die Geiſtesbildung? Jſt ſie in dieſer Be-
ziehung werthlo8? Faſt ſcheint es, als ob dieſe Frage von mancher
Seite bejaht werden möchte. Und in der That, man wird zweifel-
haft, wenn man ſic manche der vorhandenen Lehrbücher und Leitfäden
anſicht. Wenn wir z. B. einen Leitfaden aufſ als erſten Sa: „Alle Körper werden eingetheilt | in einfa jammengeſetzte“, jo iſt es nicht nöthig, daß wir weiter blättern, denn
wir wiſſen ſchon jetzt, daß in dem Buche von Entwieklung und Selbſt-
thätigfeit des Schülers keine Rede ſein kann. Nehmen wir troßdem
no4 weitere Einſicht, ſo finden wir, daß wir uns nicht getäuſcht haben.
-- Ein anderes Buch trägt den Titel: „Die Chemie in der deutſchen
Volksſchule“, und erwartungsvoll ſ vorn im Sachregiſter leſen wir: „Abſorptionsſtreifen, Acetate, A&ro-
lithe“ u. |f. w. Das bekommt faſt wie ein Schlag ins Geſicht. Je-
do< wir ſehen uns die erſte Lektion an und ſinden, wie wir ver-
mutheten. Auf der erſten Seite ſteht: „Die Chemie iſt diejenige
Wiſſenſchaft“ u. ſ. w. und auf der dritten: „J< nenne euch von den
Metalloiden zunächſt 9 Grundſtoffe, deren Namen ihr euch ebenſowohl,
wie ihr Der arme Volksſchüler !
Sehr verdienſtvoll auc in methodiſcher Beziehung ſind die Werke
von StöFhardt und Arendt, welche das Experiment zur Grundlage
des StöFhardt ſtellt in der Vorrede zur „Schule der Chemie“ gen
Forderungen: „]) Die Experimente müſſen einfach und gefahrlos ſein.
2) Die Experimente müſſen die Baſis, das Fachwerk bilden für die
Theorie. 3) Die Experimente müſſen vorzüglich mit vekannten Kör-
pern angeſtellt werden und bekannte Erſcheinungen erklären. 4) Die
Experimente müſſen in natürlicher Reihenfolge vom Bekannten zum
Unbekannten auſſteigen.“ Wir haben gegen dieſe Sätze nichts einzu-
wenden, indem wir nicht verkennen, welcher Fortſchritt gegen früher
in ihnen liegt, aber unſern Forderungen an die Methode des Unterrichts genügen ſie noch nicht.
Wie von jedem, ſo müſſen. wir auch von dem naturwiſſenſchaft-
li Lehrer nichts vordenke. Er ſoll dem Schüler die Wahrheiten nicht
Sonntag, den 15. September.

Aufſä äpe über zeitgemäße Themata u. Mittheilungen
* über Schul- und Lehrerverhältniſſe ſind willkommen.
Scriften zur Rezenſion ſind unberehnet an die
Verlagshandlung oder an die Redaktion des Anz.
für pädag. Literatur einzuſenden. -- Beſtellungen
nehmen alle Buc geben, ſondern ihn anleiten, ſie zu finden und zu entde>en. Der
Schüler ſoll einen Forſchergeiſt befommen, er ſoll jelbſt das große
Buch der Natur ſich erſchließen. Eine Lehrſtunde in den Natur-
wiſſenſchaften muß für Lehrer und Schüler eine Stunde des gemein-
ſamen Forſchens und EntdeFens ſein. Der Lehrer ſoll vor ſeinen
Kindern ſtehen nicht als ſolher, der ſchon im Beſitz der zu findenden
Wahrheiten iſt, ſondern als ſolcher, der ſie in Gemeinſchaft mit ihnen
auch erſt noh zu finden hat. Das iſt jedoch nicht ſo ganz leicht.
fordert, daß der Lehrer ſich herablaſſe auf den Standpunkt der Kinder
und- von dieſem aus bei ſorgfältiger Vorbereitung den zu behandeln-
den Stoff betra von dem aus die Entde>ungsreiſe in das unbekannte Land unternom-
men wird, und Sache des Lehrer38 iſt e8, dafür zu ſorgen, daß der
Schüler nicht träumend dahinſchreite, ſondern offenen und freien Sin-
nes umherſchaue.
Auch für den Unterricht in der Chemie müſſen die im Kinde be-
reits vorhandenen Anſchauungen den Aus8gangSpunkt bilden. Von da
gehen die Schüler an der Hand des Lehrers Schritt für Schritt weiter
und denken und unterſuchen. (E38 ergiebt ſi; daraus nun von ſelbſt,
daß man die erſte ginnt, ſondern daß man vom Standpunkte des Schülers vorſchreitend
auf den etwa anzuſtellenden Verſuch geführt wird. Wir haben durch
Nachdenken uns eine Anſicht über irgend eine Erſcheinung gebildet;
dann. überlegen wir, auf wel die Richtigkeit derſelben Gewißheit verſchaffen, und werden damit auf
den paſſenden Verſuch geführt. „Nicht der letztere alſo bildet den Au3-
gangspunkt, ſondern unſere bereit8 gewonnenen Erfahrungen, und von
dieſen gelangen wir im Laufe des Unterrichts zum Experiment. Dieſe
Art und Weiſe der Behandlung iſt von nicht zu unterſchäßendem Vor-
theil. Einmal iſt ſie für den Schüler eine tüchtige Geiſte8gymnaſtik,
dann aber erregt ſie bei ihm in hohem Grade die Luſt und das Inter-
eſſe an der Sache, Der formale Geſichtöpunkt tritt dabei in den
Vordergrund, und der Schüler wird befähigt, ſich ſpäter, wenn er
einmal auf ſich allein angewieſen iſt, leicht helfen zu können.
Unſers Wiſſens exiſtirt nur ein Buch, welches die Chemie in
dieſer Weiſe behandelt. Das iſt der „Leitfaden für den methodiſchen
Unterricht in der anorganiſchen Chemie“ von Dr. Ferdinand Wilbrand.
Derſelbe iſt im Berlage von Aug. Lax in Hilde8heim gegenwärtig in
dritter Auflage erſchienen. Das Buch iſt für die Methodik der Che-
mie von der größten Bedeutung, und aus dieſem Grunde können wir
uns nicht verſagen, demſelben eine nähere Betrachtung zu widmen.
Vielleicht leiſten wir manchem Lehrer einen Dienſt damit.
Der Verfaſſer ſpricht ſih in der Vorrede über die Grundſätße
aus, die ihn bei der Bearbeitung des Buches geleitet haben. Er ſagt:
„Am fruchtbarſten ſchien es mir, mit den Schülern den Weg zu gehen,
den man überhaupt bei man, ausgehend von gewiſſen Erſcheinungen, nah. Maßgabe der ge-
wonnenen Erfahrungen ſich eine Anſicht über die Urſache derſelben

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.