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- noch meiſt Linwad, ſelten Linwand. Vollſtändig aus Unwät iſt unſer
mundartliche8 Leimt erwachſen. |
- Zn Schlafrod> giebt wohl Schlaf einen Sinn, aber nach
Andreſen liegt urſprünglich, nach den verſchiedenen mundartlihen
Formen wie ſel, Schlaufro> zu ſchließen, mhd.
- Sloufen von liefen ſchlüpfen zu Grunde.
Weſte hat unſere Kinder an die Himmel8gegend erinnert, ſonſt
hätten ſie ſich nicht das Räthſel gebildet: „Jn welchem Kleidungs-
ſtüfe geht die Sonne unter?“ Weſte iſt jedo< Lehnwort vom lat.
vestis Kleid. Die Weſte iſt ja eigentlich niht8 anderes als das alte
Wamms. Dies hat aber durc< Einführung de8 Oberro>e8 nach dem
30jährigen Kriege die Aermel eingebüßt und iſt bedeutend ver-
kürzt. Zn Frankreich bedeutet veste heute noh eine Jae und einen
kurzen Ro>.
Das. Wort Koſt == Speiſe meint man zu dem Verb koſten zu
ſtellen, welches dem lat. gustare entſpricht, da die Speiſe gekoſtet wird.
Jedoch wie Hildebrand im Wörterbuch gezeigt hat, iſt an das dem
lat. constare entlehnte foſten zu denken. Koſt bedeutet das, was man
aufwendet, wie pl. die Koſten.
Bratwurſt heißt die Wurſt nicht de8wegen, weil ſie manchmal
„gebraten wird, ſoridern ihres Inhaltes wegen. Mhd. brät das weiche
FTleiſc<. Jn Süddeutſchland ſagt man noch jetzt für klein geha>tes
Fleiſ ſtimmend mit der Bedeutung Mettwurſt == Fleiſchwurſt.
Weißbrot denkt man ſich in der Regel als Gegenſatz zu
Schwarzbrot. Jedoch Adelung ſchreibt „Weizenbrot“; wir ſagen
- Iandſ 1. Theil von Weißbrot zu Weizen, das wir nhd. fälſchlih mit der
ſcharfen Spirans ſprechen, vielmehr die Mundart es richtig mit dem
weichen 3 ſpricht, denn mhd. weize nicht weize.
Dei Bosbier ſoll man an Bot denken und unſere Wirthe laſſen
bei ihren Ankündigungen in den Lokalblättern faſt immer ein Bild
beiſezen, wo ein Faß von 2 Böden gehalten wird oder dergl. Indeß
wie ſchon Schmeller im Wörterbuch und Gräße in ſeinen „Bierſtudien“
dargethan haben, bedeutet der 1. Theil die hannöverſche Stadt Einbec,
die früher dur< Bereitung ihres ſtarken Bieres berühmt war und
deren Bier als Aimbo>k verſchenkt wurde. Das bei uns auf dem Lande
in der Ernte vielgetrunkene Halbbier wird faſt überall Kofent genannt.
E3 iſt dies Wort nach Hildebrand eine Entſtellung aus lat. Copvent
Kloſter und bezeichnet die zweite Sorte Bier, das die Kloſterbrüder er-
hielten, im Gegenſatz zu dem ſtarken Bier, das die Oberen (patres) tranken.
Das . Gaunerſpiel Kümmelblätt miſchung dreier Karten beſteht, hat niht8 mit Kümmel zu thun, ſon-
dern in Rüdſicht auf die lokale Ausſprache Gimelblätthen und die
Bedeutung 3 ſtellt e8 Andreſen zu dem 3. Buchſtaben des ebräiſhen
Alphabet8 Gimel, der auch die Dreizahl bezeichnet.
Bei Charfreitag könnte man den 1. Theil ſeiner Schreibung
wegen für ein Fremdwort halten, es iſt aber darin das altdeutſche
chara == Trauer, Klage bewahrt.
Der grüne Donnerstag erinnert an grün, und es iſt bei uns
in Sachſen üblich, am grünen Donnerstag auch etwas Grünes (Spinat,
Rapsſalat, Kornblumenſalat) u. ſ. f. auf den Tiſch zu bringen. Mit
unſrer Bezeichnung hat e8 jedoch eine andere Bewandtniß. Am
Donnerstage der Charwoche war ja das heilige Abendmahl eingeſetzt
worden, deShalb wurde dieſer Donners8tag im geiſtigen Sinne als der
Tag betrachtet, an welchem „nach öffentlicher Buße die Menſchen von
der Sünde befreit, rein, friſch, gleichſam wieder jung und grün ge-
worden ſeien“, und ſo wurde der Tag in der Kirchenſprache des
Mittelalters als dies viridium bezeichnet. Dies übernahm man,
wörtlich in Gründonnerstag überſetzt, ins Neuhochdeutſche. -
Bei uns hört man bei ſtarker Kälte im Januar und Februar
die Leute ſagen : Der große oder kleine Horn der macht ſein Stüchen.
Auf die Frage aber, was Horn heiße, antwortet man gewöhnlich
erklärend, es verlöre zu dieſer Zeit der Hirſch ſein Horn (Geweih).
Horn (coruu) hat jedoch mit jenem nicht3 zu ſchaffen, ſonderw*torn
iſt ein altes Wort für Winter und bezeichnet eigentlich den Januar,
der Februar hieß hornunc (vergl. Karl des Großen Monatsbezeich-
nungen), d. i. fleiner Horn. Im landſchaftlichen Sprachgebrauch
bewahrt ſich alſo unbewußt ein altes Wort in urſprünglicher Bedeutung.

Karl der Große bezeichnete den Mai als Wonnemonat und
wir nennen ihn heute noch ſo, fühlen aber dabei etwas ganz anderes.
Wir überſetzen uns Wonne mit Freude, vielleiht über den Anblick
der neugrünenden Wieſen und der wieder blühenden Bäume. Jedoch
ahd. wunni, mhd. wünne, wunne heißt Wieſenland, und der Monat,
in dem das Wieſenland für das neue Jahr bearbeitet wurde, hieß
Wonnemonat. Im Laufe der Zeit vergaß man aber die urſprünglich
ſinnliche Bedeutung de8 Wortes und verband mit ihm den Begriff
Freude, vielleicht, weil der große Heerdenbeſizer beim Anblick ſeiner
ſhönen, reichlich tragenden Wieſen große Freude empfand. Die
alliterirende Form Wonne und Weide iſt alſo ein Pleona8mus.
Flitterwo ſondern ſtammt von flittern ſchmeicheln, kofen, ahd. fliterazan liebkoſen.
Zn der Bibelſtelle Matth. 5, 18 . . . no< ein Tittel vom
Geſetz . . . iſt Tittel unverſtändlich. An Titel dabei zu denken iſt
nicht richtig, denn es bedeutet hier „Punkt“ von altdeutſch tutte
Bruſtwarze.
Der falſ Namen nicht von meinen, ſondern vom alten Subſt. oder Adjektiv
mein == Falſchheit, falſch.
Bei Kopfnüſſe ſoll man nicht an Nüſſe denken, es liegt der
Bildung das in ſüddeutſchen Dialekten verbreitete uussen == ſchlagen
zu Grunde. Vielleicht hierzu zu vergleichen unſer mundartliches ab-
niSchelin == ſchlagen.
Ohrfeige heißt mhd. örslac, aber holländiſ< nac< Grimm
oorvijg und oorveeg. Vijg, veeg, mit unſerm fegen zuſammenhängend,
bedeutet ſchlagen und dieſe Bedeutung liegt in Ohrfeige.
Leumund könnte, wie Vormund, an Mund erinnern, und weil
man volkfsthümlich das wirklih in dem Worte geleſen, ſo iſt die
Redensart entſtanden: in der Leute Mund ſein. Das Wort heißt
jedo damit zuſammen. Die volle Endung „und“ beſigen wir no< in
Abend, Jugend, nur hier mit abgeſchiwächtem Vokal. Von Leumund
iſt verleumden erſt abgeleitet.
Wenn der Jäger von einer Kette Rebhühner ſpricht, ſo denkt
man gewiß an Kette, zumal wenn man weiß, daß die Thiere vielfach
in einer Reihe liegen. (Es ſollte jedoch richtiger Kütte ſtatt Kette
heißen, da ahd. chutti == Schaar, Heerde zu Grunde liegt.
Hoffahrt hat mit Hof nichts zu thun, ſondern iſt durch An-
gleichung aus mhd. höchvart == Hocfahrt entſtanden. .
Eiferſucht iſt nicht, wie Schleierma bemerkt, eine Leidenſchaft, die mit Eifer ſucht, was Leiden ſchafft,
jondern ſucht iſt urſprünglich Subſtantiv. Mhd. suht == Krankheit.
Vergl. Blei<ß-, Gelbſucht u. ſ. f.
Wir beanügen uns mit dieſer Ausleſe, erachten aber nochmals
als unſere Pflicht, alle Lehrer auf das Andreſen'ſhe Buch ganz beſon-
ders hinzuweiſen. Cs bietet nicht allein eine reiche Menge belehrender
Aufſchlüſſe über den wahren Jnhalt der Worte, die jedem Gebildeten
als wiſſenswerth erſcheinen müſſen, ſondern e8 wird auch ſpeziell dem
Lehrer bei ſeinem Unterrichte für die philologiſch richtige Ertlärung
eines Wortes gewiß eine re Grimma. Herm. Däbrißz.
Redakteurverband.
Auf unſere beiden, äußerſt gemäßigten Erklärungen in Sachen
Kleinert-Noſtiz, welche in dieſem Gewande ſicherli< dazu angethan
waren , Herrn Noſtiz eine befriedigende Beilegung zu erleichtern, ant-
wortete leßterer mit neuen Ausfällen, diesSmal nicht nur gegen Herru ..
Kleinert, ſondern auch mit Anſpielungen auf deit Redakteurverband, in-
dem er inbezug auf letzteren von Kliquenweſeu+“Jntereſſenpädagogikern 2c.
ſprien wie „Erbärmlichkeit,
Gekläffe, bornirt, zudringlich,“ unverſ<ämt, an den Pranger ſtellen,
lügen“ 2c. haranguirt. Niemand wolle verlangen, daß wir dem Herrn
Noſtiz auf dieſes Gebiet folgen. Er hat damit gezeigt, weß Geiſtes Kind
er iſt, und daß er zu jenen Publiziſten zählt, von denen man keine Er-
tlärnng mehr. zu verlangen braucht, weil fie die Ehre anderer nicht an-
zutaſten vermögen. Wir bedauern im Lehrerintereſſe und im Hinbli>
auf die StandeSehre des deutſchen Lehrerſtandes, daß eine rein ſachliche
Angelegenheit, wie ſolche Hr. Kleinert auf der Fürther Lehrerverſammlung
in gewinnender Weiſe vertreten hat, in ſolch' unqualifizirbarer Weiſe
dur< die Herren Körner und Noſtiz ausarten konnte. Letzterer kann nun-
mehr vollitändig beruhigt ſein.
Fr. W. Pfeiffer, d. Z. Vorſißender.“

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