Sagesgeſchichtliches und Jeuillekon.
Triedrich Harkort +. Am 6. März ſtarb zu Barop in
Weſtfalen im Alter von 87 Jahren der treue Kämpfer für freiheit-
liche Entwilung und würdige Ausſtattung der preußiſchen Volksſchule,
Friedrich Harkort, von den Lehrern als ihr „Tribun“ mit Recht ge-
feiert. Ein langes Menſc und die Freiheit des Volkes überhaupt und der Volksſchule ins8beſon-
dere unentwegt und tapfer geſtritten. Im preußiſchen Abgeordneten-
hauſe war er der Mann des Ceterum censeo betreffs des Unterrichts-
gejeßes. Daneben wirkte er durch ſchneidige Schriften. So hielt er
1. 3- 1849 den Geſeßgebern in ſeinen „Bemerkungen über die Hinder-
mſſe der Ziviliſation und Emanzipation der unteren Klaſſen“ folgende
Zahlen als Spiegel vor :
„Selbſt die wohlwollendſten Regierungen“, ſo heißt es dort, „ver-
wenden die Kräfte des Staates zu ſehr auf eingebildete oder angewöhnte
Bedürfniſſe, dann fehlen, wenn es einer geiſtigen Erhebung gilt, die
Mittel. Das Theater wird z. B. als Bildungsmittel angeſehen. Zu-
gegeben! Allein nur für jene, ſo die Eintritts8karten bezahlen können
und in den großen Städten wohnen. Geſetzt nun: Oper und Ballet
empfingen eine jährliche Unterſtüßung von 150 000 Tir.; dann möchten
wir beſcheiden bemerken, daß eine ſol in den 4 Jahren jede Elementarſ zu verſehen; dieſe Verwendung würde ungemein tiefer in die Volks-
erziehung eingreifen. 800 000 Tir. für ein Opernhaus ſind gleich 4--500-
neuen Schulgebäuden. Wohin neigt ſic das Zünglein der Wage, wenn
wir mit ſolHen Zahlen 200 Lehrerſtellen mit unter hundert bis zwanzig
Talern abwärts Gehalt in einem Regierungsbezirk vergleichen ? wenn im
Regierungsbezirk Pot8dam 13 Tir. jährlich eine Scullehrerwitwenpenſion
bilden? =- Jm Staats8budget erſcheinen 24 600 000 Thlr. für das Kriegs-
miniſterium und nur 1217 000 Tir. für den ſämtlichen öffentlichen Unter-
ri bauen Zuchthäuſer glei Paläſten für die Uebertreter des eſezes, allein
was gej Sittengeſeß, dem armen Volke zugänglich zu machen ? Gerade die Maſſe
der Uebertreter in den unteren Ständen ſpricht das Urteil ihrer Ver-
wahrloſung.“
Leider wax e8 ihm nicht vergönnt, die Verwirklichung ſeiner Lieb-
lingsidee zu ſchauen; ja, dieſelbe ſcheint mehr als je in unbeſtimmte
Ferne gerüFt. Was er aber angeſtrebt und mit aller Kraft der

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