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als ob in der Zuſtimmung zu dem Antrage Lienbacher's eine Anerkennung
jener das Landre wäre. Nur auf das enge begrenzte Gebiet der Schulpfliht möge die
Erwägung über die Reformirung der Sc Es möge bei dieſer Reform den lokalen und Bezirksverhältniſſen Rech-
nung getragen werden. -- Der Redner giebt ſi< hier als einen jener
Männer, welche die Bedeutung der Schulpfliht gänzlich verkennen. Das
„enge begrenzte Gebiet der Shulpflicht“ iſt in Wahrheit das ganze große
Gebiet der Neuſchule. Was kann denn die aeiſiliche Sc ſchaden, wenn wir erſt eine ſe<8jährige Rumpfſ Falle iſt es ſhon gleichgiltig, wer die Sc ind die Bedingungen zu einem zwegemäßen Erfolge ja ohnehin ſ verloren gegangen. Und nun gar den lokalen und Bezirksverhältniſſen
bei Fixirung der Schulpfliht Rechnung tragen -- ja, wo führte das end-
lich hinaus ? Wir erhielten bei einem folden Vorgehen einen Wirrwarr,
der vhne Beiſpiel wäre, und müßten uns von der ganzen Welt auslachen
laſſen. Nein, nein, ſol wenn es gilt, ein Mandat zu erlangen, vor dem Forum des geſunden
Menſc von der Wahrung des Prinztp8 der achtjährigen Schulpfliht zu reden
und daneben für Preisgebung dieſer Pfliht an Bezirke und Orte zu
ſprehen. Ein Prinzip bleibt nur ſo lange ein aufrechtes Prinzip, als
ſich die Praxis innerhalb des Rahmens bewegt, den es ſeinem Begriff
und Weſen nach darſtellt. Wenn ſich alle Bezirke für einte ſe<8- oder
ſiebenjährige Schulzeit entſcheiden ſollten -- was der gute Genius Oeſter-
rei;<8 verhüten wolle --, ſo könnten die Herren, die das achtjährige
Prinzip mit tönenden Worten wahren, ſich nur na< Nürnberg in das
gewiſſe Kabinet begeben. Man kann in der Tat nicht ohne Bitterkeit
an den Mißbrau< denken, dem das Prinzip der achtjährigen Schulpflicht
in neuerer Zeit gerade von lÜberaler Seite fort und fort ausgeſeßt iſt.
Nac< Granitſ< ſprac< der Abgeordnete Dr. Ruß. In deſſen Rede
wehte etwas von Geiſt und Kraft. Er ging von den großen Prinzipien,
mit denen die Volksbildung zu leiten iſt, aus und vertrat die modernen
Grundſätze. Man nenne, ſagte er, dieſelben de8halb liberal, weil die
Sache der Freiheit nur mit der fortſ weil die Reaktion auf die Unbildung und geiſtige Zurükgebliebenheit ihre
Hoffnungen ſetze. EigentliH aber ſeien dieſe modernen Prinzipien der
Volksbildung von allgemein kultureller Bedeutung und ſtehen mit der
politiſ hang. Der Redner gedachte ſodann der Verſuche, welhe an die Abände-
rung der Dauer der Schulpflicht geknüpft werden, die großen Grundſäße
der Schulgeſetzgebung zu bekämpfen. Er wie8 nach, daß die Geſeßgebung
de8 Reiches auf irgend einem Gebiete ni bäuerlihen Bevölkerung geregelt werden könne -- und daß in einem
Staate , in welchem eine intelligente, gFewerbfleißige, induſtrielle Bevölke-
rung lebt, auch dieſe Elemente Berückſichtigung finden müſſen. Gegen
den Abgeordneten Lienbacher erörterte Ruß die angeblihen Wirkungen
der Schulgeſetze auf die Sittlichkeit der ländlihen Jugend. Die pikante,
etwas ſchlüpfrige Jdylle, die der Abgeordnete Lienbacher gedichtet hatte
und in welcher er lauſchige Waldpromenaden der vierzehnjährigen Bauern-
burſchen und Bauernmäd'ſher
Phantaſie ſchilderte, gab-Ruß zu einer wißigen Replik Anlaß. Die Wald-
promenaden „in Gottes freier Natur“, welche vom Abgeordneten Lien-
bacher ſo energiſc; verfolgt worden ſeien, ſcheinen ihm nicht ſo entſitt-
lihend, als das Betreten des Tanzbodens. Viel ſchädlicher als die paar-
weiſen Waldpromenaden, welche übrigens wahrſcheinlich nicht zur Regel
gehören, ſeien dieſe Tanzvergnügungen der noh nicht der Schule ent-
wachſenen Bauernmädchen. -- Auf dieſe Bemerkungen eine abwehrende
Antwort zu geben, dürfte Herrn Lienbacher wohl ſchwerlich gelingen.
So lange ein Kind der Schule nicht entwachſen iſt, wird e8 mehr oder
minder auch außer der Schulzeit der Kontrole des Lehrers unterworfen
ſein. Streicht zwei Schuljahre aus, und ihr habt 12- bis 14jährige
Kinder als mitwirkende Faktoren bei jedem Gelage, wo die Unſitte ihre
Orgien feiert. Mit dem Austritt aus der Schule denkt ein Kind: Nun
bin ich frei, nun kann ich tun, wa8 ich will. Und wehe der guten Sitte,
wenn das Wollen duch Verkümmerung und zu frühen Abſchluß der
Sculbildung um jede tüchtige Unterlage gekommen iſt!
Unter den folgenden Rednern war auh Dr. Hoffer. Er gilt allgemein
als Schulfreund und hat in zahlreihen Fällen bewieſen, daß er es iſt.
Aber aus eiſernem Kernſtoffe hat ihn die Natur nicht geprägt. Jn der
Betonung des Prinzips der achtjährigen Schulpflicht und in der gleich-
zeitigen Hinneigung zu Kompromiſſen mit den Feinden dieſes Prinzips
gießt er Waſſer zum Feuer, das giebt nur Dampf, und was bleibt, iſt
das blanke Nichts. Wenn wir das ewige Schwanken der Liberalen in
der Schuipflihtfrage anſehen, ſo kommen uns allemal die klugen Bauern
in Norddeutſchland in den Sinn, die am Sonntage unbequeme landes-
fürſtlihe Verordnungen an den Kir dem L S am Fuße der Plakate immer nur ein „Lat't ſlippen“, das heißt:
Laß es dur<ſhlüpfen, kümmere di< nic liM dahin kommen, ein vom Kaiſer ſignirtes Geſet für unantaſtbar zu
halten und den Verſuchen, es in der Praxis zu verwäſſern und zu ver-
nichten, entſagen ?
Das Ende von dem langen Redeliede war die Zuweiſung des Lien-
bacher'ſ wir mit Beſtimmtheit voraus, und die Tatſachen werden unſere Voraus-
ſage nicht hinfällig machen -- wird die Normirung der Schulpflicht in

8
die Hand der Länder, vielleigt gar der Bezirke zu legen empfehlen.
Darauf werden Abgeordneten- und Herrenhaus eingehen. Was dann?
Ja, dann kommt noh vieles na<. Denn wenn für große, an Intelligenz
reiche Gemeinden an eine Reduktion der Schulzeit niht gedacht werden
kann, ſo wird in nicht wenigen Landbezirken do< luſtig darauf los geſtrihen
werden. Schulen mit ſe brauchen aber einen an Wiſſen weniger reichen Lehrer, wie man bald
herausklügeln wird, und wozu ſoll denn ein ſolher Mann vier Jahre
im Seminare ſißen? Reichen für ihn nicht drei oder zwei Jahre voll
kommen aus? Und da er weniger zu leiſten braucht, ſo darf man ihn
doh ſicher geringer honoriren, was man ja auch dem Volke, das unter
den erdrückenden Scullaſten ſeufzt, ſchuldig iſt. Zwei Schuljahre weg =-
das in ſich lac nah, daß das im Reiche 300 000 Sculkinder weniger bedeutet. 300 000
Kinder, das ſind über 3000 Lehrſtellen, die zum Ausmerzen reif werden.
WelH' eine Erſparung! Das „Vaterland“ wird ſig wohl verrechnen,
aber ſollte ſich auc< nur die Hälfte oder ein Viertel ſeiner Hoffvungen
erfülſen -- für die gute Sache wäre ja auc< das ſchon ein überaus
ſ Kurz, die Dinge ſtehen ſchle
die Lage prüft, der wird Tage kommen ſehen, von denen der Schul- und
Volksfreund ſagen muß: Sie gefallen mir nicht. JT.
Ein internationaler Unterrichtskongreß. Für den Abend des
10. Februar war, wie die Kö'!n. Ztg. berichtet, um 8 Uhr im Saale der
„Union Syndicale“ (Palais de la Bourge) in Brüſſel die erſte Sitzung
de8 Generalfomite8 des internationalen Unterrichtskongreſſes feſtgeſett,
wel keit des belgiſ ziviliſirten Ländern ſind dem Generalkomite Männer der Wiſſenſchaft,
der Shul-, Staat8- und Kommunalverwaltung beigetreten. Deutſch-
land wird u. a. vertreten dur< Profeſſor Gneiſt, Profeſſor Dr. Hirſch,
Profeſſor Ernſt Hädel, Profeſſor Vir Oberpräſident v. Ende, Dr. Becker, Oberbürgermeiſter von Köln, v. Weiſe,
Oberbürgermeiſter von Aachen, Senator Römer - Hildesheim , Dr. Völk-
Augsburg, Moritz Wiggers8, Regierungs- und Schulrat Florſ<üß-Köln,
Provinzialſc aus allen Gebieten de8 Unterricht8weſens. Der Stadtverordnete Ham-
ſpohn aus Köln fungirt als Generalſekretär für Deutſchland. Das ge-
dru>t vorliegende Programm für den Kongreß erläutert deſſen Zwe
wie folgt: „Der Kongreß bezweE&t die Erörterung und Gemeinverſtänd»-
lihfeit der ſozialen Fragen, welche ſich auf das Unterrichtsweſen aller
Grade beziehen. Der Kongreß verfolgt dieſen Zwe> durc< eine freie
Debatte und die Veröffentlihung ſeiner Arbeiten. Er arbeitet gleichſam
wie eine Enquetekommiſſion, in welcher alle Tatſachen und Jdeen zum
AusdruF kommen und ſich gegenſeitig kontroliren können. Der Kongreß
ſucht die Wahrheit, aber er drängt fie nicht auf. Er ordnet Beſprechungen
an und fördert die Aufklärung, aber er faßt keine Beſchlüſſe.“ Dann
folgt eine genaue Einteilung der vorzunehmenden Arbeit und die vor-
läufige Formulirung einer Menge Fragen über die verſchiedenen Zweige
des Unterric verdienſtvolles Werk haben die rührigen Belgier mit der Veranſtaltung
eines internationalen Unterrichtskongreſſes begonnen. Jhre unter den
Auſpizien des Unterricht8miniſter38 Vanhumbeek getroffenen Maßregeln
laſſen einen guten Erfolg verhoffen, und an dieſem werden unſere deut-
ſ Das Generalkomite des internationalen Unterrichtskongreſſe8 hat nun
in ſeiner Sitzung am 19. Febr. die dur< hervorragende Referenten zu
erörternden Fragen für die öffentlichen Verſammlungen des Kongreſſes
au8gewählt. Unter dieſen Fragen ſteht obenan: „Welchen Zwe hat der
Geſeßgeber bei der Aufſtellung eines Programms für die Volksſchule zu
verfolgen ?“ Für die Beantwortung diejer wichtigen Frage hofft man
u. a. einen deutſHen Parlamentarier von Bedeutung zu gewinnen. Fer-
ner ſoll die Stellung der Mittelſhule in großen Zügen klargeſtellt werden.
Zu den Mittelſ Gymnaſien (athences et colleges), weil ſie in der Mitte ſtehen zwiſchen
der Elementarſchule und der Univerſität. Soll die Mittelſ flaſſen haben oder ſi< an die Elementarſchule anſchließen, ſoll die Mittel-
ſchule zur Univerſität vorbereiten oder Selbſtzwe> ſein; oder wie kann
dur< verſch'edne Schulen desſelben Grades beiden Richtungen genügt
werden? Dies ſind höchſt bedeutſame und auc< in Deutſchland no gelöſte Probleme. Bezüglich der Univerſität wird deren doppelter Zwe,
einerſeits die Wiſſenſchaft zu pflegen, andererſeits für den praktiſchen Be-
ruf vorzubiiden, zur Sprac prüfung ſoll dabei auch eine Rolle ſpielen. Den deutſchen Univerſitäten
wirft man im Auslande vielfach vor, daß ſte der höheren wiſſenſ Bildung, in der do ten , zu viel Zeit und Kraft opferten gegenüber dem praktiſ niſſe der großen Menge der Studirenden. Man befürwortete dabei die
Scheidung der Univerſitäten in rein wiſſenſchaftliche und berufsmäßige
Abteilungen. Au<“ das Gewerbeſchulweſen nnd namentlich die Werkmeiſter-
jhule kommt zur Erörterung, die Bedeutung und die Methode des Zeichen-
unterrichis, die Einwirkung der Kunſt auf das Handwerk u. |. w. Ferner
ſoll die Frage zur Verhandlung kommen, ob mit den Werkmeiſterſhulen
Muſterwerkſtätten zu verbinden ſind; ein Gegenſtand, dem die Kölniſche
Zeitung ſc es ſih no

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