N? 38.

Allgemeine
ws Lehrerzg;,
====--»=0DA4GDP Herausgegeben von A. Berthelt.
1880.
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Zugleig Organ der Allg. deutſ
Jährlich 52 Nummern von mindeſtens 1 Bogen nebſt
Gratis-Beilage: Anzeiger für pädagogiſche
Literatur (in 12 Nrn.). Preis vierteljährlich
2 Mark. Anzeigen für die dreiſpaltige Betitzeite
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Das Verhältniß der Schule zum Elternhaus.
(Zur Preisbewerbung.)
Motto: „Nur wenn alle erziehenden Kräfte
nah einem Ziele zuſammenwirken,
iſt eine Annäherung an das Jdeal
zu hoffen.“ Curtman.
E38 treten in unſerer Zeit eine Menge Fragen auf, in allen Ge-
ſellſ lawinenartig wachſen dieſelben an, ſo daß e8 Einem faſt vorkommt,
als ſolle mit dem Herkömmlihen ganz und gar gebrochen und eine
neue Weltordnung gegründet werden. Hier wird an der Löſung
diefer Probleme mit Hochdrud gearbeitet, und mit geſchwellten Segeln
ſteuert das majeſtätiſche Schiff in den. Ozean, -um oft bald wieder
mit zerbrochenen Maſten und getäuſchten Hoffnungen in den ſichernden
Hafen einzulenken; dort nehmen die weltaufbauenden Pläne viel Ballaſt
mit ins Schlepptau, um ſich langſam durch die Wellen zu kämpfen
und vielleicht doc endlich glülich am Ziele zu landen. Von den
Fragen, die unſere Zeit bewegen, iſt die Schulfrage nicht eine der
geringſten. Nicht die Pädagogik allein, auch die Politik und Wiſſen-
ſchaft haben ſie ſchon vielfach auf ihr Panier geſteXt. Doch während
man an die Löſung aller übrigen Fragen mit Wohlwollen oder doch
wenigſtens mit einem vernünftigen Raiſonnement herantritt, iſt hier
ein Streit für und wider entſtanden, daß man oft nicht weiß, wo der
gute Wille aufhört und etwas anderes anfängt. Von der Schule
hat man das Wohl und Wehe der Zukunft abhängig gemacht, und
doch, wenn es dran geht, ihr eine natur- und zeitgemäße Stellung zu
geben, hat man meiſtens nicht mehr als ein mitleidiges Achſelzuen,
ein non posSumus. -- Auch die Pädagogen ſelbſt ſind no< keines-
wegs darüber einig, welche Stellung der Schule angewieſen werden
müſſe, um ihrer hohen Aufgabe ganz gerecht werden zu können. Daß
ſie anders und beſſer ſituirt werden müſſe, als ſie es im größten
Teile Deutſchlands (und noch mehr der außerdeutſchen Länder) iſt,
darüber herrſcht kein Zweifel; aber in welches Kleid ſoll ſie geſte>t
werden, in Zivil oder Uniform? --- Hier ereifert man ſich für die
Gemeindeſchule, dort wird wieder von der Staatsſchule alles Heil
erwartet. Die Gemeindeſchule wäre jedenfalls am naturgemäßeſten,
wenn nur die Gemeinden auch dem Jdeal der Pädagogik entſprächen.
Da aber bis jeßt in ihnen mit geringen Au8nahmen noch ſo wenig
Sinn für eine edle, wahre Bildung herrſcht und der Egoi8mus und
Eigennutz die Götter ſind, welßen man Opfer bringt, ſo kann man
in Erwägung dieſes wohl ſc begeiſtern. Der Lehrer wäre in ihr ein Gemeindediener, die Schule
eine Magd, und eine Magd erzieht keine freien Menſchen. Wa3 nun
die Staatsſchule betrifft, ſo iſt bei ihr beſonders bedenklich, daß ſie
die Familie faſt vollſtändig ignorirt. Jn der militäriſchen Zwangs-
jade gedeiht die Volksſchule ebenſo wenig, als ein freies Naturgewächs
im einem Treibhauſe. Das Wahre liegt alſo auch wohl hier in der
Sonntag, den 19, September.

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nehmen alle Buc


goldenen Mittelſtraße. Suchen wir einmal der Entwieklung der Schule
etwas näher zu treten. Das urſprünglihe alleinige Erziehungs-
inſtitut war das Elternhaus und iſt e8 auch noh jetzt faſt ausſchließ-
lich bei Naturvölkern. Hier wird der Sohn vom Vater in den
wenigen ihm eigenen Künſten, in ſeinem Gewerbe unterrichtet und
dadurc< befähigt, den Kampf ums Daſein aufzunehmen. Die Tochter
lernt von der Mutter gerade ſo viel, als die primitiven Verhältniſſe
von ihr fordern. Ob dieſe Naturmenſchen ſic< weniger glülich füh-
len als wir, wer will's behaupten?
In den zwiliſirten Ländern hat die Schule in der einen oder
andern Form einen großen Teil von der Bildung des heranwachſen-
den Geſchle in ihnen zur Notwendigkeit gemacht? ſo werden hauptſächlich zwei
Gründe anzuführen ſein-und zwar: 1) die ſich immer mehr anhäufende
Bevölkerung und 2) der große Fortſchritt in den Wiſſenſchaften und
Verkehrsbeziehungen, der das Leben auf eine ganz andere Baſis ge-
ſtellt hat. So lange der Boden eine38 Landes noch ſeine Bewohner
ohne viel Aufwand und Kultur reichlich ernährte, hatte man ſo viel
Zeit und Geſchilichkeit, ſeine Kinder in Väter Weiſe heranzubilden.
Als aber die Bevölkerung ſich nac< und nach mehrte und dadurc< das
Beſitztum des Einzelnen ſich immer mehr ſchmälerte, mußte der Aus-
fall durch beſſere Kultur und alſo durc< mehr Arbeit erſeszt werden.
„Der Mann mußte nun hinaus ins feindliche Leben und ringen und
ſchaffen“, und es blieb ihm dann nicht mehr Zeit, ſeinen Sohn „Bogen
ſpannen und Pfeile ſchießen“ zu lehren.
Mehr noh als dieſes waren es die großartigen EntdeFungen
und Erfindungen der Neuzeit und auc< ſchon des Mittelalters, die
eine größere Bildung nötig machten. Der Menſc< wurde durch ſie
aus jeiner Jſolirtheit herausgeriſſen, in Berührung mit ſeinen Mit-
menſchen und der Natur gebra Strome nicht untergehen, ſo mußte er ſchwimmen lernen. Dezshalb
ſhon zur Zeit des Hanſabundes in den Städten die Vereinigung gan-
zer Korporationen zur Errichtung von Schulen. E8 ſoll hier der
Kirc ſchule hat, nicht verkürzt werden -- es iſt ja bekannt, wie erfolgreich
der gewaltige Reformator Luther dafür eintrat =-, nur darf ſie ſich
nicht als die einzige Wurzel derſelben au8geben wollen. Vor allem muß
feſtgehalten werden, daß das Haus der Urgrund iſt, aus welchem die
Scule herau8wu mſſe unvermögend war, der ihm naturgemäß am erſten zufallenden
Aufgabe gerecht zu werden, trat die Schule ein. Lettere iſt alſo als
eine Hilfsanſtalt des Hauſe8 zu betrachten und darf ſih um ſo
weniger von demſelben iſoliren, als ja dieſes die Arbeit jener vor-
bereitet und auch noh während der Schulzeit einen großen oder den
größten Teil der Erziehung in Händen hat.
Do Erziehungsfaktoren noh vielfach gegenüber ? --- Wir haben ſchon alle
mehr oder weniger die Erfahrung gemacht, wie das Haus der Sule

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