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ſei es ſeit den 4 Jahren ſeines Hierſeins bedeutend beſſer geworden. Sie,
die heſſiſchen Lehrer, ſeien in ſittlicher Beziehung allen andern Beamten-
kategorien vollſtändig gleichzuſtellen. Er ſei auch überraſcht von dem
edeln Geiſte, welcher gerade in den Verſammlungen heſſiſcher Lehrer ſich
zeigte und dies berühre ihn ſehr ſympathiſch. (Allgemeines Bravorufen.)
Na<ß Annahme der aufgeſtellten Geſhäftsordnung wurde der Jahres-
bericht mitgeteilt. Nach dieſem ſind von den 1800 Lehrern Heſſen8 1550
Mitglieder des Heſſ. Lehrervereins, alſo 5/5 der geſamten Anzahl. Dann
hielt Hr. Dietric Bieten Er erging ſic< über die Bedeutung der Volks- und S<üler-
bibliotheken; ſie ſeien ein ſicheres Mittel gegen die Shund- und Gift-
literatur und das Kolportageunweſen; ſie ſhüßzen die Jugend vor Müßig-
gang und Zerſtreuung. Daun macht er vortreffliche Vorſchläge inbezug
auf Einrichtung 2c. Hieran ſchloß ſich eine ſehr lebhafte Debatte, an
welcher ſih auch Hr. Dr. Gla>emeier-Hannover und Hr. Regierungsrat
Dr. Falkenheiner beteiligten. Hr. Dr. Gla>emeier warnt vor Geldforde-
rungen, da dieſelben in jetziger Zeit übel angebracht ſeien. Hr. Regie-
rungsrat Falkenheiner hielt die Einrihtung von Volks- und Scüler-
bibliotheken für ein dringendes Bedürfniß, hielt eine gründliche Sichtung
der vorhandenen Werke für ſehr notwendig und wünſ zugleich von jung und alt geleſen werden könnten (Claudius, Pein 2C.).
Nur ſole zwiſchen den Gelehrten und
dem ungebildeten Volke bilden. Von 12--1?/5 Uhr war eine Pauſe, welche
dur< muſikaliſ Veratungen wieder. Der Vortrag „Erziehung zum PatriotiSmus“ wurde
der vorgerücdten Zeit wegen fallen gelaſſen und gleich zu den oben ge-
nannten Anträgen geſchritten. Ad a wurde einſtimmig angenommen ;
ad b ließ man al3 ſpeziellen Antrag fallen, weil Hr. Regierungsrat
Falkenheiner erklärte, daß kein Präparand oder Aſpirant definitiv an-
geſtellt würde, ſondern in Heſſen nur 4 des Notſtandes wegen beſchäftigt
worden ſeien. ad € angenommen. ad Ad hatte der Antragſteller erklärt,
daß, wenn denn einmal das Penſionsverhäitniß der Lehrer nicht geſetzlich
geregelt werden könnte, man lieber wieder zum Emeritenweſen zurüc-
gehen ſollte. Vor letzterem warnt Hr. Regierungspräſident v. Brauchitſch
ganz beſonders und verſichert, daß die Regierung alles tun werde, um
die Lehrer bei Penſionen zu unterſtüßen ; darauf Annahme des Antrags
ohne den Nachſat. ad e angenommen. ad f warnt Hr. Regierungsrat
Dr. Falkenheiner vor einer ſolHhen Forderung und zeigte an der Hand
der Statiſtik, auf welche Weiſe die EG zur Verwendung kämen und
daß bei dem beſten Willen Verſehen vorkommen könnten, jedo gierung ſtet8 beſtrebt ſei, möglichſt gere jährigen Verſammlungsorte wurde Rinteln beſtimmt. Der bisherige Vor-
ſtand wurde wieder gewählt. Abends fand in den Sälen des Rathauſes
und dem Walther'ſ 500, auc<4 eine große Anzahl Pfarrer beteiligten. Ernſte und humoriſtiſche
Toaſte wurden aus8gebracht. Getoaſftet wurde auf den Kaiſer von Lieber»
mann, auf den Regierungspräſidenten v. Brauchitſ<; von Bachmann-
Kaſſel, auf den Regierungsrat Dr. Falkenheiner, auf den Heſſiſchen Lehrer-
verein vom Regierungspräſidenten v. Brauchitſ<, auf die Stadt Hom-
berg 2c. Ganz beſonders muß der Toaſt des Hrn. Regierungspräſidenten
v. Brauhitſc< hervorgehoben werden, welcher die Vereinsbeſtrebungen der
heſſiſ berigen Sinne und Geiſte des Vereins fort zu arbeiten. Am 6., vor-
mittag8 8 Uhr, fand die Delegirtenverſammlung auf dem Felſenkeller
ſtatt und mittags verließen faſt ſämtliche Gäſte unſere Stadt wieder.
Wir hoffen, daß gerade die 11. Jahre8verſammlung heſſiſcher Lehrer von
großer Bedeutung für die Vereinsbeſtrebungen der heſſiſc wird, da hoffentlich man den und aufmunternden Worte des Herrn Regierungspräſidenten auf-
gerüttelt wird aus ſeiner Lethargie. Die Konzeſſionen, welche die Regie-
rung uns gemacht hat, zeigen, daß das, was dem Einzelnen unmöglich,
der Geſamtheit im geſchloſſenen Vorgehen gelingt.
Aus Baiern. Wir ſind in der angenehmen Lage, in dem erſten
Stimmung8berichte des neuen Schuljahres einen etwas freudigeren Ton,
als dies in der Regel der Fall iſt, anſchlagen zu können. Damit ſoll
natürlich nicht geſagt ſein, als lenze es für die baieriſche Lehrerwelt mit-
ten im Oktober. Weit entfernt! Jmmerhin konnten wir von der Warte
des Berichterftatters aus einige Lichtpunkte entde>en, die wie liebliche
Sterne in die allgemeine Shuldämmerung hereinblinken.
Zunächſt ſei einer Tatſache gedacht, die als ein großer Triumph der
korporativen Selbſihilfe des baieriſchen Lehrerſtandes bezeichnet werden
darf. Es war heuer dem Hauptausſhuſſe mögzlic< , ungefähr 41 000 M.
an bedärftige und würdige Lehrerwaiſen zu verteilen. Wenn damit natür-
liM der Not nicht einmal annähernd geſteuert werden kann, ſo iſt es
doH möglich, ſie zu mildern. Eine jährliche Verteilungsſumme in der
Höhe, ohne daß der Kapitalſto> angegriffen werde, läßt auf bedeutende
Hilfsquellen jFhließen. Und wirklich wurde fitr dieſen edeln Zwe> dienſt-
bar gemacht, was nur mögli war. Es iſt daher leicht erklärlih, wenn
die dieSbezüglichen Einrichtungen des Baieriſchen Lehrervereins allmählich
überall Nacgahmunz finden.
Unſere braven Oberammergauer ſtehen im Begriff, einen ähnlichen
Akt der Selbſthilfe zu begehen, indem ſie den vierten Teil der Geſamt-
einnahme für ihr weltberühmtes Spiel dazu verwenden, um eine dritte
Schuliſtelle in der Gemeinde zu errichten. Möchten doh die Tauſende
von Beſuchern aller ziviliſirten Völker dieſen opferwilligen Sinn für die

Schule hier geſchöpft und mit in die Heimat genommen haben! Wenn
einmal die Gemeinden die Schulen als ihre ſchönſten Kleinode anſehen
und eine Ehre hineinſetzen, zahlreiche und gute Sc geht die Menſchheit ſchöneren Zeiten entgegen.
Daß der Wert der Bildung immer mehr geſchäßt wird, mag aus
dem Umſtande erhellen, daß in München eine hübſche Anzahl Scüler,
ins8beſondere Mädchen, freiwillig noH< ein 8. Schuljahr die Volksſchule
beſuHt. Das iſt auch eine Antwort auf das mittelalterliche Beſtreben,
das 7. Shuljahr abzuſchaffen. Wer dieſes Gelüſte ſchürt und auf die
Dummbeit der Maſſen ſpekulirt, iſt nicht ſ Geſuchſtellern mit ihrer unleſerlihen Unterſchrift, oder gar den „Kreuzel-
ſhreibern“ hätte ein weiteres Schuljahr ſehr wohl getan.
Daß die Schule der Gegenwart -- hier ſpeziell die baieriſche Volks-
ſ ihr Ruf in vielen Kreiſen, zeigt ſich immer mehr. Die Zahl der Rekruten
mit ungenügender Schulbildung -- Analphabeten giebt es, von Jdioten
abgeſehen, überhaupt ni uſammen. Die letzte Rekrutenprüfung ergab ein äußerſt befriedigendes
eſultat. Jn Oberbaiern fanden ſich 0,5, in Niederbaiern 1,3, in der
Rheinpfalz 0,3, in der Oberpfalz 1,1, in Oberfranken 0,4, in Mittel-
franken 0,1, in Unterfranken 0,2 und in Schwaben und Neuburg 0,1 /,
mithin im Dur<ſc günſtiges Reſultat hatte, wie alljährlich, Mittelfranken. Die dortige
Kreisregierung teilte das Ergebniß den Diſtrikt8-, Lokalſchulinſpektionen
und Bezirksämtern mit folgendem Bemerken mit: „Dieſes überaus gün-
ſtige Reſultat giebt Zeugniß von dem erfreulihen Stande des mittel-
fräftiſchen Volksſ berufenen Organe, welchen hiermit die wohlverdiente Anerkennung von
der unterfertigten Stelle aus8geſpro Au heuer recht befriedigend aus, ſo daß ſelbſt bei erhöhteren Anforderungen
nur verhältnißmäßig wenige Schüler zurüFgewieſen werden mußten.
Dieſe zwei Tatſachen gereichen dem Lehrerſtande Baierns zu hoher Ehre.
Möge er darin einen Sporn erbliken, die eingeſchlagene Bahn rüſtig
weiter zu wandeln.
Das Vereinsweſen trat in der letzten Zeit wieder etwas mehr in
den Vordergrund, indem drei Kreisvereine -- Rheinpfalz, Oberbaiern
und Unterfranken -- bei zahlreihem Beſuche ihre ſtatutenmäßigen Dele-
girten- und Plenarverſammlungen abhielten. Jnsbeſondere war die leß-
tere ſehr beſu Berufsjahres ſind ſehr dazu angetan, -die Geiſter zu ſtärken und zu er-
friſMen, um bei den kommenden Mühſalen die Geiſtesfriſche und die Be-
rufsfreudigkeit nicht zu verlieren. Möge allen Lehrerverſammlungen dieſer
Erfolg ſtets geſichert ſein!
Eine alte ferordnung., di manfiem S3panis for-
kommen vird. Der „Magisterio espanol“ feröffentlikte kürzliß
eine ferordnung Heinrich's fon Transtamare, Königs fon Kastilien
im 14. jäarhundert, durfß velße den ZpaniSen Zulmeistern ferzidene
privilegien erteilt vurden, eine ferordnung, velhe fon den 3paniöen
königen bis auf Karl IV, (alſo bis zum anfang des 19. jarhunderts)
immer vider erneuert vurde. Di bhauptätellen diſer ferordnung
varen folgende: „Vir ferordnen unt tün unſern rißtern zu vissen,
das di herren, velße in den anfangsgründen der visSenzaften un-
terrihten, niht gefangen geſezt oder geriktlif belästigt verden aus
irgent velhem grunde, und das ir ſi niht in öffentliken gevärſam
nömt, one förhör bei unſerm rate angefragt zu haben; allein im
falle eines mordes dürft ir ſi ferhaften unt gefangen [ezzen in
irem eigenen hauſe, aber dan ſolt ir ſi unſerm geriktshofe über-
lifern unt ſolt in keinem falle ein urteil über (i fällen, bei ötrafe
fon tauſend doppel-goldgulden. -- Item, ferordnen unt tün vir
unſern rihtern kund, das, ven di gevönlißen folksSüllerer irgent
veliken prozes haben, ire ſaßße zuerst forgenommen verde, unt
das di rihter unt Sreiber, um di lerer zu begrügen, [iR erheben
ſollen unt inen drei 3ritte entgegen geen; ſi haben inen gehör zu
geben unt gereßtigkeit viderfaren zu lasSen, bei Strafe fon 1000
doppelten goldgulden. -- Item, ferordnen unt befelen vir, das
unſere genanten „meister des ersten visSens' vaffen zur ferteidi-
gung unt zum angrif tragen dürfen, ſihtbar oder ferätekt, zum
Suzze irer perſön; ſi dürfen fir kneßte oder ſklafen mit ſäbeln
haben, unt 8lahtrosse vi di edelleute (hidalgos); bei ztrafe fon
1000 doppel-goldgulden, zu erlegen fon denjenigen perſonen oder
rihtern, velße foräteendem entgegen handeln. --- Item, ven lerer
niht mer im S8ötande [ind zu unterriften, naßdem (i 40 jare in
der kristliken lere unterrihtet haben, ſo ist es unſer ville, das ſi
alle di fergünstigungen unt forrekte genisen, velhe den herzögen,
freiherren unt grafen unſers hauſes zu teil verden, und das inen
zu irer unterbaltung gegeben verde, vas ſi nötig haben jedes Jär,

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