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unt das ſi fon unſerm Sazmeister di erförderliken ſummen for-
dern unt ſif auszalen lassen dürfen ; velke fergünstigung ſo lange
vi ir leben dauern ſol.“
Kurze Mitteilungen. Von der Königsberger Sculdeputation,
jo erzählt die „Lhrz. f. O.- u. Wpr.“, verlangte kürzlih ein Geiſtlicher
der Stadt, daß ihm die Aufſiht über den Religionsunterricht in den
Schulen ſeines Kirchſprengels übertragen werde. Er hätte die Zahl ſei-
ner Konfirmationsſtunden bedeutend vermehren müſſen, weil die Lehrer
im Religionsunterricht Jrrlehren verbreiten. Die Schuldeputation hat
auf die ganze Sache kein Gewicht gelegt, weil in dem betr. Kirc<ſprengel
ein als ſtreng-kir Schule zu überwachen bat,
-=- Folgender intereſſante Vorfall, der ſich in einer Klaſſe der Ko-
nißer Töchterſchule zugetragen, verdient auch in weiteren Kreiſen bekannt
zu werden. Als ein Klaſſenlehrer während der letzten Reviſion die Rubrik
über die Schülerverhältniſſe im Reviſionsprotokolle ausfüllte und jämt-
lihe Schülerinnen der Klaſſe als „deutſche“ bezeichnete, erhob ſich die
13jährige Tochter eine8 preußiſchen Beamten und proteſtirte dagegen mit
dem Bemerken, daß ſie eine „Polin“ und keine „Deutſche“ ſei. ie nun
der Lehrer dieſe polniſche Patriotin darauf aufmerkſam machte, daß ſie
ihren ganzen Unterricht in der deutſchen Sprache erhalte, dieſelbe gut
verſtehe und ſpree und de8halb auch als deutſche Schülerin aufgeführt
werden müſſe , ganz gleih, ob man beliebe im elterlihen Hauſe polniſch
oder ruſſiſch geſinnt zu ſein und zu ſprechen, da brach ſie in Tränen aus
und erklärte, daß der Begriff „Deutſch', auf ſie angewandt, eine Be-
leidiqung ſei. Dieſer Vorfall iſt um ſo mehr der Beachtung wert, als
- der Bater des betreffenden Mädchens preußiſher Beamter iſt und ſomit
als Staatsdiener ſeine Exiſtenz nicht einer „polniſchen“, ſondern der
„preußiſchen Staatskaſſe' verdankt.
-- Die Sculdeputation in Bres8lau hat den Vorſtehern und Vor-
ſteherinnen der daſelbſt beſtehenden Lehrerinnenbildungsanſtalten in einer
Verfügung mitgeteilt, daß die übergroße Zahl von Bewerbungen ſeiten
der Shulamtskandidatinnen dieſe Deputation veranlaßt habe , bei
dem Magiſtrat den Antrag einzubringen, bis auf weiteres derartige Mel- |
dungen nict mehr anzunehmen und daß Magiſtrat demzufolge beſchloſſen
habe, die Liſte der Bewerberinnen um daſige Elementarſchullehrerſtellen,
jowohl bezüglich der evangeliſchen wie katholiſhen Schulen, vorläufig zu
ſ Sculdeputation, und namentlich wenn beſonders gute Zeugniſſe dafür
jprechen, ausnahmsweife Bewerbungen zuzulaſſen.
Bon 71 jungen Leuten, welche fich in Breslau der Prüfung
für den Einjährig-Freiwilligendienſt unterzogen, haben nur 25
beſtanden. Auch anderwärts lauten die Nachrichten nicht beſſer. Aller-
dings ſind die Anforderungen gegen früher bedeutend geſteigert worden.
=- Der alte Lehrer Rhein zu Bellin nach 50jähriger Amtirung den Hohenzollern'ſhen Hausorden und --
339 Mark Penſion erhalten. Die Regierung erklärt, keine Mittel zur
Erhöhung der Penſion zu beſiken. Dagegen hat der Emerit ſeine unter-
ſtüßungspflihtigen Anverwandten, Kinder, Geſchwiſter u. ſ. w. angeben
müſſen, die aber alle auch nichts entbehren können. Da hat fich ſein
Patronats8herr, Herr v. Keudell, ſeiner erbarmt und ſchenkt ihm jährlich
300 Mark. Ließe ſich nicht über dieſe ganz einfache Geſchichte ein ganzes
Buh ſchreiben ?
=- Der Landrat des Kreiſes Worbis, Geh. Reg.-Rat Frank, iſt
vom dortigen Schöffengericht mit 50 M. Geldſtrafe belegt worden. Der-
ſelbe hatte in einer Siung des Sculvorſtandes bei Beſprechung über
einen 26jähr. Lehrer dieſen als dummen Jungen hingeſtellt und, nachdem
Kreisſchulinſp. Pola& die Ungebührlichkeit dieſes Ausdru>s hervorgehoben,
zu der Aeußerung ſich hinreißen laſſen, daß mancher dumme Junge, wenn
er vom Seminar käme, der Anſicht ſei, die Welt regieren zu können; es
wäre rec Schranken zurüverweiſe. Ein anderer Lehrer ftiellte im Jutereſſe der
Lehrerſchaft Antrag auf Beſtrafung. Geh. Rat Frantz war perſönlich er-
ſchienen. (Dr. Nahr.)
-- Die kgl. Regierung zu Merſeburg bat für die die8jähr. amtl.
Herbſtkonferenzen das Thema geſtellt: „Sind die öffentlihen Schulprüfun-
gen in ihrer gegenwärtigen Einrichtung beizubehalten? Jm Falle der
Verneinung: Wie ſind ſie einzurichten?“ Die Spezial- und Ephoral-
konferenzen haben ſiH für Beibehaltung der Prüfungen im Jntereſſe der
Scule und des Hauſes au8geſprochen ; nur ſeien beſondere Vorbereitungen,
wie Fertigung beſonderer Aufſätze, Zeichnungen, Probeſchriften u. dgl. zu
vermeiden. Zn einzelnen größeren Städten hat man ſich allerdings auch
für gänzliche Beſeitigung der Prüfungen ausgeſprochen.
= Chr. Liebermann-Kaſſel, der Vorſitzende des Preuß. Lehrer-
vereins, hat nach ſeiner Emeritirung die Redaktion der „Heſſiſ zeitung“ nunmehr wieder unter ſeinem Namen übernommen.
=- Aus Koburg wird uns als Berichtigung des betreffenden Be-
richtes in Nr. 41 mitgeteilt, daß die „Generalverſammlung“ nur
die Lehrer aus den Landſtädten und Dorfſchaften des Herzogtums umfaßt
habe. Die Lehrer der Stadt Koburg (etwa 40 an der Zahl) ſeien nicht Mit-
lieder jener Konferenz, haben vielmehr nach dem Geſeß beſondere Kon-
erenzen unter ihrem Direktor. Hätten alſo die Debatten über die all-
gemeine Lehrerwitwenkaſſe etwas „Poſitives“ ergeben ſollen, ſo hätten
au< die Lehrer der Stadt Koburg dabei ſein müſſen.
En

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Orn. Schullehrer Philipp Schneider in Mußbach (Pfalz)
iſt in Rückſicht auf ſeine ſeit 50 Jahren mit Treue und Eifer geleiſteten
Dienſte die goldene Ehrenmünze des bair. Ludwigsordens verliehen wor-
den. Wir gratuliren!
-- Der erſte Erfolg, den der Deutſc beſteht darin, daß er an der Schule des Städtchens Oderberg, das größ-
tenteils von Polen bewohnt iſt, auc< einen deutſchen Lehrer angeſtellt hat,
dem neben freier Wohnung und Heizung, wofür die Schulgemeinde auf-
kommt, 600 fl. Gehalt gezahlt werden.
-- Der Kaiſer von Deſterreih hat die großartige Graf Skarbek'-
ſc ſein geſamtes Vermögen im Betrage von über 3 Mill. fl. zur Gründung
eines Aſyl8s für Waiſenkinder beiderlei Geſchle Dandwerſern und die Mädchen zur Wirtſc as Gebäude koſtet 532 000 fl. Gegen 400 Kinder werden hier verſorgt;
die jährlichen Koſten belaufen ſich auf etwa 100 000 fl.
Der Schleſiſche Lehrertag in Teſchen debattirte über die
„Bedingungen für die fernere gedeihlihe Entwiklung des ſ Volksſc notwendig erachtet: 1) Aufrechthaltung der achtjährigen Schulpflicht;
2) Durchführung des 8 11 des Reichsvolksſchulgeſees, betreffend die
Maximalzahl (80) der in der Klaſſe aufzunehmenden Schüler; 3) Fern-
halten der ungeprüften Aushilfslehrer vom Lehramte; 4) Reorganiſation
des Zuſtituts der Ortsſchulräte; 5) Gründung von Erziehungsvereinen
und Korrektionsanſtalten für verwahrloſte Kinder; 6) Anpaſſung des Lehr-
plans der Mittelſchule an den der Volksſchule; 7) Hebung der Bedeutung
der Volksjc vom 20. Aug. 1870 im Sinne der von den Lehrervereinen gegebenen
Gutachten; 9) Aufhebung des Schulgeldes; 10) pünktliche Auszahlung
der Lehrergehalte.
-- Auch in Tirol wird's lebendig. Die deutſchen Lehrer Südtirols
wollen einen Verein bilden, der ſic) am 13. d. M. konſtituirt hat.
=- Der 3. Internationale Kongreß für Hygieine zu Turin
ſtellte folgende Sätze auf: „Der Unterricht in der Geſundheitspflege ſollte
nict nur auf allen Univerſitäten, ſondern auch auf den Gymnaſien und
in den Lehrerſeminaren eingeführt werden. Derſelbe muß ſtet8 durch
einen Arzt erteilt werden.“ „Die Beſchäftigung jugendlicher Perſouen in
Fabriken oder Bergwerken iſt nie vor vollendetem 12. Jahre, und von
da ab bis zum vollendeten 16. Jahre nic geſtatten. Nächtliche Arbeit iſt bei Perſonen unter 16 Jahren unzuläſſig.“
„Eine ärztli wegen obligatoriſc< anzuordnen.“ . Sch.)
-- Sir William Harcourt, Miniſter des Junern in England, ge-
denft zur nächſten Seſſion eine Geſetzesvorlage einzubringen, nach welcher
mehr Beſſerung Sinſtitute eingeführt werden ſollen, damit Kinder
nicht in Gefängniſſen mit Erwachſenen zuſammengeſperrt werden. Solche
Kinder ſind nämliM dann gewöhnlich für immer verloren. Zm lekten
Jahre ſind allein 720 Kinder unter 12 Jahren ins Gefängniß geſchi>t
worden, oft wegen ſehr geringfügiger Vergehen, wie Steinewerfen, Baden
in einem Kanal u. dgl. m.
-- Aus St. Louis, Mo., wird uns gemeldet, daß der National-
Erziehungsverein beſchloſſen habe, aus ſeiner Mitte einen National-
Erziehungsrat zu bilden, deſſen Pflicht es ſein ſoll, Erziehungsfragen
von allgemeinem Intereſſe und allbekannter Wichtigkeit zu erwägen und
daraus alle nur erreichbaren Folgerungen zu ziehen. Präſident iſt
Th. W. Binell, Sekretär L. Soldan.
-- Seit Oktober d. IJ. erſcheint in jährl. 6 Nrn. zu dem Preiſe von
3 M. im Verlage von H. Burdach in Dresden die „Zeitſ< das Jdiotenweſen"“, herau8gegeben von W. Schröter in Dresden und
Reichelt in Hubertusburg. -- Von demſelben Termine ab erſcheint auch
im Verlage von Wilh. JIßleib in Berlin „Rundſchau über das Un-
terrichtsweſen aller Länder“, herau8g. und red. von Dr. Konze,
Kreisſ Quartal 3 M.

Pädagogiſche Zentratbibliothek (Comenius - Stiftung) Leipzig, Sido-
nienſtraße 51. Mittwoc< und Sonnabend von 2--4 geöffnet. Jeder
Lehrer kann gratis entleihen.

Das 1. Heft des 111. Jahrgangs der bei Julius Klinkhardt
in Leipzig und Wien erſcheinenden Monatsſchrift für Erziehung und
Unterricht „Pädagogium“, herausgegeben von Dr. Fr. Dittes, ent-
hält nachſtehende höchſt intereſſante Artikel:
Stimmen der Zeit, mitgetheilt von Dr. Fr. Dittes. Die Be-
gründung des reaüſtiſ gogit. Von Prof. Dr. Frit Schultze-Dre8sden. Von der Ueber-
bürdung der Kinder durch den Unterricht. Von Dr. Friedrich Sachſe-
Leipzig. Ueber das italieniſche Schulweſen. Von Dr. Ewald Haufe-
Bergamo, Die Schweizeriſche permanente Schulausſtelung und das
Peſtalozziſtübhen in Züri. Von Dr. O. Dunziker-Küßnact. --
Literaturblatt: Guſtav Böttger, David Müller, St. Doubrawa, Theodor
Edardt, Dr. Jgnaz G. Wallentin, Dr. W. von Beetz, Dr. Eugen
Netoliczka,

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