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Ueber bibliſche Bilder.
(Zur Preisbewerbung.)
Motto: Warum kann der lebendige Geiſt dem Geiſt
nicht erſcheinen!
Spricht vie Seele, ſo ſpricht, ach! ſchon
* die Seele nicht mehr.
Sc Schon vor vielen Jahren wurden die bibliſchen Bilder der Volks-
ſHule als Unterrichtsmittel zugeführt; troßdem iſt die Meinung der
Pädagogen über den unterrichtlihen Wert derſelben eine durchaus
verſchiedene geblieben bis auf den heutigen Tag. Alle ſtimmen zwar
darin überein, daß das Bild nächſt dem lehrhaften Worte in Er-
ziehung und Unterricht den erſten Plaß unter den mancherlei Hilfs-
mitteln der Schule einnimmt, daß man es deShalb für die verſchie-
denſten Zweige des Unterrichts gebrauchen ſoll, um durch dasſelbe
auf die Seelen- und Geiſteskräfte des Kindes veredelnd und bildend
einzuwirken; aber gerade auf dem Gebiete des bibliſchen Geſchicht3-
unterrichts wollen die meiſten eine Ausnahme gemacht wiſſen. Hier
joll die Anſchauung allein durch gutes Erzählen und zwedentſprechende
Behandlung geboten werden, und ſo erklärt es ſich, daß die Schul-
praxis verhältnißmäßig noh ſehr wenig von den bibliſchen Bildern
Gebrau< macht und der Lehrmittelverlag ſelten neue Erſcheinungen
zu verzeichnen hat.
Was hat man nun gegen die bibliſchen Bilder, und welche Gründe
jprechen für den Gebrauch derſelben ? Die Gegner führen zur Moti-
virung ihrer Abneigung folgende Gründe an:
1) Das heilige Gotteswort erklärt und malt ſich ſelbſt in der
Seele des Menſchen und wirkt ſo erleuchtend auf den Menſchengeiſt,
daß es der menſchlichen Beihilfe durch bildliche Darſtellung nicht be-
darf. Jeſus Chriſtus wird nicht bloß den Galatern (vergl. Gal. 3,1),
ſondern allen Bibelleſern vor die Augen gemalt, und Luther jagt:
„Soll ic das Leiden Chriſti hören und leſen, jo iſt's mir unmöglich,
daß ich nicht in meinem Herzen ſollte Bilde davon machen; denn ich
wolle oder wolle nicht, wenn iM Chriſtum höre, ſo entwirft ſich in
meinem Herzen ein Mannsbild, das am Kreuze hängt, gleich als ſich
mein Antlitz natürlich entwirft ins Waſſer, wenn ich darein ſehe.“
Mit dieſem ſeeliſchen, inneren Anſchauen aber muß der Menſ<< ſich
begnügen, da er das Heilige, Ueberſinnliche überhaupt mit ſeinen leib-
lichen Augen gar nicht ſchauen kann und darf, falls es heilig bleiben
ſoll. --
Obgleich wir aus innerſter Ueberzeugung zugeben, daß das vom
heiligen Geiſte eingegebene Scriftwort in der Tat keiner äußeren
Mittel zu ſeiner Erklärung bedarf, ſo können wir uns andererſeits
do<& auch der Tatſache nicht verſchließen, daß tief im Herzen des
Menſchen ein mächtiger Trieb nach religiöſer Anſchauung ruht, der
nicht bloß durc< das Wortbild, ſondern auch durc< das Sachbild Be-
friedigung ſucht. Das innere Auge verlangt eben Beſtätigung,
Herausgegeben von A. Berthelt.
Zugleich Organ der Allg, deutſchen Lehrerverſammiungen und de
Sonntag, den 7, November,

5 Deutſchen LTehrer-Penſionsverbandes.
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Ergänzung und Befeſtigung des von ihm entworfenen Bildes durch
das äußere Auge. Somit wird das heilige Bild neben dem heiligen
Gottesworte Gnadenmittel. Die evangeliſche Kirche ſollte die bildende
Kunſt mehr in ihren Dienſt nehmen; ſie könnte in dieſer Beziehung
viel von der katholiſchen Kirche lernen, die das innerſte, tiefſte Seelen-
bedürfniß ihrer Angehörigen vorzüglich verſteht. E38 iſt hier nicht
der Ort, dieſe Frage ausführlicher zu erörtern, wir meinen aber, die
lutheriſche Kirhe, die ja das Bild nicht gänzlich verwirft, könnte zum
Heile ihrer Angehörigen immerhin no< mehr Wert auf ſeine Bedeu-
tung legen; die Schule muß es ganz entſieden, wie wir noch näher
jehen werden. Und warum ſollte die Kunſt nicht „ſelbſt den leben-
digen Gott ſi ſtets mit dem klaren Bewußtſein, nur ein Sinnbild des ewigen, all-
gütigen Vaters darzuſtellen!
Auch durch die Geſchichte des bibliſchen Bildes kann man den
oben unter 1 angeführten Grund der Bildergegner entkräften.
Unſers Heilandes Leben und Taten wurden urjprüngli< von den
Verfaſſern des neuen Teſtamentes als Ohren- und Augenzeugen durch
Traditionen fortgepflanzt. Nach dem Tode dieſer Gewährsmänner
verlangte aber das Volk ſchon andere Andaltspunkte, und man gab
ihm die Bilder. Die älteſten Kirchenlehrer hielten dieſelben ſchon
unbedingt für notwendig, und ſo zierten bibliſche Bilder die Wände
der GotteShäuſer bereits in der früheſten hriſtlichen Zeit. Aus den
Kirchen gelangten die bildlichen bibliſchen Darſtellungen in die Fami-
lien und ſchließlich in die Schulen. Beſonders waren e3 die Domini-
kanermönche, welche durch heilige Bilder die Herzen für das heilige
Gotte8wort empfänglich zu machen und zur Nacheiferung anzuſpornen
juchten. Als dann durch die Holzichneidekunſt die bibliſchen Bilder
auc< den unteren Volksſchichten zugeführt wurden, da war die päda-
gogiſc brauchten beſonders die Eltern bei ihren häuslichen religiöſen Beleh-
rungen der Kinder die Bilder als paſſendſten und leichteſten An-
fnüpfungspunkt, und gleichzeitig empfingen ſie ſelbſt durch dieſelben
die nötigen Ergänzungen zu den Unterweiſungen ihrer Seelſorger.
Auch Luther und Melanchthon erkannten die hohe Bedeutung der
bibliſ Gläubigen zu erheben, die Ungläubigen zu ziehen. Beſonders war
es Melanchthon, der den Wert der bibliſchen Bilder ſehr hoch ſchätzte.
Er beſchäftigte ſich ſogar ſelbſt vielfac) mit Entwürfen bibliſcher Bil-
der, die er dann ſeinem berühmten Zeitgenoſſen Lukas Kranach zur
Verbeſſerung und weiteren Ausführung übergab. Als dann die
bibliſche Geſchichte eine ſelbſtändige Dis8ziplin der Schule wurde, be-
mühte man ſich ſofort, durch Bilder derſelben zu Hilfe zu kommen,
wie wir ſpäter noh näher ſehen werden. Und wie ſchon die alten
Kirc ' bibliſche Bild in der Hand der Mutter jehen, wenn ſie ihren Kleinen
| die erſten religiöſen Unterweiſungen
reſp. | ergiebt ſich für die Schule ganz allein die Forderung, daß man das
zu Teil werden läßt. Daraus

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