390
bibliſche Bild gleich bei dem erſten Unterricht gebraucht. „Wollt ihr
den Kindern die bibliſchen Geſchichten anſchaulich machen, ſo gebt
ihnen wirklich und buchſtäblich etwas zum Anſc malte, große Bilder“, ſo ſpricht Palmer in ſeiner Katechetik, und in
Dieſterweg's Wegweiſer leſen wir: „Daß Bilder das Kindes8gemüt
ungemein anſprechen, und daß dur ungemein belebt und feſt eingepflanzt wird, iſt eine anerkannte Wahr-
heit. Wenn eine Mutter ihren Kindern die bibliſche Geſchichte in
Bildern vor Augen ſtellt, dann haften dieſe viel ſicherer in den Herzen
als durc< die Darſtellung allein im Wort. Bibliſche Bilder ſollten
de3halb auch den bibliſchen Geſchicht8unterricht des Lehrers eindring-
liher machen. In ähnlicher Weiſe ſprechen ſich aus: Karl v. Rau-
mer, Dr. Schüße, Dr. Schnell, Leiſtner, Holtſ<, Seminardirektor
Sculze in Berlin vu. a.
2) Das Bild iſt kein Mittel zur Darſtellung einer Geſchichte,
denn es vermag immer nur einen einzigen Moment darzuſtellen, iſt
alſo nur ein AugenbliF8bild, und zur Darſtellung einer Geſchichte
wären daher ſo viel Augenbli>8bilder notwendig, als dieſelbe Momente
hat. Eine Geſchichte, oder, was dasſelbe iſt, der Verlauf der Hand-
lung kann deshalb nicht bildlich dargeſtellt und ſo zur Anſchauung
gebracht werden; nur das Wort vermag, was geſchieht, zu faſſen, nur
in der Erzählung „liegt de8halb Anſchaulichkeit, nur durch ſie wird
die Geſchichte lebendig und vom Kinde erlebt. Das Bild nüßt alſo
im Unterrichte ni Kind ſoll eine Geſchichte hörend und ſehend zu gleicher Zeit auf-
nehmen.
Handlungen die Seele der vollſten Ruhe und Konzentration ihrer
geſamten Kräfte, beſonders aber der Einbildungskraft und de8 Kom-
binationsvermögens bedarf, das Bild jedoch dieſe Ruhe und Konzen-
trationsfraft ſtört, mindeſtens ſehr erſ teilig auf einen gedeihlichen bibliſchen Geſchichtöunterricht.
Wir bemerken zu dieſem Einwande: Eine ganze Geſchichte kann
das hiſtoriſche bibliſche Bild nicht darſtellen, ſondern eben nur einen
Moment derſelben. Wollte man aber dieſen „Augenblisbildern“
deShalb den bildenden Wert abſprechen, ſo müßte man e8 nach den-
ſelben Grundſätzen mit der ganzen Hiſtorienmalerei ebenſo maden,
und wer wollte das ? Einen einzigen Augenbli> ſtellt das Bild nur
dar, dieſer aber iſt der höchſte Moment der Geſchichte und reprodu-
zirt den ganzen Berlauf derſelben. Cben weil das Bild den höchſten
Moment darſtellt, ſo dient das Anſchauen desſelben wiederum zur
Erläuterung der Geſchichte; denn die Spannung des Gemüts, die das
Wort nur flüchtig feſthält, wird durch das Bild auf längere Zeit ge-
feſſelt, und die einzelnen Perſonen des Bildes geben dem Lehrer die
ſchönſte Gelegenheit, die ganze Geſchichte gleihſam dramatiſch den
Schülern vorzuführen. Das aber iſt wiederum nur als eine Art
Repetition aus der den Kindern bereits gegebenen Erzählung möglich.
Daraus ergiebt ſich nun als Hauptgrundſatz für den Gebrauch bibliſcher
Bilder: „Zuerſt die Geſchihte, dann das Bild.“ Dainit hätten wir
aber auc< zugleich den Einwurf der Gegner, daß das Bild dem Unter-
richte ſchade, entkräftet.
3) Die bibliſchen Bilder beeinträchtigen die Einbildungskraft
des Kindes. Das Kind ſtellt ſich die Perſonen, die Sachen 2c., wie
ſie ihm durc< die Erzählung des Lehrers veranſchaulicht werden, ganz
anders vor, als das Bild ſie ihm hinterher zeigt; denn das Kind legt
den Maßſtab des Bekannten an und ſetzt ſig das Geſamtbild aus
den in ſeinem Anſchauungskreiſe liegenden und bereits befeſtigten
Cinzelbildern zuſammen. Es denkt ſich beiſpielsweiſe die Wohnungen
der Patriarchen wie die Wohnung der Eltern, die Kleidung derſelben
wie die Kleider der ihm bekannten lebenden Perſonen, die altjüdiſche
Zubereitung des Mahles wie die elterliche 2c.; und darauf kommt es
bei den Kindern der Unterſtufe gerade an.
Wir können uns mit dieſem Ginwande in keiner Weiſe befreun-
den und behaupten vielmehr: Gerade weil die Kinder falſc ſtellungen über dieſe Dinge haben, müſſen die Bilder gebraucht und
durch ihre Hilfe richtige Vorſtellungen erzeugt werden; denn warum
ſoll mar nicht auch auf dem Gebiete des Religionsunterricht8, dem
allerwichtigſten der Schule, die Einbildungskraft der Schüler ebenſo
regeln wie auf den andern Unterricht8gebieten? Und wie wunderlich
denkt das Kind ohne bildliche Anſhauung über Opfer u. dgl. m.,
Da nun aber zur geiſtigen Aufnahme von fortlaufenden -


ſowie über Tiere und Pflanzen des heiligen Landes 2c. 2.2? Man
forſche nur einmal na<, und man wird erſt die Wunderdinge einer
regen Kinderphantaſie kennen lernen.
Wir müſſen das Jgnoriren der bibliſchen Bilder von Seiten
des Lehrer8 aus dieſem Grunde deshalb als Unterlaſſungsſünde be-
eichnen.
pd No< wichtiger aber wird die Bedeutung der Veranſ durch das Bild, wenn man in der Geſchichte Js8rael8 den Kultus be- .
rührt. Hier muß ſelbſt in den oberen Klaſſen die bildliche Darſtel-
lung zur Einführung in das Verſtändniß hinzutreten.
4) Endlich giebt es noch Gegner der bibliſchen Bilder, die nur
einen Grund gegen dieſelben anführen. Sie ſagen: Die vorhandenen
Bilder ſind nicht zweentſprehend, darum lieber gar kein äußeres
Veranſc Dieſen Gegnern müſſen auch wir beiſtimmen, falls ſie mit ihrer
Behauptung, daß es keine zwekentſprechenden Bilder für den bibliſchen
Geſchichtgunterricht giebt, Recht haben; denn der allgemein anerkannte
pädagogiſche Grundſaß: „Nur das Beſte iſt für die Kinder gut ze-
nug“ gilt in erſter Linie von den Bildern zum religiöſen Anſchauungs-
unterricht. Mag man auch inbezug auf alle übrigen Unterrichts-
gebiete ſagen, daß ein ſchlechtes oder wenigſtens mangelhaftes Ber-
anſchaulichungsmittel immer no< beſſer ſei als gar keins -- ein
Grundſaß, dem wir übrigens in keiner Weiſe zuſtimmen =-, auf dem
religibſen Gebiete (und nächſt dieſem auf dem Gebiete der Poeſie)
muß unter allen Umſtänden allein der obige Grundſatz gelten. Schon
Salzmann eifert in ſeiner Schrift „Ueber die wirkſamſten Mittel, den
Kindern Religion beizubringen“ gegen den Gebrauch von ſchlechten
Bildern. Er verlangt, die ſchlechten Holzſchnitte der Evangelien-
bücher ſollen dur< Darſtellungen erſet werden, welche die Folgen
guter und böſer Handlungen den Kindern zur rechten Anſc bringen.
"Sind nun bis zur gegenwärtigen Zeit der Schule wirklich noch
keine zweentſprehenden Bilder geboten ?
Ehe wir jedoch dieſe Frage beantworten, müſſen wir uns klar
maden, wel zu ſtellen haben.
Viele Pädagogen legen den Schwerpunkt bei dem Gebrauche
bibliſcher Bilder auf die Mithilfe, welche dieſelben bei dem Einprägen
der Hiſtorien gewähren. Wir aber meinen, die bibliſchen Bilder ſind
nicht als Hilfsmittel für das Gedächtniß der Kinder (mindeſtens nicht
ausſchließlic Geſchichte, der ideal iſt im höchſten Sinne des Wortes, ſo zur Dar-
ſtellung bringen, daß er dem kindlichen Geiſte zugänglich wird. Thilo
verlangt in mehreren Auffäten der „Rheiniſchen Blätter von 1849“
Bilder, welche die Grundidee der ganzen Geſchichte des Reiches Got-
tes darſtellen, nämlich „die auf dem Wege der Gotteserziehung be-
wirkte Erhebung des Menſchengeſchlec Verbündniß desſelben mit Gott.“ Nur der wahre Künſtler vermag
aber Geſtalten zu ſ durc< den Unterricht verſetzt wird, wiederſpiegeln; denn nur die Kunſt
kann Jdeales darſtellen.
Unſere erſte und wichtigſte Anforderung an zwedentſprechende
bibliſche Bilder iſt de8halb die, daß ſie von echten Künſtlern geſchaffen
werden.
Die Geiſteskräfte des Kindes ſollen erſt entwickelt und gekräftigt
werden, man darf ihm deshalb niemals zu ſc d. h. für unſere Bilder: die dargeſtellten Figuren müſſen in ihrer
Gruppirung leicht überſichtlih und leicht auffaßbar ſein, und das um
ſo mehr, da gerade die eigentlichen bibliſchen Bilder faſt ausſ für die Unterſtufe berechnet ſind.
Das wäre unſere zweite Anforderung an zwedentſprechende
Bilder.
Wir haben bereits betont, daß nach unſerer Meinung die Haupt-
aufgabe der bibliſchen Bilder in Uebermittlung des idealen Junhalts
der bibliſchen Geſchichte an die Kinder beſteht. Nun aber wiſſen alle
Lehrer, daß die heilige Geſchichte viele Jdeen aufzuweiſen hat, welche
den Kindern =- beſonders auf der Unterſtufe =- micht zugänglich ſind.
(ES verſteht ſich de8halb von ſelbſt, daß wir ferner fordern: Alle
bildlich dargeſtellten Momente der bibliſchen Geſchichte müſſen auch

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.