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pſychologiſchen Standpunkte aus ſchon als religiöſe bezeichnet | möglichſt mit den Worten des betreffenden Schriftſtellers wiedergeben zu
werden, ſie bilden die Grundlage des Späteren und enthalten die | laſſen, ſo wird ein Fortſchritt in der Kenntnis und im Gebrauch der
Anſäge zu beſtimmteren höheren religiöſen Gefühlen und zu beſon- | Sprache gewiß nicht ausbleiben. vn .
deren religiöſen Vorſtellungen“ (M. Jahn, Pſych. S. 347). Die Bil- Es beſteht durchaus kein Mangel an geeignetem Leſeſtoff, ſowohl für
. » ver die engliſche, wie für die franzöſiſche Sprache; ja man könnte ſogar von
mien Un Line Dh hlt me 5 dur Worte. aum einem Überfluſſe in dieſer Beziehung ſprechen. Die Schüleraus8gaben von
och dieje Worte jo gewählt werden, daß richtige Vorſtel- klaſſiſchen Stüen dieſer beiden Sprachen zählen nach Hunderten, und der
lungen entſtehen können. Richtige Vorſtellungen entjtehen nur durch Lehrer, der gezwungen iſt, ſich nach paſſendem Leſeſtoff für die Schüler
Wahrnehmungen. Die Gehör8wahrnehmungen müſſen nun den umzuſehen, kann bei der reichen Auswahl in arge Verlegenheit geraten.
richtigen Bezeichnungen deſſen, was wahrgenommen werden ſoll, | Er kann leiht Mißgriffe begehen, inſofern ſeine Wahl auf Werke fällt,
entjpre lung, und die Vorſtellungen zum Begriff, wenn ſie appercipiert ſind, und dann kann natürlich die Lektüre den erwarteten Vorteil nicht
werden. Jſt die Apperception5möglichkeit nicht gegeben, ſo ſind die hoben: = vn | Sn
Gehör3wahrnehmungen leerer Schall, invaſieren aber nie das Ge-| ür die altklajiſchen Sprachen hat ſich im Laufe der Zeit eine feſte
1 i ; : a «4 | Norm herausgebildet, ſodaß 3. B. der Lehrer für Latein in Tertia nicht
fühl, erreichen den Grad der Empfindung niemal38. -Jede38 Wort, in den Fehler verfallen kann von ven Schülern etwa ſchon den Ovid
das im Unterricht ohne den realen Hintergrund einer Vorſtellung 1: „ee 0. in Wia Que Bin
6m zer Z . 9 lejen zu laſſen; aber für Griechiſch und Latein kommt dabei die That-
geſprochen wird, iſt für das Denken und Fühlen verloren. Meine ſache in Betracht, daß deren Litteratur abgeſchloſſen und ſeit Jahrhun-
Kinder haben dieje Behauptung in ihren Experimenten bewieſen. | derten erprobt iſt, was von den modernen Sprachen nicht geſagt werden
Soll jedes überflüſſige, zweloſe Wort im profanen Unterricht ver- | kann. Alljährlich treten neue Schriftſteller auf den Plan, die eine ge-
mieden werden, um wie viel ſchärfer muß die Mahnung das Ohr | wiſſe Beachtung finden, und die bei der Lektüre in den Schulen nicht
des Religionslehrers treffen, der in die heiligen, unſchuldigen Kin- | ganz unberückſichtigt bleiben dürfen. Da iſt ſelbſt für den Lehrer, der
derherzen den Samen echter, wahrer Religiöſität ſtreuen ſoll, der die Vorgänge auf dem Gebiete einer modernen Sprache mit oſſenem
mit heiligem, ſittlichem Ernſte religiöſen Anſchauungsunterricht | 2uge verfolgt, noc< ein Ratgeber nötig, der ihn vor Mißgriffen bewahrt;
treiben ſoll! Wir Lehrer würden verſpottet werden, wenn wir im denn gerade die Frage, für welche Stufe ſich ein Schriftſteller eignet, iſt
. . nicht leicht zu entſcheiden. Hier kann nur ein genauer Kenner der Ver-
erſten Anſchauungsunterrichte das Pferd behandeln würden und hältniſſe, ein Fachmann, der ſelbſt länger im Auslande gelebt, mit den
dieſen erſten Unterricht mit der Behandlung des Themas beginnen Helden der Feder perſönlich verkehrt und die Litteraturgeſchichte der
würden: Das Pferd im Dienſte der Menſchheit und der Natur. | Engländer und Franzoſen eingehend ſtudiert hat, ein richtiges Urteil
Aber das ſollen wir die Kleinen lehren, daß Gott bleibet wie ex | fällen.
iſt, ſeine Jahre kein Ende nehmen, daß der Herr nicht das Haus Wir haben ſeit Jahren Gelegenheit, die Shulau8gaben engliſcher und
bauet 2. Für das Kind ſteht es felſenfeſt, daß der Maurer das | franzöſiſcher Schriftſteller zu verfolgen; wir können getroſt behaupten, daß
Haus baut und nicht der Herr. Dieſe Feinheit verſteht der hierin namentlich in neueſter Zeit Vorzügliches geleiſtet wird; aber es
Pfalmiſt und der Erwachſene, nimmermehr iſt die Seele des Kin- | [eh!t doc< bei vielen der Hinweis darauf, auf welcher Stufe das betreffende
des hierfür empfänglich. Laſſet Jeſus, den Herzenskündiger und Buch berüFfſichtigt werden könnte. Die beigegebenen Spezialwörterbücher
. . , . . . weiſen oft große Lü>en auf; die erklärenden Anmerkungen am Ende des
Kinderfreund, unſeren Lehrmeiſter ſein und ihm nacheifern in der Buces tören den Leſer 8 ruhigen Genuſſe der Gabe, die ihm der
richtigen Erteilung des erhabenſten Teiles des Geſamtunterrichtes: Schriftſteller darbietet, und das fortwährende Umwenden der Blätter, das
des Unterrichtes in der heiligen Religion. ſich bei der Zurateziehung des Wörterbuches oder der Erklärungen gar
nicht vermeiden läßt, ſchadet auch der Klaſſendisziplin.
Die neueſten Schulausgaben engliſcher und franzöſiſcher Autoren
.. haben dieſe Übelſtände teilweiſe berücſichtigt und Abhilfe geſchaffen; aber
Zur Lektüre franzöſiſcher und engliſcher Schriftſteller. immerhin kann es dabei noc< vorkommen, daß der Stoff, der den Schü-
Von H. Arnold lern geboten wird, ihnen nicht recht zuſagt. |
aT . Alle die, welche Unterricht in modernen Sprachen erteilen, werden
Soll der Unterricht in modernen Sprachen ſeinen eigentlichen Zwe | de8halb einen Hinweis auf paſſende Stücke zur Lektüre bei ihrem Unter-
erfüllen, jollen die Schüler dabei wirklich ſoweit gefördert werden, daß | richte mit Freuden begrüßen, zumal hier nicht die Rückſicht auf irgend
ſie ihre Gedanken in der fremden Sprache richtig ausdrücken können, ſo | eine Perſon, ſondern lediglich die gute Sache eine Rolle ſpielt.
muß man der Lektüre eine beſondere Aufmerkſamkeit zuwenden. Durch Der bekannte Neuphilologe Profeſſor Dr. Heinrich Saure, der
das Leſen von Stüden in der fremden Sprache gewinnt der Schüler | jahrelang in England und Frankreich gelebt und an dortigen Anſtalten
einen reichen Sha von Worten, Redewendungen und Säßen, den er unterrichtet hat, der dann in Deutſchland zuerſt Oberlehrer, dann Direktor
einerſeits in der Konverſation verwenden, der ihn aber auch andererſeits . einer höheren Mädchenſchule und zulegt Vertreter der franzöſiſchen und
in den Stand ſehen kann, den rechten Geiſt dieſer fremden Sprache zu : engliſchen Sprache an der Handelshochſchule in Leipzig war, darf wohl
erfaſſen und ſich förmlich in ihn zu verſenken. Wenn der Lehrer es ver= | als hervorragender Kenner der engliſchen und franzöſiſchen Sprache
ſteht, die geleſenen Stüe zu Sprechübungen zu benußen oder den Inhalt und Litteratur gelten; denn die zahlreichen Bücher, die er auf dieſem
Ginladung zum Abonnement anf die Allg. Deutſche Lehrerzeitung.
Der Jahreswechſel veranlaßt die Redaktion und Verlagshandlung der Ullgemeinen Deutſchen Lehrerzeitung, Lehrer
und Erzieher des Zn- und Auslandes zum Bezug und zur Lektüre der Allgemeinen Deutſchen Lehrerzeitung freundlichſt
einzuladen.
Die Allg. Deutſche Cehrerzeitung beginnt den 55. Jahrgang und gehört zu den erſten pädagogiſchen Zeitſchriften,
welche für nationale Erziehung, für Stärkung des Deutſchtums auh im AUuslande, für Hebung und Selbſtändigmachung
der Schule und ihrer Lehrer eingetreten iſt. Die Ullg. Deutſche Lehrerzeitung wird auch fernerhin dieſer Aufgabe gerecht
zu werden ſuchen. Sie bringt Leitartikel aus allen Gebieten der Pſy ſpeziellen Methodik, enthält Berichte und Stimmungsbilder aus allen Teilen Deutſchlands und den übrigen Kulturländern.
Die Wodenrundſchau macht den Leſer mit den wichtigſten Vorgängen der Pädagogik und Schulverwaltung bekannt, und
allmonatlig hat die Zeitung noh unentgeltlich cine Feuilleton-Beilage und den Anzeiger für die neueſte pädagogiſche
Litteratur. Wie die Allg. Deutſche Lehrerzeitung in den lezten Jahren immer umfangreicher geworden iſt, ſo wird die
Redaktion auch fernerhin bemüht ſein, ſo viel und ſo wertvolles wie möglich zu bieten.
| Wir erſuchen die geehrten Ubonnenten, die Beſtellung auf den neuen Jahrgang baldigſt bewirken zu wollen, und
bitten noch beſonders unſcre Mitarbeiter und Freunde, ſich um die Weiterverbreitung der Zeitung freundlichſt zu bemühen.
Die UÜummern des Dezember werden auf Wunſch portofrei verſandt.
Leipzig, im Dezember 1902.
Die Redaktion und Derlagshandlung der Allg. Deutſchen Lehrerzeitung.


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