Du haſt für Licht geſtritten immerdar
Und Dich gebadet ſtolz in ſeinen Fluten,
Du trug)t Dein Schwert voran der kleinen Schar,
Die kühn vertraute auf die Macht des Guten!
Die Flamme, die in Deiner Seele lohte,
Die Dich emportrug zu den lichten Höhen,
Berklärt uns noch Dein hehre3 Bild im Tode --
Groß war Dein Leben, und Dein Sterben ſchön.“ =
Dieſe Worte, die einſt Arthur Pfungſt ſelbſt au] den
Tod eines Freiheitszkämpfers gedichtet, wie entſprechen Jie
unſeren Gedanken, die wir hier vereint jind in Erinnerung
an den treuen Freund und Kampfgenojjen! Schwer laſtet es
au? uns allen, daß wir nun ohne ihn weiter kämpfen müjjen --
ohne ihn, der uns 1o viel Hoffnung und Licht war. Jedeö3mal
wenn er in unſerer Mitte weilte, erfüllte er un8 durch ſeinen
tlugen Rat und ſeine heitere Zuverſicht auf den Sieg de38 Gu-
ten mit neuem Mut. War er doch jelber mit ſeiner großen
Menſchenliebe ein Wahrzeichen dieſes Sieges. Gin Sieger je-
ner jeltenen Urt, der den rohen Stoff de8 Lebens zu mei-
itern verſtand, unter Deiſjen feinen Künſtlerhänden der Geiſt
des Wahren, Guten, Schönen ſtet38 neuc, wunderſame Geſtalt
annahm. Wie hat er e3 verſtanden mitten in dieſer Welt de3
Hader3s und der Mißgunſt eine beſjere, ſchönere Welt aufzu-
bauen, getragen von der Erkenntnis:
„Wir 1c Glaube an den Geiſt der Menſchenliebe -- verachtet und ver-
jpottet von fo vielen, die zu kurzjichtig und engherzig ſind, um
dic Höhen und Tiefen des Daſeins zu erleben -- in ihm wur-
de ex zu der Kraft, dic Berge verſett. --
Aber wie groß auch ſein Wollen, nie hat er über die
Terne die Nähe, über dem Großen das Kleine ver-
geſjen. Im Liede mahnt er ſich ſelber an dieſe ichiverc Aufgabe:
Ach, Großes wollte man zu allen Zeiten,
Gs drängt uns ja zu ſchaffen aus dein Vollen,
Do Sind jäh geſcheitert an den Kleinigkeiten.
Denn wir verachten auf dex Lebensbahn
Das Kleinc ja, nur Großes zieht uns an,
Was iſt der Keim uns, der der Sonne harrt?
Doch jehn wir dann den Baum zum Himmel ragen,
Den keinc Axt mehr kann zu Boden 1 Dann ftehen wir vor dem Wimder wic erſtarrt.
Arthur Pungſt wußte genau, daß die wahrhaft ſittliche
Tat nicht plöklich aus dem Nichts entſpringt, ſondern daß
ihr ein fleißiges, jrilles Werden im Kampfe mit den Kleinig-
Feiten des Alltags voraus8gehen muß. Und wie er im Großen
nach außen ſcin Daſein nach eigenen Geſetzen aufbaute, 19
geſtaltete er auch fein häusliches Leben mit der treuen Schwe-
jiex und Mutter, die Cins mit ihm waren, im edelſten Be-
nühen, zu einer eigenartig trauten Welt. Wer das Glüc ge-
habt hat, zu lieber Naſt in dieſem Heim zu weilen, den hat
die ſ war mit einem unverfagbarem Humor, noc< mehr Bewun-
derung abgerungen als ſcin Schaffen im Großen. Im Gro-
Ben jind Ja viele groß =- aber ſeiner Größe auch im Klein-
ſien Die Treue zu halten, das können nur die Feinſten und
Veſten, denen ſittliche Willensbildung zur zweiten Natur ge-
worden 1jt.
So wurde die Harmonie des Alltags für Pfungſt zu ciner
Kraftquelle, die ihm die Erdenſchwere überwinden half, die
jich ihm draußen im Kampf um dice höchſten Ziele entgegen-
Nemmte. Dieſen Kampf hatte ex von früh an gewollt. Schon
in der Jugend verzichtete ex auf das, was dic Menſchen unter
Genuß: und Erfolg verſtehen. Dieſer Verzicht iſt um [ſo ratteriſtiſc Stellung verſchaffen können, von jeher verſchwenderiſch zu Ge-
vote ſtand. Die äußere Nötigung zu cinem ſchlichten Leben,
die für viele eine Schule der. Läuterung bedeutet, hat ihm
gefehlt. Er kannte keinen äußeren Zwang: nur den
tiefen inneren Drang zur Schlichtheit. Er ſah die
Menſc allem an geiſtig ſittlichen Gütern: an ethiſc jicht, am Willen zum Guten!
Das genügte ihm, dem CErbarmungs8vollen mit dem
feinen Gewiſſen, um jede Verſuchung de8 Genuſſe3 abzuwei-
jen und jein ganzes Leben zu einer großen ſittlichen Hilfs-
aktion au3zubauen =- gegründet auf der Erkenntni3, daß nur
ein guter Wille die Menſ wie er den einzelnen erlöſt.
Seine Fabrik, die ihn täglich mit vielen hunderten von
Menſchen in Beziehung brachte, geſtaltete er zu einem Muſter-
etrieb.

Sein Einfluß ging im öffentlichen Leben weit Über die
Grenzen ſeines Vaterlandes. Als Dichter, Denker, Polititer
und Induſtrieller ſtellte er ſeine glänzende Feder in den Dienſt
der Wahrheit und Gerechtigkeit und leiſtete übermenſchliche
Arbeit. Auf ſeinen vielen Auslandsreijen knüpfte ex zu ſrxem-
den Politikern, zu Gelehrten und Kulturkämpfern Beziehun-
gen an und verwendete die tiefe Lebenskunde, die er jich 19
erwarb, unermüdlich zum Wohle dex Menſchheit. Wenn es
galt, gegen politiſche und tlerifale Rücſtändigkeit zu kämpſen,
fannte er keine Rücdeſicht. Dann wurde er zum zielbewußten
genialen Zerſtörer. Der Weg des Scaffenden muß ja Über
Trümmerfelder führen, um Plaß zu gewinnen für das neue
größere, lichtere Haus, das ex dex Men] tart entwidelter Wirklichfeitsfinn, jeine Menſchenkenntn12
und Welterfahrung leiſtete jeinem 5dealiSmus immer Die
wertvollſten Dienſte. = | -
Wie er alle materielle Kultur, jeden technijc ſchritt nur als Fundament für die Entwi>lung und Bertie-
fung geiſtiger Kultur betrachtete, 190 war auch der Reichtum
Der ihm durch ſeine genial geleitete Fabrif zuſloß, nur Wert-
zeug, um ſeine Pläne für Volksbildung und Grziehung zu ver-
wirflichen. | |
„Sein Ohr vernahm das Weh der neuen Zeit
Das Tauſende zu deuten nicht verſtanden, -
E;: fand ihn hoffnungsreich und kampfbereit,
Im Geiſt ſah er gelöſt der Menſchheit Banden.“ |
z(uch die Banden von Aberglauben und Unwiſſenheit, die
reit Jahrhunderten die Menſchheit gefangen halten in Nacht
und Clend, gelöſt durch die Macht der Bildung, die auch
ihn den Weg zur inreren Freiheit geführt hatte. Im Kampfe
um die Aufflärung gründete er vor zwölf? Jahren den Neuen
Franffurter Verlag, die Zeitſchrift „Das freies Wort“, um
allen VBorfämpfern des geiſtigen Lebens Gelegenheit zu bieten,
ihre Gedanfen dem Volksleben zuzuführen. Die große Frank-
ſurter Leſehalle iſt fein Werk, auch die Verliner LeſJehalle
ethiſcher GeſJellichaft förderte er. Er rief die großen Volk38-
unterhaltungzabende in Frankfurt ins Leben, die jährlich
Tauſenden edlen Genuß bieten. Unſerer Geſellſchaft gehörte
er von Unbeginn an und gründete den Deutſchen Bund f.
welilice Schule mit uns. Der Bund als Tvezieller Vertreter
der ſittlichen Jugenderziehung war ihm das Stmbol einer
werdenden Kulturmacht. So eilie ex auch, obwohl von Be-
ruſsarbeit Ichwer bedrängt, zu unſerer Konferenz für fitiliche
WVillensSbildung, Ende September. Der Tod Frundeic ihm
noch dieſe Friſt. Noch einmal irug er uns mit fieghafreim
rohen Vat die Fahne zum Gipfel empor, von dem 7o viele
neue, höhere Gipfel ſichtbar wurden. Dann entfank fie feinen
Händen!
Cin wunderjames Symbol: Die Mitarbeit an dieſem
erxjien Deutſchen Kongreß ür ſittliche Willensbildung beſicgelic
das Leben deſſen, bei dem jeder Nery von fittlicem Willen
vivbrierte! |
Seinen eigenartigſien und weirtgehendften Zufüunftsvlan,
der ummittelbarx aus feiner induſtriellen Arbeit erwuchs, hat
er nur nod in großen Zügen andeuten fönnen. Einige Jahre
wollte ex noch die Rentabilität ſeiner Betriebe erhöhen und
Dann eine Kuiuliurgeſcllſichaft Frankfurt a M
gründen, die aus dem Reingewinn der Fabrik einc freie Hoc-
ichule gründen ſollte. Die Freihcit der Wiſſenſc jollte hier ohne Rückſichtnahme auf politiſche und klerikale
Kreiſe eine Heimſtätte finden. Große Stipendien jfollien 3ur
Berfügung ſtehen, eine Organiſation von Wanderrednern für
Janz Deutſchland geſchaffen werden, um ſyſtematiſch Aufflär-
ung auf allen Gebieten des Lebens zu verbreiten. In dieſem
Plan offenbart ſich die geiſtige und wirtſchaftliche Genialität
von Arthur Pfungſt. Der Gewinn aus feiner Fabrik ſollte
Schöpfer ideeller Kultur großen Stil8 werden. Ein Gedanke
von hoher jittlicher Bedeutung, der der Menſchheit die Wege
weiſt zu einer Verſöhnung zwiſchen ideeller und materieller
Kultur! Cs war ihm nicht vergönnt, dieſen Plan no< zu ge-
ſtalten. Wer ſo weit in die Zukunft baut, muß ſich meiſt mit
den Holfen begnügen. Ahnungsvoll ſingt er ſelbſt:
Ja, es wäre köſtlich mitzuſchaffen
An dem neuen, bejſ'ren Reich hinnieden,
Sähen wir auch noch den Sieg der Waffen,
Die wir hier mit müden Händen ſchmieden.
Säahen wir noch un]'re Scharen ſiegen
In dem Kampf für Wahrheit, Recht und Licht,
Sähen wir das Schlechte unterliegen
Ch im Tode unſer Auge bricht!
Wehe uns! Zu langſam reift der Samen,
Dem wir froh dem Erdreich anvertrau'n;
Bon den vielen, die zu pflügen kamen,
Werden wen'ge nur die Ernte ſchau'n!


- === ==. -- ===
Für die Redaktion verantwortl.: Dr. R. Penzig, Charlottenburg.

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