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Begründet von Georg 998 Gizycki.
Mit der Monatsbeilage „Kir:derlamd,“ Blätter für ethiſche Iugenderziehung und der Vierteljahröbeilage:
„Wellliche Schule“ (Mitteilungen des Deutſchen Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht).
Herausgegeben von
Dr. Budolph Penzig.
Verlag: Verlag für ethiſche Kultur Richard Bieber, Berlin 80. 16, Rungeſiraße 23--27.
Die Verſendung erfolgt von Gottesberg.


XX. Jahrgang.

Berlin, den 1. Februar 1912,
ver. 3.




KBdrug ilt, ſoweit ricßt ausdrücklich unteriagi, nur nif volFfändiger Duelenangade gtſiattet.



Inhalt:
Nach der Schlacht. Vom Herausgeber.
Gewalttat und ſoziale Kultur. Von Wilhelm Foerſier.
Das ſozialpolitiſche Programm der G. Büſcher (Zürich).
Höhen und Tiefen der Menſchheit. Von L, IJ.
Streiflichter: Abſtinenz und Strafauſſchub. = Neueſte religiöſe
Gegenſäße an der Jſax. =- Eides8zwang.
Sprechſaal: Verachtung als Erziehungsmittel ?
Büöcherſchau.

Rach der Schlacht.
Ein Schlachtfeld gilt in der Regel nict als ein Devor-
zugter Ort ethiſcher Kultur, und von einer Wahl wird man
ichwerlich ausjagen können, daß bei ihr gerade Wahrhaftigkeit
und Gerc vollſter Blüte gelangt ſeien. So iſt es im Allgemeinen ein
recht uneiquicklicher Segenſtand, mit dem wir uns heute be-
ſchäftigen müſſen. Ia, müſſen -- denn allerdings wäre es
auch im höchſten Grade wunderbar, wenn wir, ſelbſt ohne in
die Parteipolitik hinabzuſieigen, ganz und gar über dieſen Akt
höchſter Selbſtbeſtimmung eines mündigen Volkes ſc wollien, der naturgemäß die Tiefen der Volksſeele aufs heftigſte
aufgewühlt hat.
Fern ſei es, dieſe Leidenſ ſc<öne Erſcheinungen ans Tageslicht gebracht hat, zu beklagen.
Im Kampfe iſt ſtarke Erregung, wilder SiegeSwille und zorn-
gemute Erbitterung am Plaße. ES8 gehört zu dem abfichtlichen
oder aus Unkenntnis hervorgegangenen Mißverſtehen der ethiſchen
B-wegung, wenn man meint, ſie verwerfe mannhaftes Eintreten
für die Ueberzeugung und predige ſ Gehenlaſſen; ihre (do< nur der engen Parteipolitik gegenüber
und für die ethtic iralität verbiete dem Einzelnen eine ſcharfe Stelungnahme für
oder wider die heiß umſtrittenen Kultur» und Machtfragen der
Gegenwart, und ſie „ziehe nur hinter den Armeen her als barm=-
herzige „Geſellſ gleihmäßig die Wunden zu verbinden“ (Auguſt Bebel).
Wir find vielmehr der feſten Ueberzeugung, daß gerade
das Bewußtſein, ethiſ einzelnen unſerer Freunde mit zwingender Gewalt genötigt hat,
für ſich perſönlich feſte Stellung in Reih und Glied der
fic) bekämpfenden Heere zu nehmen. Allzuweit von einander
entfernt dürften wir ja wohl alle nicht geſtanden haben. Aber
gerade der feſte Vorſaß und ſittliche Entſchluß, mit allen per-

ſönlichen Kräiten an der Beſſerung unſeres Gemeinſc zu arbeiten, macht unſeren Mitgliedern die lahme Gedanken-
lofigkeit unmögli<, als käme es auf eine Stimme nicht an,
verſ einſeitigen Intereſſenſtandpunkt.
Zu dieſem leßteren gehört nicht etwa nur die plumpe Be-
aehrlichkeit, die für eigenen Stand oder Bevölkerungsfklaſie
Mittel der Allgemeinheit verwenden möchte, ſondern auch die
=- bis zu einem gewiſſen Grade mit dem Paxteiweſen unver-
meidlige -- Verbohrtheit in beſtimmie Programmforderungen.
Gewiß wird ein Ethiker auch ein guter Parteimann fein können
ja ſogar der beſten einer, wenn nur dies Wort nicht bloß im Sinne
des frommen Landstfne der Parteileitung und der einmal gewählten Fahne blinde Ge-
folgſ Heere maßgebenden Auffaſſung, wonaH der Soldat zur Selh-
ftändigkeit und freier eigenen Würdigung der vom Augenblick
gebotenen Notwendigkeiten erzogen wird.
Daß ferner der Ethifer im Kampfe, zumal im Bryudexr-
kampfe, wie ihn die Wahl doch darſtellt, troß aller leidenſchaft»
ligen Energie die elementarſten Bedingungen jedes Dauer-
erfolges, nämlich ſtrenge Sachlichkeit und Verſtändnis für den
gegneriſ Ausführung. '
Nun aber, was lehrt der ſc waltigen Ringens, nachdem die Wogen von Airzer oder Triumph»
gefühl, Zorn und Begeiſterung anfangen, fich zu glätten? Vor
allem eines, was8 gerade dem leidenſhaftlichen Varteimann
immer wieder, dem klardenkenden Verſtande zum Troß, aus
dem Bewußtſein zu ſHwinden pflegt: unſer deutiches Volk
hat wirkli Willen, wie wir alle es uns ſo gerne glauben machen, wenn
wir „im Namen des Friſtlichen“*, oder „des freiheitlich ge-
ſinnten* oder „des an den alten Gütern von Königstreue
Vaterlandsliebe und Frömmigkeit hangenden“ Volkes unſere
Stimme erheben. Nein, wir müſſen uns ſc das Volk hat drei, vier, fünf durc verſ und Verbreitung werden ja eben -- bis zu einem gewiſſen
Grade leider nur, aber doch hinlänglich deutlich =- durc< den
Ausfall der Wahlen dokumentiert. Mag man nun jubeln über
den Siege8zug der eigenen Auſ Niedergang: ſo viel iſt klar: wir müjſen alle mit den
Andersgeſinnten in leidlicher, ja friedlicher Ge-
. Meinſ

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