Erſcheint
am 1. 11. 15. jed. Monats.
Preis:
vierteljährliHh 1,66 Mk. ZV
Manabonniert bei allen Mu
Buchhandlungen und
Poftanſtalten, ſowie
direkt beim Verlage,
Berlin 80. 16, Runge-
fBraße 25--27.
SLI L SSO I

- Halbmonatsſcbrift für etBiſc<-ſoziale Reformen.
Inſerate :
Die dreigeſpaltene
Nonpareillezeile 40 Pf.
Beilagen billig nach
freier Vereinbarung.
Annahme in allen
Annoncenbureaus und
in der Expedition
Berlin 80. 16.
Rungeftraße W--2.

LC SSS LT
Begründet von 607g von Gizycki.
Mit der Monatsbeilage .„„Kinrdexrland5*“, Blätter für ethiſche Jugenderziehung, und der Vierteljahröbeilage :
„Weltliche Schule“, (Mitteilungen des Deutſchen Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht).
Heraus8gegeben von
Dr. Rudolph Penzig.
Verlag: Verlag für ethiſche Kultur, Richard Biever, Berlin 80. 16, Rungeſtraße 25--27.
Die Verjendung erfolgt von Gottesberg.

XXI Jahrgang
Berlin, den 15. Februar 1913
EEE
pn

'Rr. 4


Abdruck ilt, loweit nicht ausdrüclich unterſagt, nur mit vollſtändiger Quellenangabe geſtattet.


Inhalt.
Sittlice Höherbildung. Von Dr. Otto Conrad (Charlottenburg).
Jilm- „Dramatik“ und ſo weiter. Von Käte Stellmacher (Kahl-
berg Weſtpr.)
Die Mär vom Bater.
Streiflichter.
Amtsſtil.
Ein Irrtum.
Aus der ethiſchen Bewegung.
Au3 der Sigzung des Hauptvorſtandes.
Abteilung Berlin.
Bermiſc Bücherſchau.
Eingegangene Bücder.
Anzeigen und Mitteilungen.
Siltliche Hößberbildung.
Von Dr. Otto Conrad (Charlottenburg).
5 iſt eine viel umſtrittene Frage, ob es einen fit
tichen Fortſchritt in der Entwicklung der Mc nij<4heit
gibt; es iſt keine Frage, daß es in Der Entwicklung Des
einzelnen eine ſittliche Höherbildung gibt.
Eine Erfahrung, die jeder ſittliche Menſch macht,
beſteht darin, daß wir eine Arbeit, die wir uriprünglich
aus eigennübßigen Motiven unternommen haben, Ichlicß-
(iG in dauernder Beſchäftigung mit iör liebgewinnen unD
um ihrer ſelbſt willen fortführen. .So wahlt man jich
einen Beruf aus, zunächſt vielleicht aus äußeren Grün-
den, allmählich aber geht man ſo in ihm auf, daß man
ſich =- etwa als Lehrer =- gar keine jehonere Aufgabe den-
ten fann, als in dicſer Weiſe der Hoherbildung Dex
Menſcheit zu dienen. Hier vollzieht fie) ganz deutlich ein
Motivwandel, indem an Stelle der urſprünglichen
folbſtiſchen Beweggründe allmählich ſelbſtloſe treten. Ob
jmd wann der Motivwandel eintritt, hängt von der Ber-
anlagung und Erziehung des einzelnen ab. Daß ex it-
gendeinmal ſich einſtellt, müſſen wir von jedem, Dein WIL
das Prädikat ſittlich zuerkennen, verlangen. Der oben
beſchriebene Motivwandel iſt alſo eine dur male Erſcheinung, die mit dem Wejten der menſchlichen
Seele zuſammenhängt. Iu ſeinem bekannten Buche
„Charakterbegriff und Charattererziehung“ macht & e t=
ic ſehr richtig: „Der Aufſtieg der menſchlichen Kultur wäre
ohne ihn faum denkbar“ (S. 187). Wir haben hier ein
Geſetz vor uns, das für die Pſyhogeneſe von allergrößter
Bedeutung iſt. Derjenige, der es zuerſt klar erfannt hat,
(Ein Gleichnis zur Glaubensfrage.)
E

iſt der Pſychologe und Eihifer Wilhe [m Wundt: er
nennt e& das Prinzip Dex Heterogonice Der
La Ll ei+a ls . u.
Zwel>e*). Wundt verſteht darunter
„Die allgemeine Erfahrung, daß in dem gejamien 1m
fang menſchlicher WillenSsvorgange die Wirkungen der Hand-
lungen mehr oder weniger weit über die urſprünglichen Wil-
lenamotive hinausreichen, 19 daß hicrdurg Jur iun7tige vand=
[ungen neu c Motive entſtehen, vie abermals neue Wirfungen
hervorbringen, an denen fich nun der gleiche Prozeß der Um-
wandlung von Erfolg in Moriv wicderhoien fann.“
Die geſamte Geiſresgeſchichte iſt voll von Belegen
für diefes Geſc, am meiſten vielleicht die Gehichre DCS
religiös-fittlichen Lebens. Nur ein Beiſpiel iei DICE an=
1
Die Jdec des Meſſias und die andere L
Gundence des Reiches Gottes entſpringen offenbar aus
gefieigerten GlückSbedürfiis, aus einer being
geführt.
.. 6-4
„r=!
ee
vm
OOH
“2
+
w
<
einem hod ge)
he grenzenlojen Selbitiiicht. Ü
allmähliß durch die Rropheten und zulebt Durch Je?US
+
« 2 4. . 1%1? ' 5 ».. I Fr
pM; wie WerXDeN DICIE SDECH
perinnerlicht und verſittlicht! Das Reich Gores 111 ichlieB=
j . , I
. di ew Mati, 2
[ich gleicß Gorechtigfeit Gortes, wd Die Vorbedinmumag ir
die Selbſthingabe. Das iſt eben, meint Wundt
„das pſychologiſche Gebeimnis dor Montc dennoch gar fein Geheimnis, ſondern mit dexen Vorzügen verbunden. Ut, daz das Gure das Schlechte Zu einer
Voransſehung bat. Dieſe Geburt des Höchen aus deim Nic
derſren, der 'erhabenſren Zdeale aus Den gemeinen Miporiven,
aus Wahn und Selbſtſucht, ne ir fein gebeimmnisvoller Kamp)
übermenſchlicher Weſen oder fosmimcher Krafte, wie ibn Winz
tbolſogice und Myſrif fich ausmalen, ondern 1e er IS Werk
ciner pfuchologiſchen Geſebmaäßigkeit, die dem menſchlichen Be-
wuüßtiein von feinen einfachſten bis ZU 1einen vollfommen!en
Berätigmumaen eigen it“ Crhik 11, 335".
>> 1 ' =. “ - “ 4 x 3 22,425 .
Wir haben vine Siufenfolge von Worivent UD
„I'rxapFoy 3 +. te “4 Sot Do . ; Di x elle v nos 11927 je
„ziveten ZU il erimWeipel: INDIDIGUTULC (LJQUmuL CH, IDZiuU CL
und humane In feinem Werke „Elomente der Volfor-
mychologie, Grundlinien einer viychologiſchen Entmrwick-
. - Frs L+ x3*' v vA 1a 94 4 - 930920 14 & "+ 3,1 wm -
ung8geſc . zrAaNaYN .« hair = Ex AMA 5< Din " ert tei
der niederen zur höheren Stufe. Das Ziel det fittlichen
Entwicklung iſt ihm die Humanitad, DIC WIL ZU VCL
wirklichen ſuchen. )
Das Wunderbare iſt, daß aus Ge>=
fühlen und Trieben nichtſittlicher Art fittliche Motive her
vorgehen. „Durch dicje natürl ige Entſtich-
ung ſittlicher Triebe aus vorſittlichen
AnlagenbildetdieſittlicheWeltdasgro9ß-
X -
.
Ww
*) Vergl. meinen Aufſaßs „Das Prinzip der Heterogome
ver Zwecke. . .“ Deutſche Schule 1913, Jamtarheft.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.