Jahresbericht.
Auch im vergangenen Jahr hat der Bund durc< Verieilung
von Flugblättern, durc< Vorträge und durch die Preſſe eine rege
Propagandatätigkeit entfaltet... Im März 1909 wurde ein Flug-
blait mit einer Syſtematik für ethiſche Lebenskunde
in 8000 Exemplaren gedru>t und verteilt; ferner wurde die
Broſchüre „Weltlicher Moralunterricht, eine Forderung
der Zeit“ von Dr. IJ. Lewy in einer Auflage von 5000 Exem-
plaren neu gedruckt. Außerdem wurde ein Auszug aus dem
Jahres8bericht 1908 an alle liberalen Zeitungen Deutſchlands ge-
ſandt. Im September wurde ein neues Flugblatt unter dem
Titel: „Unſeren Kindern -- das Beſte“ in 5000 Exemplaren
gedruckt und verſandt. Im März 1909 hielt Herr Dr. Penzig
10 Propagandavorträge in Weſt- und Süddeutſchland. Im
April veranſtaltete der Bund mit der Deutſchen Geſellſchaſt für
ethiſc „Trennung von Staat und Kirche“. Referent war Herr Profeſſor
A. Döring. Im September ſprac< Herr Dr. Penzig in Dresden,
Leipzig, Gera, Plauen Über ſittliche Erziehung. Im Februar ex-
ſchienen in der Münchener Allgem. Zeitung, im Auguſt in der
Wormſer Volk3zeitung längere Artikel über ethiſche Grziehung.
Die Zahl der Mitglieder ſtieg im vergangenen Jahr von 1350
auf 1560. Unter den neuen korporativen Mitgliedern befinden
ſich der Wies8badener Freidenkerverein, Abteilung Hamburg des
Moniſtenbundes und die Loge Albrecht Dürer, Nürnberg. Auch
im vergangenen Urbeits8jahr haben ſich die unfragen aus Lehrer-
kreiſen um Lehrpläne, PBropagandaſchriften 2c zu Bortrag8zweden
wieder außerordentlich gemehrt. Dieſe Tatſache iſt ein erfreulicher
Beweis dafür, daß auc< die Pädagogen vom Fach ſich immer
mehr für die ethilc ſchien in der bayeriſchen Lehrerzeitung eine größere Annonce,
in welcher auf die Druckſchriften des Bundes hingewieſen wurde.
Um zu erfahren, wie weit da8 Problem der Trennung von
Staat und Kirc gediehen iſt, hat der Bund eine Umfrage an eine große Zahl
leitender Perſönlichkeiten verſchiedenſter Richtungen ergehen laſſen.
Die Umfrage iſt verſandt worden an Univerſitätsprofeſjoren,
Pädagogen, Schriftſteller, Politiker, Paſtoren, an die Leiterinnen
der Frauenbewegung uſw. Die Antworten, von denen bereits
eine ſehr intereſſante Aus8wahl vorliegt, werden im Laufe des
kommenden Vierteljahres in einem Flugblatt veröffentlic Im November nahmen Herr Oberlehrer Kir Herr Lehrer Manzke die Kaſſenreviſion vor. Es ergab ſich für
das Arbeit8jahr vom 26. November 1908 bis 26. November 1909
folgendes Neſultat:
Einnahmen 3128,80 Mk.
UusSgaven . . . . 2962,86 „
Saldo am 26. November 1909 165,94 Mk.
Die Generalverſammlung des Bundes fand am Freitag
den 10. Dezember 1909 im Saal 109 des Berliner Rathauſes-
ſtatt. Da Herr Dr. Penzig unpäßlic< war, war Herr Profeſſor
Bruno Meyer, der dritte Vorſigzende, ſo liebenswürdig, d2n Vor=-
ſis zu übernehmen. Er erteilte der 1. Schriftführerin das Wort
zum Jahres8bericht. Hierauf verlas der 1. Kaſſenführer, Herr
Albert Stern, den Kaſſenbericht. Herr Dr. Kir Bericht über die Kaſſenreviſion und beantragte Entlaſtung des
Vorſtandes. Dieſelbe wurde von der Verſammlung erteilt. Der
Vorſizende teilte der Verſammlung die erfreuliche Nac daß Herr Fellinger aus Unterrath bei Düſſeldorf, der ein lang-
jähriges Mitglied des Bundes war, demſelben ein Legat von
30 000 Mk. vermacht hat. Die Summe gelangt demnächſt zur
Auszahlung.
Die Neuwahl des Vorſtandes ergab die Wiederwahl des
Präſidiums, beſtehend aus Dr. Arthur Pfungſt-Frankfurt a. M.,
Stadtrat Dx. Penzig und Prof. Bruno Meyer - Berlin als Vor-
ſfizende und als 1. Schriftführerin Frl. Lilli Jannaſch. Bs
2. Schriftführerin wird Frl. Glsbeth Levy, die an Stelle von
Dr. Imanuel Lewy bereits kooptiert worden war, wieder gewählt,
Als 1. Kaſſcnführer wird Herr Albert Stern wiedergewählt; als
2. Kaſſenführer an Stelle von Herrn Michaelis, Der Berlin ver-
laſſen hat, wird Stadtverordneter Dr. Borc biöherigen Beiſiker: Geheimrat Prof. Dr. Waldeyer, Geheimrat
Prof. v. Ki8zt, Frau Rogalla von Bieberitein, Redakteur Dr.
Vollrath, Magiſtratsſekretär Dzieyk, Pfarrer Steudel - Bremen,
Schriftſteller Auguſt Foerſter werden einſtimmig wiedergewählt;
dazu neu: Reichstag38abgeordneter Dr. David.
Nachdem der geſchäftliche Teil der Sizung erledigt 1oar,
wurden die Antworten, die bisher auf die Umfrage eingelaufen
find, verleſen. Ausführlic< haben geantwortet: Prof. Dr. Drews-
Karlsruhe, Prof. Dr. Shü>ing-Marburg, Tew3, Generalſekretär
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EINES LEI IEEE IEEE IESE DEINER FEEN ERNEUT RÜGER EUS GEE FREENET GENEN
: richtungen zu erzielen ift.
: und naß Sdulverfaſſung immer mehr zujammenklingen mit
: MK. 6,--.
des Vereins zur Verbreitung von Volksbildung. Kürzere Ant-
worten ſind ferner eingelaufen von Ludwig Fulda, Vr. Ed. Bern-
ſtein, Fr. Minna Cauer, Geheimrat Prof. Waideyer. Ferner
haven Prof. Dr. Simmel, jowie Recht8anwalt Dr. Wolfgang
Heine und Auguſt Bebel ſchriftlich ihre Sympathie für Den
Trennung8gedanken ausgeſprochen; die beiden exſten mit der
Bitte, ihre Begründung nicht zu veröffentlichen. Bebel iſt, um
ſeine Sympathie zu beweiſen, dem Bunde als Mitglied beigetreten.
Im Anſchluß an bie Verleſung der Antworten fand eine lebhafte
Diskuſſion ſtatt, in der u. a. detont wurde, daß die Forderung
der Bürgerkunde, die in allen Kreiſen zurzeit lebhaft diskutiert
wird, weſentli< zur Förderung der ethiſchen Lebenskunde bei-
tragen werde, da Leben8- und Bürgerkunde in einem untrenn-
baren logiſchen Zuſammenhange ſtehen. Soll die Bürgerkunde
dem praktiſchen Leben dienen, jo darf ſie nicht wie ein Fremd-
förper unvermittelt in den Lehrplan der höheren Klaſſen auf-
genommen werden, ſondern muß ſich methodiſc< aus der Lebens-
kunde entwideln. Durch die Leben8kunde muß die Jugend in
die feinere und tiefere Bedeutung des Familienlebens und des
Schullebens eingeführt werden; erſt wenn das geſchehen iſt, tann
auf dieſer Baſis das Verſtändnis für die weitere Solidarität in
Gemeinde und Staat mit Erfolg geweckt werden; denn auch für
die ethiſche Erziehung gilt der pädagogiſ | nächſtliegenden Befannten zum ferner liegenden Unbefannter.
* vorwärts zu ſchreiten. Hand in Hand mit den Beſtrebungen auf
dem Gebiet der Bürgerkunde gehen die Beſtrebungen, die auf die
“ Organiſation einer Schulverfaſſung hinarbeiten; in pädagogiſchen
' Kreiſen ſieht man mehr und mehr ein, daß die modernen Ber-
hältniſſe immer dringender eine Erziehung zur perſönlichen Ver-
antwortlichfeit verlangen, die eben nur durc< demokratiſche Gin-
So wird der Ruf nac< Bürgerkunde
dem Ruf nach ethiſcher Lebenskunde. Jeder Fortjc einen vieſer drei Gebiete wird dazu beitragen, dem Gedanken
der ethiſchen Erziehung almähliß zum Siege zu verheifen.
L. IJ.
Quittungen.
- Vom 1. Oktober 1909 bis 1, Janvar 1910 erhielten wir
Beiträge von?
H. Kopf, K.; Großhoiz, P.; M. K.; H. Schulz, H.; I. Schreiber,
R. Mk. 2,--. Verein Frauen-Bildung-Frauenſtudium, F.; S.
Salinger, B.; Hoffmann, H. Mk, 3,--. C. H. Neubronner, C.;
S. Frank, M.; M. Protſc A. Reuter, H.; B. Stern, B.; Warda, B.; Leber, B.; Ebert, Z.
Mk. 5;--. W. Damm Mk, 5,50, IJ. Popper, W.; Rizer, L.
W. Beuter, O.:; Silberberg, O. Mk, 8,--. B. Meyer,
M.; R. Heinſius, B. Mi. 10,--. Ble<ß, V. Mk. 20,--.
Pfunsgſt, F. MK, 20,--.
Rufer im Streite.
Wie kann man Hauptgeſic Lebensführung begründen? Etwa durc< wiſſenſchaftliche Be-
weiſe? Plato ſagt von jeder tieferen Lebenswahrheit, daß ſie
überhaupt niht dur< „Beweis“ vermittelt werde. Sie erzeuge.
fich im Hörer wie ein überſpringender Funken. Der Menj< er-
kennt fie als lebendige Deutung und Erfüllung ſeines eigenen:
tiefſten Suchen3 und Erfahrens . . . . In der Tat: Was den:
Menſc was ihm wahre Seligkeit gibt und was ſie vernichtet, das weiß.
jeder im verborgenſten Herzen ganz genau -- ſobald er nur ſein
eignes Innenleben ehrlich beobachtet. Alles kommt nur darauf:
an, dies innere Wiſſen ans Licht zu dringen, es zu vertiefen.
| und zum Fundament der ganzen Leben8anſc Xr. Wilh. Foerſter
(aus dem Vorwort zu „Lebensführung“, bei G. Reimer, Berlin,
erſchienen).




Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Rudolf Penzig, Charlorienburg, Grolmanſtraße Nr. 15.
Druc und Verlag: Oskar Henſel, Gotiesberg.

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