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fache Sache , wie der Religionsunterricht auf den Gym-
naſfien und Realſ Bedeutung gemac gen Verhandlungen zwiſchen Regierung und Geiſtlichkeit geben
kann. Der Grund davon liegt in den ganz eigenthümlichen
Verhältniſſen , die unſere Verfaſſung auf dieſem Gebiete ge-
ſchaffen hat. In Folge der abſoluten Cultusfreiheit und
der daraus hervorgehenden vollkommenen Unabhängigkeit jeder
geiſtlihen Behörde vom Staat kann der leßtere , wenn er der
Mitwirkung dieſer Behörden bedarf, dieſelben in keiner Weiſe
dazu anhalten oder zwingen , ſondern muß ſie aus ihrem freien
Willen zu erlangen ſuchen. Natürlich werden dann Bedingun-
gen geſtellt, und Unterhandlungen werden nöthig. So auc
auf Veranlaſſung des no< unter dem Miniſterium Rogier-Frere
zur Abſtimmung gebrachten Geſeßes über den mittleren Unter-
ri Staat gegründeten , geſhüßten oder unterſtüßten Lehranſtalten
neben den andern Fächern auc<ß Religionsunterricht ertheilt wer-
den ſolle. Um dieſe Beſtimmung auszuführen , hatte Hr. Ro-
gier Unterhandlungen mit den Biſchöfen angefangen, die aber
zu keinem Ergebniß führten , da man ſich über die Bedingungen,
unter denen dieſer Unterricht gegeben werden ſollte, nicht eini-
gen konnte. So kam es, daß während mehrerer Jahre
in den Staatsanſtalten kein Religionsgunterricht exr-
theilt wurde. Der jetzige Miniſter der Innern, Hr. Pierrot,
nahm die Unterhandlungen wieder auf, und endlich iſt es zur
Verſtändigung gekommen. Da man ſich für eine allgemeine,
für alle Anſtalten in gleicher Weiſe giltige Uebereinkunft nicht
einigen konnte, fo hat man folgenden Ausweg getroffen: die
ſtävtiſche Behörde von Antwerpen hat für den Unterricht und
die innexe Ordnung des von ihr geleiteten Athenaums eine
Dienſtvorſchrift erlaſſen, in der auc< die Art und Weiſe und
die Bedingungen des zu gebenden Religionsunterrichts beſtimmt
find. Die Regierung - hat dieſe Dienſtvorſ der Cardinal Erzbiſ unter den angegebenen Bedingungen einen Religionslehrer für
dieſe Anſtalt zu ernennen. Dasſelbe ſoll für alle die Anſtalten
geſ ſchrift annehmen; die dazu nöthige Vollma nicht verſagt werden. Auf dieſe Weiſe vehalten alle dabei Be-
theiligten vollkommene Fretheit , zu handeln , wie fie es ange-
meſſen finden, und es iſt nirgend uad für Niemand von einem
Zwange die Rede. Dieſe Uebereinkunft wurde von der Regie-
rung der Kammer vorgelegt, nicht um ihre Beſtätigung zu er-
halten, ſondern um ihr von dem getroffenen Abkommen Kennts-
niß zu geben. Es fand eine verhältnißmäßig nur kurze Be-
rathung ſtatt; die Uebereinkunft wurde nur von der äußerſten
Linken angegriffen , die Hrn, Frere und Verhaeghen waren die
einzigen Redner, die das Geſchehene tadelten, und die Kammer
nahm mit der ungeheueren Majorität von 86 gegen 7 Stimmen
eine motivirte Tage8ordnung an, in welcher der von der Regie-
rung eingeſchlagene Gang und die von ihr gegebenen Erklä-
rungen ausdrüFlich gutgeheißen wurden. Selbſt die früheren
Amtsgenoſſen des Hrn, Frere, unter andern Hr. Rogier, ſtimm-
ten in dieſem Sinne. Die übrigen Biſchöfe erklärten ſhon am
folgenden Tag ihre Zuſtimmung zu dem zwiſchen dem Primas
und der Regierung Vereinbarten , und dieſe ſchwierige und für
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unſere inneren Zuſtände hö<ſt wichtige Frage iſt ſo endlich er-
ledigt. (Allg. 3.)
Württemberg. Im „Katholiſchen Sc vom 8. Sept, 18353 iſt folgendes Rundſchreiben zu leſen, das die Lehrer
nicht wenig überraſcht hat. „Vorbemerkung, Die nunmehrige kir Stellung der Lehrex iſt im Weſentlihen durc< das Schreiben ſelver be-
zeichnet; jedoch dürfte dieſelbe mehr nur formell, als materiell modificirt
erſcheinen, da den Schulinſpectoren derſelbe Bericht über ihre Lehrer an
die Staats-Kir ho rer amtlich berichtet werden ſoll, iſt allerdings der Schullehrerſtand näher
unter die ſpecifiſchkirhlihe Aufficht geſtellt, deren Einfluß auf die Mit-
glieder dieſes Standes von ſelbſt klar iſt. R.“
„Anſämmtliche Lehrer des Schulinſpectorats Deggingen.“
„Unter dem 3. Aug. 1 ZI. iſt der Unterzeichnete vermöge hohen
Deerets des biſhsöflihen Ordinariats als biſchöflicher Commiſſar exr-
nannt und ſomit mit ſeinem Amt fir hat er von nun an auFZH einen Bericht über ſämmtliche Schulen ſeines
Bezirks nach der jeweiligen Viſitation an die biſchöfliche Behörde zu er-
ſtatten und ſich hierin aum über die Lehrer auszuſprechen, namentlich,
wenn eine religiöſe und ſittliche Gefährdung der Schuljugend durc< die-
ſelben vorfommen ſollte. Indem Unterzeichneter mit dem kir ligiöſen und ſittlichen Betragen der Lehrer ſeines Bezirks bisher wol zu-
frieden ſein konnte und hiervon auch gewiſſenhaft in den vorgeſchriebenen
Berichten und bei anderen Gelegenheiten höheren Ortes Erwähnung ge-
than hat, gidt er ſich der Hoffnung hin, daß auch künftig die Lehrer zu
keinen gegründeten Ausſtellungen Anlaß geben werden, va fie nunmehr
in eine nähere Beziehung zu ihrem kirchlichen Oberhirten gebracht ſind.
Ihre Stellung zur Kirche, deren Glieder ſie ſind und deren erhabene
ZweFezufsördern, ihre weſentlichſte Aufgabe ausmac kommen begreifend -- werden ſie die Religion als Hauptgegenſtand des
Unterrichts betrachten und behandeln, insbeſondere werden ſie ven Religions
unterricht des Ortsgeiſtlichen fleißig vorbereiten und wiederholen, und die
hierauf zu verwendenden Stunden in den Leetionsplan aufnehmen und
gewiſſenhaft einhalten, wovon ſi< Unterzeichneter bei der Viſitation
Veberzeugung verſchaffen wird. Sie werden das Gebet in Schule und
Kir eines würdigen Kir iyre Meßnereigeſ ten, fie werden ihren Ortsgeiſtlichen mit Chrfürc gegnen , ſie werden die religibſen Uebungen freudig und ohne Heuchelei
mitmad en und die ihnen anvertrauten Kinder, ſowie die ganze Ge-
meinde damit erbauen, ſie werden ihre Aeußerungen, ihren Umgang in
Acht nehmen, daß ſie Niemand, beſonders den Kleinen, nicht zum ſeelen-
verderbenden Aergerniß werden und der Kir ſelbſt ſchaden , kurz, ſie werden fich als treue Söhne und lebendige Glie-
der der hl. fatholiſ ſelben zeigen, die Religion und thre Intereſſen als das Erſte und Leßte
nac< Kräften befördern und ihres hohen Amtes um des Gewiſſens wil-
Ien und nicht des Lohnes wegen, der ohnedem diesſeits nicht
gr9ß iſt, treulih warten und dur< gutes Beiſpiel eine ebenſo freund-
liche, als ſichere Leuchte für die ihnen anvertrauten Kleinen ſein. Un-
terzeichneter wird auc treuer Pflichterfüllung von Seite ſeiner Lehrer Notiz nehmen und ſolche
zu ihrer Chre und zu ihrem Vortheil bet jeder thunlichen Gelegenheit
in Erwähnung bringen, ſowie er auch andererſeits nicht anſtehen wird,
gegen auffallende Verfehlungen in obengenannten Beziehungen, pflicht-
mäßig und ohne Anſehen der Perſon einzuſchreiten.
Oroß-Eislingen, 23. Auguſt 1853.
Sculinſpector Retc Weimar, In ſämmtlichen evangeliſchen Schulen des Großherzog-
thums iſt der 3. März c., als der Todestag des im Jahre 1554 ver-
ſtorbenen echtevangeliſchen leßten Kurfürſten erneſtiniſcher Linte Sachtens
in geeigneter Weiſe begangen worden. Die kir war auf ven 5. März (Unvocavit) verlegt. C. 8.

Verantwortliche Nedactoren: Dr. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann. -- Dru und Verlag von K. W. Leske in Darmſtadt,

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