Allgemeine

    Dienſtag , 11. April

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    Profeſſor dr. Heinrich Müller als Katechet.
    Müller's Lehrbuch der Katehetik und Carſtenſen's
    Commentar über dasfelbe.
    Profeſſor Dr. Heinreich Müller*), ſeit 1782 Katechet
    am Scullehrerſeminar in Kiel und von 1788 -- 1805 erſter
    Lehrer und Inſtructor an dieſer Anſtalt, hat vor reichlich 50
    Jahren dur< Lehre und Beiſpiel in unſeren Herzogthümern
    Holſtein und Shleswig fih um die Verbreitung der e ausgezeihneter Katechet in dex Theorie und Praxis und wäre
    gewiß als der Erſte dieſes Fachs auch in ganz Deutſ erfannt worden, wenn er ſein Lehrbuch vor reihlih 50 Jahren
    herausgegeben hätte. Er lehrte und handhabte die Katecetik
    in ſo ausgezeichneter Weife , daß er der Zeit wol der größte
    Meiſter in der Katechetik war, und daß ſelbſt vis auf den heu-
    tigen Tag gewiß nur äußerſt ſelten Jemand ihn als Katechet in
    Theorie und Praxis zugleich Übertroffen.
    Nach Prof. Dr. Müller „heißt kate im Denken no< Ungeübten ſo unterreden, daß ſie das, was ſie
    lernen ſollen, ſelbſt ſuchen und finden.“
    Der Werth der katechetiſchen Lehrart, wie Müller ſie lehrte
    und handhabte, beſteht darin, daß ſie in hohem Grade namenti-
    li< 1) das Selbſidenken der Schüler befördert und dadurc< ihr
    Denkvermögen bildet; 2) den ſfelbſtthätigen Geiſt der Sc<üler
    zu einer deutlichen, gewiſſen und wirkſamen Erkenntniß der
    Wahrheiten leitetz 3) die zu lernenden Wahrheiten für die
    Schüler durc< das Selbſtfinden anziehender , werther und zu-
    gleih behaltbarer macht; 4) die Aufmerkſamkeit der Schüler auf
    den Unterrichtsgegenſtand feſſelt; 5) die Sc<üler im richtigen
    AusdruF ihrer Gedanken übt; 6) den Lehrer in den Stand
    ſegt, die Fähigkeiten und Fortſchritte der Schüler kennen zu
    lernen.
    Compaſtor N, Funk zu Altona, Ritter des Dannebrog-
    Ordens, übergab anderthalb Jahre nac<4 dem Tode des Prof.
    Müller deſſen Lehrbuch der Katechetik dem Drus. Funk's Vor-
    wort iſt datirtz Altona, den 18. Septbr. 1815. In diefen
    Tagen hat die dritte Auflage dieſes Buches die Preſſe ver-
    laſſen. Der Titel iſt:
    Lehrbuch der Katehetik mit beſonderer Hinſicht auf den
    katechetiſchen Religionsunterri Doctor und Prof. der Philoſophie und außerordentlihem
    Prof. der Theologie. Dritte Aufl, Altona, bei Joh.
    Friedr. Hammeric< , 1854. gr. 8. XVI und 144 S.
    Preis 8 Thlr. Preuß.
    Aus Funk's Vorwort, welches in der 3. Aufl. wörtlich
    abgedrut iſt, möge folgende Stelle hier einen Plaß finden:

    x) Eine Mittheilung über Müller's Leben enthält dieſe Schulzeitung
    in der Nr. 7 yom 17. Jan. d. J., auf welche ich hinzuweiſen mir
    erlaube. B. H. Reimers.
    1854

    N 43.
    „Nur als ein ſ und mit welchem der unvergeßlihe Mann die Katechetik zu leh-
    ren und zu üben pflegte, kann und darf das gegenwärtige Lehr-
    buc< derſelben betrachtet werden , welches bei feinem vielbetrauer-
    ten Hinſcheiden in einer ungemein lesbaren, aber noch nicht
    allenthalben berichtigten Abſchrift zum Drucke fertig lag. Es
    wäre unſtreitig viel früher erſchienen, hätte des Vf. Strenge
    gegen fich ſelbſt, die ſih nimmer genug that, und feine Be-
    ſc dasfelbe nicht , vielleicht allzu lange, zurüFgehalten. Denn jo
    willkommen Müller's Lehrbuch allen ehten Freunden der Kate-
    hetik und namentlich feinen zahlreihen Schülern au<ß gegen-
    wärtig no< fein dürfte: ſo wage ich es do< nicht, dem eigenen
    Urtheile des Vollendeten zanz entgegen, zu behaupten, daß das-
    felbe jekt no überall den Beifall finden werde, welchen es 2
    Decennien früher , wo die katechetiſche Literatur ſich erſt zu he-
    ven begann, unfehlbar gefunden haben würde. Mag indeſſen
    der theure Entſchlafene dur< den verſpäteten Abdruä jeiner
    Katechetik immerhin zu wenig für ſeinen Ruhm als Scriftſtei-
    ler geſorgt haben: die Ehre, einer der erſten, glüclichſten
    Bildner und Pfleger dieſer Wiſſenſchaft geweſen zu jein , bleibt
    ihm unverfümmert, und mit derfelben ſein nom weit größeres
    Verdienſt , die heilige Angelegenheit der geſammten Volksbildung
    im Vaterlande durc< feine raſtloſe, unermüdete Wirkſamkeit in
    und außer feinem Amte ausnehmend befördert zu haben.“
    Die Vorrede zur dritten Auflage, ohne Namensun-
    terſchrift, datirt: Altona, im Januar 1854, ſ genden Worten? „Wiederholte und vermehrte Nachfrage nach
    dem vorliegenden Leitfaden, der in manchen Anſtalten eingeführt
    iſt, hat den Herausgeber veranlaßt , einen neuen Äbdru mit
    den durch die Zeit gebotenen ſprachlichen Veränderungen zu ver-
    anſtalten. Möge das Bu , deſſen äußere Ausſtattung weſent-
    lich verbeſſert iſt, wie bisher, Lehrern und Lernenden von Nußen
    fein.“
    Die Seiten XUI --- XVI geben den „Jnhalt nac<ß den
    Paragraphen.“
    Aus der aus 10 Paragraphen beſtehenden Einleitung,
    Seite 1--21, laſſe iM hier den 4. und 10. Paragraphen wört-
    lich folgen: S. 4. „Begriff des Katehiſirens -- Be-
    ftimmung der Haupteigenthümlichkeit der kate eti-
    ſchen Lehrart. Kateciſiren heißt, fich mit den im Denken
    note (dem
    Entwi>elungsgange des menſchlihen Geiſtes angemeſſene) Fra-
    gen ihre Denkkraft in Thätigkeit ſett und derſelben dazu be-
    hilflich wird , aus den ihnen bekannten Vorſtellungen und Ge-
    danken andere Vorſtellungen und Gedanken ſelbſt herzuleiten,
    die ſie entweder noh nicht gedacht oder wieder vergeſſen haben.
    (Oder : Katechiſirxen heißt , fich mit den im Denken no< Unge-
    übten ſo unterreden, daß ſie das, was ſie lernen ſollen, jelbſ
    ſuchen und finden.) Nur dieſe Art, Andere zur Erkenntniß der
    Wahrheit zu führen , verdient den Namen der katechetiſchen , der
    echtkatechetiſchen Lehrart, ſowie jede einzele, beſonders mündliche
    Unterredung, die auf eine folhe Weiſe angeſtelli wird, den

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