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Namen einer Katechiſation. (eines katechetiſm Das Haupteigenthümliche (Weſentliche) des Kate demnach nicht in Fragen und Antworten an ſich, nom we-
niger in vielem Zwiſ vom Lehrer veranlaßten und gehörig geleiteten Entwickelung der
Vorſtellungen des Lehrlings durc; die Selbſtthätigkeit ſeiner
eigenen Denkkraft. Um dieſe Selbſtthätigkeit anzuregen und
lebendig zu erhalten , iſt das Fragen allerdings nothwendig,
weil der Lehrer dadur<; dem Schüler geradezu Veranlaſſung
gibt zu dem innern Streben , das Unbekannte aufzuſuchen und
zu finden , mithin ſelbſt zu lernen; allein es gehört nur zur
nothwendigen äußeren Form des katechetiſchen Vortrags.
Dagegen die nothwendige innere Form des Katechiſirens (oder
das, worauf der Lehrer immer als Hauptſache dabei bedacht ſein
muß) beſteht in der vom Lehrer durchgängig zu beobachtenden,
den Bedürfniſſen des ſich entwi>elnden jugendlichen Geiſtes an-
gemeſſenen Gedankenfolge, ohne welche das von ihm ange-
regte und geleitete innere Streben des Lehrlings, durch ſich
jelbſt zur Erkenntniß der Wahrheit zu gelangen, nicht den be-
zweten Erfolg haben würde. Die Fragen des Lehrers müſſen
daher lauter gehörig abgefaßte, der katechetiſchen Ge-
danfenfolge gemäß geordnete und unter ſi< zuſammen-
hängende Fragen ſein, die den Schüler zum eigenen Denken
veranlaſſen und mit ſteter Hinficht auf die Antworten desfelben
feine Selbſtthätigkeit ſo leiten, daß er im Stande iſt, Begriffe
und Wahrheiten, die ihm bisher unbekannt oder jeht nicht ge-
genwärtig waren, ſelbſt zu finden. =- Die wahre kate Lehrart muß demnach nicht nur von der bloß mittheilenden (vorſa-
genden) , mithin auc) von der erzählenden Lehrart, bei der
man fich (im Ganzen) eines ununterbro ſondern auc< von dem Abfragen der dadur< vorgeſagten, und
vom Schüler nur angenommenen , nicht ſelbſt gefundenen Ur-
theile , fowie aum vom Abfragen oder Ueberhören aller
auswendig gelernten Sätze, von dem in Fragen eingekleideten
Vorbeurtheilen und Vorſprechen der zu erlernenden Be-
griffe und Wahrheiten, von der bloß wörtlichen Zerglie-
derung der Säßke und von der katechetiſchen Wiederholung
und Prüfung wol unterſchieden werden.“
S. 10. „Plan oder Inhaltsanzeige dieſes Lehr-
bu tik foll Regeln über die Art (Form ) des katehetiſmen Unter-
ri gehörigen) Beobachtungen über die Natur und den Gang der
(Entwiekelung des menſchlichen , beſonders des jugendlichen Er-
kenntnißvermögens logiſ< abgeleitet und durch die Erfahrung
als bewährt beſtätigt worden ſind. Denn die Katehetik hat es
nur mit der Form, ni zu thun. Der Jnhalt derſelben kommt nicht weiter in Betracht,
als inſofern er oft die Anordnung und Folge der Materialien
beſtimmt und den denkenden Lehrer daran erinnert, die Anwen-
dung der fate Beſchaffenheit der Materie genau anzupaſſen. Die ehtkateche-
iſchen Regeln ſelbſt , die als ſol in jeder Hinſicht beſtimmt, vollſtändig, in einer natür-
lichen, leiht zu überſehenden Ordnung und gemein-
verſtändlich, mit Vermeidung aller entbehrlichen Kunſi-
aUsSdrÜ>e, vorgetragen werden. --- Folgende Anordnung der
katechetiſchen Regeln ſ wollen , fi damit bekannt zu machen , die natürlichſte und faßs-
lichſte zu fein. == Da die allgemeinen Grundſäße , welche die
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katehetiſche Methode beſtimmen, immer unwandelbar bleiben,
und nur die Anwendung derſelben in einzelen Fällen, nach der
Verſchiedenheit der Katehumenen und Materien , einzele Abän-
derungen leidet: ſo ſollen im erſten Theile die katechetiſchen
Regeln ſelbſt aufgeſtellt werden, die für jeden katechetiſchen Un-
terricht giltig, oder die allgemein anwendbar ſind. Dieſe
laſſen ſich wiederum, mit Hinſicht auf den zweifachen Zwe des
katechetiſchen Unterrichts, der theils das Selbſidenken bei
den no deutlichen, gewiſſen und wirkſamen Erkenntniß der
Wahrheit befördern ſoll, unter 2 Abſchnitte ordnen. Der erſte
Abſchnitt des erſten Theils enthält die Regeln, welche zunächſt
die Beförderung des Selbſtidenkens zur Abſicht haben, und der
zweite Abſchnitt diejenigen Regeln, dur< deren Befolgung der
jelbſtthätige Geiſt dex Katechumenen zu einer deutlichen, ge-
wiſſen und wirkſamen Erkenntniß der Wahrheit geleitet werden
kann. Weil nun die Katechiſationen über Religion8wahrheiten die
gewöhnlichſten und zugleih au< ihres Inhalts wegen allgemein
wichtig ſind : ſo ſollen vornehmlich die Regeln des zweiten Adb-
ſchnitts mit beſonderer Hinſicht auf den Religionsunterricht vor-
getragen werden. =- Der zweite Theil dieſes Lehrbuchs ſoll die
beſonderen näheren Beſtimmungen , die bei der Anwendung der
allgemein giltigen Regeln mit Hinſicht auf die zufällige Ver-
ſchiedenheit der Lehrgegenſtände und der Lehrlinge in ſich
faſſen.“
Dieſes , aus 54 Paragraphen beſtehende Lehrbuch der Kate-
gute äußere Ausſtattung erhalten. Zu wünſchen wäre geweſen,
daß die Verlagshandlung den Preis des Buches , das nur 10
Bogen enthält, auf % Thlr. Preuß. ermäßigt hätte.
Prof. Dr. Müller's Lehrbuch der Katechetik iſt ein ausge-
zeihnetes Buch.
(Schluß folgt.)
AEN NIETE when gen eren
Pädagogiſ Eine pädogogiſ ſc XIN. Jahrg. 1853. Eßlingen, in Commiſſion der Franz
Köhler*ſ In der 1. Abtheilung (A. Hörſaal) dieſer pädagogiſchen
Zeitſchrift finden wir eine „kurze deutſche Sprachlehre“ von Luz
-- in analytiſch - ſynthetiſmer Form, die mit Verdammung
alles Ueberflüſſigen , aller veralteten Wort- und „Regelreiterei“,
den deutſhen Sprachunterricht als ein weſentliches Mittel, den
Schüler zum ſelbſtbewußten und reprodueirenden Anſc vernünftigen Denken und Wiedergeben zu führen, um ihn für's
praktiſche und ernſtere Leben tüchtig vorzubereiten, benußt ha-
ben will. --- Wir find mit dem Minimum des Hrn. Vf. , dem
er unter feiner Bedingung no< etwas hinzufügen läßt, ſowie
mit der Anlage, dem Gange und der vorgeſchriebenen Ausfüh-
rung ſeiner Anleitung ganz zufrieden, verwerfen Übrigens die
Uebungen in Declinationen und Conjugationen, (wiewol mit
Maß) dur Verarbeitung des gegebenen ſprachlichen Stoffes in mündlicher
und ſchriftlicher Form erinnern zu dürfen. =- Seinem Zwede,
den Unterricht in der Volksſ

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