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zu erlöſen , das äſthetiſ ben und ein reges Gemütsleben unter den Kindern in der
Schule durc< den Unterricht zu fördern, entſpriht der Sulbe-
richt über die Oberclaſſe einer 2claſſigen Mädchenſchule in jeder
Beziehung. An dieſen reiht ſich eine jehr beachtenswerthe und
bei vem immermehr erwachenden Intereſſe für Kirc Schulmuſik zeitgemäße Abhandlung über Reſponſorien in B
(Sprechſaal). Der Hr. Vf. will der Kir tarliturgie und zu Reſponſorien durc< die Schule bahnen -- und
ganz mit Re Vorabende d. h. Chriſtfeſtes vor , die, e gehalten , wol etwas abgekürzt werden dürfte , wenn ſie vei den
Kindern niht Ermüdung und Sehnen nac< dem Schluß der
Feierlichkeit erzeugen ſoll. Denſelben Tadel trifft das Programm
von der am 18. Mai 1853 in Widdern ſtattgehabten Verſamme-
Jung, das uns in „Lehrergeſangvereine =- auch ein Mittel 2c.*
mitgetheilt wird , woran allerdings auch Erwachſene theilnahmen,
das aber, ohne die Rede des Ortsgeiſtlihen, 15 muſikaliſche
Nummern ohne Unterbrehung enthält und gewiß nic net war, die gebührende Andacht rege und wach zu halten.
Wenn Geiſt und Seele ermüdet find, ſo machen Engelsharmo-
nieen feinen Eindru>. =“ Eine darauf folgende unerquicliche
„Abwehr“ und eine kleine Abhandlung Über Redcenunterricht
beſchließen den „Hörſaal.“ -- C (Der Büherſaal) enthält Re-
cenfionen Über einige neu erſchienene pädagogiſche Werke, meiſt
religiöſen Inhalts und D. der Berichtſaal: S Berichtigungen , Vereinsbeiträge und Sculſtellentauſch.
*'
Mathematik,
Kar! Freſenius *). Die Raumlehre, eine Grammatik der
Natur. Entwurf zu einer genetiſchen Shulmethode der
Elementargeometrie. Frankfurt a, M., Brönner 1854,
YU vu. 90 S.
Der Vorrede gemäß ſoll der oben erwähnte Titel eine De-
monſtration ſein. Darum nur beiläufig die Bemerkung, daß
zu einer ſogenannten Grammatik der Natur auch die Zahlen-
lehre gehöre , und ohne dieſe wenigſtens die ganze Raumlehre,
nicht die Elementargeometrie, no< weniger der Entwurf einer
Methode derſelben, ſo genannt werden müſſe. Die Mathematik,
ſobald ſie iſolirt daſteht =- dieß iſt des Vf's. Anſicht -- hat
als Unterrichtsgegenſtand den hohen Werth, den man ihr bei-
zulegen pflegt, keineswegs ; und nur ihren unläugbaren, glän-
zenden Erfolgen auf den techniſchen Gebieten verdankt ſie ihre
no< ſo ehrenhafte Stellung. Sie hat indeſſen eine viel idea-
lexe , pädagogiſche Seite, als die der Nütlichkeit: ſie ſchließt
das Weſen der Welt auf. Die Raumlehre iſt an der Natur
ſelbſt heranzubilden; aus ihr, ni geleitet. Der Lehrgang beginnt mit der Anſchauung der Kör-
per: des Würfels, der drei- und ſehskantigen Säule, der vier-
kantigen, drei und ſec Viertelswalze , des Kegels, der Kugel und Halbkugel, Er un-
terſcheidet ſih von andern Lehrgängen derſelben Baſis haupts=
ſächlich dadurch , daß nicht nur die mathematiſchen , jondern auch
diejenigen phyſikaliſchen Eigenſchaften der Körper, welche ſich

3) Gymnaſialprofeſſor zu Eiſenach.
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auf ihre Form beziehen, mit hereingezogen find. Dadurch tritt
der mathem. Körper ganz in die Reihe der wirklichen äußeren
Objecte und bildet nur den Anknüpfungspunkt zu einer Muſte-
rung aller Dinge der Umgebung. In gleicher Weiſe wird die
Orientation unter den räumlichen Begriffen, der die 2. Stufe
gewidmet iſt, nicht auf abſtractem Wege, ſondern auf dem der
Induction verſucht, obſchon der Vf. bekennt, daß ihm die lo-
giſche Kraft, mit welcher die werdenden Begriffe ſi< ſelbſt er-
weiſen , nicht geſtattet hätte , die Stufen der Induction und
der innern Begründung, d. h. der wiſſenſ gung der Begriffe genau auseinander zu halten. No< iſt be-
jonders das Princip der Bewegung, dem, nac< dem Vf. , eine
große pädagogiſche Kraft beiwohnt, in dem Lehrgang hervorge-
hoben, da die Natur == avr vai = im ſteten Fluß be-
griffen ſei, da das Veränderliche, Werdende, Uebergehende leiche
ter zu faſſen ſei, als das Todte, Starre. =- Unſtreitig iſt dieß
Büchlein, das in gedrängter Kürze, wie ein Entwurf es ver-
langt, den Stoff vorführt , ſhon dur< die Menge von Bei-
ſpielen aus der Welt, welche ſich der Erörterung jeden Körpers
anſchließen , für Elementarlehrer der Mathematik ein ſehr brauch-
bares , da es aus mehrmaligem , in der Bender'ſchen Anſtalt zu
Weinheim durc einen Wunſch ausſprechen , ſo iſt es der, daß der Hr. Vf. die
in der Vorrede ausgeſpro Aufſaße klar entwieln und, in der ſkizzirten Durchführung ei-
nes ganzen Lehrgebäudes der Mathematik, als die eine, gram-
matiſche Seite der Natur, den Weg bezei welchen dex naturkundliche Unterricht mit dem mathematiſchen zu
beiderſeitiger Durchdringung gelangen möchte, Bis jeßt ſind nur
Andeutungen vorhanden; es lohnte fih wol der Mühe, fie zu
verallgemeinern und dann beſonders der Schule Zeit und Raum
für dieſen Unterrichtszweig zu beſtimmen. Es iſt ſc neuen Pfad ohne Abweichungen bahnenz verdienſtlic Bahn brechen helfen, wo Alle die bequemere , aber umführende
Straße wandeln. Möge das Büchlein das bewirken, was es
ſoll, algemein anregen und die Raumlehre menſc dein helfen. Ed. D.
Zur Sculgej Berlin. Das Armenſc im abgelaufenen Jahr wieder einen Gegenſtand behördlicher
Fürſorge gebildet. Eine Communalarmenſchule erfuhr eine ſehr
umfaſſenbe Erweiterung , und wurde dafür eine Privat-Clemen-
tarſ Commune unterrichtet wurden. In Moabit beſteht ſeit dem
4. April eine neue Elementarſchule, welche die früher in einer
Privatſchule unterrichteten Kinder gegen Zahlung eines S geldes von 15 Sgr. pro Kind und Monat übernommen hat.
Hiernach befinden fich ſeit Anfang dieſes Jahres in 15 Com-
munal-Tagesſ 9 Communal-Sonntagsſhulen mit 37 Claſſen 1823 Kinder,
alſo zuſammen 41,313 Kinder, und zwar 674 Kinder mehr,
als im vorigen Jahre. In dem Unterrichte dieſer Schulen ſind
keine Veränderungen eingetreten, dagegen aber Vorbereitungen
getroffen , um den bisherigen Lehrplan einer Reviſion zu unter=-
werfen und für den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten zweck
mäßige Reformen herbeizuführen , welche zur Zeit bereits in

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