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einer mir nur bemerkbaren Ordnung, auf eine mir nur leſer-
lihe Art, durch Erinnerungs- und Gedäctnißzeichen, deren Be-
deutung mir nur bekannt iſt, aufbewahren. Allein theils findet
fim hier Manches , was bloß zu meiner eigenen Kunde und gar
nicht in einen öffentlichen Vortrag für Seminariſten gehört,
theils iſt Manches hier nicht aufgezeichnet , was ich doHG, um
verſtändlich zu ſein , mündlich ſagen muß.“") Um Vieles leich-
ter wäre die Arbeit geweſen, wenn ich frei und ohne Rüdſicht
auf die mir Übergebenen Papiere das Werk vollendet hätte;
denn nicht zu gedenken, daß ich mich ſo viel als mögli? in
die fremde Individualität verſezen mußte, es waren auch die
Materialien oft nur erſt na< langer, oft mißlungener Mühe
zuſammenzubringen. Dann hätte ich aber meinen in der Vor-
rede zum erſten Bande angeführten Zwe> aufgeben müſſen; es
wäre nicht ein Verſu< geworden darzuſtellen , wie der ſelige
Müller die Ketechetik lehrte, ſondern wie ich ſie vortragen würde.
Möchten ſachkundige Beurtheiler und beſonders ſolche, welche
dieſe Wiſſenſc ben, ebenſo günſtig über dieſen, als über den 1. Band urthei-
len können! Mir würde dieß reichliche Belohnung für die dar-
auf verwandte Mühe fein. =- Bei der Bearbeitung diente das
Lehrbuch der Katehetik mir zum Führer. Indem ich ſo genau
als möglih die Erläuterungen daran anzuſchließen ſuchte, ents-
ſtanden einzele Wiederholungen , welche, um ſie überall zu ver-
meiden , hiex und da dem Ganzen eine völlig veränderte Geſtalt.
gegeben haben würden. Können dieſe beim mündlichen Vortrag
Ihren Nußen haben, fo ſtören fie dom beim Leſen, und ich
muß daher die Leſer um gütige Nachſic 26. Juni 1823. CC. Carſtenſen.“
C. Carſtenſen, der mit zu denen gehörte, die Müller
am beßten auffaßten, ſelbſt ein ausgezeichneter Katechet, wax
dazu geeignet, einen Commentar über Müller's Lehrbuch der
Katechetik nac< deſſen hinterlaſſenen Papieren zu bearbeiten.
Carſtenſen's Handbuch der Katechetik, in Verbindung mit Mül-
ler*s Lehrbuch der KatehHetik, wird Vielen beim eindringli-
hen Studium dieſer Wiſſenſ bei Herausgabe von Schriften über Katehetik eine reihe Fund-
grube echter Katechetik geweſen ſein, und iſt, obgleich vor 30
Jahren erſchienen , noh heutzutage ein fehr ausgezeichnetes Buh.
?Die Beilagen zum erſten Bande des Handbuches ent-
halten: „Erzeugung des Begriffs : Arbeiten S. 236 --- 240.
Beweis der Güte Gottes ans oer Einrichtung der lebendigen
Geſchöpfe S. 241 u. 42. Katechetiſc griffs: Sünde S. 243 -- 47. Katechetiſche Erzeugung eines
Urtheils S. 247 -- 49. Beiſpiele zur Erläuterung der Lehre
von den Beiſpielen S. 250--252. Beiſpiele zur Erläuterung der
Lehre von den Vergleichungen S. 253--55. =- Den zweiten
Band beſchließen 3 Katechiſationen: eine Katechiſation über die
Heiligkeit Gottes S. 309 -- 338; eine Katechiſation über die
Lehre von der über die Lehre von den Engeln S. 363--382. In dem Vor-
worte zum 2, Bande ſagt Carſtenſen über dieſe Katechiſationen
Folgendes: „Die Katehiſationen , wel waren keineswegs vom ſel. Müller vollſtändig ausgearbeitet, ob-
gleich er vor ſeinen Zuhörern katehetiſ dieſe Gegenſtände, welche ihnen zum Muſter dienen ſollten , ge-
- halten hat. Was in ihnen nur angedeutet war, habe ich aus-
zuführen verſu lehrrei< fein möchten.“ -=-- Auch enthält das Handbuch auf 16
Seiten ein Inhaltsverzei 380
Nach meinem Dafürhalten ſollte es ſich jeder Schullehrer
mit zu ſeiner Lehreraufgabe maßen, nac echtkatehetiſchen Lehrart zu ſtreben. Keiner hat, na Bedünken , zu beſorgen, daß er es in der ehtkatechetiſc art zu weit bringe. Bei uns allen wird mehr oder minder in
dieſer Hinſicht immer no<9 viel zu wünſchen Übrig bleiben.
Altona, im März 1854. P. H. Reimers,
Die römiſche Kirche und das Schulweſen.
Ein Colporteur in einer Stadt am Obhioſtrome in Nord-
amerika ſchreibt:
Als ich dieſe Woche die Dampfboote beſuchte, traf ich eine
katholiſ Es gehörten 8 Kinder zu dieſer Familie , meiſt ſhon erwachſen.
Als ich ihnen Bücher anbot, vernahm i<, daß nur zwei von
ihnen leſen konnten. I< fragte daher den Vater, der ſchon
lange in Amerika wohnt und ſein gutes Auskommen hat, warum
er das Geld nicht daran gewendet habe, ſeine Kinder etwas
lernen zu laſſen? =- Da erwiederte er: „Mein Prieſter , der
do< gewiß ein frommer Mann iſt und dieß wiſſen muß, ſagie
mir , daß es nicht gut wäre , wenn man die Kinder hier in
Amerika ſo viel lernen ließe; ſie würden alsdann zu leicht ver-
führt. Wenn ſie nur die Gebräuche der Kir wäre das ſ denn er und ſeine Frau leſen könnten? „Ja, re die Antwort, „ich muß es meinen Eltern Dank wiſſen, daß
ſie mih ſo gut haben unterrichten laſſen.“ I< fragte weiter,
ob dieſex Dank ihm auc< von ſeinen Kindern gebührte? Da
wurde er beſhämt. Wir kamen dann in eine längere Unter-
redung über die Religion. J< erzählte ihm, daß ich auch ka-
tholiſc; geboren und erzogen ſei, und was ich in der Bibel ge-
funden habe, und wie gut es iſt, wenn man ſelbſt leſen kann,
was Gott für unſere Seligkeit gethan hat und was er von uns
fordert. Ehe wir uns trennten, kaufte er ein Neues Teſtament
und mehrere andere Bücher. Es iſt in der That das
Hauptbeſtreben der katholiſchen Prieſter in Nordamerika, die
Kinder womöglih ohne allen Sculunterri laſſen. Nur wo Gefahr da iſt, daß die Kinder in proteſtan-
tiſche Shulen gehen, machen ſie Anſtalt, daß ſie in Schulen
gehen , die unter ihrer Leitung ſtehen.
Jranzſiſ<.
1) Elisabeth ou les Exiles de Siberie, par M** Cottin,
mit grammat. Bemerkungen und einem Wörterbuche her-
ausgegeben von Dr. Ed. Hoe, 2. verb, Aufl. Leip-
zig , E. Fleiſher, 1852.
Da es eine ausgemachte pädagogiſche Wahrheit iſt, daß es
bei den Shriften, wel Hand gibt, ebenſo. fehr auf eine in ſprachlicher Hinſicht voll-
endete Form, wie auf einen gediegenen, ſittlihen, wahre Bil-
dungsmomente für Geiſt und Herz darbietenden Inhalt ankommt,
ſo müſſen wir das oben angezeigte Werk türe für den Unterricht im Franzöſiſchen beſtimmt iſt, willfom-

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