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tät überhaupt ſeine Begründung findet, (ſehr wahr!)
und in der Morallehre liegt überhaupt nicht das Charakteriſtiſche
des Chriſtenthums. Dagegen geht durc< alle Jahrhunderte der
gries. Cultur hindurß ein myſtiſ<-poetiſher Zug, deſſen
Laute, wenn au< meiſt nur undeutlich und aus weiter Ferne
vernommen, do< einen einen Vor- und Nac Sie beginnen mit den durch den Namen Orpheus bezeichneten
dunkeln Myſterien und geheimen Weihungen , deren ſymboliſcher
Cultus hindeutet auf ein hienieden verlorenes, aber in einem
andern Leben wieder zu gewinnendes Elyſium. Aus dieſem
geheimnißvollen Dunkel Orphiſcher Cultur ſteigt der Dich-
ter Heſiodos empor, der Urheber des hieratiſch-didaktiſchen Epos,
dem ſ zuſchreiben geneigt war, und auch wir möchten in pädagogiſcher
Hinſiht dem Heſiodos als Dichter des Sündenfalls und aller
ſeinex Nußanwendungen eine größere Anwendung zuwenden, als
er bis jeßt gefunden hat. . . .. An Hefiodos und ſeinen
Orphiſ Weisheit der gnomiſchen Dichter, deren Lehrweiſe auch in den
bibliſchen Büchern vorherrſchend iſt, und die ſittliche Myſtik,
wie ſie in den Werken der Wunderthäter Abaris, Cpi-
menides, Pythagoras , Empedokles u. f. w. hervortritt. Neu
angeregt werden beide in der Alexandriniſchen Zeit durch die
Septuaginta und die apokryphiſ ben hebräiſcher Poefie in dem Gewande jener Bi-
belüberſekßung zu geben, ſcheint nichts gegen ſich zu haben,
als Herfommen und Gewohnheit, die alles Bibliſche den Reli-
gionslehrſtunden ausſc erwogen! Die wenigen zur unbefangenen Auffaſſung der rein-
ſten und vollendetſten helleniſ laſſenen Lehrſtunden können wir weder dazu hergeben , den zur
Klarheit zu bildenden Geiſt unſerer Schüler in das Halhdunkel
einer antiken oder modernen Myſtik zu verſenken, nog dazu , ihn
mit confeſſioneller Dogmatik vox der Zeit zu erfüllen. Sind
wir in dieſem Punkte nicht einverſtanden mit dem gelehrten
Hrn. Vf., den ſein vielumffaſſender Bli> dießmal Über die
Grenzen der Schule hinausgetragen hat, ſo hat er uns wieder
- in dem, was er über die Erzeugniſſe der Poeſie , die den Cha-
rakter von Scherz und Wiß, von Humor und Spott tragen,
geſagt hat, ganz aus der Seele geſchrieben. „Schon der ehr-
würdige Vater Homeros hat es nicht unter ſeiner Würde ex-
achtet , in paſſenden Momenten mit Komos und Momos zu ver-
kehren.“ . . . . „Den eigentlihen Kern und Mittelpunkt der
grieM. Komik vildet natürlih Ariſtophanes, und zunächſt
ſind es die Wolken, die hier im Betra Kunſtwerth dieſes Werkes iſt ohne Widerrede anerkannt,
ebenfo daß es unter allen StüFen des Ariſtophanes in ſeinen
harafteriſtiſMen Grundzügen fowol, wie nach der Popularität
der Darſtellung dem modernen Verſtändniß am nächſten liegt.
Wenn es gleihwol bald nach den erſten übrigens wohlgelun-
genen Verſuchen der öffentlichen Lectüre wiederum entzogen wor-
den iſt, ſo kann nur entweder die das Ganze dur ſittliche Geſinnung oder die Anſtößigkeit einzeler Stellen und
Scenen das Motiv dazu gewährt haben. Dagegen iſt jedoch
einzuwenden , daß jene Geſinnung nicht bloß einer bekannten,
jedenfalls die f Controverſe unterliegt, fondern auch , felbſt wenn ſie als ver-
werfli< erkannt werden follte, mittelſt der für den Sokrates
erweckten Parteinahme eine in moraliſcher Beziehung heilſame
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Reaction erzeugt. Was aber einzele Anſtößigkeiten betrifft , ſo
laſſen ſie ſih durc Streithähne und der Parabaſe, nebſt einigen kleinen Weglaſſun-
gen in einer Weiſe beſeitigen , die das Ganze als fol angetaſtet läſſt und ſeinem Kunſtwerth nichts entzieht, » . . .
Einige Stellen aus den Übrigen Stü>en und einige Fragmente
der übrigen Komödiendichter werden ſ um eine lebendige Literaturkenntniß nah dieſer Seite abzuſchlie-
ßen. Die ſpäteren Zeiten Griechenlands haben nichts mehr
aufzuweiſen, was diefen Blüten des poetiſchen Humors den
Rang ſtreitig machen könnte; kaum daß einige wenige Epigramme
bis zu jener fatiriſchen Schärfe zugeſpißt ſind , die man für ein
weſentliches Requiſit des modernen Epigramms zu halten pflegt.
Propheten, die mit Wenn und Aber wahrſagen, Juriſten, de-
ren Rechtsbeſcheid auf Entweder oder ausläuft, Aerzte , die
gleich dem Akilleus viele Heldenſeelen in den Hades hinabſtür-
zen, Grammatiker als Wortklauber und Winkelſummer, hart-
hörige Diener , die alle Befehle falſch verſtehen und ausrichten,
falſche Haare, Wangen und Zähne und andere unſc der Art ſind die Gegenſtände dieſer zahmen, ä Satire , die aller politiſchen Gefährdung völlig fern liegt." =-
Als die einzig richtige Anordnung der zu treffenden Auswahl
poetiſ organiſcher, wol aber pädagogiſc den ſollen, wird die ſtreng wiſſenſc dem Sinne von Grimm's hiſtor. Grammatik der deutſchen Sprache
gemacht werden , oder der homeriſc tiſche erlernt werden ſollte, ſondern weil durc< die Ordnung mancherlei Miſſſtände vermieden, und zugleich die einzelen
Dichter in das rechte Verhältniß zu ihrer Zeit geſjeßt werden,
was die erſte und wichtigſte Bedingung ihres Verſtändniſſes
Eon Die Leetüre der bezeichneten Dichter ſoll nämlich
nicht ſelbſtändig für ſich beſtehen, ſondern mit der der Tragiker,
vielleiht auc no< mit der des Homer abwechſeln und außerdem
in möglichſt nahe Beziehung geſeßt werden zu dem Studium
der Literatur- und Kunſtgeſchichte, zu welcher fie in dieſer
Sphäre die nußbarſten und für die Befruchtung dieſes Studi-
ums ganz unentbehrlichen Muſterbeiſpiele liefert. Gerade durch
dieſe Verbindung des Zufammengehörigen wird das Aphorijtijche
und Rhapfodiſhe des bloßen DilettantiSmus beſeitigt und in
der möglichſt vollkommenen Weiſe jene organiſc vorgerufen , welhe alle Schöpfungen des grie<ß. Genius in Poeſie
und Kunſt umſchließt.“ Haben wir uns bei dieſem Auszug aus
einer in ihrem ganzen Umfang der größten Beachtung würdigen
Abhandlung oft ungern auf einzele Säße beſchränkt, ſo müſſen
wir uns au< begnügen, Über die Benußung und Ausführung
einer in obigem Sinn zu veranſtaltenden griechiſchen Anthologie
no< zwei Bemerkungen des Hrn. Vfs. anzufügen. 1) „Mit ſolchen,
die es no< nicht bis zu einiger Leichtigkeit und Gewandtheit im
Verſtändniß des Homer“ (ich möchte ſagen: zu rechter Vertraut-
heit mit H.) „gebracht haben, ſind andere Dichter und ſc Profaiker gar niht zu leſen, und wirklich neigen fich Theorie
und Praxis mehr und mehr dahin, das abfolut Nothwendige
der Anforderungen auf Erreichung dieſes Zieles herabzufeßen ;
dafür aber auch dasfelbe zu univerſeller Geltung für alle be-
treffenden Kreiſe der höheren Bildung zu bringen.“ 2) Um
über Aufnahme jeder einzelen Stelle in dem aufzubauenden pä-
dagogiſ Beanſtandeten zu entſc

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