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Bildung eines philologiſch-pädagogiſ nern in Vorſ Triumvirat das Gewünſchte leiſtet , glauben aber, daß eine ein-
heitliche Arbeitsfraft und zwar am beſten diejenige des Be-
gründers der Jdee am leichteſten zu einem gedeihlichen Ziele
dringen werde. Der Hr. Vf. verheißt uns, im nächſten Heft
auf das Weitere eingehen und über die Nutzbarmachung der be-
treffenden Lehrſtü>e ſich verbreiten zu wollen.
Der andere Theil des vorliegenden Schulprogramms bringt
Sculnachrichten , die ſih nicht bloß auf das Darmſtädter Gym-
naſium und ſeine jeßigen und früheren Lehrer und S<üler be-
ziehen, ſondern theils ſtatiſtiſche Vergleichungen mit den andern
heſß). Gymnaſien , theils die in Betreff des Schulweſens über-
haupt von den 3 proteſt. Superintendenten erlaſſene Anſprache
und den vom kath. Biſchof ausgeſendeten Hirtenbrief enthalten.
Daraus dürfte Folgendes hervorzuheben ſein: Das Gymnaſium
zälte im verfloſſenen Winterhalbjahr in 7 Claſſen 288 Shüler
(leider in Y. 64 zuſammengedrängt), darunter 136 aus der
Stadt Darmſtadt, 57 aus dem Übrigen Starkenburg, 30 aus
Dberheſſen , 17 aus Rheinheſſen , 18 aus dem Ausland ; 232
evangeliſch ( eingerehnet einen Mennoniten und einen Anglica-
ner), 21 katholiſch, 5 Jsraeliten. Es unterrichteten außer dem
Director 12 ordentliche, 8 außerordentliche Lehrer. Im Herbſt
1853 beſtanden in Darmſtadt die Prüfung pro maturitate: 18;
zu Oſtern 1854: 18; im Großherzogthum Überhaupt wurden
im JI. 418538 geprüft: 414 Abiturienten. Nimmt man, ohne
Berüfichtigung deſſen, daß fortwährend viele Heſſen auf aus-
ländiſ ſität Gießen von Seiten der aus dem Großh, Heſſen Studi-
renden zum Anhaltspunkt bei einer Berechnung des relativ
größeren oder geringeren Zudrangs zu akademiſ jo kommt nac< den großh. h eff. Provinzen und Städten 1 Stu-
dirender auf 3222 Einw. von Starkenburg, 2345 Ew. von
Oberheſſen, 2719 Ew. von Rheinheſſen; ferner auf 618 Ew.
von Darmſtadt, 188 Ew. von Gießen, 1113 Ew. von Mainz,
2181 Ew, von Offenba lezten Verhältniſſe einfa Gießer, als Darmſtädter; 6mal mehr Gießer, als Mainzer;
111 mal mehr Gießer, als Offenbacher; 4mal mehr Gießer,
als Wormjer. =“- Das Ausſchreiben der Hrn. Superintendenten
bezeihnet unumwunden die Aufgabe der Schule in religiöſer
Beziehung? „Soll unſer evangelijc auf ſeinem allerheiligſten Glauben, ſo muß unſere Jugend vor
Allem in ſein Heiligthum eingeführt und mit ſeinen Schätzen
ausgerüſtet, ſo muß fie namentlih in der Erkenntniß deſſen
immer mehr befeſtigt werden, was es denn eigentlich ſei um
den evangeliſ nicht verhehlen, daß , bevor dieß nicht allenthalben geſchieht, be-
vor niht unfere Schulen, von den Gymnaſien bis zu den
Volksſ evangel. Glaubens geworden ſind, an eine durchgreifende reli-
giöſe Auferſtehung unſeres evangel. Volkes gar niht zu denken
iſt. Darum . . . . die Heilslehren des Evangeliums wie hei-
lige Samenkörner ausſtreuen . . . . treueſte Pflege der Kate-
lihen Hirtenbriefes vom 12. Febr. 1854 läſſt Verſchiedenes
zwiſhen den Zeilen leſen:
„Eltern , Prieſter, Lehrer und Erzieher ſollen namentlich
die Kinder dahin bringen, daß ſie die Stimme Chriſti kennen
und lieben, durFg einen re 398
Glaubenswahrheiten der h. Kirche, welche ſie nur dann erlangen,
wenn ſie den Kate Trug, zu deſſen leichterer Verbreitung die neuen loFenden Na-
men der deutſ<-nationalen Pädagogie, der germani-
ſ len zu ehrwürdigen Wohnungen, zu heiligen Tempeln Gottes
vorbereitet werden, wogegen gemein und niedrig iſt, was uns
der ſtolze Unglaube über Menſchenwürde , Erziehung und Un-
terricht ſagt.“ = =- Auf ein anderes Gebiet der Gymnaſial-
bildung führen uns die von S. 40--49 mitgetheilten Darſtel-
lungen und Urtheile über das hieſige Turnweſen, das unter
der Leitung des Hrn. Oberſtudienaſſeſſors Adolf Spieß ſteht,
deſſen im hiſtor. Verein gehaltener Vortrag über Förderung von
Ortsgeſ Stelle gefunden hat, da derſelbe auc) auf den Unterricht in der
Orts - und Landesgeſchichte Rücſiht nimmt. K. W.
Die Erziehung des weiblihen Geſchlechts in Italien. -
(Aus einem Briefe an Director Dr. Vogel in Leipzig.)
Turin, den 31. März 1854.
Sie haben über die weiblihe Erziehung in Italien Nach-
richten gewünſ gen über das preuß. Volksſ ausgegeben habe, hat mich dieſer Gegenſtand, da ic< alle Win-
ter in Italien zubringe, ſehr angezogen , daher beehre im mich,
Ihnen Folgendes mitzutheilen.
Seit dem Jahr 1848 iſt der Nationalgeiſt in Jtalien mäch-
tig gewe>t worden, und au Aus den ehemaligen Jeſuitencollegien im Königreih Sardinien
wurden Nationalcollegien gebildet, und wenn ſic<ß auch bei deren
Errichtung zeigte , daß die früheren Bildungsanſtalten die Er-
ziehung von wiſſenſ wird jezt um ſo thätiger dahin gewirkt. (S. Sardinien von
F. F. Neigebaur. Leipzig 1858). Im Gefolge der Jeſuiten
waren aber auch die meiſten mit denſelben verwandten Nonnen-
klöſter eingegangen, welche bis dahin die weiblihe Erziehung
ſehr mangelhaft beſorgt hatten. Da trat die Markgräſin The-
reſe Doria, geb. Markgräfin Durazzo, in Genua auf, verband
fich mit der ho Palaſte Delle Peſhiere eine Erziehungsanſtalt an, welche den
Zwe& hatte, gute italieniſc wozu der gelehrte Graf Mamiani zu Rathe gezogen wurde.
Dieſe Anſtalt hat den beſten Fortgang: gegen 70 junge Mäd-
hen aus den erſten Häuſern werden dort trefflic< erzogen ; ſtatt
der franzöſiſchen Lehrſprache iſt die italieniſ den, obwol deutſche, franzöſiſche und engliſche Lehrerinnen gehalten
werden. Der wiſſenſchaftlihe Unterrimt wird von den beſten
Lehrern beſorgt und allgemein iſt man mit dem Erfolge zufrie-
den. Der Unterſchied in der Geſelli bemerkbar. =- In der Nähe von Turin, in der herrlich gele-
genen Stadt Pinerolo hat der Graf Franchi ein ehemaliges
großes Kloſter gekauft und ebenfalls ſeit ein paar Jahren eine
weibliche Erziehungsanſtalt (Collegio), mit ebenfalls ſehr großen
Mitteln angelegt, die auf gleiche Weiſe eingerichtet iſt. Be-
reits befinden ſich hier gegen 40 Zöglinge. Ein wiſſenſchaft-
lim gebildeter Mann, nebſt einer Gemahlin von ausgezeichneter

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