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mal Dimittirte kann an einer andern Anſtalt, do demſelben Orte, wiederaufgenommen werden. Schüler, die
zum Zweitenmale dimittirt wurden, können nur zu einem leßten
Verſuche nac<ß Verlauf eines Jahres die Wiederaufnahme an
einer andern Anſtalt nachſuchen. Ein Schüler, gegen welchen
zum Drittenmale die Dimiſſionsſtrafe ausgeſpromen wird , iſt
als excludirt zu betrachten. Um die Einhaltung des Lehrpla-
nes, den Unterricht und die Zucht zu gewährleiſten, ſollen von
Zeit zu Zeit in allen Kreiſen Viſitationen ſämmtlicher lateini-
niſcher Schulen gehalten werden. Bei dieſen Viſitationen ſind
die Zuſtände der Anſtalten, ſowie deren Bedürfniſſe genau zu
unterſuchen, und wo Mißſtände ſich zeigen, iſt ſ hilfe entweder ſogleich an Drt und Stelle zu treffen oder wei-
ter zu veranlaſſen. =- Der Unterricht in der franzöſiſchen Sprache,
welcher, wo das Bedürfniß dringend iſt, ausnahmsweiſe und
fakultativ ſchon an der lateiniſ kann, iſt in dem Gymnaſium obligatoriſch ; die Geſchichte iſt
umfaſſender zu behandeln; die Mathematik ſoll auf Geometrie
und Trigonometrie erſtreft und mit Phyſik verbunden werden.
Da bei dem Unterrichte in der altclaſſiſchen Literatur die mög-
lihſt vollſtändige Kenntniß des Formellen und Techniſchen vor-
ausgefeßt wird , hat das Gymnaſium die Aufgabe, tiefer in
den "Geiſt der Sprachen einzuführen und vermittelſt einer zweck-
maßig angeordneten und ſorgfältig geführten Leſung der Auto-
zen den Jüngling während dieſer 4 Jahre mit dem ihm zu-
gänglihen beſten Theile der claſſiſ machen. Die alten Autoren ſollen deßhalb mit RüFſicht auf
das jugendliche Alter gewählt und in einer naturgemäßen Oxd-
nung nacheinander erklärt werden , ſo daß man von den Hiſto-
rifern zu den Rednern und Philoſophen , von den Epikern zu
den Lyrikern und Dramatikern fortſchreitet. Die Schüler ſind
bei der Erklärung des Einzelen nicht länger aufzuhalten , als
die Löſung der Sh rer Jollen bedenken , daß fie nicht darauf ausgehen dürfen,
Grammatiker , Kritiker , Archäologen zu erziehen , ſondern durch
ſorgfältig gewählte Mittheilungen aus den Schäßen ihrer Disci-
plin und durch gründliche Methode ein genaues, die Forni und
den Geiſt der alten Autoren gleihmäßig umfaſſendes Verſtänd-
niß derjelben zu begründen und dadur< den Sinn für das
Gute , Wahre und Schöne zu bilden und zu ſtärken. -- Wer
ein Zeugniß über die vollſtändige Abſolvirung der Gymnaſtal-
ſtudien erhalten will, hat ſich einer Abſolutorialprüfung zu un-
terwerfen. Dieſe Prüfung wird an jedem Gymnaſium theils
ſchriftlich, theils mündlich von einer Prüfungscommiſſion abge-
halten, welche gebildet wird: a) für die ſchriftlihe Prüfung aus
jämmtlichen Profeſſoren des Gymnaſiums , unter dem Vorſike
des Rectors; b) für die mündliche Prüfung aus dem Rector und
ſämmtlichen Profeſſoren des Gymnaſiums, unter dem Vorſiße
eines Miniſterialcommiſſärs. Die ſc am 1. Juni oder, wenn an dieſem Tage ein Sonntag einfällt,
am 2. Juni und dauert drei Tage. Dieſelbe umfaßt: 1) am
erſten Prüfungstage: a) eine Aufgabe aus der Religionslehre,
b) eine Ueberſezung aus dem Deutſchen in das Lateiniſche;
2) am zweiten Prüſfungstage: a) eine Ueberſezung aus dem
Deutſchen in das Griechiſche, db) eine Aufgabe aus der Mathe-
matif nebjt Phyſik; 3) am dritten Prüfungstage: a) einen
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ſchichte. Das königlihe Staatsminiſterium des Innern für
Kirhen- und Sculangelegenheiten hat die Probeaufgabe zu
beſtimmen. Die ausgewählten Aufgaben werden vor jeder Prü-
fung dem Vorſtande der Prüfungscommiſſion verſchloſſen zuge-
geſendet , wel Beantwortung beſtimmten Tage und zwar in Gegenwart der Exa-
inanden vorzunehmen hat. -- Die Bearbeitung hat unter der
Auffiaht eines Mitgliedes der Prüfungscommiſſion ſtattzufinden,
welches gegen alle Unterſchleife ernſtlichſt und bei ſtrenger Vex-
antwortung zu wachen und hierbei pünktlichſt darauf zu halten
hat, daß die zur Beantwortung geſtattete Zeit von jedem Exa-
minanden genau eingehalten wird. Wenn ein Examinand ſich
einer Unredlichfeit bei der Arbeit ſchuldig macht --- mag die-
jelbe in Benüßung fremder Arbeit oder unerlaubter Hilfsmittel
beſtehen, == jo iſt er ſogleih aus dem Arbeitslocal zu entfer-
nen. Derſelbe darf erſt im nächſtfolgenden Jahre wieder zu
der Abſolutorialprüfung zugelaſſen werden, falls ex befriedigende
Zeugniſſe über Fortſezung der Gymnaſialſtudien und über ſitt-
liches Wohlverhalten beizubringen vermag. Ueber dieſe Folgen
ſind die Examinanden vor Beginn der Prüfung ausdrüFlich und
unter eindringlicher Verwarnung in Kenntniß zu ſeen. Die
mündlihe Prüfung wird im Monat Juli am Tage nach Ein-
treffen des Miniſterialcommiſſärs gehalten. Sie dauert zwei
bis 3 Tage und an jedem Tage 8 Stunden, ſo daß auf die
Prüfung eines jeden Schülers durchſchnittli die Zeit von einer
halben Stunde verwendet wird. Das Urtheil über die Prü-
fung eines jeden Examinanden iſt unmittelbar nach der Prüfung
zu ſc<öpfen , und ſofort das hierüber aufzunehmende Protokoll
an das kgl. Staatsminiſterium des Innern für Kir Sculangelegenheiten einzuſenden, welches über die zuerkannte
oder abgeſprohene Reife zum Uebertreten an die Univerſitat
entſheidet. (Es ſteht Jedem frei, der ſich über ſeine Privat-
ſtudien gehörig ausgewieſen hat, ſich bei dem betreffenden Rec-
torate zur Abſolutorial-Prüfung zu melden und an dieſer Theil
zu nehmen.
Belgrad, Die Tem, Zeitung berichtet über das öffentliche höhere
Unterrichtsweſen im Fürſtenthum Serbien, wo dasſelbe mit Anfang des
laufenden Schuljahres reorganiſirt worden iſt. Namentlich betrifft dieſe
Reorganiſation das Gymnaſium und Lyceum. Der Curs des Gymna-
fiums iſt von 6 auf 7 Jahre erſtre>t und jener des Lyceums yon 5 auf
3 Jahre redueirt worden. Außer den Wiſſenſchaften ſind an dieſen In-
ſtituten auch mehrere Sprachen vorgeſchrieben, wie die deutſche, franzy-
ſiſche, griechiſche und lateiniſche. Oie deutſ Dauer des ganzen Gymnaſial - und Lycealcurſes, alſo durch volle 10
Jahre vorgetragen, woraus man die zuverſichtliche Hoffnung hegt, daß
der Zögling ſich dieſelbe ganz eigen zu machen im Stande ſein werde.
Für das Erlernen der übrigen Sprachen iſt ebenfalls eine entſprechende
Zeitperiode anberaumt. Für das Gymnaſium ſind 14 und für das Ly-
ceum gleichfalls 14 Profeſſoren und dex Gehalt der Gymnaſialprofeſſoren
auf 760 fl., jener des Lyceums 1200 fl. beſtimmt, Zür Anſchaffung
von Büdern für die Bibliothek, von Maſchinen , Modellen und andern
für den Vortrag verſchiedener Wiſſenſchaften nothwendigen Utenſilten
find aus dem Staatsſchaße jährliH 160 fl. C. M. bewilligt. Die Re-
gierung unterhält aud auf ihre Koſten eine Anzahl dürftiger, talenlvyol-
ler Jünglinge, worauf für das laufende Jahr über 300 |. C. M.
verwendet worden. =- g =
GSörliß. Der vormals ſc Dr. Sc<ütt iſt zum Rector des hieſigen Gymnaſiums erwählt wor-
den. =“ g =

Verantwortliche Redactoren: Ur. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann. =- Dru und Verlag von K., W. Leske in Darmſtadt.

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