Allgemeine Schul - Zeitung.

Samſtag , 22. April
1854
N? 48.

=
Deutung von Sinnbildern.
Was iſt ein Sinnbild? Was der ſ<öne Name meint:
Ein Sinn mit einem Bild auf's innigſte vereint.
„, Ein tiefer Sinn, der in ein ſchönes Bild ſich ſenkt,
Ein ſchönes Bild, bei dem ein tiefer Sinn ſich denkt.
Schön ſet das Bild und klar, tief ſei der Sinn und wahr,
Und mit einander eins untrennbar ſei das Paar.
Rüdext.
Zur Kenntniſſnahme eines gründlich gelehrten Werkes:
Die Sinnbilder der alten Völker. Erklärt von
Konrad Shwen>. Frankfurt a. M., Sauerländer,
1851. 554 S. 8.
eines Werkes, das frei von Phantaſterei und Prunkjucht nur
die Ergebniſſe langjähriger Aufmerkſamkeit auf dieſen Gegen-
ſtand bei vielſeitigen und tiefgehenden Studien in ſchlichter,
klarer Weiſe für gebildete und denkende Leſer , die nicht gerade
Gelehrte ſein müſſen, vorlegt und darum die zuverläſſigſte
Bürgſchaft der Wahrheit in ſiß trägt, wollen wir zwei Abſchnitte
von allgemeiner Anziehungskraft aus dem Buche ſelbſt mitthei-
len, na als Sinnbilder er-
klärten Gegenſtände verzeichnet haben. Dieſe ſind: Adler,
Amarant, Ameiſe, Anker, Apfel, Auge, Axt, Beil, Baum, Bär,
Becher, Biene, Blume , Blut, BoF, Bohne, Gicade, Delphin,
Dorn, Dreiza>, Ei, Eidechſe, Eiſen, Erz, Eisvogel, Elfenbein,
Elſter, Epheu, Eppich, Erde, Eſel, Eule, Fackel, Farben , Fe-
der, Feige , Feuer, Fichte, Fiſ Froſ< , Fuchs, Gans, Gebärden , Handlungen und Zuſtände,
Geiſel, Geldbeutel , Geyer, Gold, Granatapfel , Greif, Gürtel,
Haar, Hahn, Halsband, Hammer, Handſ Hund, Hyacinthe, Ibis, Käfer, Kaninchen, Keuſ erbſe , Kieſel, Kohl, Kopf, Kopfbinde und Kranz, Krähe, Kranich,
Krokodil und Nilpferd , Kuchen, Kugel, Kuh, Kukuk, Lattich,
Länder und Städte, Lauch, Leiter, Lotus, Löwe und Kaze,
Luchs, Maſtix, Mauerkrone, Maus, Milh, Minze, Mohn, Möwe,
Muſchel, Myrrhe, Myrte, Nahtigall, Nagel, Narciſſe, Net, Obe-
list, Oel und Oelzweig, Panther und Reh, Pfau, Pfeil, Phs-
nix, Pol, Priap , Pyramide, Rabe, Rad, Reiher, Ring, Roſe,
Roß, Ruder, Saffran oder Krokos, Salz , S bel, Schild, Schildkröte , Shilf, Schlange, Schleier, S Schmetterling, Sc Schwerdt, Scorpion, Sehne, Sichel, Siegelring, Sirene, Son-
nenſchirm , Specht, Speer , Sperber , Sperberbaum, Sperling,
Sphinx, Spiegel , Spindel, Spißmaus, Stab, Stein, Stern,
Sternkraut, Stier, Stor<, Taube, Thyrſus, Trompete, Turtel-
taube , Viole, Vogel, Wachtel, Wage, Waſſer, Weide , Wende-
hals, Weſpe, Widder, Wolf, Wünſ Zahl, Ziege, Zwiebel und Lau dem Hrn. Vf. Dank wiſſen, wenn er ſeinem Texte die ihm
reichlich zu Gebote ſtehenden Nachweiſungen der Belegſtellen für
ſeine Erflärungen zugefügt hätte. Ständen dieſe, wie in Bar
thelemy's Ana<ßarſis, auf den leßten Blättern zuſammen , ſo
würden ſie die Leſer nicht abſc weiterer Prüfung der Behauptungen förderlich ſein. Wir er-
lauben uns, einige Nahweiſungen aus dem Bereich einer Sul-
bibliothek dem Texte Shwend>'s unterzuſeßen.
1) Der Hund.
1) Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Lebens.
2) Sinnbild der Unreinheit und Unverſchämtheit.
3) Sinnbild der Jagd.
4) Sinnbild der Wachſamkeit.
Der Hund iſt eins der wichtigſten Sinnbilder geworden im
Guten , wie im Sc ſtern machte. Warum man dieſen für die Menſchen ſo bedeu-
tenden Stern als Hund *) betrachtete, iſt uns nicht überliefert,
wie es denn au< in ein ſehr hohes Alterthum hinaufgeht, und
ſo bleibt uns für die Neugierde , es wiſſen zu wollen, der
Weg des Rathens übrig. Auf dieſem finden wir nur die Wach-
ſamkeit des Hundes geeignet, ihn zu einem Sinnbild eines
Sternes zu wählen, der ſi wohl als ein Wache haltender
auffaſſen läßt, als ein Wächter am Himmel , wie gerade der
Sirius vor anderen angeſehen werden kann.
Als Sinnbild des Hundsſternes wurde dieſes Thier
nun je na< dem Wirken dieſes Sterns auf das Land vermöge
der dur< denſelben bewirkten Witterung ein Bild des Segens
ſowohl, als des Verderbens. Jn Aſien und Aegypten war
der Sirius der Watſſerſpendex und mithin der ſegensreichſte
Wohlthäter. Die Perſer, welche der Zoroaſtriſc ten , ehrten daher den Hund in ſehr hohem Grad, und in
Aegypten gab es eine Stadt Kynopolis, d. i. Hundeſtadt, wo
dem Thiere die höchſte Ehre erwieſen ward , als einem göttlichen
Weſen. Selbſt der Hundsaffe **) , wegen ſeiner Aehnlichkeit
mit dem Hunde, war ſehr heilig und galt für ein Sinnbild
des Lebens, wie der Hund ſelbſt, denn der Sirius brachte ja
durc< die Nilüberihwemmung, welche feinem Aufgange folgt, den
Aegyptern Leben. Man ſieht in den ägyptiſchen Bildern den
Hundsaffen in dem Kahne, welcher den Verſtorbenen nach dem
Jenſeits führt, als Begleiter des Todten , und ebenfalls erblickt
man ihn an der Wage, auf welcher der Todte vor dem Todten-
rih Herz , in der andern die perſonificirke Gerechtigkeit). Da be-
zieht ſich natürlich der Hundsaffe auf das Leben und bezeich-
net das jenſeitige, ſo daß er anzeigt, der Todte ſei nicht. ganz
geſtorben , ſondern ſeße das Leben an einer andern Stätte in.
einem beſtimmten Reiche fort. |
Bei den Perſern war es ein wichtiger Brauch, und iſt es
bei den Parſen noF, daß ein Hund den Sterbenden oder auc<
den Leichnam anſchaute, wie ſie denn auch meinten, die Seele

*) Kvor Roiwvog Tliad. 22, 29.
**) Kynokephalos. Creuzer's Symbolif und Mythologie l S. 374,

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