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des Verſtorbenen komme nac< dem dritten Tag an der Brücke
an , die zum Himmel führe , und wer gere gehe unter dem Geleite des Hundes in denſelben ein. In den
ägyptiſchen Bildern finden wir ganz und gar dieſen Brauch des
Anſc ſcheinen, das anſchauende Thier iſt nicht der Hund, ſondern der
Schakal. *) Daß derſelbe, gleich dem Hunde bei den Perſern,
als Lebensfſinnbild günſtig auf das Fortleben des Geſtorbenen
wirken ſolle, läßt ſich durchaus nicht bezweifeln , aber die Wahl
des Scakals ſtatt des Hundes, der für die Aegypter ein ſo
wichtiges Sinnbild war, und den man auch in jenem Thier er-
bliden wollte, iſt nicht zu exklären , man müßte denn annehmen,
fie hätten den S men und in einem andern bildlihen Sinn, etwa indem ſie
ihn als ein Sinnbild des Lichtes gelten ließen, zur Bezeichnung
des Fortlebens na< dem Tode gewählt. **)
Den Griechen und Römern war der Hundsſtern ein Ge-
ſtirn nicht des gedeihlihen Waßers, ſondern der Hiße, und
beide verehrten ihn ni als verderblich ***), und nur in Beziehung auf den Wein hiel-
ien ſie im Mährchen den Hund in Ehren. Jkarios brachte, [9
lautet dex Mythus, den Wein na Attika , als aber die Bauern
berauſcht waren , erſchlugen fie ihn, worauf ſeine Tochter Eri-
gone ihn mit dem Hunde Maira, d. i. Glanz, aufſuchte. T)
Der Hund Maira iſt fein anderer, als der Sirius, der glan-
zende Stern, und bezeihnet, daß der Wein dur; Sommerglut
gedeiht, Ja, die ätoliſ Bergmann, habe einen Hund gehabt, der ein StüF Holz ge-
boren , und Oreſtheus habe es in die Erde eingegraben. Aus
dieſem ſei dann der Weinſto> erwachſen. TT) Da iſt alfo das
Sinnbild des Sirius Schöpfer des Weins TTT), und der Sinn
des Mythus iſt, an Bergen wächſt der Wein als ein Kind der
Sonne, durch ihre Glut gedeihend.
Kommt nach dieſer Seite hin der Hund als Sinnbild des
Sirius zu Ehren, ſo iſt es ihm nach einer andern Seite hin
bei den Griechen ſc nicht weiter um denſelben bekümmert, als daß ſie dem Gott,
welchen ſie für den Urheber des Getraidebrandes hielten , einen
rothbraunen Hund um die Zeit, wo man die Entſtehung dieſes
Brandes befürc Die Griechen aber hatten ein Feſt, an welchem man die Hunde
todtſ
*) Fog. **) In der ägyptiſchen Lykopolis (Wolfſtadt) ſind ganze
| Schafalsmumien entde&>t worden. Creuzer's Symbolik, 1, S. 430.
SSS) Thad. 22, 30: Hell zwar glänzt er hervor, doh zum ſc< äd li-
Hen Zeihen geordnet;
Denn er bringt ausdörrende Glut den geplageten
Menſc Vgl. Yirg. Aen. X, 2793.
+) Apollod. IN, 14, 7. Hyg. Astron. II, 4.
++) Pausan. X, 38. Athen. IL, 1.
+++) Anſelm Feuerbach, in welchem wir einen der wenigen vorzüg-
lichen Arc über die Statue des Meleager den Hund in dieſer ätoliſchen Sage
als ein bloßes Bild des Gebärens, weil der grieß, Name des
- Hundes kyon an kyein gebären erinnert, und allerdings iſt die
-Erflärungsart gar nicht zu beſireiten, in dieſem beſondern Fall
kann ich fie aber nicht für anwendbar halten, weil es gar keine
Wahrſc gottes aus zwei verſchiedenen Gefichtspunkten angewendet worden
jein ſollte. (Swen).
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und fie gebar von ihm den Linos, ſezte ihn aber aus Furt
vor dem Vater aus. Ein Hirte nahm ſi des Knaben an,
aber ſeine Hunde zerriſſen ihn, der Vater entde>te das Ber-
gehen der Tochter und tödtete fie- Eine von Apollon zur
Strafe angeſtiftete Peſt kam über Argos, und zur Sühne |tiſ-
tete man ein Feſt, an dem man die Hunde todtſ welchem die Frauen und Mädchen ein Klagelied ſangen, das
man Linos hieß. *) Dieſer Linos ſelbſt iſt nur eine Perſoni-
fication des Klagegeſanges , welhen man an mehr als einem Ort
um die abſterbende Natur anſtimmte. **) Ju Aegypten ſang
man in dieſem Sinne das Lied Maneros ***), in Phrygien
rief man nach Hylas, und ſelbſt die jüdiſchen Jungfrauen, die.
im Gebirg um die Tochter Jephtha's klagten , ſtimmten eben
dieſelbe Klage an , deren Grund in der Legende in die jüdiſche
Geſchichte eingeſ ward alſo in Argos dem Brande des Hundsſternes zugeſchrieben,
und ebenſo brachte ſeine Hiße öfters die Peſt, wofür denn ſein
Sinnbild erſchlagen ward, ſo daß der griechiſche Hund ſeine
Sinnbildſchaft öfters büßen mußte, während ſie dem perſiſchen
und ägyptiſchen trefflich zu ſtatten kam. (Zu dem Mährchen
vom Jäger Aktäon , den ſeine eigenen tollgewordenen Hunde
zerreißen , weil die ihm zürnende Artemis ſie toll gemacht hatte,
iſt derſelbe Sinn von der durch die Gluten des Hundsſterns
abſterbenden Natur enthalten). T)
Als ein Sinnbild der Fruchtbarkeit wird der Hund
auch bei der Hekate gefunden, denn dieſe ift eine große Sie-
gesgöttin der Griechen geweſen, die ſchon in der hefiodijchen
Theogonie ſehr hochgeſtellt iſt. Aber fie erſcheint vorzüglich
als Lebensmutter der Menſchen und Thiere, und inſofern könnte
der Hund bei ihr ein Sinnbild der Fortpflanzung gewejen
ſein, da er auch dur< ſeinen Namen ſich ſchon zu einem jol-
hen ſehr wohl eignete (fiche die vorſtehende Note), und ein
vielgebärendes Thier iſt. Die Griechen opferten der Hekate
ſowohl als der Geburtsgöttin Eileithyia Hunde. TT)
Eigen iſt es gegangen, daß der Hund auc< einmal, aber
nur in Argos im Peloponnes ein Sinnbild des Him-
mels geworden iſt. Dort war einſt die Lehensmutter Jo
verehrt, die dann einer andern Form derſelben, der Himmels-
königin Hera, weichen mußte. Das Mährc dieſer Gelegenheit zu einer Prieſterin der Hera, von Zeus
geliebt , der ſie der eiferſüchtigen Gattin wegen in eine Kuh
verwandelte. "Hera ſeßte ihr den vielaugigen Hund TTT) Argos
zum Wächter, den aber Hermes tödtete. Die Fabel von Jo
hat durchaus Spuren ägyptiſchen Einfluſſes, und der Hund
derſelben iſt der Hundsſtern, welcher der Iſis den todten
Oſiris ſuchen hilft, da ihr aber als der Himmelskönigin der
Sternenhimmel gehört, wie der Hera, der Curopa, jo hat

*) Pausan 1, 43. Stat. Theb. 1, 562 sqq.
**) urſprünglich; dann auch bet freudigem Anlaß und heiteren Feſten,
wie bei Homers Weinleſe, 11. XYI1ü1, 570.
888) Herod. 11, 79. Pausan IX, 29.
+) Paugan IX, 2. Apollod. INN, 44. Ovid. Met. IL, 206 qq.
++) Creuzer's Symbolik 11, S. 124, 125. |
4-44) Argos, mit dem Beinamen Panoptes, der am ganzen Leibe Se-.
hende, iſt ſonſt bei den Mythographen (Apollod. !1, 1, 2. Ovid.
Met. 1, 624) ein Menſ<, ein rieſenſtarker Königsſohn. SchwenGs-
Angade ſcheint ſich daran anzulehnen, daß der treu anhängliche.
Hund des Odyſſeus "4Aopos hieß (Gdyss. XYU], 392) und die
Dunde bei Homer gewöhnlich das Beiwort aopos, d. h. hurtig,
haben. Es.

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