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man den Sternenhimmel mit dem Hundsſtern in ein Sinnbild
vereinigt und einen Wächter daraus gemacht, wie es der Fabel
gemäß war.
A!s ein Sinnbild der Unverſ<ämtheit*) und
der Unreinheit wird der Hund oft genannt, und man hat
dieſe Eigenſchaften an ihm wirklich bemerkt und beſonders
hervorgehoben. Doh es bedarf dieſes feiner weiteren Erklä-
rung, da ja auch die neuere Welt den Hund ſo gelten läßt.
Kein Thier hat ſich je beſſer zur Jagd geeignet, als der
Hund, und ſo iſt er ihr natürliches Sinnbild. Der Jagd-
göttin Artemis zugefügt, bezeichnet er ſie als Göttin der Jagd.
Die Erinnyen, welche der Spur des Mordes folgen, 3:8 ſie
den Mörder ereilt haben, heißen bei Aeſchylus ni: blos
Jägerinnen, ſondern au< Hunde, und Sophokles nennt den
Oreſtes und Pylades, als ſie in das Haus gehen, um die
Mörderin Klytämneſtra zu morden, Hunde mit Anjpielung
auf die Erinnyen. Selbſt der Adler, der Diener des Zeus,
wird deſſen Hund genannt, dieſe ſinnbildlichen Ausdrüce find
aber alle ſo leicht zu verſtehen, daß es genügt, fie nur zu
berühren.
Als Sinnbild der Wachſamkeit**) und der Bewa-
Gott, hat dieſes Sinnbild, ja er joll ſelbſt vom Hunde ge-
ſäugt worden ſein, weil der Arzt wachſam fein muß. Die
Penaten oder Laren haben den Hund bei ſich in Bildwerken
als den Wächter des Hauſes , do teren Erörterung. ***)
2) Der Wünſchelhut.
Sinnbild des Todes,
Die griechiſche Mythologie ſc des Scattenreihs der Todten einen Helm zu T), der den,
welcher ihn auf dem Haupte trägt, unſichtbar macht. TT) Der
Name dieſes Gottes ſelbſt bedeutet Ungeſehen, da man den
in der Tiefe der Exde weilenden Tod allerdings nie ficht und
nie ſehen kann. Niemand ſet den Helm des Aides auf, als
er ſelbſt , und der, wer ſtirbt TTT), denn dieſer Helm iſt nichts

3x) Darum bei Homer ſo oft zvrw7zg: ſ ein Scheltwort.
**) „Canes aluntur in Capitolio, ut Signiſicent, si fures yenerint,“
Cic. p Rosc. A. c. 20 Für ihren Mangel an Wachſamkeit, als
dieGallier das Capitol erſtiegen, wurden die Hunde alljährlich
exemplariſ<; beſtraft: supplicia annua canes pendunt vivi in
furca Sambucea arbore fixi. Plin H. N. 29. 4, 14.
34:4) Wir vermiſſen eine Ausführung , worin der Hund, vorzugsweiſe
„das treue Thier“ bei allen Völkern, als Sinnbild der Treue
nachgewieſen wird , worauf vielleicht ſhon der Schwur 17 TOV
„va, ſicher aber Homers ſc riger Trennung noh getreuen Hund des Odyſſeus und auch das
röm. Grabdenkmal in Bartolis, Ant 5ep. Pav. 89, hindeutet,
das zwei Eheleute und nahe bei der Inſchrift einen Hund als
Zeichen gegenſeitiger Treue darſtellt. S. Stuart's Alterthümer
von Athen, in meiner deutſc 1829--1833) Bd. ill, S. 100. Anm, 33.
+) Heſiod, Schild des Herakles 227. Apollodoxr 1, 2, 1.
++) lliad Y, 8443 =- =- = -- Aber Athene
Barg fich in Aides Helm, damit nicht Ares fis ſähe.
+++) Dagegen ſpricht die voranſtehende Stelle aus Homer: Fäſi hält
. den Helm des Ais -- der bei Homer nur an jener einztgen Stelle
vorfommt, für einen etymologiſchen Mythos oder auch nur für
- ein pyetiſches Bild. - -
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weiter, als ein Sinnbild des Todes, und ſtatt geradeaus: zu
ſagen , der Geſtorbene, der in die Exde eingegangen iſt, wird
nicht mehr geſehen, drü>te man ſich bildlich aus , fein Haupt
iſt mit einer Bede>ung verhüllt, welche die Cigenſc unſichtbar zu machen. Daß eine unſichtbar machende Kopf-
vbede>ung den AnbliF der Geiſter nicht zulaſſe, und daß dieſes
auf die Unterwelt gehe, zeigt ſih auch weiterhin, ſo wenig
uns auch darüber berichtet wird. Bei Petronius (38) lejen
wir , daß einer dem Incubo , d. i. der aufliegende Geiſt (auch
der Alp heißt ſo), den Hut nimmt und dadurch den Schaß
findet. Der Schaß iſt in der Macht der unterweltlichen Gei-
ſter , die ihn verbergen, und ſolange einer Derfelben , welcher
den Shag bewacht, den unſichtvar machenden Hut auf dem
Kopfe hat, vermag das menſc (Daß Plato den Helm des Ais mit dem Ringe des Gyges *),
der auch unſichtbar machte, verbindet, iſt ganz paſſend, aber
die zu Grunde liegenden Ideen ſind ganz verſchieden.)
In der germaniſchen Mythologie trägt der Todesgott
Ddin auß einen breitkrämpigen Hut, und dieſer iſt der fo-
genannte Wünſ< elhut, welcher ganz und gar mit dem Helme
des Aides gleichbedeutend , d. h. ein Sinnbild des Todes iſt.
Die Wortform iſt eine neuere und keineswegs iſt fie als eine
richtige anzuſehen , denn die rechte Form iſt Wunſ< hut,
d. i. Hut des Wunſch. Odin führte nämli< als Todesgott
den Namen Wunſ<, von wünſchen, wel deutung des Wählens hatte. Er hießt aber ſo, weil er die
auswählte , die ſterben mußten, wie denn auch die Wal-
fyrien, d. h. die Todwählerinnen, den Namen Wunſc hen, d. i. Wahlmädchen, hatien, welche ebenfalls die wählten,
die dem Tode verfallen ſein jollten,
Man vergaß aber im Laufe der Zeit, was das Sinnbild
des Sterbens, das Aufſeßen des Wunſchhutes bedeute , und
nahm dieſen Hut als ein brauchbares Ding für das Mähren,
um ihn als ein Zaubermittel des Unſichtbarmachens zu ver-
wenden, und fo ſpielt er als Wünſchelhut in dem Mähren
von Fortunat *) eine Rolle, die von ſeinem wahren Weſen
oder vielmehr von deſſen wahrer Bedeutung weit genug ent-
fernt iſt.
Zur Sculgeſchichte.
Unter der Fürſorge des vor einigen
Hout ſind in den meiſten Dorf-
Schulhäuſer errichtet worden.
KreuznaH im April.
Jahren verſtorbenen Landraths
ſchaften unſeres Kreijes neue
Sie ſtehen da als eine Zierde der Dörfer =- find aber nicht
überall zweckdienlich eingerichtet. Die meiſten ſtehen an der
gangbarſten Straße. Sie fallen ſo in die Augen und preiſen
die Behörden =- aber der Straßenverkehr fällt auc< in die
Ohren des Lehrers und der Schüler und ſtört mehr, als der
Ruhm werth iſt. Schulhäuſer gehören nirgends an die Land-





x) Vom Staate 1l, p. 359 c- und nach ihm Cicero: Von den Pflih-
ten 11), 9. Eine Verbindung mit dem Helm des Ais findet übri-
gens bei Plato nicht ſtatt. Gyges ſteigt nur in etne tiefe Erds
ſchlu ſeinen Zauberring, -
+) gleich der Tarnkappe im Nibelungenliede.

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