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Scnepfenthal hat ſich erhalten. Die Volksſchulen haben ſeine
Jdeen nie berührt. *
Hr. Kramer ging nunmehr auf Peſtalozzi über und be-
zeichnete denſelben als den Pädagog der Methode. Er beſaß
ein von Liebe erfülltes Herz und hat ſtet8 mit der größten
Thätigkeit und Aufopferung ſeine Jdeen zu realifiren geſucht.
Seine Scriften zeugen von der Richtung, welche er verfolgte
und wohin er wollte, nämlih zum Glauben an Gott. Ex
ward Schulmeiſter im 52. Jahre ſeines Lebens und unter den
ſchwerſten Verhältniſſen. Er üÜbertrug die Wohnſtube auf die
Sculſtube , er war Vater , Mutter , Lehrer und Alles. Die
Idee einer naturgemäßen Unterri deutlicher, und bald dur thode. Ex wollte eine allgemeine Naturerziehung und eine Um-
faſſung des Menſc ſpeciell auf ſeine Lehrmethode ein und zeigte, wie derſelben na-
mentlich die Anſchauung zu Grunde gelegen habe und wie ſie auf
alles unmittelbar Wahrgenommene und Empfundene ausgegangen
ſei. Troß ſeiner Demuth. und Liebe aber kam er nicht zur vollen
Erkenntniß des. Heils in Chriſto. Die religiöſe und ſittliche
Richtung wich immer mehr zurüF, und Egoismus trat hervor
in den von ihm und nach ſeiner Methode gegründeten Lehran-
ſtalten und führte die Auflöſung derſelben herbei. Auch nach
der intellectuellen Seite hin iſt feine Methode nicht frei von
vielen Mängeln. Fragen wir nach der Frucht ſeiner Methode,
ſo iſt es nicht verkennbar, daß Peſtalozzi namentli< in der
neueſten Zeit vielen Einfluß auf die Erziehung geübt und
namentlich auch eine Umgeſtaltung dex Volksſ land und Preußen hervorgerufen habe. Doc die Mängel ſeiner
Methode haben ſi auch empfindliH geltend gema wichtigſte Thätigkeit trat in den Schulen zurüF>, und ſo wurde
Dünkel, Selbſtgenügſamkeit und eine antievangeliſ erzeugt. Eine gänzliche Beränderung der Volksſchulen hat die
Methode Peſtalozzt's nicht hervorrufen können. Sc merkte Hr. Kramer, wie die Erziehung in unſeren Tagen den
Charakter des Kampfes in ſich trage, und wie mit dem Wieder-
erwachen der Kirhe auch die Erkenntniß immer mehr rege werde,
daß die Erziehung der Jugend ſich immer mehr in Jeſu Chriſto
geltend made. |
Zur Schulgeſchichte.
Ulm. Außer dem in Nr. 61 dieſer Blätter beſprochenen
kt. Penſionat in Heilbronn gibt es im Königreih Würt-
temberg noh“ ein andres gleiher Art, das von Sr. M. dem
König im I. 1852 beſtätigt mit jenem in ſeiner Einrichtung,
ſeinem Zwe und ſeinen Bedingungen faſt ganz übereinſtimmt
und jezt unter dem Ephorus Prof. Dr. Haßler ſteht, Das
Unterſchiedliche beider Erziehungsanſtalten beſchränkt fich der
öffentlichen Anzeige nah darauf, daß 41) in Ulm 2 Mittage,
im Winter jedenfalls einer, wöchentlich vom Unterricht ganz frei
bleiben; 2) die württemberg'ſhen Penſionäre ohne Unterſchied des
Alters jährlich 160 fl. für Koſt, Wohnung , Heizung und ärzt-
lihe Behandlung (für's Jahr 1853 wie in Heilbronn eine
Theuerungszulage) zahlen; 3) daß das Winterhalbjahr in der
Fowinga.
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2. Hälfte des Det. beginnt. =- Daß die k. Regierung gerade
2 jol Theile des Landes, nicht mehr und nicht weniger, hat veranſtal-
ten laſſen, gewährt namentlich die Vortheile, daß jungen Leuten,
die vater- oder elternlos ſind , oder in ihren Familien nicht ge-
deihen , oder zur Aufnahme in einen Familienkreis guter Art
nicht die Mittel beſiken, ein Aſyl eröffnet wird, in dem ihre
körperlim zwar unter billigeren Bedingungen, als ein Privatunternehmer
es durchführen könnte; -- daß keins dieſer Penſionate eine
allzugroße Zahl von Zöglingen wird aufzunehmen haben , und
den Familienvätern, ſim der eigenen Erziehung ihrer jungen
Söhne bequem zu entſchlagen , die Gelegenheit niht allzunahe
gelegt wird.
Wien, 17. Mai. Der Nachweis über den Staatshaushalt im Ver»
waltungsjahr Novy. 1852 bis dahin 1853 iſt veröffentliht. Die Ein-
nahmen, um 1!) Mill, höher, als im Jahr 1252 betrügen: 235,930,102 fü
Die Ausgaben, beinahe um 14 Mill. gewachſen, betr :gen 293,360,628 fl.
Der Mangel zwiſchen Einnahme und Ausgabe berechnet ſich auf
96,323,635 fl. Unter den Ausgaben ſind folgende Einzelpoſten :
ÖÖſſtäat u nr + + + 6,:60,292 fl.
Oberſte Polizeibehörde . . . « « 10,337,661 „
Militär. . .. es + „ .» 111,967,916 „
ZIuſtiz . = . « +» 18,088,545
(Sultus und Unterricht . . ..
Handel, Gewerbe und öffentlihe Bauten 15,284,992 „,
-- 19. Mai. Der Beſuch der deutſchen Lehrerverſammlung in Py r-
mont (7--9. Juniz |f. Allg. S. Z. Nr. 52) iſt öſterreichiſcher Seite
dadurc< verhindert worden, daß den Lehrern keine Reiſepäſſe ertheilt
werden. (Darmſt, 3.)
Aus Ungarn hringt die deutſche Rei In Szegedin, einer Stadt, deren Webtet die Ausdehnung manches Für-
ſtenthums hat (es umfaßt 14 deutſche Metlen), gab es his vor kurzer
Zeit nur einige herabgefkommene wandernde Scauſpteler oder ausge-
diente Unterofficiere, die hald da, bald dort Schule hielten, d. h. den
Kindern das ABC und einige Fragen des Katechismus beihrac Erſt in jüngſter Zeit wurden 7 andere Lehrer beſtellt, Wie es über-
haupt in den ganz überfüllten ſtädtiſchen Schulen zugehen mag, erhellt
daraus , daß 3, B. bei feinem Kinde irgend ein neues Schulbuch oder
auc< nur ein Screibtäfel wenn bei der Bevölkerung die Unwiſſenheit ſo groß iſt, daß Hauseigen-
thümer, in's Amt berufen und um ihre Hausnummer befragt, das
Hausnummertäfel und auc< nicht wiſſen, unter welcher ſie wohnen.
4,621,278 „
-- Die xk. Regterung wendet, um das Kronland Ungarn an ſich zu
feſſeln , jeht ein Mittel an, das no< am erſten durchſchlagen dürfte; es
iſt die Hehung des Volksſchulweſens. Ueberall, wo die Schulen über-
füllt find, und das iſt an den meiſten Orten der Fall, werden neue Leh-
rer angeſtellt und anſtändig beſoldet. So fürzlih in Jaszbereny , in
Ofen und Altofen, in Gran, Stuhiweißenburg, Pinkafeld und ſelbſt in
Peſth. Daneben werden, wo es die Localverhältniſſe irgend zulaſſen,
Sonntagsſc der Handelskammer Abendſchulen eingeführt werden, Wahrhaft groß-
artig aber iſt das Wirken des k. k. Unterrichts-Miniſtertums in der Bu-
Dort wußten bis in die neueſte Zeit viele Ortſchaften noch
gar nicht, daß es Volksſc fie außerft wenig benußt, da die dortigen „Grundwtrthe“ eigene und
fremde Kinder meiſtens nur zum Weiden des Viehes verwenden, und
überdieß die verſchiedenen Nationalitäten und Confeſſionen jedwedes ge-
meinnüßzige Zuſammenwirken außerordentlich erſchweren. Das Miniſte-
rium achtete überall dieſe Schwierigkeiten nicht, führte energiſch den Sc zwang ein tUnd beſtand da, wo die Nationalitäten und Confeſſionen ſtark
vertreten, darauf, daß jede eine eigene Volksſhule errichtete. Allg, Z.

NERN
Verantwortliche Redactoren: Dr. K. Wagner und Dr, K, Simm ermann. =- Dru und Verlag von K, W, Leske in Darmſtadt.

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